KPMG steigt in den Weiterbildungsmarkt ein

In Berlin ging jetzt das Institute of Corporate Education (Incore) an den Start.  Der Verein wird von KPMG gefördert. Die ConSULTANten fragten Incore-Geschäftsführerin Nicole Gaiziunas und KPMG-Vorstand Robert Gutsche wieso, weshalb, warum.

Nicole Gaiziunas - Expertin für Corporate Education

Nicole Gaiziunas: Expertin für Corporate Education, KPMG-Partnerin und Incore-Geschäftsführerin

Robert Gutsche: Vorstand und Leiter der Consultingsparte von KPMG
Robert Gutsche: Vorstand und Leiter der Consultingsparte von KPMG

Frau Gaiziunas, Sie leiten das neue Institute of Corporate Education (Incore) in Berlin. Sie wollen Ihre Einrichtung als erste Adresse weltweit für Wissensvermittlung in Unternehmen etablieren. Gibt es nicht schon genügend Forschungseinrichtungen?

Gaiziunas: An Universitäten und Hochschulen gibt es viele sehr gute Forschungseinrichtungen, die sich mit Wissensvermittlung beschäftigen. Sie verfolgen dabei aber in der Regel eher generalistische Forschungsansätze und nehmen weniger die Unternehmensperspektive ein. Was bislang fehlte, ist eine Institution, die Wissenschaftler und Weiterbildungspraktiker aus der Konzernwelt an einen Tisch bringt. Wir bei Incore beschäftigen uns mit der Frage, wie Unternehmen bereits voll ausgebildete Professionals im globalen Maßstab trotz interkultureller Unterschiede nach einheitlichen Standards weiterbilden können.

Herr Gutsche, gegründet und gefördert wird Incore von dem Wirtschaftsprüfer KPMG. Inwieweit ist Incore eine Vertriebsplattform für die Consultingsparte von KPMG, für die Sie in Deutschland verantwortlich zeichnen?

Gutsche: Incore ist keine Vertriebsplattform von KPMG und wird weder Trainings durchführen noch Beratungsleistung erbringen. Das Institut wird an inhaltlichen und methodischen Grundlagen für  Weiterbildungskonzepte forschen. Und dieses Wissen mit uns, aber auch mit anderen Unternehmen, Organisationen und Hochschulen teilen. KPMG baut derzeit eine Education Division auf, die Corporate und Executive Education mit unternehmensspezifischen Modellen anbieten wird. Denn eine Voraussetzung für nachhaltigen Beratungserfolg sehen wir in der Kombination mit Trainings – das heißt, wir möchten Veränderungen initiieren und dafür Sorge tragen, dass diese auch umgesetzt werden. Da in diese Trainingsangebote von KPMG in Zukunft auch das Know-how von Incore einfließen wird,  haben wir dessen Gründung finanziell und inhaltlich unterstützt.

Herr Gutsche, ein eingetragener Verein, der im öffentlichen Interesse zum Thema Weiterbildung forscht, klingt toll. Aber wie soll am Ende die Öffentlichkeit davon profitieren?

Gutsche: Wir wollen für den Trainingsbereich langfristig ein wissenschaftliches Fundament sichern. Dafür ist eigene Forschung als auch ein kontinuierlicher Dialog mit Forschungseinrichtungen, Praktikern und politischen Gestaltern unabdingbar. Eine Organisation, die diese Aufgabe übernimmt, braucht eine andere Struktur, als ein Unternehmen sie bieten kann. Sie braucht einen Grad an Unabhängigkeit. Das Institut soll durch seine Forschungsarbeiten und sein Netzwerk aus Wissenschaftlern, Praktikern und Fachexperten einen Beitrag dazu leisten, Antworten auf die Herausforderungen rund um Bildung und Weiterbildung zu finden. Das Institut wird seine Forschungsergebnisse auch in öffentliche Diskussionen hineintragen.

Frau Gaiziunas, wie planen Sie das bei Incore gesammelte Wissen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Gaiziunas: Der Wissenstransfer wird zum Beispiel über die Veröffentlichung von Studien erfolgen, die wir gemeinsam mit Unternehmen und Hochschulen in Angriff nehmen wollen. Eine Zukunftsstudie zu den Perspektiven der Weiterbildung im Jahr 2030 läuft bereits. Zudem werden wir sukzessive vier Stiftungsprofessuren für die „Strategy and Leadership“, „Finance and Accounting“, „Procurement and Supply Chain Management“ sowie “Tax and Legal“ ausschreiben. Dabei geht es immer darum, als Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung, angewandter Wissenschaft und Praxis zu agieren. Wir wollen, dass Konzerne sich mit Wissenschaftlern und Weiterbildungspraktikern darüber austauschen, wie sich firmeneigene Universitäten am besten organisieren lassen, wie Unternehmen Coaching- und Trainingsprogramme aufsetzen können, um den Return on Education in ihre Belegschaften zu sichern.

Frau Gaiziunas, was sind denn die wichtigsten Trends in puncto Wissensvermittlung von Unternehmen derzeit?

Gaiziunas: Die Unternehmen kämpfen  damit, dass das Wissen in der Arbeitswelt immer schneller veraltet. Die Intervalle, in denen neues Wissen der Belegschaft zugänglich gemacht werden  muss, werden immer kürzer. Viele Praktiker empfinden universitäre Weiterbildungsangebote vor allem für Führungskräfte als zu weit von der Praxis entfernt. Viele Unternehmen sind nur bereit, in die Vermittlung von unternehmensspezifischem Wissen zu investieren. Digitales Lernen ist ein weiterer Faktor. Menschen sollten auf Wissensvermittlung überall zugreifen können. Dabei ist es auch wichtig, welche Methoden man benutzt. Ist es eine kurze Wissensapp, die mich zum Denken anregt, ein Webinar, das ich mir anschaue oder ist  in einem Präsenztraining, eine spezifische Aufgabenstellung mit den Kollegen zu bearbeiten?

Frau Gaiziunas, Sie waren bislang als Geschäftsführerin der BrainNet-Tochter SMI Campus unter dem Dach der European Business School in Sachen Executive Education tätig. Über die Trennungsgründe spekulierte die Financial Times Deutschland. Können Sie hier Licht ins Dunkel bringen?

Gaiziunas: Unser Ziel ist es,  eine andere Struktur zu entwickeln und das Zusammenwirken von Forschung und Umsetzung anders zu organisieren. Mit Incore möchten wir ein Institut aufbauen, das inhaltlich breiter aufgestellt und stärker in der internationalen wissenschaftlichen Community vernetzt ist – dazu gehört auch, dass wir mit mehreren akademischen Partnern zusammenarbeiten – mit öffentlichen und privaten Hochschulen, Instituten und Think Tanks –. Wir schließen nicht aus, dass wir in Zukunft  auch mit der EBS kooperieren werden.

Herr Gutsche,  wie wichtig ist das Thema Corporate Education für die KPMG?

Gutsche: Sehr wichtig. Durch die Übernahme der BrainNet Supply Management Group und ihrer im Executive Education-Bereich tätigen Tochtergesellschaft verfügen wir über eine Organisation, die sowohl national als auch international Trainings anbietet: Das bislang unter dem Dach der EBS arbeitende Team von Frau Gaiziunas führt jährlich 10.000 Teilnehmertage durch und hat weltweit mehr als 175.000 Mitarbeiter und Führungskräfte trainiert oder gecoacht. Diese Expertise war ein wichtiger Grund für diese Transaktion. Corporate Education ist ein boomender Zukunftsmarkt, den wir mitgestalten wollen.

 

 

 

 

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