Neue deutsche Bank

Allmählich beginnt man ja, sich mit den Folgen der Finanzkrise abzufinden und einzurichten – und sieht mit einem Mal die Konturen einer neuen Landschaft aus dem Nebel auftauchen. Wir hatten geglaubt, dass niemand mehr den Siegeslauf der Linken aufhalten könnte. Und siehe da – plötzlich ist die betont marktwirtschaftliche FDP der triumphale Wahlsieger in Hessen. Das ist kein rein lokales Ereignis, sondern es hat den Anschein, als ob der beklemmende Zuwachs an staatlicher Macht, den die Finanzkrise mit sich gebracht hat, über Nacht gewissermaßen wieder eingefangen werden soll. Das bürgerliche Lager aus Union und FDP, im Berliner Reichstag rechnerisch in der Minderheit gegen SPD, Grüne und Linke, hat in Wiesbaden eine solide Mehrheit gewonnen. Diese neue Stärke hat spürbare Fernwirkung bis in die Bundespolitik: Bislang ist es doch so, dass die letzten Aufrechten des CDU-Wirtschaftsflügels innerhalb der rot-schwarzen Koalition einfach weggebügelt werden – auf ihre paar Stimmen kommt es angesichts der überwältigenden Mehrheit nicht an, wenn sich die Spitzen von SPD und Union erst mal auf die Richtung einigen. Nun muss sich Angela Merkel bekennen: Will sie wirklich eine Koalition mit der FDP inklusive künftigem Ärger um marktwirtschaftliche Reformen – oder setzt sie auf die Bequemlichkeitskoalition mit der SPD? Ob Unternehmens- und Erbschaftsteuerreform, ob Gesundheitspolitik und die Ausdehnung der Mindestlöhne auf immer neue Branchen; ob es die verpasste Steuerentlastung ist, verschenkte Steuervereinfachung oder eine Haushaltssanierung, die nicht nur an der Finanzkrise gescheitert ist – überall werden jetzt die Folgen letztlich wirtschaftsfeindlicher Kompromisspolitik spürbar.

Aber nicht nur die politische Landschaft verändert sich – auch die Unternehmenslandschaft. Da gibt es eine Reihe von Unternehmen, die einfach unbeeindruckt weitermachen. Krise? Stell’ dir vor, es ist Krise, und keiner schert sich drum. Dies sind gut aufgestellte Unternehmen mit solider Eigenkapitalbasis und dem Selbstbewusstsein, dass eine Krise auszusitzen ist oder sogar neue Chancen eröffnet.

Den Champions stehen solche Läden gegenüber, die durch gewagte Übernahmen und zu schmale Eigenkapitalbasis nicht krisenresistent sind. Da wird jetzt gespart und geholzt; das an sich funktionierende Geschäftsmodell wird den Sparzwängen geopfert und die Spirale nach unten gedreht. Ihnen droht ein kalter Frühling, in dem große Namen für viele frühere Fehler büßen werden, welche die Finanzkrise nun schonungslos offenlegt.

So richtig gruselig aber wird es in der Finanzindustrie. Statt sich abzusetzen, sind die Banken wieder näher an den Abgrund gerutscht. Kein Gespräch mit Unternehmern, in dem nicht die Wut über die Selbstverständlichkeit spürbar wird, mit der die Banker immer neue Milliarden aus der Staatskasse einfordern. Bewunderung zollt man allenfalls der Kühnheit und der Raffinesse, mit der es die Geldverwalter geschafft haben, uns alle zur kollektiven Geisel zu nehmen und uns für ihre Fehler zahlen zu lassen. Geradezu atemberaubend ist die jüngste Forderung – eine „Bad Bank“ soll es sein, in der sie ungestraft alle ihre Sünden abladen dürfen.

Nun denkt eine Reihe von Unternehmern darüber nach, ob die Antwort auf diese Chuzpe nicht eigentlich die Gründung einer „Good Bank“ sein müsste, also eine neue deutsche Bank. Kapital ist ja da, man versucht im Augenblick nur, es vor den Banken zu sichern und zu schützen. So schwer kann es ja nicht sein, ein solides Geldgeschäft aufzubauen, wenn man nur darauf achtet, die Boni-Bürscherl rauszuhalten.

Was da sichtbar wird, ist ein neuer Konservatismus: nachhaltiger, solider, wirtschaftsnäher. Eigentlich keine schlechte Entwicklung.

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Alle Kommentare [238]

  1. @ Bühler,
    schön dein Zitat: „“We can only …. Power will tend to be used, and the power to create money out of thin air is no exception to the rule. ” Speziell der letzte Satz. ~ Binsenweisheit ist, dass unter dem Etikett „Gutes tun“ schon ( heuchlerisch ) so Manches verdammt schlecht getan wurde. Und ratet mal, wo eine globale ( anders wohl ganz unmöglich ) „good bank“ wohl ihren Sitz hätte, wer sie dominieren würde, wessen Zwecken sie damit dienen würde, ob das dem Zweck dienlich wäre.

  2. ..damit UN-Economic-Gorvernante die Tage nicht lang werden (bei soviel Schock und Wohlverhaltensbekundungen der Gierhälse von gestern) könnte man als zusätzliche Auslastungsunterstützung die Überwachung der Sonnentätigkeit bei Vollmond beschliessen, auf das Sanktionspaket bei ostentativem Sonnenversagen könnte man sehr gespannt sein;-) in der Standortfrage bieten sich Grönland, Galapagos, Helgoland, Malta, Monte Christo, die Insel Re und einige andere an (auf jeden Fall muss bei den zu erwartenden Attac(en) die Verkehrsgünstigkeit umgekahrt proportional ins Kalkül eingezogen werden, eine bemannte Raumstation wäre technisch wohl machbar, aber der Gesundheitszustand des potentiellen Gouvernanten-Teams gibt das wohl nicht her…;-)

  3. …Raiffeisen war nur so eine Spitze, hat Du ja gemerkt.
    Das was da skizziert wird an multilateral-kooperativ-verantwortungsvollem Lenkungskomittee macht wirklich Freude. Bei den typischen UN Vertretern denkt man ja auch sofort an Gouvernanten der Diener, von Korea über Ruanda bis Kongo, Zypern und Srebreniza nur Success Stories, Bevölkerungsblase samt Welt-Impf- und Ernährungsprogramm alles global konsistent, zielgerichtet und fehlerfrei und erhaben jeder Kritik über 60 Jahre sozusagen von einem andern Stern. Also beste Voraussetzungen.

