Generation Landlust

Es ist wieder schick, über das Feld zu stapfen, in grünen, feuchten Gummistiefeln, an denen Lehm und Erde kleben – Hauptsache, es ist die eigene Scholle, die da brockenweise mitmarschiert. Wer sich keinen eigenen Forst oder Acker leisten kann, der träumt davon – ein ganzes Segment neuer Zeitschriften schwelgt in Bildern vom erdverbundenen, ehrlichen Leben auf dem Lande. Internet-Versender bieten poppige Designer-Hühnerställe und grelle Bienenstöcke für Vorgarten und Balkon an. Und wenn erst die Frühlingssonne lockt, dann stauen sich die Käufer in den Gartensupermärkten für den Kauf der Wegwerfhybridstaude und Einmal-Bäumchen. Es ist der Traum von der Autarkie, der Selbstversorgung: Wer Holz vor und einen Herd in der Hütte hat, fühlt sich der Fragilität der globalen Energiesysteme, den Ölscheichs und den Gaslieferungen durch Schurkenstaaten weniger stark ausgeliefert. Land gilt als Inflationsschutz. Die jüngsten Lebensmittelskandale befeuern den Wunsch nach dem reinen Ei und dem sauberen Ferkel aus dem eigenen Stall oder eigenen Tomaten vom Balkon.

Der romantisch verklärte Blick auf Wald und Scholle kollidiert spätestens hier mit der wirtschaftlichen Realität der deutschen Landwirtschaft. Die frühere bäuerliche Kultur, das langsamere Beobachten von Werden und Wachsen im ewigen Lauf der Jahreszeiten, steht längst unter einem brutalen Modernisierungsdruck. Selbst kleinere Höfe sind heute komplett durchorganisiert und stehen einem Industriebetrieb in nichts mehr nach: Hochtechnisiert, durchrationalisiert, arbeitsteilig und kapitalintensiv operieren sie; der moderne Bauer verkauft seine Ernte längst und ganz selbstverständlich auf Terminbörsen, mithin an Spekulanten, die sonst von der deutschen Allgemeinbevölkerung so gefürchtet werden. Raum für Romantik, Selbstverwirklichung oder gar für Experimente mit Acker und Vieh lassen der brutale Kostendruck und die niedrigen Preise nicht zu.

Gerade in den vergangenen Jahren konnten wieder einige ökologische Nischen, brachliegende Felder und ungedüngte Wiesen erblühen, entwickelte sich so mancher Biolandbau – weil die auf Maximierung der produzierten Menge an Milch, Fleisch und Wein ausgerichtete Subventionierung durch die Europäische Union zurückgefahren wurde.

Doch diese Nischen geraten jetzt in Gefahr: Statt auf den Teller wandern die landwirtschaftlichen Produkte mit massiver staatlicher Unterstützung in den Tank, in Biogasanlagen oder in Brennöfen. Schon klagen Bierbrauer, dass Felder statt für den benötigten Hopfen für den Anbau der neuen Energiepflanzen genutzt werden und dass Holz aus den neuen Pappelplantagen nicht der Herstellung von Möbeln dient, sondern in Sprit verwandelt wird. Die neue Nachfrage der Benzinraffinerien und Pelletproduzenten verstärkt einen weltweiten Trend: Nicht mehr aus Dienstleistung und Industrie kommt das Wirtschaftswachstum – sondern aus dem Agribusiness, auch und gerade in der gemäßigten Klimazone, in der Deutschland liegt. Es klingt wie Hohn: Gerade erst haben wir auf Berater und Banker umgeschult – jetzt sollen wir wieder Bauer werden. Gründe dafür gibt es durchaus: Die wachsende und wohlhabendere Weltbevölkerung wird 40 Prozent mehr Nahrungsmittel brauchen und 30 Prozent mehr Trinkwasser zu deren Produktion, schätzt eine Expertenkommission der britischen Regierung in einer Studie. Gleichzeitig schrumpft die landwirtschaftliche Nutzfläche, vor allem in Ländern mit wachsender Bevölkerung und industriellem Nachholbedarf. Seit einigen Jahren gelten Agrarprodukte als eigene Anlageklasse neben Wertpapieren und Industrierohstoffen. Seither bemächtigen sich die Finanzmärkte der eher geruhsamen, konservativ vor sich hin dümpelnden Agrarmärkte. Anstelle des hier so geschätzten Bioapfels tritt weltweit die Gentechnologie ihren Siegeszug an.

