9000 Punkte im Dax müssen halten

Von wichtigen Einzelwerten kommen Schwächezeichen, dennoch hat der Dax die Chance auf eine Jahresendrally noch nicht verspielt.

Der Dax hält sich passabel, obwohl die Aussichten von der Konjunktur trübe werden. Der starke Dow ist eine zentrale Stütze, ebenso die reichliche Geldversorgung durch die Notenbanken. Unter der Oberfläche des Gesamtmarkts gibt es mittlerweile divergierende Entwicklungen, die Hinweise geben, wohin der Dax in den nächsten Monaten laufen könnte. Das zeigt ein Blick auf die nach Marktkapitalisierung schwersten Indexwerte.

Bayer, seit Jahren ein Top-Performer im Dax. Der Hauptgrund liegt darin, dass durch Zukäufe der Pharmaanteil weiter erhöht wird, das treibt die Gewinnmarge und die Umsatzbewertung an den Börsen. Sollte ein reiner Pharmakonzern Bayer eines Tages so gut wie Novartis verdienen und auch so bewertet werden, hätte Bayer sogar noch von heute aus gesehen leicht 30 Prozent weiteres Kurspotenzial. Latente Übernahmephantasie kommt hinzu.

Allerdings, ob diese schöne Rechnung aufgeht, ist unsicher. Der erwartete Gewinnanstieg in diesem Jahr von weniger als zehn Prozent ist realistisch, aber eben auch nur moderat. Für nächstes Jahr werden an die 15 Prozent erwartet – da steckt viel Pharmahoffnung drin. Zudem ist die Bilanz von Bayer durch die Expansion der vergangenen Jahre ziemlich gestreckt.

Fazit für Bayer: Bei Kursen um 110 ist der Trend stark, prozyklisch kann man die Aktie laufen lassen. Ein Geheimtipp nach einer Verdreifachung in drei Jahren aber ist sie nicht mehr. Für den Dax, immerhin, ist Bayer ein Stabilisator.

Siemens, der Zweite im Index, tut sich deutlich schwerer. Zwar hat der neue Chef mit seiner Rentabilitätsstrategie eine gute Presse, auch im Wettkampf gegen GE. Doch sowohl die Aufräumarbeiten im Konzern als auch eine mögliche Abschwächung der Weltkonjunktur dürften ihre Spuren hinterlassen.

Der gerade veröffentlichte Jahresabschluss war mit plus 40 Prozent Gewinn nicht schlecht. Doch im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs deutlich geringer ausfallen. Siemens-Aktien sind daran gemessen nicht überbewertet, dennoch signalisiert der Rückschlag unter die wichtige 90er-Marke vorerst eine Pause im langfristigen Anstieg.

Fazit für Siemens: Kurz- bis mittelfristig überwiegt die Unsicherheit, ein dringender Kauf ist die Aktie nicht. Langfristige Investoren müssen nichts übereilen und dürften noch die Chance erhalten, günstiger zum Zug zu kommen.

SAP, die Nummer drei im Dax, ist seit Monaten angeschlagen. Das Management hat zwar schon mehrmals betont, dass die aktuellen Geschäfte ausgezeichnet liefen; doch die Umstellung auf das Cloud-Geschäft drückt empfindlich auf die Margen. In diesem Umfeld wird es auch immer schwieriger, dass SAP seine gewohnt hohe Bewertung halten kann.

Kurstechnisch kommt die Aktie seit zwei Jahren nicht mehr voran. In dieser relativen Schwäche spiegelt sich der Umbau des Konzerns wider, der zäher abläuft, als von Investoren anfangs erwartet.

Fazit für SAP: Unter kurzfristiger Perspektive gibt es keine Anzeichen, dass sich an der schwachen Performance von SAP etwas ändert. Die Aktie ist weder schon billig genug, dass sie sich als antizyklische Spekulation anbietet, noch hat sie einen tragfähigen Boden für einen nachhaltigen Anstieg gelegt. Für den Dax ist sie ein Unsicherheitsfaktor, kurzfristig sogar eine Belastung.

Daimler dagegen gehört zu den Papieren, die mitten in einer großen Aufholjagd stecken. Bei den Autos trägt die Modellpolitik der vergangenen Jahre nun Früchte, sogar im Nutzfahrzeuggeschäft geht es langsam aufwärts. Dabei ist die Aktie weder vom Umsatz noch vom Gewinn teuer, eine gute Dividende gibt es auch noch. Derzeit einer der aussichtsreichsten Werte im Dax.

Kurstechnisch kann sich die Aktie der unentschiedenen Situation im Dax nicht entziehen, könnte aber im Bereich 58 bis 62 Euro in den nächsten Wochen einen Boden bilden.

BASF ist durch seine Warnung vor einer schwächeren Entwicklung in der Chemiebranche regelrecht ins Hintertreffen geraten. In Asien kommt die Expansion nur langsam voran, in den USA haben einheimische Produzenten Vorteile wegen günstiger Energiepreise. Billiges Öl ist nicht einfach gut für die Ludwigshafener, denn BASF ist durch seine Tochter Wintershall hier schwer im Geschäft.

Dass der einstige Anlageliebling BASF in den vergangenen Wochen auch von mehreren Banken heruntergestuft wurde, hat den Kurs noch eine Etage tiefer gedrückt. Bisher läuft zwischen 65 und 70 Euro der Versuch einer Stabilisierung. Sollte der fehlschlagen, droht sogar ein Rückfall unter 60 Euro.

Fazit für BASF: Obwohl die Aktie langfristig wegen der starken Marktposition des Unternehmens, der hohen Finanzkraft und der verlässlichen Dividende zu den Dauerbrennern gehört, überwiegen kurzfristig die Risiken. Die Rückwirkung auf den Dax ist derzeit eher negativ.

Entscheidung im Dax steht bevor

Daimler vielversprechend, Bayer stabil, Siemens wacklig, SAP und BASF deutlich angeschlagen – diese Mischung legt für den Dax kurzfristig (für die nächsten Wochen) eher eine negative Entwicklung nahe. Diese verhaltene Gesamtverfassung zeigt sich auch im Dax selbst.

Dass sich der Index vor drei Wochen wieder über die 9000er-Zone gerettet hat, war seine wichtigste Leistung. Immerhin hat er damit zunächst einmal die Gefahr einer oberen großen Trendwende neutralisiert. Jetzt aber müsste der Dax noch etwas mehr liefern.

Die entscheidende obere Widerstandszone dafür liegt um 9500. Hier verlaufen die 200-Tage-Linie und der seit Mitte des Jahres bestehende Abwärtstrend. Je eher der Dax an diese Zone läuft, sie touchiert und dann (im Erfolgsfall) nimmt, desto größer sind die Chancen für eine Jahresendrally und sogar einen nachhaltigen Anstieg 2015.

Fazit für die nächste Woche: Noch immer hat der Dax die Chance, zunächst leicht in Richtung 9000 nachzugeben, sich dort zu stabilisieren und dann die Zone um 9500 anzulaufen. Ende November/Anfang Dezember könnte dann der Kampf um diese entscheidende Hürde auf der Tagesordnung stehen. Nach unten gelten weiter 9000 (im Tagesschluss, 8900 im Verlauf) als Deadline.

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