    Ich glaube mit der US Finanzierung der UN ist es nicht weit her. Sie haben jahrzehntelang der UNESCO die Beträge verweigert. Die Standortfrage wird wirklich interessant.
    Und die Besetzung der Posten. Hier kann Transparency guggen, ob das Jahrtausende alte Schmiermittel hier nicht mehr eingesetzt wird. Yes we can (change). Die UN wird ja mehrheitlich von Diktaturen, äh autoritären Regimes, dominiert. Legen die dann eigentlich den einheitlichen Leitzins bei uns fest ? :-)))

  4. ..der Name Raiffeisen war als Denkanreiz gedacht und zwar durchaus unter Einbeziehung des Mörkel-Zeigefingers. Diener sollt ihr sein, nicht Master of the Spielsalongs..
    Also nochmal: systemrelevant heisst dienen wollen und sich disziplinieren können, allerdings und das ist der Unterschied zu Raiffeisens Zeiten: die neuen Diener müssen globale Reichweite haben um systemrelevant dienen zu können und alle Dienstherren müssen ihnen koordiniert und kooperativ auf die Finger gucken können und dürfen und sobald an diesen die Spermaspuren von Lustwandeleien der Gier erkennbar werden, gibt es einen mit dem globalen Teppichklopfer – das erfordert als Kernvoraussetzung eine z.B. von den USA unabängige Finnanzierung dieser Weltwirtschafts-Gouvernanten-Behörde 😉

  5. Neben den ganzen Vorhersagen bzw. Empfehlungen von Rogers oder Soros zum Absturz ganzer Ökonomien bzw. zu Bad Banks, dem Verurteilen oder Entschulden einzelner in der Hektik des Werktages, kann es nicht schaden, einmal wieder ein paar langfristiger angelegte Gedanken ins Auge zu fassen.
    Ich denke, dass z.B. Rogers und Soros in den geposteten Beiträgen, bei ihrer Nähe zum Geschehen und der Dimension des Engagements (in $$) vor allem mittelfristig ihre Position stützen wollen. Ich will das gar nicht moralisch werten, reine Vermutung eines Nichtnaiven auf Basis des immer zielführenden ‚cui bono?‘ oder einer ‚Wer spricht?‘-Analyse. Rogers ist mit Sicherheit im Pfund engagiert, und Soros wird sich etwas zu früh in amerikanische Banken eingekauft haben. Daher die offene Rechnung mit ‚Shorties‘ (wirkt bei ihm extrem lächerlich) und der Druck in Richtung Bad Bank, bzw. Good Bank, letztlich 2 Seiten derselben Medaille. Mit der Bad Bank nimmt ihm der Staat die Schulden ab und mit der Good Bank legt man ihm neues Profitpotential in die Hand.

    Nun aber einer, der sich ein paar langfristige Gedanken gemacht hat (schon ein paar Jahre her). Aufgehängt an Kontradieff und Boom/Bust Cycles, enthält es eine Menge an grundsätzlichen Überlegungen zu Inflation, Deflation, Depression und Staatsintervention. Da stehen z.B. solche Sachen drin wie:

    „We can only sum up the correct answer to the problem of the business cycle. We have already seen a hint of the solution: that inflation and the inflationary boom are caused by bank credit expansion generated by governments. In fact, government’s central banking system provides the key causal element for all business cycles, a cause exogenous to the market economy. Continuing government intervention sets in motion business cycles by generating inflationary booms.
    In short, government intervention cripples the market economy, and recession or depression is the painful but necessary adjustment by which the market reasserts itself, and liquidates the distortions committed by the government’s inflationary boom. After each depression, the government generates inflation once again, because it is the government’s natural tendency to inflate. Why? Quite simply, whoever is granted a monopoly of printing money (e.g., the Fed, the Bank of England) will use that monopoly and print – to finance government deficits, or to subsidize favored economic groups. Power will tend to be used, and the power to create money out of thin air is no exception to the rule. “

    Murray N. Rothbard, klar kennen die Ökonomen alle schon, in:
    http://www.lewrockwell.com/rothbard/rothbard44.html

    Tut weh, oder ?

    @magic, ps, gn, all
    Good Banks sind n.m.E. schon unterwegs. Man braucht sich doch nur mal die Banken ansehen, die in letzter Zeit noch Gewinne machen oder deren Verluste relativ gering sind (Zufällig sind einige dabei, die am deutschen Markt privatkundenmässig geschickt zugekauft haben, als andere das lästig fanden). Gesetzt eine Bank ist prinzipiell ein halbwegs normales Unternehmen ohne Allüren und Sonderrechte, dann würde ich behaupten, dass diese Banken relativ gut sind, also Good Banks? Die Soros-Sicht von Good Banks sind doch Banken, die mit Staatshilfe erstmal gesundgeschnitten werden sollen, also eigentlich das Gegenteil. ‚Good Bank‘ ist in dieser Form Newspeak.

    Wer will kann ja mit einer richtigen Goodbank mit- oder gegenhalten. Daraus muss ja nicht gleich eine Riesenbank wie im westlichen Ausland werden. Steht doch jedem frei, der das Wissen und Kapital zusammenbringt, eine Banklizenz zu erwerben. Was dann fehlt sind noch Kunden und Mitarbeiter die es besser machen. Die VBs sollen ja auch eine Badbank wollen, also irgendwas an Theorie oder Umsetzung von Raiffeisen stimmt doch nicht…Besser nochmal ganz von vorne anfangen. Und nicht vergessen, das Goodbank-Label kleben die Kunden drauf, nur damit die Fehler bei den Bewertungen nicht gleich am Anfang liegen.

    Ich fürchte aber, Staatsvertreter und einige Großspekulanten, die nebenbei beweisen, dass Geld eben doch nicht alles ist, könnten beim Thema Good/Bad Bank eine ‚unechte‘ Symbiose eingehen, bei der andere die Rechnung bezahlen werden, also im Newspeak-Sinne. Eysel vermutet n.m.E. richtig, dass Staat die Gelegenheit nutzt, hier einen ordentlichen Schluck aus der Machtpulle zu nehmen. Man kann an dieser Stelle unseren Staatsvertretern wie immer nur ein glückliches Händchen wünschen. Soros und Rogers als Politikberater der deutschen Politik? Roger.

  6. na also, ist doch’n Anfang: Systemrelevanz ist nicht nur gesund, sondern dienend und zwar der Nation und das innovatiev wird sein. was für Deutschland gut gilt, sollte auch für die UN im 21. Jahrhundert von Nutzen sein können;-)!!!
    das Leben ist ein breiter z.Zt. unruhiger Fluß und Mirs. Mörkel spannt a very small very long bridge over millions of troubled water, weiter so!

