Worauf Mittelständler bei der Suche nach Auslandsmanagern achten

Personalberater Dr. Matthias Rode von Liebich & Partner über den deutschen Mittelstand auf der Suche nach Topmanagern für die internationale Expansion

Personalberater Dr. Matthias Rode Personalberater
Dr. Matthias Rode[/caption]Herr Dr. Rode, wegen der vielen Krisenherde hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft abgekühlt. Macht sich das auch bei den internationalen Personalsuchen bemerkbar?

Rode: Nach der Sommerpause war schon eine gewisse Zurückhaltung bei den Unternehmen bemerkbar. Der Bedarf an Personal für die internationale Expansion deutscher Mittelständler ist aber nach wie vor hoch und wird langfristig einen immer höheren Anteil unseres Suchgeschäfts ausmachen.

Welche Art von Suchaufträgen vergibt der deutsche Mittelstand?

Rode: Meistens geht es darum neue Märkte im Ausland zu erschließen. Am häufigsten werden Geschäftsführer, Vertriebs- und Werksleiter gesucht.

Was unterscheidet internationale von nationalen Personalsuchen?

Rode: Jedes Land und jeder Markt hat seine eigenen kulturellen Spielregeln genauso wie jedes Unternehmen seinen ganz eigenen Managementstil pflegt. Deutsche Mittelständler erwarten von ihren Personalberatern, dass sie die Erwartungshaltung, die sie an deutsche Manager stellen, bei der Kandidatensuche vor Ort im Ausland im Hinterkopf behalten und ein Händchen dafür haben, diese Erwartungshaltung trotz der kulturellen Unterschiede vor Ort mit dem Profil des Kandidaten in Einklang zu bringen. Damit eine Personalsuche im Ausland gelingt, muss man als Personalberater nicht nur in der Lage sein, die besten Kandidaten in der jeweiligen Region an Land zu ziehen. Sie müssen auch einschätzen können, ob der beste Mann oder die beste Frau wirklich zu Ihrem Auftraggeber passt.

Woran scheitern internationale Besetzungen denn am häufigsten?

Rode: Deutsche Familienunternehmen erwarten zum Beispiel von ihren Führungskräften, dass sie eine gewisse Beziehung zu ihren Mitarbeitern aufbauen. Management by Walking Around wird deshalb auch hierzulande großgeschrieben. Da nutzt es wenig, wenn eine Personalberatung ihnen im Ausland einen Werksleiter besorgt, der die besten Zeugnisse vorzuweisen hat, der schon in namhaften Unternehmen tätig war und über hervorragende Beziehungen in die oberen Schichten verfügt. Wenn dieser Werksleiter um 7.00 Uhr zum Schichtbeginn nicht in der Produktion für die Mitarbeiter ansprechbar ist, werden er und sein Arbeitgeber langfristig nicht miteinander glücklich.

Welche Fallstricke gibt es noch?

Rode: Wenn sich ein deutscher Familienunternehmer einmal für einen Kandidaten entschieden hat, bringt er ihm dann in der Regel auch großes Vertrauen entgegen. In den USA kann das dazu führen, dass sie Vertriebsmanagern zu lange zu viel Spielraum einräumen. In Amerika spricht man vom sogenannten Bullshitting-Phänomen. US-Firmen wissen, dass sie Vertrieblern sehr genau auf die Finger schauen müssen und deren tatsächliche Leistung nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Weil sie selbst gewohnt sind, zu ihrem Wort zu stehen, sind deutsche Unternehmer versucht, Aussagen wie „Alles läuft fantastisch“ zu lange zu vertrauen.

Wie leicht fällt es deutschen Mittelständlern, gute Leute im Ausland für sich zu gewinnen?

Rode: Generell haben deutsche Mittelständler einen generell positiven und verlässlichen Ruf im Ausland. Trotzdem gilt: Gute Leute sind auf der ganzen Welt knapp. In Russland sitzen deutsche Unternehmen meist nicht in den Wirtschaftszentren Moskau oder St. Petersburg. Hier aber drängen die meisten guten Leute hin, weil hier auch die höchsten Gehälter bezahlt werden. Hinzu kommt, dass 60 Prozent der russischen Hochschulabgänger aktuell eine Anstellung beim Staat bevorzugen. Im Boommarkt Brasilien ist der Arbeitsmarkt so gut wie leergefegt. Hatten deutsche Unternehmen hier früher einen Kostenvorteil bei der Anstellung von Inländern von 30 bis 40 Prozent, ist heute das Einfliegen von Expats preiswerter. Bei den instinktiv vorgehenden Indern gelten deutsche Unternehmen eher als konservativ und stark strukturiert. Als Arbeitgeber sind sie aber durchaus beliebt, weil sie internationale Positionen, gute Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen bieten.

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