Kurse abfangen statt nachlaufen

In Griechenland geht die Talfahrt weiter, in Deutschland sind Frühindikatoren wie der ZEW überraschend robust. Begleitet von einer gemischten Nachrichtenlage dürfte sich im Dax die Korrektur fortsetzen.

Länger als erwartet ist der Dax geklettert, mit seinem Anstieg auf bis zu 6838 Punkten im Tagesverlauf hat er am  9. Februar bisher sein Hoch in diesem Trend markiert – und so schnell dürfte er das nicht übertreffen.

38 Prozent hat der Dax seit September gewonnen, 27 Prozent seit dem Tief im November. Diese hohen Kursgewinne bedeuten jetzt zweierlei. Positiv: Sie signalisieren eine innere Stärke, die sich in einer mittelfristigen Aufwärtsbewegung auszahlen sollte; negativ:  sie eröffnen kurzfristiges Korrekturbedarf. 

 
Zurück zur alten Kampfzone

Wie weit könnte der Dax nun sinken? Würde der Markt von seinen Punktgewinnen in Rahmen einer klassischen Korrektur 38 Prozent wieder verlieren, ergäbe das einmal 6240 Punkte (gerechnet vom November-Start), einmal 6130 Punkte (vom September aus).

Grob gesprochen wäre das eine Zielzone um 6200 Punkte (100 Punkte weniger als im Dax-Radar vom 10. Februar angepeilt). Das wiederum dürfte in etwa dem Niveau entsprechen, das die 200-Tage-Linie in einigen Wochen erreichen kann; zudem ist der gesamte Bereich um 6200 eine Kernzone, um die der Dax seit dem Hoch von 1998 kämpft.

Abwarten bis ins Frühjahr hinein

Mit dem möglichen Zeitfenster sieht es ähnlich aus. Nach den dynamischen Aufwärtsphasen (einmal fünf Monate, einmal drei) dürfte die Gegenbewegung eher in kürzerer Zeit ablaufen. Nach dem Saisonzyklus ist der März in der Regel schwach, bevor der Markt in den April hinein wieder anzieht. Dieser Rhythmus würde auch zur Hauptversammlungssaison passen, die dieses Jahr durch noch höhere Dividenden als 2011 gekennzeichnet sein dürfte.

Und ebenso würde dieses Szenario zum ZEW-Index passen. Dessen jüngster Anstieg beruht ja nicht auf real erwirtschafteten Ergebnissen, sondern auf Erwartungen, dass die Wirtschaft nach einem verhaltenen ersten Halbjahr im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt gewinnt.

Fakten gegen den Weltuntergang

 

 
Natürlich, genau da ist auch die offene Flanke des beschriebenen positiven Szenarios: Sollten (etwa verursacht durch Folgen eines Ausscheidens Griechenlands  aus der EU oder durch eine unerwartete Verschärfung des Irankonflikts) die wirtschaftlichen Fakten den Hochlauf der Frühindikatoren nicht mehr bestätigen, wird es eng.

Noch aber sprechen sowohl die vorliegenden Zahlen (die Unternehmensergebnisse 2011), die Konjunkturindikatoren (wie Ifo und ZEW)  und schließlich die Aktienkurse selbst eher dafür, dass 2012 die Erholung gelingt und die Welt wieder mal nicht untergeht.

 

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