  7. Lieber Eysel,
    endlich mal wieder eine Botschaft von dir direkt an mich, in rtys Hand wackelt das Whisky-Glas sich wünschend es möge friedlich bleiben und die Tonart moderat. Aber wie schon gesagt: die Zeiten ändern sich und die Menschen auch, also, lieber Eysel, kein Mensch, zuallerletzt ich möchte Dir dein grau nehmen, mit Brille, Borsalino und Darwin-Schnurrbart bist du eine Zier der Township, eine Geisterscheide zwar, aber unerschütterlich und insofern hoch verlässlich!;-)
    Was deine Abneigung allem „magischen“ gegenüber betrifft: ich verstehe das, anderes Betriebssystem, du spielst auf Sieg, andere auf gut Glück und Magic auf „Freiheit für die zweibeinige Eintagsfliege in Gottes Hand“.
    Übrigens: Old Eyss, mein zehnjähriger hat einen neuen Banknachbarn in seiner Schulklasse, er freute sich schon seit Tagen auf den Knirps, die Lehrerin hatte ihm schon vorsorglich einen Einzelplatz zugewiesen, damit sich der Neue, sobald er denn da ist, neben meinen Kleinen setzten könne, mein Söhnlein als „Integrationsbeauftragter der Klasse 5a“ – können Sie sich vorstellen, wie das den Vater stolz macht und können Sie sich vorstellen, was es in mir auslöste, als ich heute erfuhr, der Neue sei aus Köln:-(………………………………………….;-) hattest du nicht geschworen nie einen Fuß nach Südwestsachsen zu setzen, und nun
    das;-) aber wir Chemnitzer sind ausdauernd und uns Moselfranken
    haut so schnell nichts um, außerdem rein rational gesehen besteht ja noch die Möglichkeit, das der Neue mit dir nichts zu tun hat, old eyss, sein Vornamme ist jedenfalls Philipp ohne y und nicht Grautier ..schön, dass du uns nicht loswirst, du Fremdgeher*#*

  8. Uebrigens hat sich gerade Angela Merkel dazu in Davos zu Wort gemeldet:
    Die Banken haetten ihre dienende Funktion verlassen, sie muessten dahin wieder gefuehrt werden.
    Nicht weniger als mit der Macht der Uno, einem Weltwirtschaftsrat…

    Na, das geht ja los

  9. Es geht doch nichts über einen guten Schwadronierer,
    halbbesoffen so nett beim Rotwein am Kamin …

  10. ja,ja
    – es sind diese wachstumsbremsenden, umweltfreundlichen nachhaltig weniger verbrauchenden kleinen Autos
    – es sind die Zahlungs-und Kreditkartensysteme, mit denen der private Konsument sich nicht in einem Kaufrausch bis über beide Ohren verschulden kann
    – es sind diese vielen Formalitäten, die erledigt sein müssen, bevor man sich für sein Einfamilienhaus mit Hypotheken belädt und zu allem Überfluss auch noch Eigenkapital mitbringen muss und längere Zinsbindungen dringend angeraten bekommt, zumindest für den erstrangig abgesicherten Schuldenteil
    – es sind die Kümmerer des deutschen Finanzwesens (die Volks-und Raiffeisenbanken und zahllose Sparkassen) die sich aus nächster Nähe und liebevoll um die Spargelder kümmern, statt diese den gierigen Händen schalmeienblasender Wunderheiler aus den globalen Gift-Salongs zu überlassen
    – es ist diese im christlichen Abendland weitverbreitete Art nur das auszugeben, was vorher eingenommen hat
    – es ist diese heimatverbundene leicht statische Art nicht alle paar Jahre von Nord nach Süd nach Ost nach Mallorca umzuziehen, die die meisten Otto-Normalverbraucher von den rast-und ruhelosen inneramerikanischen amerikanischen hoppe-people unterscheidet
    und weil das alles so ist und sich in seinen Grundfesten bis heute nicht groß geändert hat
    könnte uns in dieser Krisenzeit eine gewisse retro-Orientierung, eine Rückbesinnung auf die Werte auf denen wir uns Leben und Wirtschaften gestern und vorgestern fundiert haben helfen, helfen die erforderlichen Anpassungsleistungen zu definieren und umzusetzen und dabei Neues zu wagen, wo es uns insgesamt mehr nützt als schadet. Darüber muss ergebnisoffen diskutiert werden können, dazu brauchen wir eine Gesellschaft in Bewegung, in geistiger Bewegung, was wir brauchen ist ein neuer Geist, der alltes \“Knüpfgut\“ überprüft, erst dann eine \“neuen Bank\“. Dieser \“neue Geist\“ ist keine singuläre Erscheinung, sondern ein differenzierter vielfältiger von vielen Händen getragener Innovations-Diskurs, tunlichst ohne Dirigent, tunlichst aber auch begleitet von \“Prozess-Notaren\“ mit klarem Blick, der Freiheit verpflichtet: EMIR – made in Germany!;-)

  11. mal wieder Zeit für einen Witz, diesmal kein Neuer.
    Brechen zwei Irre aus einer Anstalt aus, einer holt seinen Schrank mit, beide stehen vor der Anstaltür und betreten eine Straße, die ziemlich gerade aus in die Freiheit läuft und gen Horizont immer enger wird. Sagt der eine zum anderen. Dahinten wird’s ganz schön eng, da kommst du mit deinem Schrank sowieso nicht durch. Komm wir gehen wieder rein.:-)
    Und aus Sicht eines Grautiers könnte man hinzufügen: Auch bei der Flucht aus der Gummizelle musst du das Ganze zu Ende denken!;-)

  12. @all,
    ihr schein es besser zu wissen als Shiller, siehe Zitate.
    Ausserdem zu: „Das System hat sich selbtst getilt“. Das halte ich für …..Schwachsinn. Jedes System mit auch nur „marktwirtschaftliche ANTEIL“ beruht definitionsgemäss auf dem trial and error Prinzip ( Trotz aller Rechenknechte ). Die ( unbestrittenen ) errors, auf die ihr hartnäckig hinweist, sind Teil des Systems. Falls ich Marktwirtschaft ablehne, wie es mir vorkommt, lehne ich das trial and errror Prinzip ab. ( Vice versa ebenfalls )Konsequenz wäre: Der Glaube an unendlich gute Planbarkeit. Pläne werden allerdings wiederum nur von Menschen gemacht, die „Fehler“ haben. Wo ist die „Besserung“. Nur die Freheit geht vor den Hund! Neben der menschlichen Kreativität. Aber das scheint ja sch …. egal zu sein. Bitte ZU ENDE denken! Die Diskussion in der ihr euch so sehr „ahlt“, läuft ( aufwendig mit viel „Sachkenntnis“ garniert ) auf den einfachen Stammtischsatz raus “wir brauchen einen allwissenden und gütigen Regulierer, der uns gleichmässiges Wachstum GARANTIERT!“ Ich möchte Euch gerne hören, wenn ihr den hättet. Dann würd ich hier ganz sicher lesen: Warum gibt’s nicht ein klein wenig MEHR Wachtum. Aber nur, F A L L S ihr überhaupt noch die Möglichkeit hättet, ein blog mit freier Meinungsäußerung zu nutzen.

