Schafe im Wolfspelz – Gutmenschen unter den Beratern der Banken von McKinsey und BCG?

Wird schon bald wieder mehr Moral in die Bankenwelt einziehen? Ein Gespräch mit einem, der es wissen muss, gibt mir zumindest Anlass zu ein wenig mehr Hoffnung. Vor wenigen Wochen erzählte mir ein Eingeweihter, dass es bei McKinsey und BCG mittlerweile eine ganze Reihe von „gewendeten Beratern“ gäbe. Ein hübscher Begriff. Er meinte damit Unternehmensberater, die im Feld Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleister unterwegs sind. Der Consulter sagte, die „Gewendeten“ gingen mit den Banken insgeheim härter ins Gericht als so mancher Occupy-Bewegte. Leider scheint sich der Trend zum Gutmenschentum bislang vor allem im Geiste der Berater abzuspielen. Denn ob seine Kollegen ihre bankenkritische Haltung ihre Auftraggeber in der Finanzwelt auch spüren lassen, darüber wußte der Consulter nichts zu berichten.

Vor wenigen Tagen lief mir nun ein moderaterer Typus von gewendetem Finanzdienstleistungs-Consulter höchst persönlich über den Weg. Beim Prosecco erzählte mir der Partner einer der globalen Strategieberatungen, dass er sich in seiner Freizeit den Film „Wall Street“ mit Oskar-Preisträger Michael Douglas auf Blu-ray angeschaut hätte. Er schwärmte von der Weitsicht, die die Wall Street-Macher bereits vor 25 Jahren beim Dreh des Filmes an den Tag gelegt hätten.

Das müsse man sich mal vorstellen, meinte er. Die Macher des Films hätten schon vor einem Viertel Jahrhundert eine der Hauptursachen für die heutige Finanz- und Bankenkrise benannt. Imponiert hatte ihm vor allem ein Zitat der Filmfigur Lou Mannheim. Der gestandene Börsenhändler gibt im Film dem Protagonisten und Wall Street-Greenhorn Bud Fox alias Charlie Sheen einen guten Rat: „Mein Gott, in dem Markt kannst Du doch keinen Dollar verdienen. Das Land dreht sich höllisch schneller als zu der Zeit als das Arschloch Roosevelt noch an der Macht war. Zu viel billiges Geld schwappt durch die Welt. Den größten Fehler, den wir jemals begangen haben, war es zuzulassen, dass Nixon den Goldstandard abschafft“.

Im wahren Leben beendete die US-Regierung 1971 die Umtauschbarkeit des US-Dollars in Gold. Seither kann sie so viel Geld drucken wie sie will. Ob es für das Geld auch einen Gegenwert gibt, spielte ab diesem Zeitpunkt scheinbar keine Rolle mehr. Geld konnte plötzlich frei und in zuvor ungekannter Menge zirkulieren. Das pushte das Wachstum, aber beförderte auch die Gier und die Bereitschaft, für Geld Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun will. Zum Beispiel an weitgehend Mittellose, Bankkredite zu vertickern.

Der Strategieberater aus Deutschland, der nun also beim Prosecco von seinem Filmerlebnis berichtete, hatte aus „Wall Street“ seinen ganz persönlichen Schluss gezogen: Man sollte Künstlern mal häufiger zuhören. Die hätten doch eine ziemliche Antenne.

 

„Es ist heute nichts Ehrenvolles mehr, arm zu sein“

Bud Fox, junger Börsenhändler aus dem Film „Wall Street“

„Das Problem an Geld ist, Bud, dass es Dich Dinge machen lässt, die Du nicht tun willst“

 Lou Mannheim, älterer Börsenhändler aus dem Film „Wall Street“

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Über Julia Leendertse

Julia Leendertse schreibt über Managementthemen und covert die Branchen Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung und Personalberatung. Ihre journalistische Laufbahn startete die Kölnerin Anfang der Neunzigerjahre als Redakteurin bei dem Unternehmermagazin "impulse" und wechselte später in die Redaktion von "Capital Ost" nach Berlin. 1998 wurde sie Redakteurin bei der WirtschaftsWoche und leitete hier ab 2002 das Ressort Management. Seit 2005 ist sie als freie Autorin tätig.

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Alle Kommentare [2]

  1. In der Banken- und Finanzkrise 2008/2009 hieß es: Die Banken sind zu groß, um sie pleite gehen zu lassen. Experten empfahlen die Trennung von Investment- und Geschäftsbanken. Ihre Risikoprofile seien zu unterschiedlich. Und wer vermeiden wolle, dass die Realwirtschaft durch Spekulanten gefährdet wird, müsse dafür sorgen, dass die beiden Welten voneinander getrennt werden.

    Wenn man liest, was Unternehmensberatungen wie McKinsey oder Boston Consulting Group den Finanzdienstleistern heute so empfehlen, gewinnt man nicht gerade den Eindruck, dass die Berater der Banken auch nur irgendwas dazu gelernt hätten.

    In der Banken- wie in der Beraterwelt heißt die Devise nach wie vor: höher, schneller, weiter. Warum sollte eine Beratung ihrem Kunden eine Zerschlagung empfehlen? Die Beratung hat doch mehr davon, wenn ihr Kunde wächst und wächst und wächst.

  2. BCG geht davon aus, dass die Top-Fünf-Anbieter der Bankenwelt zukünftig die Hälfte des gesamten globalen Geschäftsvolumens auf sich vereinen wird. Heute läge – so die Strategieberatung – gerade einmal ein Viertel des Geschäfts in den Händen der Top Fünf. Im weltweiten Wettlauf mit den Amerikanern und Chinesen ist es deshalb für Deutschland wichtig, dass die Deutsche Bank wieder in die Oberliga zurückkehrt. Im Moment rangiert die Deutsche Bank jedoch nicht einmal mehr unter den Top 20 und ist weit abgeschlagen hinter Banken aus China und den USA. Anshu Jain und Jürgen Fitschen verfolgen das Ziel, dass neben JP Morgan, HSBC, Barclay und Goldman Sachs auch die Deutsche Bank zu den Top-Fünf zählt. Für deutsche Unternehmen wäre es gut, wenn die beiden ihr Ziel erreichen würden.