Die Jahresendrally läuft

Schneller als erwartet hat der Dax die Hürde bei 9500 Punkten genommen. Kurzfristig steuert er nun die alten Höhen um 10050 an.

Kurstechnisch ist der Sprung über die Zone um 9500 ein starkes Kaufsignal. Erstens verläuft der Dax damit wieder über seiner 200 Tage-Linie, die zudem nach oben dreht. Zweitens hat er den Abwärtstrend der vergangenen fünf Monate übersprungen; und drittens – das ist am wichtigsten – ist damit höchstwahrscheinlich die Gefahr vom Tisch, dass die gesamten Kursschwankungen der vergangenen zwölf Monate eine große obere Trendwende werden könnten. Nachdem der Dax sich erstaunlich schnell wieder über die 9000 retten konnte, hat sich dies in den vergangenen Wochen schon dezent angedeutet.

Die technisch stabile Verfassung der deutschen Börse vollzieht sich nicht im luftleeren Raum. Dass die Unternehmen hierzulande substanziell (Umsatz, Gewinn, Eigenkapital) deutlich stärker geworden sind, war vor einer Woche an dieser Stelle zu lesen. Dies gilt weiterhin und wird wahrscheinlich über die kurzfristig stabile Tendenz hinaus im gesamten nächsten Jahr das Fundament für den Aktienmarkt bilden.

Dass sich die Konjunktur dazu moderat, aber immerhin leicht aufwärts entwickelt, passt dazu. Durch ihre stabilere Verfassung sind die Unternehmen in der Lage, hierbei stärker steigende Gewinne zu erwirtschaften. Mangels Anlagealternativen reicht der Börse ohnehin schon ein leichtes Plus. Selbst bei einem vorsichtigen Konjunkturszenario, das in Europa nur noch von einem kleinen Wachstum ausgeht, wären neue Rekordgewinne bei den Dax-Unternehmen möglich.

Explosive Mischung an den Zinsmärkten 

Am großzügigen monetären Umfeld ändert sich auf absehbare Zeit nichts. In Europa steht die EZB wahrscheinlich vor Staatsanleihekäufen, der Verfall der Renditen dürfte weitergehen. Allein in diesem Jahr ist die Umlaufrendite von 1,6 Prozent auf 0,6 Prozent gesunken. Erst wenn man das relativ betrachtet, als Rückgang um zwei Drittel, wird das gesamte Ausmaß der Zinsschrumpfung offensichtlich. So gesehen handelt es sich um den stärksten Zinsrückgang seit mehr als 30 Jahren.

Brisant wird es, wenn man den Verlauf der langfristigen Zinsen als Chartkurve betrachtet – mit logarithmischer Skala (gleiche prozentuale Veränderungen ergeben gleiche graphische Ausschläge). Dann nämlich befindet sich der Zinsmarkt in einer extremen Übertreibung nach unten; spiegelbildlich etwa vergleichbar mit dem Überschießen am Goldmarkt 2011.

In beiden Fällen kam es nach einem langjährigen Trend zu einer exponentiellen Beschleunigung. Beim Gold folgte danach eine heftige Gegenbewegung, die mit 40 Prozent auch das Ausmaß einer klassischen Korrektur angenommen hat. Ist auch bei den Zinsen eine so massive, von der Mehrheit unerwartete Gegenbewegung möglich?

Nun, kurzfristig gibt es dafür noch keine Anzeichen. Dennoch ändert das nichts an der Tatsache, dass an den Zins- und Anleihemärkten unter langfristigem Blick die größte Blase der jüngeren Finanzmarktgeschichte entstanden ist. Wenn man für nächstes Jahr in Europa mit knapp einem Prozent Wirtschaftswachstum rechnet und dazu mit rund einem Prozent Inflation, ergäbe das – theoretisch – ein angemessenes Zinsniveau von rund zwei Prozent. Das wäre dreimal so hoch wie der aktuelle Stand. Auch diese Rechnung zeigt die explosive Mischung, die mittlerweile an den Finanzmärkten entstanden ist.

Der Dax auf dem Weg zum Top

Kurzfristig dürfte sich an den niedrigen Zinsen und an der positiven Aktientendenz nichts ändern. Die Zeitspanne von Ende November bis Mitte Januar gehört ohnehin zu den ertragreichsten Phasen für Aktien. Die Krise in Russland schockt derzeit erst einmal niemanden mehr, Öl ist (auch deshalb) billig wie seit Jahren nicht, die Zinsen bleiben unten. Anlagegeld für Aktien ist reichlich vorhanden, Anleihen werden als Konkurrenz immer uninteressanter.

Prognose für die nächsten Wochen: Bei 10000 sollte der Dax (nach immerhin 1400 Punkten Gewinn in sechs Wochen) erst einmal eine Pause einlegen. Ein Abbröckeln in den Bereich 9700/9800 könnte sich dann als Luftholen vor dem Anstieg auf das bisherige Top erweisen. Bis Anfang/Mitte Januar hat der Dax sogar die Chance auf ein neues Hoch.

Nachzügler BASF läuft – trotz Manipulationsvorwürfen

Spannend wird es derzeit bei BASF. Den Ludwigshafenern werden Preismanipulationen bei Platin und Palladium vorgeworfen. Immerhin, mit drei Großbanken zusammen ist BASF der führende Spieler auf diesen Metallmärkten, seitdem BASF 2006 den amerikanischen Katalysatoren-Spezialisten Engelhard übernommen hat. Ob deshalb nun auf BASF teure finanzielle Folgen zukommen (Rückstellungen, Vergleichszahlungen, Strafen), ist derzeit offen. Kurzfristig hat sich die Aktie davon nicht beeindrucken lassen.

Indes, weltweit beobachten Regulierungsbehörden derzeit Preismanipulationen mit scharfem Auge. Im Fall der Manipulationen von Zins-und Devisenmärkten waren die Strafzahlungen empfindlich, bei Manipulation der Metallpreise gab es für die britische Barclays-Bank aber nur eine überschaubare Strafe von 26 Millionen Pfund. BASF dürfte jetzt nicht vor einer riesigen Belastung stehen, mehr als eine kurzfristige Irritation im Kurs sollte es nicht geben.

Operativ kommen die Ludwigshafener gut voran. In diesem Jahr könnte der Gewinn von 4,9 Milliarden Euro auf 5,1 Milliarden klettern. Dass die Ölpreise zuletzt stark gesunken sind, entlastet zwar die Kostenseite bei der Chemieproduktion. Da BASF durch Förderung und Handel aber selbst stark im Öl- und Gasgeschäft ist – und hier in diesem Jahr an die 30 Prozent seiner operativen Gewinne einfahren dürfte, sollte sich dieser Effekt ausgleichen.

BASF-Aktien sind weiterhin ein Basisinvestment im Dax. Die erwartete Stabilisierung zwischen 65 und 70 Euro ist gelungen, der Anstieg auf 75 Euro ebenfalls. Zwischen 70 und 75 Euro ist die Aktie für Neueinsteiger interessant. Die Bewertung ist verträglich, die Dividende gut und ziemlich sicher.

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