  13. Lieber Herr Neumann,
    mein Hinweis aus Sicht von A. auf systemrelevanz einzugehen, bezog sich ergänzend zu dem bereits von Ihnen angesprochenen (gesunde Wirtschaft benötigt gesunde Banken) auf die Frage: Welche Banken?
    Bis vor der Krise hatten wir Investmentbanken (vor allem in den USA) Universalbanken (vor allem in Europa) und einige Universalbanken mit mehr oder minder starkem Investmentanteil.
    Spezeill in der Deutsche Bank tobte ein Kulturkampf zwischen den Sparten \\\“Investment\\\“ und \\\“Privatkunden\\\“ seit Jahren, mal wollte A. ides völlig voneinander trennen, dann war man froh, dies nicht getan zu haben, jetzt kauft man eine ziemlich Portion Privatkunden-geschäft hinzu und Anshu Jain ist das schwarze Schaf im Inland atmet man hörbar auf, ich erwarte von Herrn A. eine Präzisierung
    der \\\“Systemrelevanz\\\“ aus Sicht von Big Blue z.B. in dieser Hinsicht, aber auch z.B. zur Zukunft des Zahlungsverkehrs unter der Bedingung \\\“Europa\\\“ und Globus\\\“. Nur das was die Banken selbst als Releanz definieren in Zukunft, bleibt bzw. wird relevant, nicht das, was Frau Mörkel mit noch so viel guten Worten gerne von ihnen hätte?;-) Hier rate ich zur Vorsicht beim dauermahnerischen Fordern, den Rettungsschirm(nun endlich) zu nutzen! Deswegen wären ein paar dezidierte Ausführungen aus Sicht Big Blue hierzu hoffentlich für alle Besorgten von Nutzen…
    Noch eine kurze Bemerkung zur \\\“Good Bank\\\“, es soll sich keiner vorstellen, das ginge so einfach nach dem Motto: man nehme ein paar Milliarden in die Finger, das ist das Kernkapital, dann ein Schild vor den Kopf, auf dem steht \\\“Good Bank\\\“ und dann geht alles wie von selbst. Neben vielem was hier zu meistern wäre: Banken sind heute hochtechnisierte Informationsverarbeitungskonglomerate, die sauber und hochpräzise rundlufen müssen, jeder klitzkleine Kontostand muss bis auf die Nachkommastelle stimmen, das geht nicht von jetzt auf gleich auf einem freien Gewerbegelände in Frankfurt, New York, Genf oder dem Londoner Hafen wie mit einem Friseursalon oder einer Frittenbude, selbst dann nicht, wenn Soros, Buffet und Gates sich dazu mit wiwo und ein paar deutschen Milliardären (haben wir noch welche außer in Stuttgart und Wolfsburg;-)) zusammentun;-)…………….Wetten das das mindestens zwei Jahre Vorlauf benötigt?

  14. Lieber Gregor,

    sehr schön, wie Sie in warmen Worten das Phänomen Asset-Price-Deflation nach vorheriger Asset-Price-Inflation beschreiben. Es wurde wie immer wieder in unserer Geschichte von billigem Kapital, Herdentrieb und final einer Explosion in Finanzinnovationen getrieben. Natürlich kann man noch problemlos Schattenbanken wie Hedgefonds, Private Equity, Porsche, Schäffler, Lieschen Müller on Lombard and Speed etc. einbeziehen. Die Funktionsweise ist immer dieselbe: Gehebelt ans Werk, je mehr, umso höher werden die Amplituden der Wellen. Der aktuelle Tsunami spült aber nicht nur Lieschen Müller on Speed weg, sondern die größten Spieler am Markt gleich mit.

    Weniger schön und das wissen Sie auch haargenau ;-), ist der Part, den Sie mir freiwillig überlassen. Wie gewöhnt man das Menschen, die ja letztlich hinter jeder Entwicklung stehen, systematisch ab? Meine simple Antwort wäre: Gar nicht, also akzeptieren wir es am besten und passen die Erwartungshaltung an. Ebenso wie Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, verhält es sich doch bei den eigenen Entscheidungen. Entgegen dem Volksmund kennt der Erfolg nur einen Vater, der Misserfolg wird delegiert. Irgendwer muss es „schuld“ sein, nur einer kann das nicht sein.

    Was also tun? Schwierig, zumal wir mit unseren nationalen Werkzeugkoffern schlecht einem globalen System beikommen können. Dann sind wir im Bereich Wettbewerb der Regulationssysteme. Es wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen, wenn wir einigermaßen stabile!!! Spielregeln als Ordnungsrahmen etablieren und nicht immer wieder Brandbeschleuniger wie Veränderungen in der Bilanzierung oder EK-Unterlegung (BaselII) ins Feuer werfen. Es ist die irrige Annahme, man könnte den Spielausgang so steuern.

    Zu bedenken gebe ich ferner: Einzelne Maßnahmen, wie bspw. die Gründung von Good Banks, Bad Banks, Sonderfonds etc. hören sich als Einzelmaßnahme oft ganz gut an. Wie sich das auf das Gesamtsystem in all seinen Verästelungen auswirkt, ist aber eine ganz andere Frage.

    Systembedingt wurden früher, wie Sie ja implizit ja auch schreiben, Risiken zu niedrig bewertet bzw. war dieser Teil des Kapitals zu billig. Wenn jetzt Unternehmen kommen und wieder billiges Kapital wollen, man hat sich ja daran gewöhnt, kommt mir das vor wie der Ruf eines Alkoholkranken nach Schnaps. Wenn ihm den eine Good Bank, oder wie immer wir das nennen, liefert, auch okay. Zwei Dinge dazu: Wir greifen in ein bestehendes System ein, ohne wirklich zu wissen, wie sich das wo auswirkt. Zum anderen kann auch eine mit 100% EK operierende Bank Schnaps nicht verschenken, jedenfalls nicht lange.

