Katar kauft Barcelonas Historie

Das Ende einer einmaligen Tradition kostet 170 Millionen Euro. Mit dieser Summe hat sich das Emirat Katar das Trikot des FC Barcelona gekauft. Nach dem Zuschlag für die Fußball-WM oder dem Einstieg bei Hochtief ist der am Freitag unterzeichnete Deal ein ganz besonderer für die Scheichs, denn 111 Jahre lang hat Barca auf Trikotwerbung verzichtet.

„Diese Einzigartigkeit haben wir für umgerechnet sechs oder sieben Prozent unseres Budgets verkauft“, schimpft Barcelona-Legende Johan Cruyff in seiner Kolumne in der Tageszeitung „El Periodico de Catalunya“.

Künftig werden Messi & Co. nun also für die „Qatar Foundation“ werben, für etwa 30 Millionen Euro im Jahr. Das ist zwar Rekord, aber auch kein gigantischer Aufschlag im Vergleich zu den bisherigen Deals „normaler“ Vereine.  Die teuersten Trikotwerbeverträge hielten bislang Manchester United und der FC Liverpool mit jeweils 24 Millionen Euro.   Auch die Bayern kassieren 22 Millionen Euro.

Wie der Teil einer besonders perfiden Salamitaktik wirkt nun hingegen die bisherige Vereinbarung mit Unicef. Seit 2006 wirbt Barcelona für das Kinderhilfswerk und zahlt zusätzlich noch 1,5 Millionen Euro im Jahr. 

Hat Barcelona nun seine Seele verkauft? Ein Stück Geschichte und Einzigartigkeit verliert der Verein, der immer „Mehr als ein Club“ sein will. Dieser Verlust sei kaum mit Geld auszugleichen, kritisiert Cruyff zu Recht.

Verwunderlich ist auf den ersten Blick auch der Zeitpunkt der Entscheidung. Barcelona könnte es sportlich nicht besser gehen, Erzrivale Real Madrid wurde gerade erst mit 5:0 vom Platz gezaubert und mit Xavi, Iniesta und Messi machen drei Barca-Kicker die Entscheidung um den Titel des Weltfussballers unter sich aus – ein wohl einmaliger Vorgang.

Noch dazu spielen alle drei seit der Jugend für Barcelona, doch trotz der legendären  Nachwuchsarbeit sehen auch bei Barcelona die Finanzen weniger schön aus.

Der Schuldenstand beträgt 430 Millionen Euro. Der jetzige Präsident Rosell wirft seinem Vorgänger vor, die Bilanzen geschönt zu haben: Statt einem ausgewiesenen Gewinn von elf Millionen Euro, habe Barcelona 77 Millionen Euro Verlust gemacht.

Nach Angaben der Wirtschaftsprüfer von Deloitte sind die Einnahmen beim FC Barcelona in den letzten vier Jahren um elf Prozent gewachsen, die Ausgaben allerdings um zwanzig Prozent. 118 Millionen Euro fehlen in der Kasse.

Die Fans und Vereinsmitglieder sind daher gespalten. „Das Trikot Barcas hat keinen Preis“, sagt Ex-Präsident Joan Gaspart und beim letzten Spiel forderten Fans auf Transparenten den Rücktritt des Präsidenten.

Andererseits gefiel fast 20.000 Barca-Fans die Nachricht auf der Facebook-Seite des Vereins. In mehr als 1800 Kommentaren gibt es viel Zustimmung aber auch Kritik am „befleckten“ Trikot. Doch manche stören an dem Deal eher die Feinheiten. So bemängelt ein Nutzer das „furchtbare Logo“ der Qatar Foundation: „Konnten sie sich nicht eine Automarke oder einen TV-Hersteller mit einem präsentableren Logo holen?“

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