Unglückliche Liaison

Das polnische Unternehmen Comarch dürfte außer den Kennern des Marktes für Unternehmenssoftware kaum jemandem ein Begriff sein – im Gegensatz zum Fußballclub TSV 1860 München. Ein Sponsoring des Traditionsvereins sollte das ändern, doch die Liaison verlief wenig glücklich.  

Comarch ist eines der erfolgreichsten polnischen Unternehmen und wächst auch hierzulande kräftig. Die Polen sind auch eines der wenigen Unternehmen, die einen deutschen Wettbewerber übernommen haben.

Gegründet hat es der Telekommunikationsprofessor Janusz Filipiak, nebenbei ein großer Fußballfan. Im Fernsehen jongliert er schon mal Bälle im Krakauer Stadion, immerhin ist er auch Präsident des polnischen Erstligisten Cracovia Krakow, an dem Comarch auch mit 49 Prozent beteiligt ist.

Umso erstaunlicher war die Reaktion vom damaligen Bayern-Boss Hoeneß, als der Werbedeal 2009 bekannt gegeben wurde: „Eine polnische Softwarefirma, die zwei Millionen bezahlt“, höhnte Hoeneß, „na, da gratuliere ich jetzt schon.“

Dagegen erklärte 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers: „Wenn sich ein begnadeter Selfmademan wie Professor Filipiak für eine Kooperation mit einem Noch-Zweitligisten wie uns entscheidet, ist dies nicht nur ein wirtschaftlicher Glücksfall für uns, sondern zugleich auch ein Kompliment.“

Im Nachhinein zeigt sich, wer bei der Einschätzung der Kräfteverhältnisse Recht behielt. 1860 konnte sich vorübergehend freuen, von den erfolgreichen Polen unterstützt zu werden, doch die haben inzwischen vom Chaos in München und den massiven finanziellen Schwierigkeiten genug.

„Ich sehe derzeit nicht, wie das Unternehmen funktionieren kann“, sagt Filipiak der daher den Vertrag vorzeitig gekündigt hat. In der Folge habe er gleich mehrere Anfragen von europäischen Vereinen bekommen, erklärt der Comarch-Chef. Doch ein Wechsel komme erst einmal nicht in Frage. Er habe München gewählt, da hier die deutsche Tochter ihren Sitz habe. Sportlich hätte er die Sechziger sogar im Abstiegsfall weiterunterstützt, doch Comarch fürchtet eine drohende Insolvenz. Mit 1,8 Millionen Euro ist der Werbevertrag für die Zweite Liga vergleichsweise hoch. „Doch es ist nicht genug um die Probleme zu lösen“, sagt Filipiak.

Einen ausführlicheren Text über „die polnische Antwort auf SAP“ habe ich übrigens hier geschrieben.

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