Mit der neuen deutschen Landlust hat das wenig zu tun: Die wirtschaftliche Realität hebelt Romantik und Ökologie aus.

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Alle Kommentare [238]

  1. Eysel 22:38
    Merkel als Machtpolitikerin ? 🙂
    Taktikerin ist sie. Von Wirtschaft versteht sie wenig, sie plappert das nach, was Experten (die so genannt werden) ihr erzählen und vorbereiten. Ohne die wäre sie verloren.
    Zur Zeit geht es D. wirtschaftlich ganz gut. Daher übernimmt es zur Zeit eine führende Rolle. Aber das Ganze Theater um die „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ wird ins Wasser fallen oder sich im Nebel auflösen, es ist einfach nicht Realitätskongruent. Es erfüllt zur Zeit nur einen Teilzweck: Valium für die Finanzmärkte.

  2. Kairo ist seit einer Woche geschlossen Pampa.
    Die Auswirkungen auf wichtige Börsen war minimal.

  3. @Kaputter
    was machen die Börsen / Futures ?

    Sie sind auf. Solange das so ist, ist es gut so. Pampas Law Nr. 1b, die Zukunft ist ungewiss und die Börsen sind auf.

    Gruß
    Pampa

  4. @ Ghost
    http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentar-politik/euro-gipfel-merkel-und-sarkozy-meinen-es-ernst;2747410
    Der Artikel passt ja wie bestellt.
    Es sei „alternativlos“, D stehe in der Pflicht, D bliebe nichts anderes übrig als Gr, Por etc zu helfen schreibt sie. –
    Allerdings gilt das nur – das verschweigt sie – dass die Währungsunion Verträge in der gegenwärtigen Konstruktion einer „Bürgschaftsunion“ erhalten bleiben. –
    Die Alternativlosigkeit dieser Bedingung sehe ich nicht. –
    Eher deren Tendenz FATAL zu werden. –
    Ob Merkel und Sarko ein ähnliches Format haben wie Mitterand und Kohl? –
    Ich habe erhebliche Zweifel, ob deren Format in einer Union von 27 (17) reicht, so tiefgreifend wie tatächlich nötig in zig andere Volkswirtschaften einzugreifen. –
    Diese Aufgabe ist erheblich umfangreicher/schwieriger als das was Mitterand und Kohl vollbracht haben. –
    Man sollte einen – für viele warnenden – Schritt zurück machen, bevor man die Mammutaufgabe einer EUweiten Integration angeht. –

  5. Ich wollte Dich verwirren Eysel. 😉 Nein, war nur ein Hinweis darauf, dass Karthago, bevor es zur römischen Kornkammer wurde, den dritten Punischen Krieg auslöste.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Punischer_Krieg

    Sorry, kann mich nicht erinnern, dass Du das Anfang der Woche mal angesprochen hast. Manchmal lese ich auch nicht alles und bin hin und wieder auch begriffsstutzig.

    Das mit der eisernen Lady und Probleme bügeln hatte ich auch noch nicht gehört. Da fällt mir doch ein, could you make me feel like a woman? Iron this! ;-)))

    Guats Nächtle allerseits
    Pampa

  6. @ Ghost
    Dein Gedanke Hegemonialpolitik:
    Kann das im Rahmen einer demokratischen 27er EU funktionieren? –
    Zweitens: Was ist der „gewisse Preis“? –
    Wie hoch wird in der 2,,3.,4. … Runde der Preis den wir für die Abhängigkeit Hessas (e.g.) zahlen? –
    Drittens: Kannst du dir Angela als Machtpolitikerin vorstellen? –
    Als Taktikerin kann man sie bei gutem Willen noch sehen. –
    Wo ist das „Format“ das es für Machtpolitik braucht? –
    Bisher hat sie es jedenfalls gut versteckt.
    Ich kann mir nach wie vor am ehesten vorstellen, dass das jetzige Problem – wie so viele schon vorher – „gebügelt“ wird. – Und zwar ohne das Problem zu beheben. D.h. der Preis für die Lösung des Problems – dann irgendwann – durch neu hinzu gefügte „Verstrickungen“ in die Höhe getrieben wird. –
    @ Pampa
    den Cato hab ich doch Anfang der Woche schon mal in abgewandelter Form gebracht. – Was bedeutet Cato hier?

