Knappe Kassen, gute Gründer

Foto: Dank an mkorsakov via flickr-CC

Pleite. Foto: mkorsakov via flickr/CC

Beim Foto-Service Picabee sprang plötzlich ein Investor ab, beim Avatar-Dienst Weblin platzte eine Finanzierungsrunde, ebenso bei der Schnäppchen-Community Luupo. Jetzt stehen die drei vor dem Aus, auch andere Startups zittern. Überraschend ist das nicht, wie eine aktuelle Umfrage des Wiwo-Gründerraums unter 140 Risikokapitalgebern und Business-Angel-Netzwerken zeigt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Investoren halten ihr Geld zusammen. Neun von zehn VC-Firmen gehen davon aus, dass in der Krise insgesamt weniger Geld für Startups zur Verfügung steht und sich einzelne Investoren dauerhaft zurück ziehen werden; unter den Business Angels erwarten das immer noch rund zwei Drittel.
  • Gründer haben in Verhandlungen mit Investoren derzeit einen schlechteren Stand als noch 2008. Sieben von zehn VCs und sechs von zehn Business Angels berichten, dass sie sich derzeit zu besseren Konditionen an Startups beteiligen können als noch vor einem Jahr. Klar: Wenn das Geld knapper wird, müssen die Gründer größere Kompromiss eingehen, um Investoren zu finden.
  • Die gute Nachricht: Gute Gründer gibt es noch! 94 Prozent der Business Angels und 96 Prozent der VCs sind zuversichtlich, dass es trotz Krise „genügend erfolgversprechende Startups gibt, in die es sich zu investieren lohnt.“
  • Investoren stecken ihr Geld eher ungern in bereits bestehende Beteiligungen. Vier von fünf Risikokapitalgebern ziehen neue Beteiligungen vor. Business Angels sind etwas vorsichtiger: Die eine Hälfte bevorzugt tendenziell Investitionen in bestehende, die andere in neue Beteiligungen.
  • Es ist deutlich schwieriger geworden, eine zweite Finanzierungsrunde abzuschließen, meinen demenentsprechend auch acht von zehn VC-Investoren und sieben von zehn Business Angels.
  • Gründer sollten Kosten sparen und sich aufs Kerngeschäft konzentrieren, raten 78 Prozent der Angels und 92 Prozent der VC-Firmen den Startups aus ihrem Portfolio.

Das Aller-Aller-Gröbste scheint überstanden: Die Risikokapitalgeber und Angels beurteilen die derzeitige Geschäftslage im Vergleich mit 2008 zwar deutlich schlechter. Allerdings sind beide Gruppen für das zweite Halbjahr 2009 verhalten optimistisch und erwarten, dass sich die Lage leicht entspannt:

Geschäftslage von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht)

Mitte 2008

Aktuell

2. Jahreshälfte 2009

Risikokapitalgeber

2,5

3,3

3,1

Business Angels

2,2

3,4

3

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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