Die Angst ist zurück

Schwache Wirtschaftsdaten und die Folgen der internationalen Turbulenzen verunsichern die Käufer.

Der Versuch, im Dax den Ausbruch bei 9800 zu schaffen und noch einmal die alten Höhen um 10000 anzusteuern, ist gescheitert. Der gesamte vergangene Wochenverlauf war ein klarer Abverkauf. Zuletzt ging es sogar unter das Tief bei 9600. Damit haben sich die kurz- bis mittelfristigen Aussichten schneller als erwartet wieder eingetrübt.

Zum fünften Mal in Folge ist nun der Ifo-Indikator gesunken. Bisher haben sich die Börsen zwar gut gehalten und von einem Krisenmarkt sind wir bei den Wertpapieren weit entfernt; doch wenn wie am Donnerstag (25. September) der Dax in zwei Stunden 200 Punkte verliert, ist das ein Zeichen für die Anfälligkeit des Trends.

Der Rückgang im Ifo war etwas stärker als erwartet, aber er war nicht dramatisch. Mit 104,7 Punkte sind wir immer noch bequem im expansiven Modus. Während der gesamten Hausse-Phase seit dem Finanzkrisentief 2009 ist er immer über 100 geblieben. In diesem Bereich ist er eine gute Unterstützung für die Aktienanstieg.

Kritisch wird es erst, wenn er unter 100 rutscht und das womöglich auch noch in großen Sprüngen von fünf Prozentpunkten und mehr in einem Monat – wie vor der Finanzkrise, als er in fünf Monaten mehr als 20 Prozentpunkte verlore. Davon sind wir derzeit weit entfernt.

Von wegen Zinswende

Enttäuschend verläuft derzeit nicht nur die deutsche Wirtschaft, auch aus China kommen Ermüdungserscheinungen. Die bestehen allerdings auch darin, dass die Notenbank selbst bei einem weiteren Abflauen der Dynamik vorerst keine expansiven Maßnahmen ergreifen will.

In Europa dagegen ist die Börsenhoffnung auf Geldspritzen intakt. Die EZB bereitet derzeit ohnehin die nächste Phase ihrer Hilfen vor, Käufe von Wertpapieren und Verbriefungen. Ob das immer noch einem nachhaltigen Kursanstieg gut tut, darf bezweifelt werden. Immerhin, Straffungsmaßnahmen auf der anderen Seite sind bis auf weiteres nicht in Sicht. Das insgesamt niedrige Zinsniveau (welche Maßnahmen dafür im Einzelnen auch immer sorgen werden) dürfte die Börsen weiterhin stützen.

Die wacklige Wirtschaft in Europa dürfte auch Auswirkungen auf die Politik der Fed haben. Hier wird zwar angesichts zuletzt robuster Zahlen immer wieder über Zinsanhebungen diskutiert; es ist aber auch gut möglich, dass sich Yellen bei einer nachlassenden Dynamik dafür sehr lange Zeit lässt. Also auch hier ist von der Zinsseite insgesamt kein Gegenwind zu erwarten.

Vorteile des schwachen Euro

Bei den Unternehmensgewinnen hatten die meisten Analysten für die verbleibenden Monate des Jahres eine wieder etwas stärkere Wirtschaft vor Augen und wenig Änderung von der Währungsseite. Das hat sich nun deutlich gedreht: Von der Konjunktur ist vorerst nichts mehr zu erwarten, die Hoffnungen auf 1,5 Prozent Wachstum in Deutschland dürften bald verfliegen.

Auf der anderen Seite wird der nun viel schwächere Euro das internationale Geschäft der deutschen Unternehmen entlasten. Es ist durchaus möglich, dass deshalb die Gewinnprognosen für die nächsten Monate – bis ins Jahr 2015 hinein – trotz flauer Wirtschaft gar nicht so schlecht aussehen.

Konkret: Wenn es bei rund 700 Euro Unternehmensgewinn im Dax-Durchschnitt bleibt, ergäbe das ein KGV für dieses Jahr von 13,5. Das ist keineswegs überzogen und würde eher zu einer moderaten Korrektur passen als zu einer Trendwende mit nachfolgender Baisse.

Dax neutral mit Hang zur Schwäche

Und das zeichnet sich nun auch im Dax ab. Der positive Impuls von Mitte September ist zwar dahin, mit Notierungen um 9500 pendelt der Dax derzeit in der Mitte seiner großen Schwankungszone, die unten von 8900/9000 und oben von 10050 Punkten begrenzt werden.

Positiv ist, dass die taktgebenden US-Märkte wesentlich stabiler sind und derzeit allenfalls auf eine mittlere Korrektur deuten. Negativ ist, dass im Dax nur noch ein Drittel der Aktien über ihrer 200-Tage-Linie verlaufen und der Dax selbst auch schon leicht unter diesen mittelfristigen Durchschnitt gerutscht ist. Das ist ohne Frage ein Schwächezeichen für deutsche Aktien.

Fazit für den Dax: Die kurz- bis mittelfristigen Aussichten (auf vier bis acht Wochen) haben von positiv auf verhalten negativ gedreht. Am besten wäre in den nächsten Tagen eine Stabilisierung um 9300/9400 und dann wieder ein erneuter Anlauf an die 200er-Linie (die etwa bei 9550 verläuft). Ein schneller Rutsch auf 9000 dagegen wäre kein gutes Zeichen – und ein nachhaltiger Rutsch unter 9000 (also Börsenschluss bei lebhaftem Geschäft unter 8900) wäre sogar ein schweres Verkaufssignal.

Unter den Einzelaktien hält sich die Allianz weiter ziemlich gut, die Deutsche Bank bleibt interessant für Zocker; BASF allerdings hat sich kurzfristig deutlich verschlechtert und wird für eine Stabilisierung länger brauchen.

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