Neue Kursschancen zur Jahresmitte

Trotz Schuldenkrise und flauer Wirtschaft sind Aktien stabil. Zumindest kurzfristig haben sich die Aussichten etwas aufgehellt.

Der Frühindikator ZEW bricht zusammen – und der Dax steigt. Das zeigt Zweierlei: Dass die meisten Anleger derzeit eine Wirtschaftsabschwächung schon auf der Rechnung haben; und dass die Entspannung durch den Ausgang der Griechenland-Wahl (und zumindest die Aussicht auf Fortschritte bei der Schuldenkonsolidierung) durchaus ein Vorteil für die Börse ist.

Natürlich, die große Hoffnung, die bei vielen Anlegern hier wieder dahintersteht, ist die Aussicht auf weitere Geldspritzen durch die Notenbanken. Bisher hatten die entsprechenden Aktionen der Währungshüter (ein Wort, dass derzeit einen seltsamen Beigeschmack hat…) immer zu deutlichen Kursgewinnen an den Aktienmärkten geführt.

Auch jetzt sieht es, zumindest für die nächsten Wochen, nicht schlecht aus – (und dafür war der Ausgang in Griechenlandwahl eine wichtige Voraussetzung).

Der erste Sprung im Dax war die Erleichterung, dann wurde das Gap planmäßig geschlossen. Nach einem solchen Gap-Close ist ein Markt durchaus wieder bereinigt; reif dafür, die im vorangegangenen Sprung angedeutete Richtung einzuschlagen. Das hat er mit seinem Anstieg auf 6350 bestätigt.
Selbst europäische Börsen zunächst wieder stabiler

Auch das europäische Umfeld hat sich kurzfristig aufgehellt. Der französische CAC und der britische FTSE haben oberhalb ihrer mittelfristigen Tiefs gedreht. Der Schweizer SMI ist derzeit einer der stabilsten Indizes. Sogar der spanische Ibex hat den freien Fall erst einmal unterbrochen. Der osteuropäische CECE hat ebenfalls genau am Tief gehalten.

Kurzfristige Entspannung für die Aktien kommt auch von der Anleihenseite (die Umlaufrendite ist von weniger als 1,0 Prozent zunächst auf 1,2 Prozent gestiegen, könnte noch einmal auf etwa 1,0 Prozent nachgeben, dann wäre ein Anstieg auf 1,5 Prozent möglich) und auch von der Volatilität. Der V-Dax hat den deutlichsten Rücksetzer  seit Wochen hinnehmen müssen.

An der Spitze ist, wie immer wieder hervorgehoben, der US-Markt. Seitdem der Dow über die wichtige Hürde bei 12600 ist, hat der Aktienmarkt eine neue Stärke entwickelt. Die Teilindizes sind robust, der Nasdaq startet sogar regelrecht durch.

Die Marktbreite ist ebenfalls nicht schlecht. Der M-Dax etwa hat das wichtige Niveau um 10000 wieder zurückerobert, der 600 Aktien umfassende europäische Stoxx  hat zumindest die 200-Tage-Linie erreicht.

 

Mögliche Erholung bis in die zweite Juli-Hälfte
Von Mitte März bis Anfang Juni ist der Dax von 7158 auf 5969 Punkten gesunken (Tagesschlusskurse). Das sind 1189 Punkte Rückgang. Wenn er davon rund die Hälfte wieder aufholt, kommt er in den Bereich 6400 bis 6600.

Das ist vom aktuellen Niveau aus gesehen nicht mehr die Welt; dennoch sollte nach fast drei Monaten Rückgang die aktuelle, kurzfristige Erholung zumindest einige Wochen anhalten. Geht es nach den durchschnittlichen Schwüngen im Dax, dann könnte die insgesamt etwas bessere Marktlage bis in die zweite Juli-Hälfte andauern.

 

Alle Kommentare [3]

  1. Guter Bericht! Ich denke, dass es die nächsten Wochen im DAX erst mal seitwärts geht. Die Börsianer sind jetzt froh, dass sich das Griechenland-Problem momentan beruhigt hat. Aber gelöst ist halt noch nichts (auch in Bezug auf Spanien und Italien). Es bleibt spannend…

  2. Teile Ihre Einschätzung nicht, Herr Riedl! Der Dax – heute bei 6.400 – wird genau bei dieser Marke wieder Richtung Süden drehen.

    Mal sehen, wer recht behält. Ölpreise heute übrigens minus 4 %. Bedeutungslos?

  3. Öl ist immer wichtig. Der Absturz auf 90 in Brent zeigt die deutliche Eintrübung der konjunkturellen Aussichten. Rohstoffe sind – und deshalb kommen die auch immer wieder im Radar vor – ein sehr wichtiger Indikator.

    Nebenbei, eine etwas ANDERE Interpretation des aktuell niedrigen Ölpreises: Ein Kenner der arabischen Szene sagt, dass die Amerikaner den Ölpreis immer künstlich drücken, wenn sie eine militärische Aktion vorbereiten…. Verifizieren lässt sich das aber nicht.

    Ich bin ja nicht mega-bullish – es geht NUR um die kurzfristige Gegenbewegung auf den Abwärtstrend seit März. Natürlich sind 6400 auf Tagesbasis ein exakter Widerstand, im Verlauf liegt er etwas drüber. Doch immer noch ist ein zweiter Versuch möglich. Danach wird es kritisch – siehe neuen Radar…

    A.R.