  7. @Zenzi
    Hm, ein Tauschgeschäft wolltest Du, rede doch Niederbayrisch mit mir, einen Swap. Bei Deinem Angebot geht es wohl darum, wie lange Du darfst und ich muss. Was bietest Du mir denn als Cash-Settlement an? 😉

    Muss aber nochmal mit dem Hauselfen reden, wie lange ich sie in diesem Falle vermieten darf, wegen dem fixed leg und so. Billig wird das nicht. 😉

    Servus
    Pampa

    @Eysel
    Ceterum censeo Carthaginem esse delendam
    (Cato)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ceterum_censeo_Carthaginem_esse_delendam

  8. Eysel
    Mit deinem Kommentar kann ich mich identifizieren.

    Die altgriechische Hochkultur konnte entstehen, weil es fruchtbare Landesteile gab, in Ägypten war es nicht anders; das Nildelta brachte Wohlstand. Kultur entstand nur da, wo das existenznotwendige Rackern Sklaven überlassen werden konnte.
    Aber in diesem Stil kann man heute kein Land mehr ernähren.

    Ich bezweifle, dass das „Überstülpen“ gelingt. Deutschland verfolgt in Sachen europäische Wirtschaft eine Hegemonialpolitik, es geht um Einflusssphären und Absatzmärkte. Dafür ist es bereit, einen gewissen Preis zu zahlen, sofern der Steuerzahler mitmacht.
    Dem südländischen Arbeitnehmer oder Arbeitslosen ist damit nicht geholfen. eine Rückkehr zur heimischen Währung mit Abwertungsmöglichkeiten wäre ihm wohl lieber. Aber das liegt nicht im Interesse des „Nordens“.

  9. @ Ghost
    Die Traumtänzerei geht lustig weiter.
    Sagen wir mal so:
    Es soll eine – nur so bezeichnete – Wettbewerbsfähigkeit
    – per ordre Mufti – gesichert werden.
    Ganz von der unbedeutenden Kleinigkeit abgesehen,
    dass sie erst mal GESCHAFFEN werden müsste.

    Glaubst du, dass – in der Breite der Bevölkerung – den Hellenen klar ist
    was sie tun müssen, um langfristig eine starke Währung zu haben? – •

    Wir reden hier über nicht mehr und nicht weniger
    als eine GRUNDLEGENDE Mentalitätsänderung.

    In klassischer Zeit war der Süden dem Norden gegenüber
    – wohlstandstechnisch – begünstigt durch ein Klima das damals dort auch noch deutlich günstiger weil regenreicher war. Karthago galt z.B als Kornkammer des Römischen Reiches. –
    Das ermöglichte in der ganzen Region ein Leben einer bestimmten Art.
    Die Prägung einer bestimmten Mentalität.
    Die ökonomisch landwirtschaftliche Basis hat sich einerseits (schon klimatisch) verschlechtert, andererseits ist sie in Zeiten der Industrialisierung usw.
    längst nicht mehr wohlstandsbestimmend!
    Denn Wohlstand wird immer KOMPARATIV gesehen!
    In einer industrialisierten Welt „zählt“ Anderes!
    Mentalität hat sich offensichtlich nicht grundlegend verändert.
    Glaubst du, dass „Einsicht in Notwendigkeit“ in überschaubarer Zeit eher eine Völkerwanderung oder einen Mentalitätswandel auslöst???
    Meine Antwort kannst du dir denken.

