Rekordjahr für Dax-Unternehmen

Mehr Umsatz, viel mehr Gewinn, stabilere Bilanzen, großzügige Dividenden: So gut wie 2014 waren deutsche Börsenunternehmen noch nie.

Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Nachdem sie im dritten Quartal nur marginal zugelegt hat, sieht es im vierten Quartal nach Stillstand aus. Da die Durststrecke schon etwas länger dauert, schlägt sich das nun in schwächeren Auftragseingängen nieder. Für nächstes Jahr sind das keine guten Vorgaben.

Die Dax-Unternehmen allerdings stehen 2014 gar nicht schlecht da. Insgesamt dürfte ihr Umsatz im Durchschnitt in diesem Jahr um drei Prozent zulegen. Darin spiegelt sich die gute Stellung der Unternehmen auf den immer noch wachsenden Weltmärkten wider – sowohl in China (unabhängig davon, dass die jüngsten Zahlen etwas schwächer waren) und in Amerika, derzeit einer der wichtigsten Absatzmärkte für deutsche Unternehmen.

Deutlich stärker als der Umsatz sind im bisherigen Jahresverlauf die Gewinne gestiegen. Operativ (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation; Ebitda) könnten es am Ende acht Prozent mehr werden. Netto ist die Spanne sogar noch größer. Das wiederum ist eine Folge der seit Jahren anhaltenden Sparwellen.

Die Dax-Unternehmen haben durchaus gelernt, selbst in wirtschaftlich flachen Zeiten zu wachsen und dabei auch noch gut Geld zu verdienen. Wenn die Erträge im vierten Quartal sich nur einigermaßen halten, erreichen die Dax-Unternehmen im Durchschnitt in diesem Jahr (umgerechnet auf den Index) rund 700 Euro Gewinn. Das liegt zweistellig über den bisherigen Top-Jahren 2011 und 2012.

Keine Blase, aber auch nicht billig

Bei einem Dax um 9400 ergäbe sich für den Gesamtmarkt eine gut 13fache Bewertung auf ziemlich sicherer Gewinnbasis. Ein solcher Markt ist weit davon entfernt, blasenhaft überzeichnet zu sein; richtig billig es er allerdings auch nicht, dazu wären Bewertungen um 10 notwendig.
Noch ein Vorteil der Dax-Unternehmen, der im Grunde zu wenig Beachtung findet, obwohl das in den Jahren vor der Finanzkrise eine der größten Schwächen der Unternehmen war: Die Eigenkapitalbasis wurde erheblich gestärkt. Während die Verschuldung 2014 insgesamt leicht rückläufig ist, dürften die Eigenmittel um mehr als zehn Prozent über den Werten des vergangenen Jahres liegen. Damit sind Dax-Unternehmen am Markt nicht nur gut positioniert und effizient, sie sind zudem so robust wie nie zuvor. Auch das trägt dazu bei, den Aktienmarkt zu stabilisieren.

Seit 1970 nie die Dividende gesenkt

Dass die Zinsen auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben, gilt gemeinhin als Vorteil für Aktien, weil es der Konjunktur hilft (und damit den Unternehmensgewinnen) und weil Zinsanlagen als Alternative immer weniger oder gar nichts mehr bringen. Gerade bei letzterem Thema, das durch die Diskussion um Strafzinsen zusätzlich an Schärfe gewinnt, werden die Dax-Aktien einen weiteren Vorteil ausspielen: ihre vergleichsweise hohe und durchaus nachhaltige Dividende.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Versicherer, im Dax Allianz und Münchener Rück. Während deren Aktien zu Zeiten der alten Deutschland AG vor allem durch die Hoffnung auf stille Reserven beflügelt wurden, ist es heute immer mehr die sichere Auszahlung einer Dividende.

