Das Ende der Einzugsermächtigung

Zum 1. Februar 2014 müssen die Deutschen der Lastschrift per Einzugsermächtigung Adé sagen. Wir sagen „Auf Wiedersehen“ zu einem Zahlungsverfahren, das über Jahrzehnte ein wichtiger Wachstumsbeschleuniger der deutschen Wirtschaft war und dem gemeinnützige Vereine noch lange nachtrauern werden. Denn die Einzugsermächtigung ermöglichte es ihnen, auch bei kleinstem Budget Dinge für den guten Zweck zu bewegen.

Abschied vom Treu- und Glauben-Prinzip
Das Lastschriftverfahren per Einzugsermächtigung gibt es in Deutschland seit den Sechzigerjahren und ist eine Erfindung der deutschen Banken. Es beruht auf dem Prinzip von Treu und Glauben und ist bei Unternehmen wie Verbrauchern in Deutschland gleichermaßen beliebt, weil es bislang extrem kostengünstig ist und unkompliziert gehandhabt wird.

Die Lastschrift ist der Deutschen liebstes Kind
Seine Erfolgsstory basiert darauf, dass es allen Beteiligten nur Vorteile bringt. Während man in anderen Ländern die eigene Kontonummer aus Angst vor Missbrauch am liebsten geheimhält, hat in Deutschland bis dato kaum einer ein Problem damit, seinem Händler, Vermieter oder Vereinsschatzmeister die eigene Bankverbindung anzuvertrauen und sie per Unterschrift oder sogar nur mündlich am Telefon zum Einzug zu ermächtigen. Das funktioniert allerdings nur, weil der Verbraucher sicher sein kann, dass er sich sein Geld von der Bank problemlos wieder zurückholen kann, wenn er mit der Leistung nicht zufrieden sein sollte oder die Leistung gar ausblieb.

Die Kosten lagen bislang im Centbereich
Die Kosten für Rücklastschriften und damit auch das Risiko von Zahlungsausfällen trägt der Lastschrifteinreicher. Bei Unternehmen ist die Lastschrift trotzdem beliebt. Sie profitieren davon, nicht auf Zahlungen warten zu müssen, sondern innerhalb von 24 Stunden selbst die Zahlung anstoßen zu können. Die Kosten für das Lastschriftverfahren liegen derzeit im Centbereich. Fälle, in denen eine Lastschrift zurückkommt, weil das Konto des Zahlers nicht gedeckt war oder Verbraucher bewusst Missbrauch betreiben, indem sie Leistungen in Anspruch nehmen, für die sie hinterher das Geld bei der Bank zurückfordern, sind die Ausnahme, sodass sich unterm Strich das Lastschriftverfahren per Einzugsermächtigung auch für den Lastschrifteinreicher lohnt.

Das machte selbst margenarme Geschäfte interessant
Da es so überaus günstig und effizient ist, macht die Lastschrift per Einzugsermächtigung auch margenärmere Geschäfte gewinnbringend und ermöglicht es, ehrenamtlich geführten Organisationen mit schmalem Budget ihren Zahlungsverkehr kostengünstig abzuwickeln. Diese Vorteile werden mit der Umstellung von der bisherigen Einzugsermächtigung auf das weitaus kompliziertere und für Banken wie Unternehmen und Vereine in der Abwicklung weitaus teurere Sepa-Lastschriftverfahren nun zunichte gemacht, monieren Kritiker.

Die Deutschen zahlen einen hohen Preis für ein geeintes Europa im bargeldlosen Zahlungsverkehr
Die Banken argumentieren, dass sich die Zeiten nunmal geändert hätten. Richtig ist: Das Ende der Einzugsermächtigung wird den bargeldlosen Zahlungsverkehr für Banken, Unternehmen wie Verbraucher in Deutschland teurer machen. Doch das ist der Preis, den die Deutschen für ein geeintes Europa im bargeldlosen Zahlungsverkehr zahlen müssen. Das dies so sein soll, haben nicht die Banken entschieden, sondern die Politiker in Brüssel.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*