Dax vor Absturz gerettet

Die Gefahr einer Baisse im Dax hat sich durch den Aufschwung in Amerika deutlich verringert.

Wieder einmal sind es die US-Wirtschaft und der amerikanische Aktienmarkt, von denen die Weltbörsen vor dem Absturz bewahrt werden. Mit 3,5 Prozent Wachstum im dritten Quartal läuft die Konjunktur in den Vereinigten Staaten nicht nur rund; sie ist mittlerweile so stabil, dass die Notenbank die Rückkäufe wie vorgesehen auslaufen lassen kann. Das ist ein klares Zeichen von Stabilität.

Es ist bezeichnend, dass es zahlreiche Anleger hierzulande gab, die wegen der europäischen Schwäche eine Verlängerung der Fed-Rückkäufe erwartet haben. Darin spiegelt sich nicht nur eine Verkennung Europas im Blickwinkel der Fed wider; es zeigt auch eine Krisenfixierung, die es so in Amerika nicht gibt.

In einem Satz haben die amerikanischen Aktienmärkte die Verluste des frühen Herbst wieder ausgebügelt. Dow und Nasdaq sind praktisch wieder am alten Hoch angelangt. Dass sie das so schnell und ohne größere Konsolidierung geschafft haben, ist – ob man will oder nicht – ein Zeichen von Marktstärke für US-Aktien. Das werden Investoren auch in den nächsten Monaten honorieren.

Die Unternehmensergebnisse passen dazu. Um etwa fünf Prozent liegen die Gewinne im dritten Quartal über denen des Vorjahres. Sie sind damit einen Tick besser noch als von Analysten erwartet und setzen damit die bisherige Aufwärtstendenz fort. Auch das kommt dem Aktienmarkt zugute.

Eine robust Konjunktur, eine langsame und planmäßige Rückführung der extremen Geldlockerung, steigende Unternehmensergebnisse und stabile Asset-Märkte – mit dieser Kombination ist Amerika für Investoren derzeit in einem beneidenswerten Zustand. Kein Wunder, dass der Dollar seit einigen Monaten zu den begehrtesten Währungen weltweit gehört. An diesem Vorteil dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

Europa profitiert, hängt aber hinterher

Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten gab es eine Baisse am Aktienmarkt ohne die US-Börsen. Wenn der Dow nicht kracht, dann fällt auch der Dax nicht ins Bodenlose. Natürlich, relative Vorteile gab und gibt es immer – wie derzeit: Im Dow ging die jüngste Erholung mit gleicher Dynamik wie die vorangegangene Abwärtsbewegung bis ans alte Hoch. Damit ist der Absturz des Frühherbsts neutralisiert.

In Dax und Euro Stoxx hingegen vollzieht sich die Erholung mühsamer als der vorangegangene Rückgang. Und auch inklusive der von Japan induzierten Kurz-Hausse am Oktober-Ende hat der Dax gerade einmal die Hälfte der Verluste ausgeglichen, die er von September bis Mitte Oktober erlitten hat. Das ist noch keine Neutralisierung der bestehenden Abwärtstendenz, sondern bisher nur eine Gegenbewegung, eine technische Reaktion.

Allerdings, eines hat der Dax in den vergangenen Tagen geschafft – und wenn er das Erreichte verteidigt, kann das für den weiteren Verlauf des Jahres entscheidend werden: Er hat sich wieder gut über die Schwelle bei 9000 Punkten gerettet. Wie man vor zwei Wochen an dieser Stelle lesen konnte, war dies keineswegs selbstverständlich. Dar Dax hat damit die Chance, dass er die große obere Wendeformation, die sich zwischen 9000 und 10100 gebildet hat, wieder auflöst.

Konkret: Wenn sich der Dax in der kommenden Woche stabil über 9000 hält, dann hat sich die Gefahr einer großen oberen Trendwende deutlich verringert. Das würde dazu führen, dass die derzeit hohen Barbestände professioneller Anleger wieder vermehrt in den Aktienmarkt fließen. Hat das große Szenario damit schlagartig von Baisse auf Hausse gedreht?

Aktienstärke korreliert auffällig mit Gold-Schwäche

Medien-präsente Börsenkommentatoren wie Max Otte warnen davor, dass die Anlagemärkte derzeit so nahe am Zusammenbruch stehen wie nie in den vergangenen 50 Jahren. Kein Wunder, dass Otte massiv auf Gold und Goldminen setzt. Eine rechte Freude dürfte er daran aber nicht haben, denn bei beiden zeigen die Preiskurven dramatisch nach unten; verstärkt nun auch durch die jüngste Entscheidung der japanischen Notenbank.

Fazit für die nächsten Wochen: Die US-Märkte bleiben stabil – und das lässt den Dax nicht abstürzen. Selbst wenn sich daraus um 9000 Punkte (und nicht wie vor zwei Wochen angenommen um 8100) wieder ein tragfähiger Boden für einen Aufschwung 2015 entwickeln sollte, ist der konkrete Einstiegszeitpunkt nach fast 1000 Punkten Indexgewinn in zwei Wochen ungünstig. Auch an den US-Märkten ist nach der jüngsten Rally eine kurze Verschnaufpause möglich. Also: Mittelfristig haben sich die Aussichten klar verbessert, kurzfristig wäre eine Beruhigung angebracht. Im Dax könnte das für die erste November-Woche einen Spielraum zwischen 9000 und 9300 ergeben.

 

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