BCG-Berater ruft Bundesbürger zur Massendemo auf

Daniel Stelter - Lichtgestalt und Dr. Doom der deutschen Strategieberaterszene

Daniel Stelter – Autor des Buches „Die Billionen- Schuldenbombe“ gilt als Lichtgestalt und Dr. Doom der deutschen Strategieberatung zugleich

In der Strategieberatung gehören Intellektuelle zu einer aussterbenden Spezies. Zu den wenigen noch verbliebenen Lichtgestalten der Beraterszene gehört Daniel Stelter. In seinem für jedermann verständlich geschriebenen Buch „Die Billionen-Schuldenbombe – Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist“ fordert der langjährige Senior Partner und Managing Director der Boston Consulting Group die Bundesbürger dazu auf, endlich gegen das Schneeballsystem der Banken und die Verschuldungspolitik der Regierungen in Berlin und Brüssel auf die Straße zu gehen.

Frei nach dem Motto: Wenn nicht bald ein ehrlicher Kassensturz gemacht wird und Deutschland als Gläubigernation einen Schlussstrich unter seine wachsenden Auslandsschulden zieht, wird der Schuldenberg so gigantisch, dass das Land seine Wachstumschancen für die Zukunft verspielt. Stelter ist überzeugt, dass das Gros der Bürger dann nicht mehr in der Lage sein wird, mit der eigenen Hände Arbeit die bereits jetzt klaffenden Lücken bei den Renten und Versicherungen, um die jeder weiß, aber die sich keiner ehrlich eingestehen will, zu schließen.

Stelter verlangt noch mehr: Er fordert die Bundesbürger dazu auf, den Politikern durch Massendemonstrationen zu zeigen, dass sie sehr wohl bereit sind, sich durch eine Vermögensabgabe, höhere Vermögens- und Erbschaftssteuern,  am Abtrag des Schuldenbergs zu beteiligen. Die Politiker trauten sich nicht, den Bürgern die Wahrheit zu sagen, weil sie fürchteten vom Wahlvolk abgestraft zu werden. Ohne Schuldenschnitt – so der Berater – würde Europa aber nicht aus dem Dilemma mehr herauskommen. „Sparen wird uns nicht heraushelfen, wir werden auch nicht aus der Krise herauswachsen können, dafür ist die Verschuldung schlicht und einfach viel zu groß.“ Deutschland stecke überdies in einem typischen Gläubiger-Schuldner-Konflikt. Stelter: „Bei den Exportausfuhren sind wir Spitze, bei den Auslandsforderungen leider auch und hier stellen wir uns überraschend dumm an“.

Haben diesen Unternehmensberater alle guten Geister verlassen? Im Gegenteil. Stelter weiß sehr genau, wovon er spricht. Als 2008 die Finanz- und Schuldenkrise die Weltwirtschaft erschütterte, war die Aufsatzserie „Collateral Damage“ von Stelter & Kollegen eine der ersten und besten Informationsquellen für Unternehmer und Manager, die in der Krise Orientierung suchten. Der Experte für Finanzen und Wachstumsstrategien analysiert seither für große Unternehmen laufend die Auswirkungen der fortschreitenden Finanzkrise und hilft ihnen dabei, vorbereitet zu sein, auf das, was immer da noch kommen mag. Kaum ein anderer hat in den vergangenen fünf Jahren vermutlich so intensiv recherchiert und analysiert, was Politiker, Banker, Konzernlenker rund um den Globus bewegt und was sie aus eigenen Stücken heraus bereit und in der Lage sind zu bewegen.

Das Ergebnis seiner Analysen ist offenbar für Stelter so beklemmend, dass der Unternehmensberater jetzt als Autor mit einem Buch seine Bürgerpflicht erfüllen will. Sein Ziel ist es, das Schlimmste zu vermeiden zu helfen. Und das Schlimmste ist laut Stelter, dass die Schuldenuhr immer weiter tickt und neben den offiziellen Schulden noch versteckte hinzukämen, etwa die zwei Billionen Euro, die für die Beamtenpensionen fällig werden, für die der deutsche Staat aber bislang keine Rücklagen gebildet habe. Nicht nur in den Krisenländern, sondern in nahezu allen Industrieländern käme der Umgang mit dem hohen Verschuldungsgrad – der der Staaten, aber auch der der Privathaushalte – einer Insolvenzverschleppung gleich.

Stelters Idee, dass sich die Bürger selbst ihre eigene Teil-Enteignung verordnen, um noch halbwegs glimpflich davonzukommen und dem Land die Chance zu geben, die Resettaste zu drücken, ist verwegen, aber keineswegs naiv. Denn die Rechnung bekommen wir so oder so früher oder später alle auf den Tisch.

Der Strategieberater setzt sich mit seinen Forderungen an vielen Fronten zugleich in die Nesseln. Richtig ist, dass er für ein Haus tätig ist, dass seit Jahren auch Regierungen und Banken berät. Kritiker monieren deshalb, da fordere einer eine Enteigungsorgie, der selbst für das „Party-Schlachtfeld“ mitverantwortlich sei und nun für das Aufräumen der Hinterlassenschaften dieser Party Bürger mitheranziehen wolle, die diese Party weder bestellt noch gewollt haben. Leute, die ihr Leben lang gespart haben und sich ein Geld-Vermögen oder Haus leisteten. Doch eins ist auch klar: Stelters Mut, sich als erster aus der Deckung hervorzuwagen und stellvertretend für die gesamte Zunft die Prügel einzustecken, verdient Respekt. BCG kann stolz darauf sein, einen solchen Mann in ihren Reihen zu haben.

„Die Billionen-Schuldenbombe: Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist“ von Daniel Stelter, Veit Etzold, Ralf Berger und Dirk Schilder Wiley, 2013, 19.90 Euro

Wer Daniel Stelter die Meinung sagen oder sich zur Demo verabreden will, hier sein Facebook-Link:

http://www.facebook.com/Schuldenbombe?ref=ts&fref=ts

 

 

 

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