Der Gutscheinhype geht weiter

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Medienunternehmer Dirk Ströer hat es eilig: Zusammen mit Jens Kunath, Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens aha.de, pumpt er in den nächsten drei Jahren 30 Millionen Euro in ein neues Gutscheinportal namens Topdeals.de, das „eine Weiterentwicklung des Groupon-Prinzips“ sein soll, eine Art „Groupon 2.0“. Heute ist das Portal gestartet – noch in diesem Jahr soll es die Eine-Million-Nutzer-Schallgrenze durchbrechen, „schnellstmöglich“ sollen 100 Mitarbeiter dazustoßen. „In Deutschland wird alles schnell kopiert“,  erklärt Ströer im Gespräch mit dem Gründerraum, „wir müssen den Markt schnell besetzen, um Copycats abzuschrecken.“

Aber Moment: Gutscheinportal, Groupon-Prinzip, Copycats – ist das nicht alles ein alter Hut?

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Dirk Ströer

ist geschäftsführender Gesellschafter der Media Ventures GmbH und hat nach seinem BWL-Studium erst die Expansion der Ströer-Gruppe vorangetrieben und dann mehrere Internetportale aufgebaut, etwa weg.de, neu.de oder pkw.de. Über Media Ventures ist er am Hamburger Unternehmen aha.de beteiligt, das topdeals.de betreibt.

Ein Jahr ist es her, dass in Deutschland die Klone des US-amerikanischen Unternehmens Groupon wie Pilze aus dem Boden schossen. Geschäftsprinzip: Die Anbieter – zum Beispiel Einzelhändler, Restaurants oder Hotels – können auf den Plattformen für eine begrenzte Zeit Rabatt-Gutscheine verkaufen, mit denen die Kunden eine Leistung um bis zu 70 Prozent günstiger bekommen. Zum Beispiel das Menü beim Italiener oder ein Wochenende im Wellness-Hotel. Die Anbieter sollen so leichter junge, zahlungskräftige Kunden gewinnen als mit klassischer Werbung; die Kunden sollen dank der Rabatte Geld sparen. Vor allem lohnt sich das Modell aber für die Portalbetreiber, die von dem Erlös jedes Gutscheins mitunter die Hälfte kassieren. So war beispielsweise US-Vorbild Groupon nach Aussage von Gründer Andrew Mason fast von Beginn an profitabel.

Vorläufiger Höhepunkt des Gutscheinhypes: Vor ziemlich genau einem Jahr schluckte das US-Unternehmen Groupon seinen größten Klon, das deutsche Unternehmen Citydeal – nur ein halbes Jahr nach dessen Gründung und Berichten zufolge für einen dreistelligen Millionenbetrag.

Verständlich, dass Dirk Ströer und Jens Kunath ein hohes Tempo vorlegen müssen: Sie setzen auf ein Geschäftsmodell, das ebenso leicht nachzuahmen ist wie das von Groupon, aber sich davon unterscheidet, wie Ströer betont. Anders als bei Groupon & Co. werden auf dem Portal Topdeals.de nicht Hunderte Rabattgutscheine eines Anbieters zu einem festen Preis angeboten, sondern kleine Mengen von Gutscheinen vieler Anbieter ab einem Euro „nach dem Ebay-Prinzip“ versteigert. Je günstiger der Gutschein den Besitzer wechselt, umso größer die Ersparnis für den Kunden.

Expansion in die USA

Und die beiden Unternehmer Ströer und Kunath wollen sich vor allem auf den Urlaubs- und Freizeitbereich konzentrieren, also zum Beispiel Gutscheine von Hotels und später auch Restaurants verkaufen. Dort haben sie eine Schwäche von Groupon und laut Ströer eine regelrechte „Katerstimmung“ ausgemacht: „Das Groupon-Modell macht viele Anbieter nicht glücklich“, ist Ströer überzeugt, „sie verkaufen zahllose Gutscheine für wenig Geld und arbeiten dann monatelang quasi umsonst.“ Auf topdeals.de müssten Hotels dagegen nicht gleich Hunderte Gutscheine verkaufen, sondern nur so viele wie ihre Kapazitäten es gerade zulassen; die Provision für topdeals liege bei „nur“ 25 prozent, außerdem bildeten sich in den Auktionen immer „faire Preise“, ist Ströer überzeugt.

Allerdings liegt darin womöglich auch eine Schwäche des Konzepts: Zum einen lässt sich die Ersparnis in den Topdeals-Auktionen anders als bei Groupon nicht so leicht erkennen, zum anderen kann das Auktionsprinzip den Rabattvorteil schnell auffressen, wenn sich mehrere Kunden eine Weile überbieten. Das nutzt dann vor allem den Anbietern und Topdeals, ist aber für die Endkunden womöglich weniger attraktiv.

Diese Bedenken teilen die Topdeals-Macher nicht. Im Gegenteil: Ströer und Kunath, die zusammen schon einige ähnliche Internet-Unternehmen angeschoben haben (nicht immer mit Erfolg) wollen in den nächsten drei Jahren 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Und sie denken jetzt schon über die Expansion in die USA, das Mutterland des Gutscheinhypes, nach. „Wir sprechen bereits mit strategischen Investoren“, sagt Ströer, „die den Sprung über den Atlantik finanzieren könnten.“

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [8]

  1. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden, und die Preissteigerungen (Lebensmittel bis zu 43%), Steuern, Sozialabgaben usw. lassen keinen Spielraum mehr, auch nicht für „Schnäppchen“. Kein Restaurantbesuch ist billiger als einer mit Gutschein.
    Außerdem: 25% Provision – für was? Da machen doch nur Möchtegernunternehmer mit, die nicht kalkulieren können.

  2. Was ein Schwachsinn & Betrug. Von wegen, ab 1 Euro. Schon ein paar Stunden nach dem Start wurde das Prinzip abgeändert und nun haben alle interessanten Angebote einen (überteuerten) Startpreis. Man kann nun nur noch zwischen doof und ganz doof unterscheiden, aber wahrscheinlich zielt man (ähnlich, wie auch schon bei rabattschlacht.de) auf genau dieses Zielgruppe ab. Bei eBay gibt es die gleichen Angebote günstiger direkt von Anbietern wie animod.de.
    Das sind keine Schnäppchen!

  3. Ich sehe das ähnlich – v.a. wenn man sieht, wer so mitsteigert. Wer sich wohl hinter „MonikaW31“ und „BarbaraP35“ verbirgt? Und warum bieten die immer gleich so viel Geld, obwohl sie doch erstmal viel weniger bieten könnten? Merkwürdig. Mich würde mal ein erfahrungsbericht interessieren, wer dort schonmal einen Gutschein ersteigert hat…

  4. Hallo alle zusammen,

    Auf unserer Webseite könnt ihr auch verschiedene Reisen und Kurzurlaube günstig ersteigern. Bei uns könnt Ihr viele Angebote ins In – und Ausland ersteigern oder direkt zum Festpreis kaufen!

    Guckt euch mal um

  5. Ich habe bis jetzt noch nicht’s schlechtes gehört.
    Hat bis jetzt alles immer bestens funktioniert.

    Gruß
    Jonas

  6. Und siehe da: Spiegel-TV berichtet von einer Software, die sich so verhält, dass man den Zuschlag erst ab einem bestimmten Mindestbetrag bekommt. So läuft also der Hase. Wie wohl bei den anderen Projekten verfahren wird?