    Und jetzt will Merkel eine sehr Makro-Struktur ÜBER STÜLPEN,
    die solch nötigen grundlegenden Wandel in einigen wenigen Jahren bewerkstelligen. –
    Utopisch!
    •••
    Die Halsabschneider-Goldboutiquen „schießen“ hier doch genau so. –
    Wollte meine Platin-1.Ehe-Eheringe endlich mal los werden,
    ohne sie einfach weg zu werfen.
    „Oh, Eheringe“ meinte er.
    „Die kriegen wir nur ganz selten angeboten“.
    Auf Nachfrage: Die goldenen auch so gut wie nicht.
    Die Preise waren übrigens lächerlich. Wieder mitgenommen.

  10. dtesch 16:20
    Es ist vor allem Merkel,die hier die Führungsrolle übernehmen will., wohl auch aus wahltaktischen Gründen. Damit ist nicht gesagt, dass andere Euro-Staaten mitspielen werden.
    Die Leute in Ländern wie Portugal sind inzwischen verängstigt und sehr unzufrieden. Boutiquen, die Goldschmuck ankaufen, schiessen dort wie Pilze aus dem Boden. So mancher Arbeitslose verkauft seinen Ehering, weil die Stütze nicht reicht. Eine grosse Anzahl von jungen Akademikern ist arbeitslos.
    Das Problem: es soll die Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden. Nur ist das ein Ding, an dem dauernd weitergedreht wird. Fraglich ist, ob dies die Bevölkerung in den einzelnen Ländern mitmachen wird. Es formiert sich aus Unzufriedenheit geformte Opposition. Das sollte man auf keinen Fall unterschätzen.
    Merkels Phrasendrescherei („alternativlos“) wird dort auf taube Ohren stossen.

  11. Gregor Neumann
    vielen Dank, auch für die Links.
    Ich meine, John Law war genial und seiner Zeit weit voraus. Vielleicht wurde er „Opfer“ seiner marginalen Persönlichkeit; er starb verarmt in Venedig.
    Wie so häufig verliert in solchen Fällen der Initiator die Kontrolle; er beherrscht nicht mehr sein System, sondern es beherrscht am Ende ihn. Das fatale Ende kommt dann zwangsläufig.

  12. Der Investor ist angesichts der ausufernden Schulden auf der Suche nach wahren Werten. Fast keiner wünscht sich, dass er wirklich auf sein Land ziehen und dort Ackerbau und Viehzucht betreiben muss, um zu überleben. Wobei man hier auch beachten muss, dass die Preise wie bei anderen Sachwerten schwanken.

    Richtig gut ist es auf jeden Fall, wenn man sein Kapital auf verschiedene Anlageklassen streut wie z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle, Tagesgeld etc.

  13. Die EU-Staatslenker träumen weiter:

    „Zugleich solle mit dem sogenannten Pakt für Wettbewerbsfähigkeit deutlich gemacht werden, „dass wir den politischen Willen haben zusammenzuwachsen, insbesondere in der Euro-Zone“. Aber auch andere Länder würden eingeladen, sich dem Pakt anzuschließen. Die Euro-Länder sollen künftig bei Renten, Steuern und Löhnen stärker zusammenarbeiten. “

    Den Willen haben die vielleicht schon, nur an der Umsetzung hapert es gewaltig. So haben sie doch mit dem Euro 10 Jahre Zeit gehabt das jetzt beschwörte „zusammenwachsen“ Wirklichkeit werden zu lassen.
    Das Gegenteil ist aber geschehen. Und ob das nicht schon genug der Widersprüche und Absurditäten ist, werden auch noch „andere Länder“ eingeladen sich diesem Pakt des Untergangs anzuschließen. Das ist so, wie wenn jemand am absaufen ist und andere dazu einlädt mit abzusaufen.