    Vielleicht bin ich da etwas sensibel: Mea culpa für eigene Entscheidungen, okay. Mea Culpa für ein System? Ich weiß nicht. Nostra Culpa ist der bequeme Weg sich in der Masse zu verstecken. Ich kann mit dem Begriff Moral an den Finanzmärkten schlichtweg nichts anfangen. Nach bestem Wissen und Gewissen handeln ja, aber sich für etwas entschuldigen, für das man nach eigenem Empfinden nichts kann, ist Heuchelei. Dementsprechend würde ich Worte wie Scham oder Verzeihung in Ihrem obigen, exzellentem Entwurf eher nicht verwenden.

    PS

  15. @Klaus:
    „Gregor, ohne persönlich zu werden, hast du Kinder?“

    Yep, sogar deutlich mehr als der Durchschnitt 🙂

    Ich weiß, was Du meinst, aber der Text oben erfüllt einen bestimmten Zweck. Er versetzt sich in die Rolle der Banken, was sie tun könnten und sollten.

    Was ich persönlich tun würde, steht auf einem anderen Blatt. Eine engere Regulierung wird kommen und die Banken müssen sich anstrengen, damit sie eine unabhängige Branche bleiben. Deshalb würde ich den Banken empfehlen, schnell mit guten Vorschlägen und Umsetzung herauszukommen, bevor es jemand anders für sie tut.

  16. @Zamir,
    Krishanmurti, ein zerlesenes altes Buch in meinem Schrank,daraus ein Zitat:

    Understanding can never be made into a habit, a matter of routine; it demands constant watchfulness, alertness.
    To understand, there must be pliability, sensitivity, a warmth that has nothing to do with sentimentality.
    J. Krishnamurti

  17. @Gregor 🙂

    Mit Empfehlungen und Selbstverpflichtungen werden wir nicht mehr weiterkommen.
    Es ist wie mit der empfohlenen Richtgeschwindigkeit auf Deutschlands Autobahnen. Glaubst du ernsthaft unverantwortlichen Rasern, die obendrein andere Verkehrsteilnehmer gefährden, kannst du mit dem erhobenen Zeigefinger, nach dem Motto: „du du lass das bitte!“ beikommen? Die Erfahrung zeigt doch, hier helfen nur drakonische Maßnahmen.

    Gregor, ohne persönlich zu werden, hast du Kinder? Wenn ja, dann verstehst du bestimmt worauf ich aus bin. Es kommt manchmal der Zeitpunkt, da hilft kein übertrieben antiautoritäres „gut Zureden“ mehr. Und wer glaubt mit der Volljährigkeit wären erzieherische Maßnahmen hinfällig – weit gefehlt!

    Gruß
    Klaus

  18. Hier hat jemand aus Kundensicht einen Brief an das „Western Banking Establishment“ geschrieben:

    „Dear Western banking establishment,

    I notice that your unauthorised credit facility from international lenders of last resort now totals approximately $10 trillion. As a taxpayer and therefore your largest shareholder, I would be grateful if you could repay this facility at your earliest convenience. I have charged you an additional £30 for this letter and a monthly unauthorised overdraft fee of £28. If you do not repay this facility shortly I will have no choice but to become further massively impoverished along with legions of fellow taxpayers for multiple generations to come.
    (…)
    I would also be interested in your views as to the wisdom and efficacy of the monstrous pile of credit being shovelled at you and your peers by governments when it was overmuch credit creation that precipitated this crisis. I do not, of course, expect anything other than a self-interested response. But you may find the following observations pertinent. If they seem acutely relevant today it is because they were written in the early 1930s, by one Garet Garrett (and a grateful hat tip to M. Gandon):“
    http://seekingalpha.com/article/117612-an-open-letter-to-the-western-banking-establishment

  19. @magic:
    „Systemrelevanz dr Banken“
    Ich dachte, das hätte ich drin. Ohne Banken geht es nicht, eine gesunde Wirtschaft braucht gesunde Banken etc.

    Die Herausforderung vom 28.2 14:06 Uhr lautete ja so:
    „..ich will mal nicht nachfragen iwe Ihr Textentwurf der klaren Worte für Herrn A. lauten würde, aber nehmen wir mal an es gäbe diesen Text und A. spricht ihn morgen in ein Mikrofon oder einen Notizzettel“

    Könnte A. diesen Text sagen, ohne das Gesicht zu verlieren oder das Vertrauen in die Banken weiter zu erschüttern? Würde das „nostra culpa“ das Ansehen der Banken stärken oder schwächen?

    Die „die Rolle der Banken in der Öffentlichkeit“ ist ein wichtiges Thema, weil es hier um das moralische Selbstverständnis geht. Aber die Diskussion führt mich bei diesem Text zu weit. Wenn jemand Mist gemacht hat, sollte er sich erstens dazu bekennen und zweitens Lösungsvorschläge machen. Ohne konkrete Vorschläge bleibt eine Rede wie die obrige im Nebulösen stecken.

    Ich glaube, dass die Banken gut beraten wären, eigene Regeln zu zementieren, bevor der Gesetzgeber das für sie macht. Doch die BIS doktort nur an Basel II rum, ohne die Kritik an Basel II irgendwie Ernst zu nehmen,

    Und das IIF, bei dem A. ja auch der Sprecher ist, hat auf vielen Seiten tolle Empfehlungen erarbeitet, die vor Konjunktiven nur so strotzen.
    http://www.iif.com/download.php?id=Osk8Cwl08yw=

  20. @ Zamir im Sommer letzten ahres habe ich hier im blog zu Ackermanns Selbstdisziplin-Appell Stellung genommen, seinerzeit verwickelt in ein Gespräch mit pampa (oder PCIIA) – Ackermanns Einlassungen waren mir zu schwach, nach Lehman gilt dies umso mehr und nach den 5 Milliarden minus der DB nicht minder.
    Allerdings muss man auch berücksichtigen unter welchen Umständen A. damals auftrat, die Amerikaner, an der Spitze GoldmannstattSex und die Europäer rangen unter den Bankhemisphären um die Meinungsf+ührerschaft also ob es noch viel zu gewinnen gäbe. Man stritt um Fragen der Bilanzierung und Abschreibungsverfahren u.ä.. Pampa(oder PCIIA?) und ich hatten daazu einen kleinen Gedankenaustausch. Ist aber jetzt und hier aolls chicago;-) tempora mutantur! und die Menschen auch?;-))

  21. Hey Magic,

    zurück mit dem Express, jetzt habe ich mich erwischt beim Schreiben ohne vorher den Gehirnskasten einzuschalten.
    Bei näherer Betrachtung wolltest Du genau das damit zum
    Ausdruck bringen. Gib mir die Entschuldigung, bitte.
    Gruß Zamir

