Die 20-Euro-Stadionnamen-Tombola

Stadionverlosung bei Westfalia HerneDie Zeit der großen Stadionnamen ist vorbei. Westfalenstadion, Volksparkstadion und Glückaufkampfbahn: verschwunden. Stattdessen müssen Fans und Mannschaften heute in die Trolli-Arena, das easyCredit-Stadion oder die Schauinsland-Reisen-Arena. Manche Namen ändern sich so oft, dass man gar nicht hinterherkommt. Oder könnten Sie spontan sagen, wo der HSV derzeit spielt?

Die Hamburger waren 2001 die ersten, die ihren Stadionnamen an AOL verkauften. Der 30-Millionen-DM-Deal sorgte damals noch für heftige Kontroversen. Inzwischen haben die Hamburger schon die dritte Umbenennung hinter sich, nach einem finanzkrisenbedingt nur kurzen HSH Nordbank-Intermezzo spielen van Nistelrooy & Co. nun in der Imtech-Arena.

Etwa drei Millionen Euro im Jahr soll das dem HSV bringen, die gleiche Summe waren auch der Commerzbank oder Veltins die Namensrechte für die Stadien in Frankfurt und auf Schalke wert.

In einer ganz anderen Dimension bewegt sich Westfalia Herne. Der Ruhrgebietsverein mit großer Historie spielt derzeit in der fünften Liga und ist wie so viele andere kleine Vereine von finanziellen Sorgen geplagt. Vor einem Jahr stand Herne vor der Pleite, die konnte abgewendet werden und um das Budget für diese Saison zu sichern kam Manager Ingo Finkenstein auf die Idee mit dem Stadionnamen.

Zahlreiche Firmen schrieb er an, doch da sich kein sponsorwilliges Unternehmen fand, beschloss Finkenstein die Namensrechte zu verlosen. 20 Euro kostete ein Los, nur wenn 1500 Stück verkauft würden, sollte die Tombola beginnen.

Diese Mindestbedingung wurde knapp erfüllt, 1528 Lose verkaufte Herne – immerhin 30.560 Euro kommen so in die Herner Kasse. In der Halbzeit des Spiels gegen FC Wegberg-Beeck zog Hernes Oberbürgermeister Horst Schiereck gestern den Gewinner.

Tobias Holkenbrink aus Münster ist der Glückliche, doch ob das „Stadion am Schloss Strünkede“ nun Tobias-Holkenbrink-Arena oder doch eher „Tobias seiner Oma ihr Stadion“ heißen wird, ist weiter unklar – der neue Namensgeber war bislang nicht erreichbar.

Update: Über den Verlosungsumweg kamen die Herner dann doch zu einem „normalen“ Sponsorenstadionnamen: Tobias Holkenbrink stellte sein Los zur Verfügung und für einen kolportierten fünfstelligen Betrag sicherte sich die Herner Innenausbau-Firma TREL Systems AG die Namensrechte. Bis Saisonende laufen die Spieler nun in der „TREL Ruhrpott Arena Herne“ auf.

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