Die Kunstbieterin

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Jenny Seul hat ihre Leidenschaft zum Startup gemacht: Kunst. Früher zeichnete sie, studierte dann Kunstgeschichte und arbeitete im Kunsthandel. Dabei fiel ihr auf, dass es einerseits viele gute Künstler gibt, die ihre Kunst gerne in Auktionshäusern versteigern und in Galerien ausstellen würden, aber dort keinen Platz finden – und andererseits viele Menschen, die sich gerne gute Kunst kaufen würden, aber selten in Galerien danach suchen. Als sie dann noch feststellte, dass die Karriereperspektiven im Kunsthandel eher schlecht sind, gründete sie ein eigenes Unternehmen. Name: Start your Art.

Jenny Seul ist überzeugt, mit ihrem Startup eine Marktlücke entdeckt zu haben. Auf ihrer Internet-Plattform können Künstler anspruchsvolle Kunst versteigern – auch von solchen Malern und Bildhauern, die vorher noch kein Werk verkauft haben. Das Geschäftsmodell klingt zwar erstmal ein wenig nach Ebay, unterscheidet sich davon aber deutlich (siehe Grafik). Zunächst einmal läuft eine Auktionen erst an, wenn jemand ein Gebot abgegeben hat; dann läuft sie genau sieben Tage und endet stets um 20 Uhr. Außerdem soll es auf Start your Art nur hochwertige Kunst zu kaufen geben, deswegen müssen sich die Künstler bei Seul bewerben.

„Das Geschäftsmodell soll nicht in erster Linie über die Zahl der Künstler und Kunstwerke skalieren“, sagt Seul, „sondern über die Käufer, die gegeneinander auf die Kunstwerke bieten.“

Unter Künstlern stieß Seuls Plattform schnell auf Interesse. Zwar verlangt Seul mehr Provision als Auktions-Portale wie Ebay, aber nach eigenen Angaben nur etwa halb so viel, wie die meisten Galerien und Auktionshäuser einstreichen. Nur die Banken waren schwer zu überzeugen – und das hätte Seuls Pläne fast zunichte gemacht, denn sie brauchte Geld um die Programmierer und Designer ihrer Plattform zu bezahlen. Nach einem halben Jahr und einigen „unglaublichen Gesprächen“ mit desinteressierten Bankberatern hatte sie schließlich Erfolg und erhielt die Zusage für einen fünfstelligen Förderkredit.

Ganz glatt lief der Start dann trotzdem nicht: Die Plattform ging erst im November vergangenen Jahres online – ein halbes Jahr später als geplant. Aber seitdem macht Jenny Seul gute Geschäfte: Sie hat schon 39 Werke verkauft, das teuerste für 1200 Euro. 33 Künstler sind auf ihrer Plattform vertreten, pro Woche erhält sie bis zu 50 Bewerbungen. Ihre „Spaßkurve“ (siehe Grafik) besteht zwar immer noch aus kleinen Aufs und Abs, zeigt aber insgesamt nach oben.

Eine Festanstellung kann sich Seul heute nicht mehr vorstellen – wohl aber, Kunst auch außerhalb des Internets zu zeigen. „Eine Offline-Ausstellung zu veranstalten“, sagt die 35-Jährige, „ist immer noch mein Traum.“


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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [1]

  1. Tolle Geschäftsidee gefunden und Nische entdeckt :) In meinen Augen sieht das nach einem sehr lukrativen Projekt aus. Was ich nicht verstehe, wieso nur von einer Offline-Ausstellung träumen? Wenn so viele Bewerber da sind, könnte man doch leicht eine Ausstellung organisieren und die Bilder vor Ort versteigern?
    Aufjedenfall finde ich es toll, dass es so viele kunstbegeisterte Leute gibt und vor allem, dass unbekannte Künstler und Künstlerinnen auf diese Weise gefördert werden!
    Super Idee!