Die Stunde der gestaltenden Steuerberatung

Steuer- und Rechtsberatung sind für Wirtschaftsprüferfirmen vielversprechende Wachstumsfelder. Hellmuth Wolf, Managing Partner der Personalberatung Signium, verrät im Interview mit den ConSULTANten, warum.

Herr Wolf, nach der Banken- und Finanzkrise arbeiteten sich Politik, Verwaltung und die Öffentlichkeit mehr als ein halbes Jahrzehnt an der Reform der Abschlussprüfung ab. Im Juni 2016 hat der Bundestag nun endlich das Reformgesetz beschlossen. War das nun ein Erfolg?

Hellmuth Wolf hat sich als Personalberater auf Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte spezialisiert.

Hellmuth Wolf hat sich als Personalberater auf Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte spezialisiert.

Wolf: Ja und Nein. Rund 1.500 finanzmarktorientierte und börsennotierte Unternehmen müssen sich allein in Deutschland früher oder später mit dem Wechsel ihres Abschlussprüfers befassen. Teilweise werden dadurch jahrzehntelang währende Prüfer-Mandanten-Beziehungen aufgebrochen. Das kann Vor-, aber auch Nachteile haben. Allzu enge Verzahnungen können mitunter natürlich dazu führen, dass der Prüfer auf einem Auge blind wird. Auf der anderen Seite muss ein Abschlussprüfer ein Unternehmen schon sehr gut kennen, um es ordnungsgemäß prüfen zu können. Gerade Großkonzerne sind komplexe Systeme. Da braucht es Jahre, bis ein Abschlussprüfer die vielschichtigen Strukturen kennt. Die Qualität der Abschlussprüfung kann also vor allem unmittelbar nach einem Prüferwechsel erst einmal sinken.

Ein Ziel der Reform war es ursprünglich, auch die Vormachtstellung der Big Four im Abschlussprüfermarkt zu knacken. Dieses Ziel, da sind sich die Experten einig, wurde verfehlt. Wie geht es jetzt auf dem WP- und Steuerberatermarkt weiter?

Wolf: Das Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel bei den ganz großen Abschlussprüfungsmandaten wird auf den Kreis der Big Four begrenzt bleiben. Selbstverständlich sind die mittelständischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften nach wie vor – und trotz sinkender Honorare – an Prüfungsmandaten interessiert, denn sie bilden häufig das Entrée für weitere Beratungsleistungen. In der Steuerberatung sind die Honorare häufig lukrativer als in der Wirtschaftsprüfung.

Um welche Beratungsfelder geht es?

Wolf: Insbesondere um Steuerberatung, wie zum Beispiel internationales Steuerrecht, Umstrukturierungen, Akquisitionen, Entwicklung von Steuerstrategien, grenzüberschreitende Steuerplanung, Transaktionsberatung, Nachfolgeberatung, Stiftungsgründungen sowie Family Offices.

Also liegen multidisziplinär aufgestellte Kanzleien auch im Mittelstand im Trend, die alles aus einer Hand anbieten – Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung?

Wolf: Absolut. Ein großes Plus mittelständischer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften ist die persönliche Beziehung zwischen Mandant und Berater. Es handelt sich um über Jahre hinweg gepflegte und gewachsene Strukturen häufig zwischen dem Inhaber und Berater. Im Mittelstand geht es mehr ums People Business während es bei den Big Four um einiges technokratischer zugeht. Darüber hinaus aber werden die Fragestellungen, vor denen mittelständische Mandanten stehen, immer komplexer. Familienunternehmen sind durch die Globalisierung und digitale Transformation der Geschäftsmodelle ebenso gefordert wie die großen Dax-Konzerne. Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungskanzleien tun deshalb gut daran, sich gut funktionierenden internationalen Branchennetzwerken anzuschließen und sich gleichzeitig multidisziplinärer aufzustellen. Das tun viele auch, holen sich Unternehmensberater und Rechtsanwälte mit an Bord und gründen eigene Gesellschaften mit dem Fokus auf Unternehmens- wie auch Rechtsberatung.

Welche Auswirkungen hat dieser Trend zur multidisziplinären Kanzlei auf die Marktstruktur in der Branche der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberaterfirmen?

Wolf: Die Big Four sind eine Liga für sich. Hinter den Big Four hat sich in Deutschland im Ranking der größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in den letzten Jahren ein Verfolgerfeld von etwa einer Handvoll großer mittelständischer Gesellschaften herauskristallisiert (auch durch Fusion), die mit ihrer Größe, ihrem Grad an Internationalität und der Breite ihres Dienstleistungsportfolios bei den Mandanten punkten können. Dahinter folgt das Feld der mittelständischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz. In diesem Feld wird es in den nächsten Jahren noch zu einigen Übernahmen und Fusionen kommen.

Was empfehlen Sie Hochschulabsolventen, die eine Karriere als WP oder Steuerberater anstreben?

Wolff: Die weitaus größte Zahl an Berufseinsteigern kommt bei den Big Four unter, auch durch das gute Hochschulmarketing. Die großen Häuser winken mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung. Hochschulabsolventen gehen hier an den Start und müssen sich von Anfang an entscheiden, ob sie in der Wirtschaftsprüfung oder in der Steuerberatung tätig sein wollen. Dabei stellen die Big Four weitaus mehr Berufseinsteiger ein als sie am Ende tatsächlich selber brauchen. Viele der jungen Leute wechseln nach wenigen Jahren in die Industrie und arbeiten beispielsweise als Manager in der Linie. Die Fluktuationsquote bei den Big Four ist relativ hoch und das ist auch so gewollt. Wer bei einer mittelständischen WP- und Steuerberatungsgesellschaft anfängt, muss sich im Zweifel nicht sofort entscheiden, ob er in den Bereich WP- oder Steuerberatungsbereich hinein möchte. Dafür profitieren Berufseinsteiger in mittelständischen WP- und Steuerberatungshäusern von dem eher generalistischen Blick, der bei der Betreuung von Mittelstandsklienten vorherrscht.
Wobei der Spezialisierungsgrad bei den Mittelständischen immer noch nicht so hoch ist wie bei den Big Four.

Zur Person: Hellmuth Wolf ist Managing Partner bei Signium. Der studierte Diplom-Kaufmann ist auf die Besetzung von Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Rechtsanwälten spezialisiert.

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Alle Kommentare [3]

  1. Mein Onkel ist Steuerberater und findet solche Interviews sehr interessant, weil er damit mehr über die Erfahrungen anderer Steuerberater erfährt. Deshalb werde ich dieses Interview mit ihm teilen. Interessant, dass Berufseinsteiger nicht gleich für den WP- oder Steuerberatungsbereich entscheiden müssen.

  2. Hallo, mein Onkel ist Steuerberater. Er kennt sich tatsächlich sehr gut aus. Er hat schon Beträge vor dem Finanzamt gerettet, da würde ich nicht mal daran denken. Das kann schon Sinnvoll sein einen Steuerberater zu beschäftigen. Danke für den Blog!

  3. Guten Tag,
    aktuell studiere ich, jedoch neigt sich mein Studium in welchem ich mich auf Steuern spezialisiert habe dem Ende und ich weiß auch schon wo ich hin will. Natürlich habe ich auch Plan B, C, etc. aber wenn die Fluktuationsquote bei den Big Four so groß ist muss ich evtl. umdenken. Eine andere Alternative ist, dass ich ins Ausland gehe.