Die Ich-Aktie

Der Mensch als Investment, Erfolg und Lebensglück als Assets: Anleger investieren heute in einzelne Personen – und verdienen daran.

Nehmen wir den Kapitalismus endlich persönlich! Nicht in dieser weinerlichen oder affirmativen Abwehrhaltung gegenüber all den Argumenten, die sich auf der Soll- und Habenseite anführen lassen. Ganz konkret vielmehr: Wir sind das Kapital. Wir lassen nicht handeln, wir lassen uns handeln als Ich-Aktien an den Kapitalmärkten dieser Welt. Leben lohnt sich – jetzt auch finanziell.

Mike Merrill, der junge Mann auf unserem Titel, ist nur ein Beispiel von vielen für eine ganz spezielle Variante der Share Economy, die aus den USA zu uns nach Europa dringt: Der Mensch hat nicht nur ein Aktienportfolio – er ist jetzt auch eins. Die Idee dahinter ist einfach: Junge Menschen müssen in Ausbildung und Entwicklung investieren, um eine berufliche Position, Erfolg, Partnerschaft und Familie aufzubauen. Das kostet Geld, und davon haben wir in den Anfangsjahren individueller Lebens- und Karrierewege meist nicht genug. Warum nicht andere investieren lassen, um so die eigene Ausbildung zu bezahlen?

Die Idee ist eine kreative Antwort auf die zentrale ökonomische Frage des Bildungssystems. Jeder hat es nun selbst in der Hand, sich genug Geld für die eigene Ausbildung zu beschaffen. Nicht Herkunft und Familienvermögen zählen. Die richtige Idee, verknüpft mit einer brillanten Investmentstory für Ego und Alter Ego, gibt den Ausschlag. Das kann zum Beispiel den hochpreisigen exklusiven Bildungsmarkt der Business Schools öffnen und das Gut Ausbildung demokratisieren. Statt nach dem Studium Zigtausende an Schulden mit durchs Leben zu schleppen, lässt man andere zahlen: Du kaufst Anteile an mir, ich nutze dein Geld für mein Fortkommen – und die Rendite teilen wir uns.

Aber der Ansatz hat seinen Preis. Die Risiken, die mit der Anlageklasse Aktien im bekannten Börsengeschäft verbunden sind, gibt es auch hier. Ausbildung und Lebensplanung sind Langfristprojekte. Was tun, wenn aktivistische Investoren auf den Plan treten, die je nach Ego-Kurs heute dieses, morgen jenes Ziel ins Auge fassen? Dagegen helfen Absicherungen im Ich-Prospekt. Aber wenn es auf der Hauptversammlung dann rundgeht, kommt der Ich-Emittent schnell ins Schwitzen. Lässt sich der individuelle Kurseinbruch durch ein Aktienrückkaufprogramm stoppen oder gar ins positive Gegenteil verkehren? Wenn ja, woher nehme ich das Geld dafür, das ich schon vor meiner Anteilsausgabe an mir selbst nicht hatte? Und wie lange wird es dauern, bis clevere Fondsmanager die ersten Derivate der Ich-Aktie entwickelt haben und beginnen, mich zu shorten, also auf den Preisverfall meiner Aktien zu wetten?

Bildung und Lebensglück sind allemal eine wacklige Angelegenheit. Mit den Ich-Investments werden sie noch volatiler. Individuelles Glück und persönlicher Erfolg geraten zu Spekulationsobjekten. Wer Aktien an sich selbst ausgibt, unterwirft sich den Entscheidungen anderer. Der Einzelne ist so frei, auf Freiheit zu verzichten. Als Geschäftsmodell ist das unmenschlich – eine moderne Form der Sklaverei.

Theodore W. Schultz, Wirtschaftsnobelpreisträger 1979, der sich intensiv mit der Humankapitaltheorie befasst hat, sagte dazu: „Der bloße Gedanke, Menschen als Investment zu betrachten, ist für einige von uns anstößig. Unser Glaube und unsere Werte verbieten uns, Menschen als Kapital zu sehen.“ Milton Friedman sah das schon 1955 anders. In Deutschland ist bislang verboten, was in den USA möglich scheint. Nach dem Börsengesetz kann eine natürliche Person nicht an der Börse gehandelt werden.

Das mag sich ändern. Eine Konstante aber bleibt: In Sachen Risikoabwägung ist der Mensch verlässlich. Für den Investitionszeitraum Ausbildung hat er nur eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent und wird damit zum Top-Asset. Hinter diesen 0,1 Prozent jedoch liegt der Schatten der 100 Prozent: Jeder wird irgendwann zum Totalausfall, rein biologisch betrachtet. Wir verkaufen, was wir nie ganz besitzen – die Ich-Aktie als Leerverkauf.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Miriam Meckel. Permanenter Link des Eintrags.