    Was dieses zusammenarbeiten bei Renten, Steuern und Löhnen letztlich bedeuten für D soll, verheißt nichts Gutes.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article12445540/Berlusconi-lobt-Mubarak-als-weisen-Mann.html

    Gruß
    dtesch

  14. Gestorben wird immer Zenzi?

    Es geht um Selbsterhaltung und Arterhaltung. 😉

    Wenn ich kann, nehme ich Dir Dein Essen weg und schlafe mit Deiner Frau, damit auch mal was Vernünftiges dabei herauskommt, absolut selbstlos. Ähm … also wir sind ja zivilisiert, das würde ich natürlich nie tun. ;-)))) Sei Dir nicht so sicher. ;-))))

    Gruß
    Pampa

  15. Folgende Allgemeine Geschlechtsbedingungen in der Suppenkasper-Tauschaktion:

    Die Hauptziehung findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit in Anwesenheit eines oder mehrer Deutschen Notare statt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, bestätigt durch das Bundesdeutsche Verfassungsgericht.

    —-

    cui bono? würde der Latriner sagen, Pampa. Du bist nahe dran am Hauptpreisgewinn: Wie komme ich an das Geld des Anderen.

  16. advocatus diaboli, hm, wenn das der Schleifer vor Gottes Gnaden, mein ehemaliger Latein-Lehrer lesen würde, würde ich Schande empfinden

  17. @Zenzi

    Dibelius hat Medizin studiert.

    Mir stellen sich diverse Fragen:

    1. Wen glaubt er über Bild zu erreichen? Politik?
    2. Wie ist Goldman positioniert?
    3. Wie schnell kommen sie da raus bzw. wie schnell können sie gecornert werden?
    4. …

    Kurz, nicht was er sagt ist wichtig, was will er?

    Be my Valentine
    Advocatos Diabolus
    Pampa

  18. @Inocenz
    zu Dibelius

    Wieder ein Beispiel des Schönredens, um den EIGENEN Interessen nicht zu schaden.
    Jemand, der die Glaskugel wohl erfunden hat.
    So Aussagen wie:
    „Wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland vom Euro bis heute immer noch weit mehr profitiert als das, was die Euro-Krise kostet.“
    Um diesen Satz zu verstehen, muss man das „bis heute“ betonen und gleichzeitig die zukünftige Entwicklung unterschlagen.

    Gruß
    dtesch

  19. „Vous mériteriez que je vous brisasse comme un verre, j’en ai le pouvoir mais je vous méprise trop pour en prendre la peine. Pourquoi ne vous ai-je pas fait pendre aux grilles du Carrousel ? Mais il en est bien temps encore. Tenez, vous êtes de la merde dans un bas de soie ! (Übersetzung: Ihr verdientet, dass ich Euch wie ein Glas zerbreche. Dazu habe ich die Macht, doch ich verachte Euch zu sehr, als dass ich mir die Mühe machte. Warum habe ich Euch nicht am Gitter des Carrousels aufknüpfen lassen? Aber dazu ist immer noch Zeit. Nehmt das, Ihr seid Scheiße in einem Seidenstrumpf!“
    – NAPOLEON ZU TALLEYRAND IM KRONRAT AM 28. JANUAR 1809, NACHDEM TALLEYRAND MIT ZAR ALEXANDER I. ÜBER DIE ABLEHNUNG EINES BÜNDNISSES MIT DEM KAISERREICH FRANKREICH VERHANDELT HATTE.

    Mache es Dir doch nicht so schwer Greg, Tally war ein Junge mit Cojones, oder hätten wir beide so agiert, dass Napoleon so über uns geurteilt hätte? Er hat es auch überlebt. Komm runter Makro, Hunger, Durst, Weiber, Macht als Instrument.

    Daneben hat Tally auf dem Wiener Kongress, am Schachbrett, mehr für Frankreich erreicht, als Napoleon zerstörte. John Law war aber auch ein abgewichster Hund, klar. 😉

    Darkroom:
    Machen wir eine Schachübung? Okay, kaufe Dir Hand-Zwingen. Vor der Partie drückst Du beim Handshake zu wie ein Schraubstock. Nein, nicht ein, zwei Sekunden, sondern 20 – 25, kurz bevor Dein Gegner anfängt zu weinen. http://www.body-attack-sportsteam.de/magazin/ba_magazin_8.pdf Danach tritts Du ihm unterm Tisch mal richtig vors Schienbein, stellst die Uhr an und fragst, wer er sei. Ach was dann, dein Name reicht mir für die Notation auf meinem Totenzettel.

