Infografik-Interview (7): Die Personalisierer

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Personalisierbare Werbung liegt im Trend – davon sind Maximilian Modl (22) und Bert Szilagyi (27) überzeugt. Die beiden haben vor ziemlich genau einem Jahr das Berliner Startup Personology gegründet, das für Unternehmen und Agenturen individualisierbare Werbevideos, Banner und Newsletter entwickelt.

Individualisierbar heißt: Internetnutzer können eigene Bilder, Texte, sogar Töne in die Werbeformate einbetten und sie dann an ihre Freunde in Sozialen Netzwerken schicken. Das soll bewirken, dass Werbung häufiger angesehen, angeklickt und im besten Fall wie ein Virus verbreitet wird – weil sie persönlicher und überraschender ist als gewöhnliche Spots oder Banner.

„Das setzt voraus, dass die Story witzig und emotional ist und die Effekte richtig gut sind“, sagt Szilagyi. So wie bei der Videokampagne „Topmodel of the Year“, die Personology für das befreundete Startup MyParfuem produzierte und programmierte. Wer sein Foto hochlädt, wird in dem Spot zum Topmodel des Jahres gekürt und erscheint in dem Clip in Großaufnahme auf Anzeigetafeln am Times Square und am Tiananmen-Platz in Peking.

Für Modl und Szilagyi war das erste Projekt gleich ein Erfolg: Fast 50.000 Internetnutzer haben den Topmodel-Clip inzwischen angesehen – obwohl Modl für den Dreh der Vorlage noch Freunde als Statisten einsetzen und sich eine Kamera an seiner Uni ausleihen musste. Danach folgte der erste Großkunde: Vodafone bestellte bei Personology gleich mehrere verschiedene Werbeformate.

Gespräche mit Investoren

Für die Gründer waren die Aufträge nach eigener Darstellung der Durchbruch: Sie vergrößerten ihr Team (siehe Grafik unten), zogen ins Charlottenburger Innovationszentrum, gewannen einen Businessplan-Wettbewerb und wandelten ihr Unternehmen von einer UG in eine GmbH um. Die Referenzprojekte mit Vodafone sind heute ein „Türöffner“, um weitere Kunden zu finden, sagt Szilagyi, der nach seinem Wirtschaftsstudium ein Jobangebot ausschlug, um stattdessen Personology aufzubauen.

Auch sein Mitgründer hätte sicher Alternativen gehabt: Maximilian Modl studiert zwar noch Kommunikationsdesign, hat aber schon für die Werbeagentur Jung von Matt, Audi und Bavaria Film gearbeitet und mehrere Kreativpreise gewonnen. Die Kamera seiner Uni muss er inzwischen nicht mehr leihen: Für einen personalisierbaren Spots berechnet Personology den Auftraggebern einen vier- bis fünfstelligen Betrag.

Jetzt wollen die Gründer auch ein Preismodell entwickeln, bei dem sie an jedem Klick mitverdienen – je besser ein Video sich viral verbreitet, umso mehr hat dann auch Personology davon. Das soll das Geschäftsmodell skalierbar machen und Investoren überzeugen – erste Gespräche mit potenziellen Geldgebern laufen bereits.

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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