Über Miriam Meckel

Dr. Miriam Meckel ist Chefredakteurin. Die studierte Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin sowie Sinologin startete als Fernsehjournalistin bei WDR, RTL und Vox, bevor sie eine Professur für Journalistik an der Universität Münster übernahm. Meckel war danach fünf Jahre Regierungssprecherin und Staatsekretärin für Medien, Europa und Internationales beim Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen und wechselte dann zurück in die Wissenschaft. Sie ist Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, Schweiz, und Autorin zahlreicher Wissenschafts- und Sachbücher.

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Alle Kommentare [112]

  1. Quack, quiek, quak, „autochtone “ toene, alles nur zusammengeg(k)laubte bruehe aus fremder leute tibi-suppe, roemer, lumpensammlerey..

  2. Magischer Korinthenkacker ,scheinst vom heutigen „fussvolk“ keine Ahnung zu haben,da gehört inzwischen wohl schon der Dieter Nuhr dazu,;-) einer von Millionen, gelle.
    Bekommst es, in deinem Wolkenkuckucksheim , gar nicht mit wie sich die Stimmung in der Bevölkerung wandelt! Wenn einer an selektiver Wahrnehmung leidet dann bist es eindeutig du! Bei den Politker verstehe ich`s noch 😉 obwohl sie sich, in erster Reihe, an den Amtseid halten müssten!!
    Warte nur wenn der überlebende Teil der(1800 Dschihadisten die im Irak und in Syrien mordend Angst und Schrecken verbreiten)(inzwischen ist Deutschland,in der EU zur zukünftigen Personalressource Nr. 1 für den islamischen Staat (IS) geworden.) abgestumpften, kampfbereiten „deutschen“ IS Kämpfer nach D zurückkehrt(bisher 150),und den inzwischen 7000 Salafisten als Vorbild gelten werden,na da kommen etliche Mill.an Personalkosten(BND, Polizei, Justiz, Pflichtverteidiger, H4….) auf uns zu,plus die gefährdung der öffentlichen Sicherheit
    Irgendwann werden auch wir hierzulande brutale Terroranschläge mit Toten unter der autochtonen Zivilbevölkerung zu verzeichnen haben, die Eskalation beschleunigt sich….spätestens ab diesem Zeitpunkt wird der braune Sumpf realität!! und dann GN8

    Bassam Tibi(der Hetzer,gelle…) schrieb schon vor 17 Jahren, als die linksgrünen Nichtsnutze Multikulturalismus noch für ein ewiges buntes Straßenfest hielten:

    „Jenseits der propagierten Idylle einer multikulturellen Gesellschaft verspricht allein eine demokratische Integration der muslimischen Zuwanderer eine friedliche Bewältigung der Konfliktpotentiale.

    Integration gelingt allerdings nicht nur durch Abstandnahme von der Multikulti-Ideologie, sondern auch durch eine Begrenzung der Zuwanderung unter Berücksichtigung der Aufnahmekapazität europäischer Gesellschaften.

    Sollte aber der Multikulti-Kommunitarismus siegen und mit unkontrollierter Zuwanderung ohne Integration einhergehen, dann ist der innere Frieden in Europa gefährdet. Beim „hohen Informationsstand unserer Zeit“ werden die Deutschen im 21. Jahrhundert – anders als in der Vergangenheit – nicht verlogen sagen können: „Wir haben es nicht gewußt.“ “

    nochmal Prof. Dr.Bassam Tibi schrieb das schon vor 17 Jahren!!!

    http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-wider-den-getto-islam_aid_163944.html
    ..noch so ein rot-brauner kanal,und nur einer von tausende im Netz..

  3. Roemer, du bist nicht ausgelastet und be-nimmst dich gerne als wirrkoepfiger „aufklaerer“. Da passt du wunderbar zu den panikmachern hier im blog….
    Fernsehen, netzschwatz nachschwitzen, selektive wahrnehmung und wodkatrunkener wirrkoepfigkeit, eine mischung die hier gehaeuft vorkommt, und solche rer.nat.banausen wie eysel addieten solche besoffenheiten und fragen sich: wieso bin ich ploetzlich in der mehrheit, wo doch sonst nicht mal die muellabfuhr mehr zuhoert. Issich ganz einfach, roemerling, die andersdenkende normale mehrheit der 99, 9999% sende0n und empfangen nicht auf diesem braun-roten kanal.
    Und was mad betrifft, du roemische knallcharge, die hat dich mehrfach beim betruegen erwischt, geistiger taschendieb, fussvoelkischer.