    Was Greg? Willst Du beliebt oder gefürchtet sein? Bist Du ein Elo-Bulle mein Sohn? Schlachte ihn ab! ;-)))

    Ja schon gut, wir zivilisieren uns wieder, ist ja nur ein Brettspiel, odda? ;-)))

    Stellst Du Dich eigentlich auch noch der Jugend zur Verfügung, um an Dir zu trainieren?

    Gruß
    Pampa

  20. @Pampa:
    Talleyrand war Aristokrat und eine prägende Figur in prägender Zeit. Vom Typus her ein Karrierebürokrat, der sich in den Dienst der Sache stellt und kein Problem damit hat, nacheinander unterschiedlichen Herren zu folgen.

    John Law hingegen war wie Donald Trump. Bürgerlicher Herkunft, ein notorischer Spieler, der mehrfach ein Vermögen machte und wieder verlor. Das personifizierte Risiko, weil es für ihn immer nur Hopp oder Topp gab.

    Gleichzeitig offenbar ein kluger Mann, der Bücher zur Ökonomie schrieb, die ganz neue Ansätze verwendeten. Obwohl er ständig das Glück herausforderte, verdankt er seine Karriere auch seiner Auffassungsgabe.

    Kannst Du Dir Donald Trump als Chef der EZB vorstellen? So ungefähr war John Law als Gründer und Hauptaktionär der Banque Royal.

    @magic:
    \\\\\\\“Geschichte endet nie, im Rückblick mag das zutreffen\\\\\\\“

    Das ist auch keine abschließende Wertung für alle Zeiten. Und die Welt des Geldes ist voller skurriler Gestalten. Aber in meiner persönlichen Hitliste rangiert John Law ziemlich weit oben 🙂

  21. Na, das nenn´ ich eine Herausforderung. Was die Franzosen und Engländer mit ihrem John Law können, das können wir schon lange!

    Deutschland sucht den Superstar!

    Die Aufgabenstellung folgende: Wer es fertig bringt, die Schulden der Griechen so an den Mann zu bringen (und die Frau, hier ausnahmsweise FÜR Frauenquote), OHNE daß es der Deutsche Michl merkt, DER bekommt den Hauptpreis. Das ganze läuft unter:

    – Sondertauschaktion, –
    gebührenfrei – Deutsche Schulden gegen Griechische.

    Tauschen bis zum 15.02.2010
    Die offiziellen Teilnahmekarten gibt es bei R. Tichy oder an jeder Straßenecke.

    Ihre Vorteile:
    Sie können jederzeit Altpapier gegen neues deutsches eintauschen. Der Tausch erfolgt porto- und gebührenfrei. Die tauschen 100 Euro gegen 100 Euro.
    Sie bekommen eine exklusive Sammelmappe gratis und einen Gutschein für den Besuch des Kölner Doms. Damit können Sie kostenlos mit dem Ofenrohr vom Turm in Richtung Gebirge schauen, geschenkt!

    Trotz der großen Nachfrage ist die Tauschaktion streng limitiert. Sie tauschen immer 100 Euro gegen 100 Euro. Kinder und Jugendliche sind von der Spielteilnahme ausgeschlossen. Damit wird die Kultur und die deutsche Geschichte gewürdigt.

    Wir wünschen Ihnen heute schon viel Freude bei der Tauschaktion und verbleiben mit

    freundlichen Grüßen

    Deutschland sucht den Superstar Geschäftsleitung
    – bekannt aus Funk und Fernsehn –
    mit freundlicher Genehmigung der Französischen FsdS

    PS: Lassen Sie sich nicht lumpen, Deutschland war mindestens immer so erfinderisch, wie die Franzosen, und, bescheissen können wir auch!

    > an alle Haushalte der Bundesrepublik Deutschland

  22. „klug und fleißig — gibt’s nicht;
    klug und faul — bin ich selbst;
    dumm und faul — für Repräsentationszwecke noch ganz gut zu gebrauchen;
    dumm und fleißig — davor behüte uns der Himmel!“

    „Der Kaffee muss heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe sein.“

    „Verrat, Sire, ist nur eine Frage des Datums.“ – zu Zar Alexander I., Wiener Kongress

    Sowas sagt man über Tally, nasowas.

