Euro-Zone am deutschen Tropf

Die Dynamik der deutschen Wirtschaft stabilisiert die Börsen in Europa. Diese Hilfe ist auch bitter nötig.

Die deutsche Wirtschaft läuft, entgegen allen Befürchtungen, besser als erwartet:  Nach dem neuesten ZEW-Indikator ist keine Abschwächung zu spüren. Im Gegenteil, das Momentum, die Auftriebsdynamik, ist ungebrochen. Ist die Angst vor  den Folgen von China-Crash, Ölpreis-Schock und Euro-Ende schlichtweg übertrieben?

Nun, die Entwicklung in China ist natürlich ein wichtiger Treibsatz für deutsche Großunternehmen. Von Siemens bis BASF, von Allianz bis Volkswagen setzen die Manager auf das Reich der Mitte.

Doch wie stark ist das echte China wirklich?


Dabei scheint eine seltsame Spaltung zu bestehen. Während Kapitalmarktbeobachter seit Jahren auf die Risiken des Immobilienbooms und eines abbrechenden Wachstums schielen, verkaufen die Vertreter der realen Wirtschaft in China was das Zeug hält. Investitionen erreichen Rekorde.

Manchmal meint man, das reale China mit seiner unbändigen Kraft kümmert sich wenig um die Angst-Prognosen der Auguren. Seit chinesische Aktien im Jahr 2000 ins Bewußtsein westlicher Investoren gekommen sind, geht es immer um die Befürchtung, dass der Aufschwung doch einfach mal zu Ende gehen muss – und China eine brutale Landung erleidet.

Natürlich lassen sich Chinas Wachstumsraten der vergangenen Jahre nicht automatisch auf die nächsten Jahre hochrechnen. Doch ob China nun um sechs Prozent oder acht Prozent zulegt, ist letztlich für die Ergebnisse der deutschen Unternehmen vor Ort wenig entscheidend. Bis nicht wirklich das Gegenteil evident ist, dürfte die Fortsetzung der bisherigen großen Aufwärtsbewegung wahrscheinlicher sein – und die Angst vor dem dicken Ende unbegründet.

Die Ölkrise ist historisch, nicht aktuell

Mit der Gefahr vom Ölpreis ist es ähnlich. Natürlich würde ein dauerhafter Preis von 130 bis 150 Dollar je Fass die Wirtschaft der westlichen Länder empfindlich dämpfen. Und das wäre angesichts der mühsamen Entwicklung in Südeuropa und der zähen Erholung in den USA eine reale Gefahr. Ebenfalls bremsen würde das China, schließlich der größte Energieverbraucher der Welt.

Doch die Zeiten, in denen die westlichen Industrieländer bedingungslos am Öltropf hängen, sind längst vorbei. Vor allem in den USA hat sich eine Entwicklung vollzogen hin zu mehr Unabhängigkeit von Öl aus Nordafrika und Arabien. Zudem sind die ölproduzierenden Länder selbst alles andere als einig – die Fronten laufen längst nicht mehr so wie in den Zeiten der historischen Ölkrise.  Zudem dürfte vor allem China nachhaltigen Druck ausüben, um auch in Zukunft an den begehrten Rohstoff zu kommen. Die neue Bedeutung Südamerikas (siehe hier den Griff Argentiniens nach Repsols YPF) und sogar neue Entdeckungen in der Nordsee limitieren den Einfluss der bisherigen Ölproduzenten zusätzlich.

Faktisch hat der schon bisher hohe Ölpreis die Ergebnisse der Dax-Unternehmen in den vergangenen Monaten kaum beeinträchtigt. Bei manchen, vor allem BASF, wirkt er sich sogar gewinnfördernd aus.

Am gefährlichsten ist die Schuldenkrise

Und der Euro? Natürlich wäre ein Ausfall Spaniens ein ganz anderes Problem als die dagegen kleine griechische Krise. Und wann oder ob Spanien angesichts seiner Multi-Probleme (Rezession, Arbeitslosigkeit, Schulden, Immobilienpreisverfall) aus dem Sumpf kommt, kann heute kein Mensch mit Sicherheit sagen. Jetzt aber darüber schon den Stab zu brechen, ist mindestens genauso verwegen, wie der blinde Glaube an die Macht der endlosen Geldflutung.

Der Dax setzt in diesem Umfeld seine Korrektur fort, der Spielraum nach unten ist noch keineswegs gefährlich ausgereizt. Ernsthaft angeschlagen dagegen ist erneut der Euro Stoxx, gedrückt vor allem von auffällig schwachen Bankwerten.

Von den drei großen Risiken für den Aktienmarkt – China, Öl und Euro-Krise¬ – ist letztere ohne Frage am gefährlichsten. Umso wichtiger ist es jetzt und in den nächsten Wochen, dass die stärkste Wirtschaft des Kontinents, die deutsche, ihre Dynamik auch weiter bewahrt.

Alle Kommentare [2]

  1. Deutsche Wirtschaft am Tropf der Euro-Krise

    Ich sehe es genau anders herum als „Euro-Zone am deutschen Tropf“. Deutschland profitiert doch vom durch die Südländer geschwächten Euro. Der Euro ist für Deutschland zu schwach, für Griechenland und Spanien hingegen zu stark. Das ist ja das Problem – und gut für den deutschen Export. Hinzu kommen die Fluchtgelder, die im sicheren Deutschland geparkt und investiert werden. Und genau so scheint es weiter gehen zu sollen, Schritt für Schritt kommen die schwächeren Euroländer an die Reihe, da ist noch Munition für viele Jahre. Ein Problem entsteht erst dann, wenn trotz (!) starker deutscher Wirtschaft die Schuldenrisiken des Staates zu hoch werden. Dann kann es hingegen schnell gehen.