  4. @Wiegand

    Bei der Betrachtung von Land und Leute trennt uns nicht viel.

    Ich betrachte dagegen mehr die Handelsbilanzen.
    Und da fällt auf, daß Frankreich, England und besonders die USA
    mit Abstand die Schlußlichter sind.
    Eben Frankreich, England und die USA,
    die auch durch hegemoniales Denken geprägt sind.

    Eigenartig.

  5. @
    http://www.propagandafront.de/1225840/armstrong-wie-uns-die-usa-und-europa-in-den-dritten-weltkrieg-stuerzen.html
    ….
    Und das Netz ist voll von solchen „menschenverachtenden sowjetgeist“(den ich übrigends nie im leben huldigen würde) durchtränkten Artikel, aber ein hochwohlgebildeter Magic hat den absoluten Durchblick! Furchtbar! Und wenn ich drauf hinweise das die inzwischen zigtausende frustrierten jungen Männer, die sich einen Dreck um unsere Gesetze scheren, irgendwann nicht mehr zu halten sind und nur noch nach der Scharia richten, jaa dann bin ich, und inzwischen die Mehrheit der Deutschen, ausländerhetzer aber das war ich ja schon bei Mad!! Inzwischen haben sich meine Einschätzungen bewahrheitet und es wird in der x-ten öffentlichen Talkshow darüber geredet,leider wird alles immer noch verharmlost.
    Alter Stänkerer,du bist doch der mit der Bildung,ich der mit den Benimmregeln 😉 und der mit dem Durchblick…übrigends dein „geistiges eigentum“ habe ich noch nie verlinkt, warum wohl? 😉

  6. …..the land of the free
    and the home of the brave.
    Roemer, erst klaus du geistiges eigentum, dann redest du andern nach der windfahne, dann hetzt du gegen auslaender in deutschland, huldigst dem menschenverachtenden sowjetgeist dieses kleinen gernegrossen putin und schliesslich verfaellst du in weinerliches selbstlob, du kannst vor bildung und charakter kaum noch laufen, versuch’s doch mal beim new york marathon :-)))

  7. Ghost

    Sorry, richtig ist:
    Die Stärke des Kapitals lag stets in der latenten Abhängigkeit des Schuldners

  8. @ karel,
    netter Versuch, nein Danke.
    Schau Dir die hier vorgenommenen Einschätzungen über
    die Vereinigten Staaten an, geradezu kläglich, dass man
    es nicht schafft, in fünf bis sechs klaren Aussagen zum
    Ziel zu gelangen, ein kleines Beispiel:
    Die USA sind nicht am Ende, sie erleben lediglich eine
    längere Phase der inneren Krise und Neu-Ausrichtung.
    Amerika ist voller Widersprüche, voller Schönheit und
    versucht momentan verzweifelt den Anschluß an glorreichere
    Zeiten. Es hat so vieles in einem riesigen Land vereint:
    Reichtum, Armut und gleichzeitig diesen unbändigen und
    nie versiegenden Pragmatismus, das Erfolgsstreben und
    eine nicht zu unterschätzende Hilfsbereitschaft der Menschen
    untereinander und miteinander.
    Die Amerikaner haben alles erreicht, aber jetzt sind sie
    in einer sehr schweren Situation, sie wissen, dass sie sich
    mit ihren Kriegen überfordert haben und diese Gelder werden
    den folgenden Generationen fehlen.
    Die Perspektive ist nicht gerade rosig und ganze Industrien
    liegen brach, die Krise hat fast alle erreicht.
    Dennoch lag Amerikas Grösse immer darin, das Schiksal
    so wie es kommt anzunehmen und wieder gemeinsam
    anzupacken.
    Wenn es einem künftigen Präsidenten gelingt, die Menschen
    hinter sich zu bringen, dann wird dieses Amerika wie
    ein Phoenix aus der Asche aufsteigen und alle Schwierigkeiten
    meistern, vorausgesetzt es gibt ein tragendes Konzept,
    sich aus den Verpflichtungen gegenüber des grossen Gläubigers
    China nach und nach zu befreien, davon bin ich überzeugt.

  9. @ wigand

    Es gibt ja „Pfarrer“, die die „Bibel“ nur „überflogen“ haben
    und daher mit der Tür gleich ins Haus fallen.

    Die „Pissrinne“, einst ein mißglückter Versuch von „Erhabenheit“.
    Fast wie jetzt bei Ihnen… 😉

    Nun denn….