    In jedem Falle ein spannendes Leben, würde das oben schon mal lesen.

    Gruß
    Pampa

  23. ;- mhmmm, nu mal sachte, global Greg: „John Law – eine der faszinierendsten Gestalten in der Finanzgeschichte. Bei kaum jemand lagen Genie und Wahnsinn so nah beieinander.“
    Geschichte endet nie, im Rückblick mag das zutreffen, seit EMIR‘ s Märchenstunde aus Pampas 1001.Law-Collection appointed by his Majesty global Greg’s Academy in Gloria TiTo ausgeblümelt mittels Zamir’s x-fach verschlungener Zungenfertigkeit gerät John L.’s historische Alleinstellung zunehmend unter Druck, odda?!;-)))

  24. @ghost:
    \“Ist die Bankenkrise nach Ihrer ansicht vergleichbar mit der Blase, die Law zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankreich verursacht hat?\“

    John Law – eine der faszinierendsten Gestalten der Finanzgeschichte. Bei kaum jemanden lagen Genie und Wahnsinn so nahe beieinander. Er war in vielem seiner Zeit voraus und es ist nicht geklärt, ob er scheiterte, weil er das Projekt zur Entschuldung Frankreichs nicht im vollen Umfang verstand, oder weil er es auf Betrug abgesehen hatte.

    Es gibt meiner Meinung nach ebenso viele Parallelen wie Unterschiede zur aktuellen Finanzkrise, weshalb ich Ihre Frage weder mit ja noch mit nein beantworten kann. Müsste ich mich entscheiden, würde ich sagen, dass es sich um einen andere Art von Blase handelte.

    Eine sehr gute Zusammenfassung und Erklärung der Mississippi-Spekulation und der South Sea Bubble gibt es übrigens hier.
    http://www.lrz.de/~u5152ak/webserver/webdata/ehebir/johnlaw.pdf

    Der Ausgangspunkt war die horrende Staatsverschuldung in Frankreich unter Ludwig XIV sowie in England. Als Lösung wurden 1711 und 1717 private Aktiengesellschaften gegründet, die die Staatsschulden übernahmen und dafür das Monopol auf Einnahmen aus dem Handel mit den französischen Kolonien in Nordamerika und in der Südsee erhielten.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mississippi-Spekulation

    Man tauschte also bereits ausgegebenes Geld gegen künftige Einnahmen aus Territorien. Bilanztechnisch ein genialer Schachzug, weil ein Asset aktiviert und ein Mittel gegen die Deflation nach dem Spanischen Erbfolgekrieg gefunden wurde.

    Die Situation ist aber nicht mit 2001ff vergleichbar, weil damals die hohen Staatsschulden bereits existierten und die Länder kurz vor der Zahlungsunfähigkeit standen.

    Dank John Law schrumpfte die Geldmenge in Frankreich nicht mehr, sondern wuchs an, was der Wirtschaft einen Schub gab. Die Gründung der Banque Général und später der Banque Royal versorgte die Manufakturen mit Kapital und brachte viele Leute in Arbeit. Es war ein Wirtschaftswunder erster Güte und das Land prosperierte.

    Heute würde man das ein schuldenfinanziertes Wirtschaftsprogramm nennen.

    Dann passierten zwei Dinge: Die Menschen fingen an, ihren neuen Reichtum in die Quelle des Aufschwungs zu investieren. Die Kurse der Mississippi-Kompanie-Aktie stiegen machte einfache Leute zu Millionären (ein Wort, das 1720 im Zuge der Blase erfunden wurde).
    Wegen der hohen Nachfrage wurden weitere Aktien ausgegeben und die Geldmenge weiter erhöht. Investoren verkauften und beliehen Landgüter, nur um Aktien zu kaufen.

    Voila, eine Blase erster Güte. Buchgewinne werden reinvestiert und neue Anleger verschulden sich, in der Hoffnung, durch die Gewinne die Kredite zurückzahlen zu können. Das deckte sich mit den Vorgängen an den Immobilienmärkten.