  22. Lieber Magic,

    entschuldige bitte, Josef Ackermanns Anleitung zur Selbstdisziplin und zu Reformen, das ist doch Grunschule, erste Klasse:
    „Kinder holt eure Hefte vor, wir wollen das gestern Gelernte wiederholen. DA ist mir der richtige Oberschurke mit Vorsatz
    zur Missetat schon lieber, als diese ewigen Verschleierungseulen
    mit ihren schlauen Ausredencocktails. Und was hat’s gebracht ?
    Gruß Zamir

  23. Lieber Herr Neumann,
    vielen Dank. In erster Reaktion einige Stichworte, die mit einem Satz einbauen bzw. falls sie bereits angetickt sind, etwas stärker ausbauen könn te:
    – Systemrelevanz dr Banken, neues Wort, neuer Gedanke, eine Differenzierung in aktuellem Kontex aus Bankensicht könnte nicht schaden,
    – die Rolle der Banken in der Öffentlichkeit zu diskutieren, hat eine langjährige Tradition, in der m.E. Herr Ackermann steht, wie kein anderer in Deutschland, ich erinnere an sehr nachdenkliche Debattenbeiträge von z.B. Alfred Herrhausen zu den Themen \“Freiheit und Verantwortung\“, \“Bankenmacht und -einfluss\“, aus dieser Tradition heraus müsste die aktuelle Entwicklung belichtet, refelektiert und behutsam fortentwickelt werden. Diese intellektuelle Leistung gerade aus der 100-Jahre-gewachsenen Deutschen Bank heraus hat mit dem Übergang zu Kopper und hin zu Breuer ein wenig an Relevanz verloren, die Akzente hatten sich verschoben, natürlich entlang der Gesamtfinanzmarktentwicklung , im Zuge der Globalisierung und unter subjektiv empfundenen \“Renditezwängen\“. Meine Erachtens bietet diese Krise ein gute Chance zu einer Neubesinnung, die mit einer Rückbesinnung beginnen sollte. Einen Primus – wie die Deutsche Bank es jahrelang war und noch immer ist – sehe ich hier in der Pflicht. Kein undurchdahtes Heldentum, aber eine dem tardionellen Selbstverständnis entsprechende Vorwärtsbewegung zur rechten Zeit – the time is now!
    Noch eben ein Stichwort zu Pampas Zukunftsteil: vorübergehende Lockerung von Basel II, nachdem in den letzten 20 Jahren Italien und Spanien als Märkte offensiver angegangen wurden, Frankreich in den blauen Blick nehmen. die Franzosen nutzen gerade das Krisengetöse im sich auf leisen Pfoten ins deutsche Privatkundengeschäft auszubreiten…
    In erster Reaktion – ich will weiter nachdenken – pflichte ich Klaus bei: zuviele fromme Vorsätze haben ein hohe Halbwertzeit und bergen vor allem das Risiko, dass man demnächst mal wieder wie Knüppel zwischen die Beine gehalten bekommt, insbesondere dann nicht zu empfehlen, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen;-)
    Eine Geschmacksprobe aus dem letzten Sommer füge ich in einem Link bei:siehe nächster Kommentar.

  24. Ein sehr diplomatischer Text, @Gregor N..:)
    gebe aber zu bedenken, daß mein nick aus eben jenem „diplomat“ entstanden ist, den ich durch einen anagrammgenerator gejagt habe..:))
    ich möchte einmal auf den Begriff „Nachhaltigkeit “ hinweisen, der sich ja mittlerweile zu verselbstständigen scheint und sich deswegen m.E.fast zu einem diffusen Begriff entwickelt..(wenn nicht gar deswegen auch zu einem „Unwort“).Was fassen wir denn unter diesem Begriff zusammen?
    ich habe ein wenig die Befürchtung,daß dadurch eins jener trojanischen Pferde entstehen könnte,die durch subsummierte Unklarheiten der Begriffsentstehung alles mögliche an Unrat mit sich ziehen.
    …..
    LG
    mad

  25. Lieber Gregor,

    dieser Begriff vom Kollektiv-Versagen hat sowas von beruhigendem Beschwichtigen und Friede, Freude, Finanzkollaps, drum lasset uns Beten. Immer wenn’s ganz schlimm aussieht, richten wir die Augen gen Himmel und rufen den Allmächtigen zu Hilfe. Auch ein System !
    Fassen wir zusammen, es gibt nur drei Möglichkeiten:
    1. Trotz Katastrophen-Desaster-Untergang wir „tanzen“ so weiter in den Abgrund
    2. Wir besinnen, bereuen und machen unsere Hausaufgaben unter
    Einbeziehung aller Mitglieder dieser Welt
    3. Die liebe Mutter Natur kommt uns zuvor und versagt uns jegliche weitere Nahrungszufuhr ihrer lebenserhaltenden Muttermilch
    Nicht bad bank, sondern bad aussichten
    Gruß Zamir

  26. Barry Ritholtz vom Big Picture spricht ein paar wichtige Wahrheiten zu den Bad Banks deutlich aus:

    “ 1. Stop interfering with the Markets! Nationalizing banks isn’t market interference, keeping these mortally wounded banks alive is! Stop pussyfooting around and admit the truth. The market knows it, investors know it.

    Let the FDIC do its job. That is:

    2. Temporarily Nationalize the Banks We know they are insolvent, and cannot survive without taxpayer money. Spending a 150% of their market cap for an 8% share is absurd.

    Wipe out the debt, liquidate bad common holders, fire the Board and management, appoint new competent, risk sensitive management. They have 6 months to spin out a 10% stake in each of their holdings, followed by the rest within 5 years (10 at most);

    3. Taxpayer owned: Once nationalized, that 10% spin out of the components parts would be in the form of prefered to taxpayers! For BAC, you would spin out Bank of America, Merrill Lynch, Countrywide, plus the “B/A Toxic Holdings I & II” For Citi, it would be Travelers, Citi, Smith Barney, Citi Toxic 1 & 2, etc.

    4. Now Recapitalize: With the toxic waste off of the books, you can easily recapitalize the banks. Give the old creditors a “sweetheart” deal — they get a 10% stake also, but only if they buy a matching amount in the new bank.

    5. Align Compensation with Long Term Profitability: Stop rewarding traders for short term gains despite long term losses. Stop paying taxpayer monies out as dividends. Bonuses must be a function of the long term health of the company — not monthly violatility.“
    http://www.ritholtz.com/blog/

  27. @Klaus:
    „Mich beschleicht das ungute Gefühl, das System hat sich selbst getilt“

    Das trifft es durchaus. Ich hatte ja schon mal den Vergleich mit dem freiwilligen Komasaufen. Blöd nur, dass man nach Sauftour in unser Wohnzimmer kotzt.

