Märkte im Griff der Griechen-Wahl

Die Griechenlandwahl wird die Aktienmärkte durchschütteln – aber nur kurz. An der Grundrichtung ändert sich wahrscheinlich nichts

Eilmeldung, Griechen stürmen ihre Banken – Retten Sie Ihr Geld! Mit solchen und ähnlichen Meldungen schüren zweifelhafte Postillen Angst unter Anlegern, und wollen an dieser Angst kräftig verdienen. Natürlich, kein Mensch kann zur Stunde sagen, wie die Wahl in Griechenland ausgeht, welche politischen und währungstechnischen Konsequenzen sie haben wird und wie die Märkte am Montag darauf reagieren.
Sicher aber ist: Das Griechenproblem ist alles andere als neu und deshalb von den Märkten schon seit Monaten in allen Variationen verarbeitet: Vom glorreichen Überleben bis hin zum totalen Scherbengericht. Soviel ändern wird sich deshalb am Wochenende auch nicht – im Gegenteil: Ganz egal, wie die Wahl nun ausgeht, am Montag herrscht mehr Klarheit als vorher. Und Klarheit ist für Märkte allemal besser als Unklarheit.

Natürlich, dass die Märkte (also Aktien, Anleihen, Kreditmärkte, CDS, usw) schon tief in der Verarbeitung der Griechen-Probleme stecken, heißt nicht, dass diese schon gelöst wären. Die zuletzt wieder zugespitzte Schuldenkrise (Spanien, dazu Italien) und der mögliche Austritt eines EU-Landes sind ohne Frage eine schwere Belastung. Deshalb ist es ja um so wichtiger, dass auch die Notenbanken sich im Vorfeld auf eventuelle Verwerfungen vorbereiten und den Markt notfalls mit Liquidität fluten.

Die Probleme sind schwer, aber nicht neu

Eine neue, überraschende Belastung, sind die Probeme um die Griechenlandwahl aber eben nicht. Insofern sind zwar am Montag je nach Ausgang der Wahl heftige, kurzfristige Bewegungen möglich (die resultieren aber eher aus dem Auflösen zuvor massiv aufgebauter Marktpositionen, ist also mithin zum großen Teil technischer Natur). Ob die Märkte sich von der Wahl generell in eine neue Richtung bugsieren lassen, darf bezweifelt werden.

 

Bemerkenswert ist, dass trotz der enormen Unsicherheit die Lage an den Aktienmärkten keineswegs desaströs ist. Natürlich, Pessimisten sagen, dies sei ein Zeichen dafür, dass die Masse der Anleger die Dramatik der Probleme noch gar nicht erkannt habe und das dicke Ende noch komme: Wirtschaftsabsturz, Geldentwertung, Währungsreform, Krieg.

Andererseits kann man die relative Robustheit auch so deuten, dass viele Anleger mittlerweile die Probleme erkannt und verarbeitet haben, sie mit offenem Visier angehen und sich davon nicht mehr schrecken lassen. Bemerkenswert ist, dass selbst Aktien wie die Allianz (die als großer Inhaber von Staatspapieren mitten im Feuer der Schuldenkrise steht) sich in den vergangenen Tagen ganz passabel gehalten haben.

Mittelfristige Bandbreite 5800 bis 6400 im Dax

Natürlich, die aktuelle Zuspitzung der Schuldenkrise und die Gefahr einer wieder abkippenden Wirtschaft (und die dann schwächer werdenden Gewinne der Unternehmen und höheren Bewertungen der Aktien) sind die entscheidenden Gründe, warum der Dax in den vergangenen Wochen eine Station tiefer gerutscht ist, also sich nicht über 6600 halten konnte. Zwischen 6000 und 6400 steckt er jetzt in einer Mittellage, die sich kurzfristig nach unten durchaus bis auf 5800 ausdehnen könnte – etwa als Folge einer massiven Enttäuschung bei der Griechenwahl.

Stabiler, und das ist eine wichtige Stütze für den Dax, ist dagegen der amerikanische Aktienmarkt. Hier hat der Dow Jones sogar schon leicht die wichtige Hürde bei 12600 genommen. Ein nachhaltiger Anstieg darüber könnte eine mehrwöchige Erholung einleiten, die dann auch in Europa die Kurse zum Teil mitziehen dürfte.

21 der 30 Dow-Jones-Aktien verlaufen derzeit über ihrer 200-Tage-Linie. Das ist zwar keine dynamische Hausse wie noch im Frühjahr; es kennzeichnet aber einen Markt, der – zumal nach einer mehrwöchigen Korrektur – in seiner Breite eher nach oben als nach unten tendiert – alles im Angesicht der Schuldenkrise.

 

 

 

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