Der ganz normale Wahnsinn im Leben eines Headhunters

In kaum einer anderen Branche gibt es so viele kreative Querdenker, aber auch Diven, Paradiesvögel, Menschenfreunde, aber auch -verächter wie in der Personalberatung. Was nicht allein nur an den Headhuntern liegt. Personalberater haben die Begegnung mit karriereorientierten Menschen zum Beruf erklärt. Dass darunter auch  jede Menge Biedermänner und Blender, Erbenszähler, Einsiedler und Egomanen, Verrückte und Verzweifelte sind,  gehört zum Alltag.

Klaus Leciejewksi, Gourmetkritiker, Schriftsteller  und Blogger aus Erftstadt bei Köln, berichtet in seinem Blog  Literarische Gedanken spitzzüngig wie ehrlich aus mehreren Jahrzehnten als bundesweit erfolgreicher Personal- und  Unternehmensberater:

Schriftsteller Klaus Leciejewski
über Situationen, die selbst
hartgesottene Headhunter sprachlos machen
Foto: Michael Dannemann

Lebenseinstellung

Viele Jahre habe ich als Headhunter gearbeitet. Aus dieser Zeit fallen mir Situationen ein, die mich bis heute sprachlos zurücklassen.

Einzelhandelskette sucht Einkäufer

Ich rufe bei der Fleisch- und Wursteinkäuferin einer mittleren Einzelhandelskette an:

„Ich besetze eine Position als Leiterin Qualitätsmanagement in einem großen fleischverarbeitenden Unternehmen. Hätten Sie Interesse?“

„Ich denke nicht.“

„Das ist schade, denn die Position ist gut dotiert. Darf ich Ihnen die Aufgabe und die Konditionen detailliert erläutern?“

„Um Gottes willen, nein!“

„Aber weshalb denn nicht?“

„Na hören Sie mal. Schon der Fleischeinkauf reicht mir. Ich bin Vegetarierin!“

 

Headhunter sucht Auftraggeber 

Mit einem befreundeten Headhunter besuche ich eine große Nahrungsgütermesse in Spanien. Wir hatten beide Kunden dort, die wir separat besuchten, aber zugleich wollten wir gemeinsam Akquisemöglichkeiten erkunden. Wir sprechen am Stand des renommiertesten Produzenten von Serranoschinken vor. Ich verweise auf meine Erfolge bei der Besetzung von Positionen in dieser Branche in Deutschland, um zu zeigen, dass ich bei einer Geschäftsausdehnung nach Deutschland ein kompetenter Partner sein könnte. Wir werden zu einem Gespräch mit dem Besitzer gebeten. Dort reißt mein Freund sogleich das Gespräch an sich. Intensiv tauscht er sich mit dem Besitzer über die unterschiedlichen Qualitäten der Schinken aus, erwähnt Geschäftsmöglichkeiten in Deutschland, ja , er bietet ihm sogar Unterstützung für die Herstellung von Kontakten zu Premiumvertriebskanälen an. Er erweist sich als ein echter Experte für Qualitätsschinken. Der Besitzer ist über diese Hinweise sehr angetan. Aus dem Hinterzimmer seines Standes lässt er eine Riesenportion seines besten Schinkens holen, 15 Jahre gelagert, und überreicht uns diese persönlich. Darauf meint mein Freund und Kollege mit entwaffnender Redlichkeit:

„Nein danke, ich esse kein Schweinefleisch.“

 

Big-Four-Wirtschaftsprüfer sucht Partner

Eine der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bittet mich, für ein Spezialgebiet einen neuen Partner zu suchen. Dieser soll besonders dynamisch sein und eng mit seinen internationalen Kollegen zusammenarbeiten.

Nach wochenlangen, schwierigen Recherchen finden wir einen Wirtschaftsprüfer, der junger Partner in einer mittelständischen Prüfungsgesellschaft ist. Er zeigt sich sehr interessiert an der höher dotierten Position als Partner eine weltweit agierenden Gesellschaft. Nachdem wir alle Details geklärt haben und einen Termin für die Vorstellung bei meinem Kunden ausgemacht haben, sendet er mir eine E-Mail, in der er auf drei Seiten seine Vorstellungen über eine zukünftige Vergütung erläutert. An deren Ende verweist er darauf, dass er auf jeden Fall auch auf seine bisher gewährten täglichen Essensgutscheine von 20 Euro besteht und ich diese gegenüber meinem Klienten bitte durchsetzen solle.

Die angedachte Vergütung für diese Position lag bei 250.000 Euro im Jahr.

Konzern sucht Personalmanager

Ein Konzern will in seiner Zentrale die Anzahl der Mitarbeiter verringern, also Personal abbauen, um effektiver in der Verwaltung zu werden und den Tochterfirmen mehr Verantwortung zu geben. Eigentlich ein löbliches Vorhaben. Dafür suche ich den geeigneten Personalmanager. Ich stelle dem Unternehmen eine erfahrene Persönlichkeit aus einem bekannten mittelständischen Unternehmen vor. Dieser strebt aus Karriere- und Gehaltsgründen in die Großindustrie. Das Gespräch beginnt mit der üblichen wechselseitigen Vorstellung, in der mein Kandidat eine gute Figur macht. Dann fragt der Vorstandsvorsitzende, ob der Kandidat schon einmal Personal abgebaut hätte. Dieser antwortet darauf ausführlich, um am Ende zu betonen, dass er dabei jedoch tagelang nicht hätte schlafen können. Die zweite Frage war, was er am ersten Tag im neuen Unternehmen machen würde. Die Antwort:

„Zuerst werde ich an alle leitenden Mitarbeiter eine Mail über meine Ankunft senden sowie darüber,dass die Personalverantwortung jetzt bei mir liegt und für die gewerblichen Mitarbeiter eine ähnliche Notiz am Schwarzen Brett anbringen lassen.“

Der Vorstandsvorsitzende hatte keine dritte Frage.

 

Leciejewskis Blog Literarischegedanken.de

 

 

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Sie haben wohl recht, in kaum einer anderen Branche gibt es so viele kreative Querdenker, aber auch Diven, Paradiesvögel, Menschenfreunde, aber auch -verächter wie in der Personalberatung. Toll, dass Personalberater in diesem Artikel die Begegnung mit karriereorientierten Menschen als Beruf erklärt haben. Wir suchen ebenfalls gerade Personalberatung für Unternehmen in München, weswegen ich mich gerade online über das Thema informiere. Hoffentlich finden wir bald einen passenden Anbieter!