Rücksetzer wird kommen

6400 erreicht – und jetzt? Nach 1000 Punkten Kursgewinn in vier Wochen ist der Markt anfällig geworden.

Die Stimmung steigt – wieder einmal – mit den Kursen. Es gibt sie zwar immer noch, die Endzeitpropheten, die Raviolidosen horten, doch bei der Mehrheit keimt die Überzeugung, dass wir dieses Mal mit einem blauen Auge davonkommen könnten.

 
Formale Rezession statt Ende der Welt

Nun, es mehren sich die Anzeichen, dass es zwar einen Abschwung geben wird, wahrscheinlich einschließlich Quartal eins  2012 eine formale Rezession, aber eben nicht einen Absturz wie 2008. Es gibt vier zentrale Gründe, warum es in der Tat dieses Mal nicht so schlimm werden sollte wie nach dem Lehman-Crash.

Erstens: Die Notenbanken stehen parat, sie versorgen das Bankensystem schon prophylaktisch, auch in Europa;

Zweitens: Die Unternehmen sind wesentlich besser mit Eigenkapital ausgestattet, eine Eiszeit im Bankensystem schlägt sich nicht mehr so fatal in der Realwirtschaft nieder wie 2008;

Drittens: Die Unternehmen sind in ihren Planungen wesentlich vorsichtiger. 2008 sprachen sie noch lange von einer guten Auftrags- und Geschäftslage, obwohl die Krise schon zu spüren war;

Viertens: Die allgemeine Stimmung war 2007/08 wesentlich unbesorgter, optimistischer, während es derzeit Common Sense geworden ist, über das Ende der Welt (und des Kapitalismus, der Marktwirtschaft, der Demokratie usw.) zu diskutieren. Wenn die Mehrheit die Apokalypse plant, ist ihr Eintreffen ziemlich unwahrscheinlich.

Fundament für eine lange Hausse?

Tiefe Verunsicherung, aber ungewöhnlich stabile Aktienmärkte – das ist eigentlich eine Kombination, in der große Hausse-Bewegungen geboren werden. Dennoch, jetzt einfach den Hebel umlegen und blind nach oben spekulieren, ist gefährlich.
In den nächsten Wochen werden die Unternehmen die Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Und da wird es reihenweise miese Ergebnisse und daran orientiert vorsichtige Prognosen für 2012 geben. Dass die Märkte diese schwachen Zahlen schon verarbeitet haben, ist zweifelhaft.

Eher schon dürften dies dazu führen, dass der Dax nach seinem Hochlauf auf 6400 nun doch eine Pause einlegt. Selbst wenn es kurzfristig, in den nächsten Tagen in einem Überschießen noch bis zu 6600 werden sollten, braucht der Markt für einen nachhaltigen Anstieg erst einmal eine Korrektur. Statistisch ist die Zeitspanne Februar bis Anfang März durch gedämpfte Kurse gekennzeichnet.

Alle Kommentare [3]

  1. Die Korrektur wird kommen wobei aber die 6000 nicht unterschritten wird.
    Diese Aussage gilt aber nur für ein wirtschaftliches und geopolitisches
    momentanes Umfeld.
    Alles kann sich “ über Nacht“ ändern.

  2. Sehr geehrter Herr Riedel,
    in Ihrem Blogeintrag beschäftigen Sie sich mit dem Bezug des DAX auf die kommende Rezession. Ich stelle mir die Frage, ob das Ziel bei 4500 damit vom Tisch ist? Ist es nicht so, dass die Angst bzw. das daraus resultierende übermäßige Verkaufen der meisten Anleger uns noch eine riesige Bärenmarktrally berscheren werden?

    –@Nuetzi:
    Was lässt sie zu der Annahme kommen, dass wir uns in einem solchen von ihnen beschriebenen Umfeld befinden?

  3. @websterML
    Wie Sie schon richtig bemerkt haben, sehe ich kurz- bis mittelfristig das Ziel 4500 nicht mehr. 4500 wären dann realistisch, wenn sich die Euro-Krise abermals verschärfen würde und die Konjunktur im ersten Quartal massiv einbräche. An beiden Fronten zeichnen sich mittlere Lösungen ab: Zwar nicht die große, schnelle Erleichterung, aber doch einigermaßen machbare Auswege. Das passt eher zum beschriebenen Szenario einer moderaten Korrektur bis in den März hinein als zu einem neuen Absturz.
    Dennoch: wie oben nuetzi richtig sagt: alles kann sich über Nacht ändern. Genau deshalb ist es ja so wichtig, die Hand auch am kurzfristigen Puls der Märkte zu haben.

    A.R.