Der Trend zur multidisziplinären Kanzlei

Multidisziplinär aufgestellte Kanzleien sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Auch Warth & Klein Grant Thornton profitiert von dem Trend.

Der Wirtschaftsprüfermarkt in Deutschland ist eine Mehrklassengesellschaft. Ganz oben stehen die Big Four, die hochgradig international vernetzt sind und als Fullservicedienstleister Unternehmen gleichzeitig mit einem hohen Grad an Spezialisierung Dienstleistungen rund um die Themen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung anbieten.

Im Verfolgerfeld hinter PwC, EY, KPMG und Deloitte, bewegen sich die so genannten Next 10. Zu ihnen gehören Häuser wie Rödl & Partner, Ebner Stolz, Baker Tilly Roelfs oder Roever Broenner Susat Mazars. Was Umsatz und Mitarbeiterzahl angeht, können sich die stolzen Mittelständler zwar nicht mit den Big Four messen, in den letzten Jahren haben sich aber einige von ihnen in multidisziplinär aufgestellte Kanzleien verwandelt, die im Markt Reputation geniessen.
Unter den Top-Ten-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften war beispielsweise Warth & Klein Grant Thornton 2015 die am schnellsten wachsende Gesellschaft. Mit etwas mehr als 800 Mitarbeitern an zehn Standorten machte das Haus 2015 85,9 Millionen Euro Umsatz und legte damit gegenüber dem Vorjahr um gut 13 Prozent zu. Ein Baustein des Erfolgs war die Entscheidung, sich Schritt für Schritt in eine multidisziplinär aufgestellte Kanzlei zu verwandeln.

Die Idee dahinter: Hatten früher mittelständische Unternehmen einen Steuerberater, einen Wirtschaftsprüfer, einen Rechtsanwalt und engagierten bei Bedarf einen Unternehmensberater, sollen sie sich jetzt stattdessen von einem mittelständischen Fullservicedienstleister ihres Vertrauens rundum versorgen lassen. Das Geschäftsmodell hat für die Firmenkunden einen Vorteil: Sie müssen nicht mehr vier verschiedenen Experten ihre Problemlage getrennt voneinander darlegen und selbst dafür sorgen, dass deren unterschiedlichen Einschätzungen und berufsbedingten Denkweisen unter einen Hut gebracht werden. Das erledigt jetzt ihr Fullservicedienstleister für sie.

„Bei der Betreuung unserer mittelständischen Mandanten legen wir großen Wert darauf, dass die Unternehmen einen Ansprechpartner haben, der bei komplexen Fragestellungen auf die Expertise von Projektteams für die unterschiedlichsten Fachthemen zugreifen kann“, sagt Paul Forst, Leiter der Abteilung Steuerberatung und Rechtsberatung bei Warth & Klein Grant Thornton. Um die notwendige fachliche Tiefe gewährleisten zu können, hätte sein Haus vor einigen Jahren bereits damit begonnen, so genannte Projektteams einzurichten, die jeweils auf ein Themengebiet spezialisiert sind – etwa auf das Thema Umsatzsteuer oder Internationales Steuerrecht. Zudem baut Warth & Klein Grant Thornton seine assoziierte Rechtsanwaltsgesellschaft sukzessive aus. Von den 800 Mitarbeitern in Deutschland sind allein in der Steuer- und Rechtsberatung 320 Kollegen tätig, darunter 130 Berufsträger.

„Auch wir verbuchen steigende Nachfrage in der Steuerberatung und Rechtsberatung“, so Forst. Neben der laufenden Buchhaltungs- und Deklarationsberatung mache die gestaltende Steuer- und Rechtsberatung bereits 50 Prozent des Geschäfts aus. Ein Grund für die wachsende Nachfrage: Globalisierung und Digitalisierung zwingen deutsche Mittelständler immer häufiger dazu, Transaktionen und Umstrukturierungen vorzunehmen. „Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber kaum Schritt hält, während sich die Digitalisierung rasend schnell weiterentwickelt“, so Forst. „Die Aufgabe unserer Steuerberater und Juristen ist es deswegen auch, sich immer wieder neuen Fragen zu stellen und auch eigene Lösungen für die Mandanten zu entwickeln“.

Joachim Riese, seit Frühjahr 2016 neuer Vorsitzender des Vorstands von Warth & Klein Grant Thornton, betont, wo immer es nur geht, dass seine Gesellschaft aus eigener Kraft zulege. Viele seiner Wettbewerber wachsen derzeit eher durch Übernahmen. Was stets auch für Unruhe im Unternehmen sorgt.

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