Die Fußballer-Boutique

Sportlich ist Udinese einer der langweiligeren Vereine in der Serie A, doch unter wirtschaftlichen Aspekten gibt es kaum einen interessanteren Club. Was für viele, vor allem kleinere Vereine, zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden ist, ja manchen gar erst das ökonomische Überleben sichert, haben die Norditaliener zu ihrem Geschäftsmodell erhoben.

Udinese kauft günstig Talente, entwickelt sie und verkauft die Spieler später mit Gewinn weiter. Das ist für sich gesehen noch nichts besonderes, doch wie der Club diesen normalen Mechanismus zum Exzess treibt ist schier unglaublich und wird in der aktuellen Ausgabe von „11 Freunde“ detailliert beschrieben (leider (noch?) nicht online).

Felix Magath wurde für seinen mit mehr als 30 Kickern aufgeblähten Kader bei Schalke kritisiert, doch Udinese hat derzeit etwa 100 Spiele unter Vertrag, genug also, um den Kader von vier Teams zu bestücken. Und so spielen auch nur die wenigsten beim Ex-Club von Oliver Bierhoff, mehr als zwei Drittel sind in die ganze Welt verliehen. Mit dem spanischen Zweitligisten CF Granada unterhält Clubchef Pozzo gar noch einen Zweitverein, bei dem allein 19 Kicker geparkt sind.

Neben Bierhoff haben den Durchlauferhitzer auch die italienischen Nationalspieler Iaquinta und Quaglieralla durchlaufen, aktuell im Portfolio befinden sich Italiens Top-Torjäger di Natale, der einst für 100.000 Euro von Empoli kam, mit seinen 32 aber nicht mehr zu den Verkaufsobjekten zählt. Das sind eher der Schweizer Gökhan Inler oder Alexi Sanchez, um die derzeit schon die Topclubs buhlen. Und auch den Namen des Schweizers Geijo sollte man sich merken: Beim spanischen Zweitliga-Aufbauteam hat er immerhin 24 Tore erzielt.

Trotz der weltweit suchenden Konkurrenz immer wieder günstig die Stars von morgen zu finden, ist die besondere Leistung von Udinese. „Die Scouts sind die wahren Stars“, schreibt daher „11 Freunde“. Und neben dem wirtschaftlichen Erfolg zahlt sich die Strategie auch sportlich aus. Als vierter der letzten Saison hat Udinese die Champions League Qualifikation geschafft und wird wegen der spektakulären Spielweise schon als „kleines Barcelona“ bezeichnet.

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