Fußball gegen Politik

In Argentinien wurde die Anstoßzeit des Topspiels verlegt, um einem kritischen Journalisten die Zuschauer zu nehmen.

Fußball ist ein Politikum. Das zeigen diverse Debatten rund um das deutsche Champions-League-Finale, genauso wie die Anwesenheit der Kanzlerin und natürlich auch der Fall Hoeneß. In anderen Ländern sind die Beziehungen noch weit größer: der Politiker Silvio Berlusconi wäre ohne den Clubbesitzer kaum möglich gewesen und auch in Argentinien wird der schöne Sport gern instrumentalisiert.

„Futbol para todos – Fußball für alle“, heißt das Programm seit die Kirchner-Regierung 2009 die Fernsehrechte verstaatlicht hat. Millionen aus der klammen Staatskasse werden dafür aufgewendet, die Fans kommen im Gegenzug in den Genuss aller Spiele im Free-TV und können alle paar Minuten in Werbeeinblendungen sehen, was ihre Regierung wieder tolles geschafft hat.

Der Name war der Auftakt für eine ganze Reihe populistischer Maßnahmen: Da bei einer Inflation von mehr als 20 Prozent inzwischen sogar manche Grundnahrungsmittel teurer als in Deutschland sind, halten in den Städten regelmäßig Lastwagen mit staatlich subventioniertem „Obst für Alle“, „Nudeln für Alle“ oder „Fleisch für Alle“.

Die derzeit prominenteste Oppositionsstimme nimmt das auf Korn, der politische Journalist Jorge Lanata nennt sein Programm „Journalismus für Alle“ und spielt damit auch auf die diversen Versuche an, oppositionelle Medien zu gängeln.

Lanata liefert mit seinen Enthüllungen zu einer Korruptionsaffäre rund um den Kirchner-Clan seit Wochen den wichtigsten politischen Gesprächsstoff, um ihn zu stoppen fiel der Regierungschefin nur ein Mittel ein: Fußball.

Mitten in der Saison wurde der Fußballverband aufgefordert, das Sonntagsspiel auf 21:30 Uhr zu verlegen, parallel zu der Politsendung.

Zwar kritisierten einige Vereinsvertreter und Vertreter der Sicherheitsbehörden, es sei unverantwortlich, die Fans nach Mitternacht nach Hause reisen zu lassen, doch diese Stimmen blieben in der Minderheit.

So spielte gestern zu später Stunde erstmals Tabellenführer Newell´s gegen Boca Juniors, wobei der  Rekordmeister 0:4 verlor und auf den vorletzten Tabellenplatz rutschte.

Der eigentliche Sieger heißt jedoch Lanata: Während das Topspiel einen Marktanteil zwischen 13 und 17 Prozent erzielte, kam der im Fußballtrikot auftretende Journalist in der meisten Zeit auf 25 Prozent und mehr.

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Alle Kommentare [1]

  1. Hallo Olly,

    der Blog vom Chef funktioniert irgendwie nicht.

    Hat er da selber dran rumgebastelt, oder an was liegt das?

    Aber gut, ein Bonmont von Klaus Augenthaler damals, als er wegen Faustschlags rot sah und danach gefragt wurde: „Wenn das Absicht gewesen wäre, wäre der nixht mehr aufgestanden.“

    Das Abwehrverhalten hat sich seither minimal verändert. 😉

    Gruß
    Pampa