Blattschuss

„Warum Berater den Zoodirektor loben“, fragt heute das Handelsblatt – und liefert in der Unterzeile gleich die Antwort: „Theo Pagel (der Kölner Zoodirektor) erschoss einen Tiger, der eine Pflegerin angriff. Die beherzte Entscheidung ist auch ein Lehrstück für Manager.“ Im Text wird dann ein Personalberater von Heidrick & Struggles zitiert, der sich lobend darüber auslässt, dass eine Führungskraft (der Zoodirektor) eine unangenehme Sache (den Tiger zu erschießen) selbst in die Hand genommen hat, statt sie – wie in Unternehmen sonst häufig üblich – zu delegieren.

Herzlichen Glückwunsch zum Blattschuss! Der ging voll ins Auge, oder ins eigene Knie, jedenfalls daneben. Auch wenn der Berater in der Sache recht hat: Was in aller Welt hat ihn dazu bewogen, sich in diesem Zusammenhang so zu äußern? Besser kann man Vorurteile nicht bedienen. Wenn es einen Preis für den größten Bärendienst gäbe: Der Heidrick-&-Struggles-Berater wäre mein derzeit heißester Anwärter für den ersten Platz. Mit seinem rhetorischen Schuss aus der Hüfte hat er es geschafft, das alte, miese Berater-Image vom rücksichtslosen Kosten-Killer und Leute-Schinder neu zu beleben.

Wie solche fatalen Assoziationen funktionieren, zeigt die ebenfalls heute in Bild-Köln zum gleichen Thema erschienene Geschichte: „Tiger Altai soll ausgestopft werden“. Auch wenn man sich dagegen wehrt: Der Gedanken drängt sich einem einfach auf, auch der Berater möge irgendwann mal ausgestopft werden.

Einen passende Platz, wo er anschließend ausgestellt werden könnte, gibt es schon: neben die Dinosaurier.

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