Warum die Hochzeitspläne von Ernst&Young und J&M Sinn machen

Die globalen Wirtschaftsprüfer rüsten ihre Consultingsparten immer weiter auf. PricewaterhouseCoopers schluckte den Lieferkettenspezialist PRTM, KPMG die Einkaufsberatung Brainnet. Und jetzt bahnt sich die nächste Übernahme an. Die Nummer drei im deutschen Wirtschaftsprüfermarkt Ernst & Young verhandelt derzeit – wie die WirtschaftsWoche aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr – mit dem Mannheimer Lieferkettenspezialist J&M Management Consulting über einen Zusammenschluss.

Erst im Dezember hatte Ernst & Young-Deutschlandchef Georg Graf Waldersee betont, dass Ernst & Young nach dem Verkauf seiner Beratungssparte an Capgemini erst spät in das Beratungsgeschäft zurückgekehrt wäre, nun aber stark investieren wolle.„Eine Fusion von Ernst & Young und J&M könnte für beide Partner einen großen Schritt nach vorn bedeuten, wenn sie zustande kommt“, urteilt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. J&M gilt mit rund 320 Mitarbeitern und Auslandsbüros in Zürich, Brüssel, London, Paris und Moskau als einer der führenden Supply Chain Management-Beratungen.

„Doch aus eigener Kraft weiter zu globalisieren, würde im Zweifel für die mittelgroße Beratung bedeuten, auf lukrative Aufträge im Inland verzichten zu müssen, um mit anfangs weniger lukrativen Aufträgen im Ausland den Fuß in die Tür zu bekommen. Über das globale Netzwerk von Ernst &Young wäre die Globalisierung weitaus einfacher“, so Fink. Ernst & Young wiederum könnte mit einer Übernahme von J&M auf einen Schlag den Vorsprung wieder einholen, den sich die beiden Wettbewerber PwC und KPMG durch ihre jüngsten Übernahmen verschafft haben. Ernst & Young und J&M wollten sich auf Anfrage zu dem konkreten Deal nicht äußern.

Aus der Stuttgarter Ernst &Young-Zentrale hieß es: „Wir führen mit verschiedenen mittelständischen Unternehmensberatungen Gespräche und prüfen derzeit sehr intensiv die unterschiedlichen strategischen Optionen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist definitiv keine Entscheidung gefallen, welche Unternehmensberatung zum Zuge kommen wird.“

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  1. Es ist durchaus korrekt, dass das anorganische Wachstum durch Zukauf/ Zusammenschluss sowohl für E&Y als auch J&M grundsätzlich Sinn macht: für die einen aufgrund der „schnellen Internationalisierung“, für die anderen aufgrund des „schnellen Kompetenzzukaufs“. Aber solche Zusammenschlüsse und Integrationen haben auch ihre Haken (dies gilt auch für die Übernahmen von KPMG, PWC und Deloitte): Die sich zusammenschliessenden Firmen waren alleine aufgrund ganz spezifischer Differenzierungsmerkmale und Geschäftsmodelle erfolgreich. Eine Integration einer kleineren in eine grössere Einheit könnte vieler dieser Differenzierungs- und Kulturmerkmale gefährden (hauptsächlich diejenigen der kleineren, integrierten EInheit). Deshalb haben die Art der Integration und die Beibehaltung der Stärken der zu integrierenden Einheit einen wesentlichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Vorteilhaftigkeit eines solchen Verbundes. Zudem ist es wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration, dass die Haupt-Know-how-Träger der zu übernehmenden Einheit den Deal auch mitmachen, ansonsten droht ein erheblicher Brain Drain, der den Erfolg der Integration zu Nichte machen kann.