    Das Problem ist: Das ganze System ist von den tatsächlichen Profiten der Mississippi-Kompanie bzw. der South Sea Company abhängig. und die blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Die Blase fiel in sich zusammen wie die Dot-Com-Blase 2001. Nur noch schneller und härter.

    Die Staaten konnten nur begrenzt helfen und die folgende Wirtschaftskrise war sehr hässlich. Frankreich und England erhöhten die Steuern, um die Haushalte zu sanieren. Die Spätfolgen waren die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die französische Revolution.

    Wurde die Blase in betrügerischer Absicht von John Law initiiert oder wurde das System ein Opfer seines eigenen Erfolgs? ich wage da kein Urteil. John Law war eine derartig schillernde Person, dass ich beides für möglich halte.

  25. wir haben auch bald in Deutschland Bürgerkrieg, der von den Islamisten in unser Land reingebracht wird.

    Als ich HIER vor 1 Monat geschrieben habe die Islamistischen Länder sind brand-gefährlich bin ich als Rassist beschimpft worden….

    Die Gefahr ist NICHT der Kommunismus sondern diese irrsinnigen Islamisten !!!!

    Herr Tichy wenn Sie „Kommunisten“ gegen „Isamisten“ austauschen dann stimmt Ihre Rede im Jahre 2011….

    traurig dass immer noch kein Deutsche aufgewacht ist was wir eigentlich für eine Gefahr im EIGENEN LAND haben !!!!!

  26. Die Bilder aus Ägypten sind beeindruckend. Das Ganze geht Richtung Bürgerkrieg. Die Leute würden aufeinander schiessen, wenn sie Feuerwaffen hätten. So wie in Spanien 1936.

  27. dtesch
    Ich meine, in D. hält sich das noch in einem epocheangepassten Rahmen, aber wir werden zunehmend mit einer Enteignungsmentalität konfrontiert, weil es verglichen zu früher weniger Ressourcen gibt (oder angeblich geben soll). Die stärkeren (systemwichtigen) Lobbys sind dabei die Gewinner.

    Die EU-Administration hat sich zu einer Verteilungsmaschine entwickelt, wobei es nicht orthodox zugeht. Da werden Subventionen zugeteilt, über deren Verwendung man nur den Kopf schütteln kann.
    Ferner sollen wir ja alle zur Kasse gebeten werden. Denn die Pläne der Merkel-Regierung zielen darauf ab, den Euro um jeden Preis zu retten, die PIIGS-Staaten sollen wieder soweit hergerichtet werden, dass sie wieder in den reichen Ländern einkaufen können. Sterntaler wird es ja wohl nicht regnen, um den Wahnwitz zu bezahlen. Mit anderen Worten: Das System soll, koste es, was es wolle, aufrecht erhalten werden. Die Banken werden dabei die Gewinner sein, ebenso wie das Heer der EU-Bediensteten. Aber ob die deutsche Industrie wieder wie früher von der EU profitieren wird, ist nach meiner Ansicht fraglich. Wie gesagt, bestenfalls wird man für eine unbestimmte Zeit das System erhalten können, oder zumindest den Anschein wahren. Vielleicht wird man nach den Wahlen hierzulande und in Frankreich 2012 klarer sehen. Ich glaube nicht, dass sich bis dahin viel bewegt, ausser wenn Italien kollabieren sollte. Die Gefahr ist gegeben.

  28. Frage an Gregor Neumann
    als Ergänzung zu Ihrer vorangegangenen Antwort:
    Ist die Bankenkrise nach Ihrer ansicht vergleichbar mit der Blase, die Law zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankreich verursacht hat? Der windige wie geniale Schotte hatte ja die Leute mit dubiosen Wertpapieren genarrt. Fusst das auf dem gleichen massenpsychologische Mechanismus?

  29. @Ghost
    „kleptokratische Regierung“ ?

    Haben wir das nicht auch schon hier D?
    Ach wenn man die Pläne und Diskussionen der EU verfolgt, drängt sich der Verdacht sehr schnell auf.
    Von der Demokratie zur Kleptokratie.

    Gruß
    dtesch