    Man darf aber nicht übersehen, dass es nicht alleine die Banken waren. Sie hätten es am ehesten verhindern können. Wachstum war aber politisch gewollt. Die Welt lieferte sich einen Wettlauf um Wachstum um jeden Preis und brauchte dafür jede Menge Geld.

    Die Industrie hat gigantische Produktionskapazitäten aufgebaut, finanziert auf Pump. Konsumenten haben sich verschuldet, weil ihnen Verbrauch wichtiger war als Sparen. Unser eigenes Land gibt seit 30 Jahren mehr für staatliche Aufgaben aus als es einnimmt.

    Wie gesagt, ist gibt für mich keinen Hauptschuldigen. Die aktuelle Krise ist ein Zeichen von kollektivem Versagen.

  28. @Zamir:
    Danke und kein Problem. Das ist ein schnelles Medium und da habe ich eine hohe Fehlertoleranz für Fragen der Rechtschreibung.

    Beim Durchlesen meines Textes heute morgen sind mir auch einige Klöpse aufgefallen, die gestern um die Uhrzeit durchs geistige Raster gefallen sind. Irgendwann mutiert Alice vielleicht und wir bekommen eine Edit-Funktion für eigene Beiträge 🙂

    Ergänzen kann man eine Menge. Ich hätte gerne die Rolle der Schattenbanken aufgenommen, aber es ging ja darum, wie ein Bankenvertreter offen sagen kann, was schiefgelaufen ist, und sich zur Verantwortung und dem Beitrag der Finanzindustrie zu den beiden Krisen bekennen kann.

    Eysel würde richtigerweise sagen, dass Menschen ihre Probleme mit Nachhaltigkeit haben. Selbstbeschränkung ist keine sehr ausgeprägte Charaktereigenschaft bei uns Zweibeinern. Aber ich habe durchaus Hoffnung auf die Lernfähigkeit.

  29. Lieber Gregor,

    leider habe ich ungewollt Deinen Namen verunglimpft und möchte Dir beweisen, daß es auch richtig geht: G r e g o r.
    Dies bringt mich nocheinmal zu Deiner Rede. Auch ich möchte in das große Horn stoßen mit dem Namen, Nachhaltigkeit, bei all den
    vielen Plänen und Korrekturen am derzeitigen Finanz- und Wirtschaftssystem: Nachhaltige Entwicklung, einer Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die
    Möflichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen
    Bedürfnisse zu befriedigen. Papier ist geduldig, besonders im Netz.
    Gruß Zamir

  30. Hallo Grogor Neumann,

    eine bemerkenswerte Rede(Schreibe) mit unmißverständlichen Erklärungen der Zusammen hänge, ohne die Vielverwendung von
    verfälschenden Anglizysmen. Wenn ich dürfte, würde ich noch
    erwähnen, daß diese Weltkrise auch Chancen beinhaltet zu
    Grundlagen für eine Umkehr unter Berücksichtigung von
    Umweltbedingungen, Ressourcenschonung und gerechte
    Ressourcenverteilung. Nicht zu vergessen, die Millionen oder sind es inzwischen gar Milliarden von Menschen, denen eine Teilhabe an
    „normalem Leben“ für immer versagt bleiben wird, wegen Hunger,
    Krieg und Krankheit. Auch diese VERGESSENEN haben mehr als ein
    Menschenrecht, an den von Dir erwähnten“Abfallprodukten“, wie
    Wohlstand, Luxus und Überfluß teilzuhaben. Oder wäre dies zu
    schlimm und unverschämt ?
    Gruß Zamir

  31. @Gregor 🙂
    Sehr lesenswert – ein Kompliment – auch bezogen auf die Botschaft zwischen den Zeilen 😉

    Eine klitzekleine Änderung würde ich im letzten Abschnitt vornehmen. Denn aus der Erfahrung wissen wir doch, dass in der Politik und erst Recht in der Wirtschaft Selbstverpflichtungen oftmals das Papier nicht wert ist auf das sie stehen.
    Sanktionierbare Regeln, inkl. effektiver Kontrollmechanismen sind hier erforderlich – leider!

    Das Problem liegt darin, dies zwingend auf internationale Ebene hinzubekommen. Die Befürchtung liegt nahe, dass man sich im April, ähnlich wie auf den vielen internationalen Umweltkonferenzen, lediglich zu einer, wie oben beschriebenen, nicht einklagbaren, also völlig wertlosen Selbstverpflichtung einigt. Allerdings der naiven Öffentlichkeit verkauft als Riesenerfolg, eingerahmt in einer mit viel Tamtam inizierten Politshow – wetten dass!

    ….und ewig grüßt das Murmeltier 😉

    Gruß
    Klaus F.

    p.s.:
    Gregor …pssst! …unter uns beiden:
    Mich beschleicht das ungute Gefühl, das System hat sich selbst getilt – ein Virus? – ein Wurm? – jedenfalls es hängt – game over! Mit Glück noch sanft über den Klammergriff „Strg und Alt“ runter zufahren. Ansonsten nur noch schockartig per Aus-Schalter und ….cuuuuuuuu!
    Ein Neustart ist erforderlich! Idealerweise mit einem stabileren Betriebssystem.
    Es gibt kein Drumherum mehr – nur noch ein Hindurch!

  32. Auf besonderen Wunsch von magic hier der Entwurf einer „nostra culpa“ Rede.

    Viel Spaß beim Kritisieren 🙂

    —-
    Entwurf – Es gilt das gesprochene Wort

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Finanz- und Wirtschaftskrise haben die Welt in einen Schockzustand versetzt. Noch nie haben der globale Handel und die Solvenz des globalen Finanzsystems parallel so rapide abgenommen. Geld- und Warenfluss beeinflussen sich gegenseitig, und so befindet sich die Welt in einer Abwärtsspirale, die sich über ein Jahr nach dem Auftreten der ersten Symptome nicht verlangsamt, sondern beschleunigt.

    Alle Versuche, die Finanzkrise einzudämmen und ein Überschwappen auf die Realwirtschaft zu verhindern, sind bislang erfolglos geblieben. So nährt die Krise die Krise. Je mehr die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt, desto höher werden die Ausfallraten von Krediten, weil Unternehmen wie Arbeitnehmer weniger verdienen.

