Steuerberater arbeiten am Anschlag

Die Corona-Krise hat den Steuerberatern einen Auftragsboom beschert. Ob ihre Mandanten allerdings Ende des Jahres noch am Markt sind, steht dabei offen. Denn zurzeit stufen die Steuerexperten ein Drittel ihrer Klienten als existenzgefährdet ein. 

Killt gerade das Corona-Virus den deutschen Mittelstand? Kommen die Staatshilfen bei den Unternehmen überhaupt an? Und: Wie viele von ihnen sind in ihrer Existenz bedroht oder stehen sogar bereits kurz vor dem Exitus? Wer derzeit nach Antworten auf solch unangenehme Fragen sucht, kann bei den Steuerberatern fündig werden. Der Grund: Die steuerlichen Liquiditätshilfen und Corona-Rettungskredite haben der Zunft einen wahren Auftragsboom beschert. „Wir arbeiten seit Wochen am Anschlag“, beschrieb Steuerberaterpräsident Harald Elster Ende April die Situation in seiner Branche und erklärte weiter: „Der Ansturm von existentiellen Fragen der Mandanten reißt nicht ab und muss zügig gelöst werden“.

Lotsen durch die Corona-Bürokratie

Überforderte Antragsteller bei den Corona-Soforthilfen, zusammenbrechende Server bei den Bewilligungsstellen und mangelndes Know-how im Umgang mit Kurzarbeit, der Herabsetzung von Steuervorauszahlungen und pauschalierten Verlustrechnungen hat die Unternehmen in den letzten Wochen gleich reihenweise bei den Kanzleien anklopfen lassen. Ihr Steuerberater soll ihnen jetzt in der Krise helfen, der Bürokratie Herr zu werden.

Staatliche Corona-Hilfen kommen an

Über Aufträge freuen sich Dienstleister in dieser Krise doppelt. Ob sich jedoch der Beratungsansturm für die Steuerberater auszahlen wird, ist noch offen. Nicht bei allen Mandanten ist gesichert, dass der für ihr Unternehmen prognostizierte Umsatz auch tatsächlich reinkommt. Zudem könnten die staatliche Hilfen für so manches Unternehmen zu spät kommen und es in die Insolvenz schlittern lassen. Diese Befürchtungen spiegeln sich in einer Umfrage wider, die die Datev seit Ende März 2020 in regelmäßigen Abständen unter rund 7500 Mitgliedskanzleien durchführt. So stufen die befragten Steuerberater aktuell knapp ein Drittel der von ihnen betreuten Unternehmen ohne staatliche Unterstützung als grundsätzlich existenzgefährdet ein. (Ende März waren es sogar 40 Prozent). Sechs Prozent ihrer Unternehmensmandanten wähnen die Steuerberater sogar trotz staatlicher Unterstützung kurz vor der Insolvenz (Quote Ende März: 11 Prozent). Der Trend geht immerhin leicht aufwärts. Die Umfrage förderte noch etwas zutage. Bei jedem vierten Steuerberater-Mandanten sollen die staatlichen Unterstützungsleistungen mittlerweile angekommen sein. Das könnte den Unternehmen wieder etwas mehr Ruhe verschaffen.

Hier geht es zum Corona-Barometer der Datev:

www.datev.de/corona-barometer.

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Über Julia Leendertse

Julia Leendertse schreibt über Managementthemen und covert die Branchen Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung und Personalberatung. Ihre journalistische Laufbahn startete die Kölnerin Mitte der Neunzigerjahre als Redakteurin bei dem Unternehmermagazin "impulse", wechselte später in die Redaktion von "Capital Ost" nach Berlin und schreibt seit 1996 für die WirtschaftsWoche. Hier arbeitete sie seit 1998 als Redakteurin, ab 2002 als Leiterin des Ressorts Management. Seit 2005 ist sie als freie Autorin tätig.

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