Weitere Kurskorrektur droht

Für einen kurzen Kursanstieg ist der Rücktritt Berlusconis gut. Doch an der Gefahr, dass der Dax in den nächsten Wochen wieder schwächer wird, ändert das nichts.


Die größten Risiken für die Märkte sind die Schuldenkrise und die damit verbundene Gefahr einer starken konjunkturellen Abkühlung. Deshalb sind die Aktien auch kräftig gesunken, der Dax in der Spitze von 7300 auf zeitweise unter 5000 intraday.

Mittlerweile sind deshalb auch die Gewinnhochrechnungen der meisten Analysten für 2012 gesenkt worden; allerdings keineswegs besonders massiv, da die jüngsten Ergebnisse zum dritten Quartal für die Dax-Werte insgesamt auch nicht so schlecht ausgefallen sind. Aus klassisch-fundamentaler Perspektive sind die Aussichten für Aktien also keineswegs düster.

Ein neues Risiko, mit dem die Börsen leben müssen

Doch mehr und mehr entsteht für die Märkte ein neues Risiko. Plakativ gesagt: die Politik. Natürlich ist es verständlich, wenn Anleger über den Abgang von Berlusconi begeistert sind, weil sie damit effektivere Sparmaßnahmen gegen die Schulden erhoffen.

Doch die Erwartungen an die Politik sollten nicht zu hoch geschraubt werden: Zum einen zeigt vor allem die jüngere Historie, wie schwierig stabile Regierungen in Italien zu bilden sind. Zum anderen hat man manchmal den Eindruck, dass viele Anleger (und auch Analysten) ihre volkswirtschaftlich rationale Sichtweise überschätzen – und sich dann wundern, wenn politische Prozesse (wie etwa in Griechenland) so ungemein zäh, verworren und ziemlich irrational ablaufen. Wer garantiert denn, dass die Findung eines politischen Willens und die Umsetzung von Sparmaßnahmen in Italien nun so flüssig abgeht, wie man sich das im ökonomischen Seminar vorstellt?

Unabhängige Märkte – das war gestern

Politische Börsen haben kurze Beine – der klassische Börsenspruch, der zeigt, wie sich Anleger jahrzehntelang über Politiker lustig gemacht und sich nur am eigenen Tellerrand der ökonomischen Fakten orientiert haben. Doch seitdem durch die Finanzkrise 2008 und jetzt durch die akute Staatsschuldenkrise das Weltfinanzsystem, ja sogar die gesamte demokratische Ordnung der westlichen Staaten in Gefahr gebracht wurde, ändern sich die Spielregeln.

Von Eigenkapitalregeln für Banken bis hin zu Transaktionssteuer und Verbot bestimmter Spekulationen: Es ist absehbar, dass in den nächsten Monaten und Jahren eine ganze Welle administrativer Maßnahmen auf die Märkte zurollt. Und dabei dürfte es wenig ausmachen, ob in Europa Großbritannien mitmacht oder nicht.

Natürlich, für die kurze Perspektive deutscher Aktien sind so langsame und wahrscheinlich auch lang anhaltende Veränderunge zunächst nicht entscheidend. Doch wenn Aktien, Fonds, Zertifikate und andere Finanzinstrumente von immer weniger Menschen aus echter Überzeugung gekauft werden, entwickeln sich auch keine nachhaltigen Trends an den Anlagemärkten mehr.

Nur Gold ist stabil – und das ist ein schlechtes Zeichen

Der einzige langfristige Trend an den weltweiten Märkten ist die Aufwärtsentwicklung des Goldes, die nun seit gut zehn Jahren anhält und immer noch nicht zu Ende ist.

Doch gerade die massive Goldhausse ist nichts anderes als ein massives Misstrauensvotum in alle anderen Wertpapierklassen.

Als die Jahrhunderthausse der Aktien 2001 abbrach, sprach Warren Buffett davon, dass die Börsen jetzt erst einmal 15 Jahre auf der Stelle treten werden. Eine genauere Begründung lieferte Buffett nicht – wahrscheinlich spürte er wie kaum ein anderer damals schon, dass die große, fundamentale Erfolgsgeschichte der Aktie so nicht weitergehen konnte.

Seitdem sind die Märkte in vorübergehenden Entwicklungen gefangen. Und das dürfte sich auch jetzt wieder zeigen: Nach gut zwei Monaten Kurserholung (September und Oktober) steht  im November wieder eine Korrektur ins Haus. Der Dax muss nicht gleich bis zu den August-Tiefen abtauchen, doch bis 5400 wäre vorerst schon Spielraum.

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