Die Münchener Rück hat ihre Dividende seit 1970 noch nie gesenkt. Derzeit liegt die Rendite bei rund fünf Prozent. Knapp die Hälfte ihres Nettogewinns schüttet die Münchener Rück aus. Sollte sie einmal, was durchaus möglich ist, durch Naturkatastrophen sehr hohe Schadenszahlungen leisten müssen, würde das natürlich den Nettogewinn eines Jahres drücken.

Dass es gleich mehrmals hintereinander so teure Schäden gibt, ist indessen eher unwahrscheinlich. Zudem steigen in solchen Fällen auch ziemlich schnell die Prämienvolumina und die Preise für die Prämien – denn die Erstversicherer müssen sich dann auch entsprechend schnell wieder rückversichern. All das dürfte dazu führen, dass die Münchener Rück wahrscheinlich auch in den nächsten 44 Jahren ihre Ausschüttung halten sollte – mindestens.

Allianz als Anleihe-Ersatz

Einen ähnlichen Schritt ist nun die Allianz gegangen. Sie will in Zukunft mehr und zuverlässiger ausschütten. Gerade für die Allianz-Aktie ist dieses Bekenntnis wichtig, weil der Kurs des Papiers bisher überdurchschnittlich hohen Schwankungen unterworfen war. Die Aussicht auf eine hohe und sichere Dividende stabilisiert – genau wie auch eine Anleihe mit einem hohen Kupon weniger schwankt als die gleiche Anleihe, die nur als Zero-Bond konstruiert ist.

Es ist fast zwanzig Jahre her, da war der Glaube an das nachhaltige Wachstum von Unternehmen Common Sense – und entsprechend galt es als Erfolgsrezept, das Geld soweit es geht im Unternehmen zu lassen; schließlich weiß doch vor allem der Unternehmer selbst, was für seine Firma das Beste sei.

Paradebeispiel dafür war das Unternehmen Microsoft, das in den Neunzigerjahren seinen Umsatz verzwanzigfachte – und damals nie eine Dividende zahlte. Die gab es dann erst für 2003, als die Grenzen des endlosen Wachstums sichtbar wurden. Heute, mit immerhin mehr als zwei Prozent Rendite, hat Microsoft angesichts seines lukrativen und ziemlich konjunkturunabhängigen Geschäfts fast schon Anleihecharakter. Und das ist auch ein Grund für die Renaissance dieser Aktie.

Drei Prozent Rendite ziemlich sicher – bis zu fünf Prozent möglich

Gut drei Prozent werden die Dividenden ausmachen, die deutsche Unternehmen im nächsten Frühjahr ihren Aktionären ausschütten. Und in diesen Durchschnitt sind die Nichtzahler wie die Commerzbank  und  ThyssenKrupp mit enthalten. Wer ein Bündel aus fünf spendablen und sicheren Zahlern schnürt, dürfte auf vier bis fünf Prozent kommen. Vorschläge: Allianz und Münchener Rück, dazu BASF, Daimler und die Telekom. – Keine Versorger allerdings, deren Geschäftsmodell ist für eine nachhaltige Dividendenstrategie viel zu wacklig.

Folge für den Dax: Wenn die Wirtschaft sich nur einigermaßen hält, dürften deutsche Aktien bei jedem Rückschlag auf Käufer stoßen. Das sind zu einem immer größeren Teil strategische und institutionelle Langfristinvestoren, die statt auf Renditen zweifelhafter Emittenten lieber Aktien stabiler, dividendenstarker Unternehmen kaufen.

Zur kurzfristigen Entwicklung im Dax: Den Anlauf in Richtung 9500 Punkte hat der Markt geprobt, der Rückschlag danach kam schnell. Die Widerstandszone um 9500 ist damit erst einmal bestätigt. Dass sie kurzfristig, in der nächsten Woche, genommen wird, ist wenig wahrscheinlich. Bei mehr als der Hälfte der Dax-Werten verlaufen die Kurse unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts. Das spricht dafür dass die aktuelle Korrektur noch nicht beendet ist. Nach unten sollten weiterhin 9000 Punkte (per Schlusskurs) nicht unterschritten werden.

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