    Warum ist es so schwierig, eine Lösung zu finden? Weil wir es mit einer Krise zu tun haben, deren Ursache nicht auf eine einzelne Region, eine einzelne Branche, eine einzelne Technologie oder eine einzelne Regelung zurückzuführen ist. Es ist eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die über einen Zeitraum von fast 40 Jahren hinweg gegenseitig bedingt und verstärkt haben. Was sich solange aufgebaut hat, lässt sich nicht binnen weniger Monate oder durch eine einzige Maßnahme beheben.

    Hinzu kommt ein enormes, globales Kreditwachstum in den vergangenen zehn Jahren. Unternehmen, Staatshaushalte und Privatpersonen sind Verbindlichkeiten eingegangen, die in keinem Verhältnis zum realen Wirtschaftswachstum der Welt standen. Die Schulden wuchsen wesentlich stärker als die zugrunde liegenden realen Werte. In vielen Ländern hat der massive Überhang an Liquidität zu Übertreibungen geführt, die im Überkonsum endeten. Je mehr sich viele leisten konnten, desto mehr stieg der gefühlte Wohlstand. Heute müssen wir erkennen, dass sich viele Werte als Illusion entpuppen und die Preise von Immobilien, Konsumgütern, Autos, Aktien oder Rohstoffen weltweit sinken.

    Was bleibt, sind die Schulden, die zur Finanzierung von Immobilien, Produktionsanlagen, Transportkapazitäten, des privaten Konsums oder staalicher Aufgaben aufgetürmt wurden. Ihnen stehen nicht genügend reale Werte gegenüber, weshalb viele Wertpapiere nun abgeschrieben werden müssen und die Zahlungsfähigkeit von Banken, Unternehmen und ganzen Staaten gefährden.

    Viele fragen, weshalb das Ungleichgewicht zwischen Kredit- und Wirtschaftswachstum nicht früher entdeckt wurde. Hätte man nicht früher Warnzeichen entdecken und gegensteuern können, bevor es zur globalen Krise kommt?

    Ja, das hätte man. Es gab genügend warnende Stimmen, die jedoch stets von der Realität eingeholt wurden. Stets haben sich Handel und Finanzsystem von kleineren Krisen erholt und die Theorien der Warner durch die Macht des Faktischen entkräftet.

    Aber die Wahrheit geht tiefer und ist noch schmerzhafter. Wir haben zehn Jahre lang nicht nur in einer Wohlstandsillusion gelebt, sondern auch in einer Sicherheitsillusion.

    Die Finanzmärkte haben neue Produkte entwickelt, die das System eigentlich stärken und gegen Schocks absichern sollten. Ein Beispiel sind Kreditversicherungen, CDS genannt. Ihr Zweck war, Ausfallrisiken abzufedern, indem nicht nur Kreditnehmer und Kreditgeber einen Vertrag abschließen. Beim CDS zahlt der Kreditgeber eine Versicherungsprämie an einen Partner, der ihm etwaige Verluste bei einem Zahlungsausfall ersetzt.

    Das ist ein sinnvolles Produkt, wenn es stabilisierend eingesetzt wird. Tatsächlich wurde es verwendet, um mehr Risiken einzugehen, weil sich Banken viel sicherer fühlten. So gerieten die Aufnahme und der Handel mit Krediten nach und nach außer Kontrolle, weil alle Teilnehmer glaubten, durch Absicherungen und das Weiterreichen von Risiken mehr Kontrolle zu haben. Das scheinbar sichere Aufteilen und Bündeln von Krediten und Risiken wurde von den Rating-Agenturen mit guten Bewertungen honoriert, wobei schlechte Bewertungen zum Teil durch ein falsches Anreizsystem unterdrückt wurden. Da es über einen langen Zeitraum keine Probleme gab, kamen auch keine Zweifel an diesem System in die Öffentlichkeit.

    Die Folgen des exzessiven Kreditvergabe sehen wir heute. Es wurden auf einer zu kleinen Kapitalbasis zu viele Verbindlichkeiten vergeben. Das weltweite Finanzsystem ist deshalb nicht in der Lage, die Verluste durch Kreditausfälle aus eigener Kraft zu tragen. Ihm fehlt sowohl die Liquidität als auch die Solvenz, um neue Kredite zu vergeben, was vielen Unternehmen die Finanzierung unmöglich macht. So lange der Kreditberg nicht abgebaut ist, wird sich daran auch nur wenig ändern.

    Das Übermaß an Sicherheit hat sich in ein Übermaß an Unsicherheit gewandelt. Für Banken sind durch die Finanz- und Wirtschaftskrise Risiken unkalkulierbar geworden. Unternehmen oder auch nur anderen Banken Geld über Nacht zu leihen, ist sehr teuer geworden, weil die geordnete Rückzahlung höchst fraglich ist.

    Für uns Banken, die wir gemeinsam das weltweite Finanzsystem bilden, ist dies eine beschämende Situation. Wir müssen bekennen, dass wir uns in eine Lage gebracht haben, in der wir unseren Auftrag nicht mehr im vollen Umfang erfüllen können. Banken sind weltweit mit speziellen Rechten und Privilegien versehen, damit sie im Gegenzug den ungehinderten und rechtmäßigen Geldfluss im Wirtschaftssystem sicherstellen. Wir können durch eigene Fehler diese Aufgabe nicht mehr im vollen Umfang erfüllen und können können aus eigener Kraft nichts mehr daran ändern.

    Der internationale Bankenverband erklärt deshalb im Namen seiner Mitglieder die Mitschuld der Finanzinstitute an der Systemkrise. Der Wunsch nach höheren Renditen und kontinuierlichem Wachstum hat zu einer Fehlentwicklung geführt, die für viele Institute lebensbedrohlich ist, was wiederum viele unserer Kunden in Gefahr bringt. Dafür müssen wir um Verzeihung bitten.

    Wir sehen die Schwere der Lage und werden das Äußerste dazu beitragen, sie schrittweise zu bereinigen. Denn eine funktionierende Wirtschaft benötigt ein funktionierendes Finanzsystem. Und bei der genaueren Analyse zeigt sich, dass die Kredit-Exzesse von Land zu Land, von Bank zu Bank, von Branche zu Branche, von Konsument zu Konsument unterschiedlich waren. Auch wenn es populär wäre, einen alleinigen Schuldigen benennen zu können, sehen wir die Ursache im kollektiven Versagen aller Beteiligten. Und nur gemeinsam können wir die Krise überwinden.

    Das ist nicht der Versuch der Finanzinstitute, ihre Rolle kleinzureden. Die Banken spielen eine entscheidende Rolle in der Krise. Sie haben aber auch die Möglichkeit, einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Krise beizutragen. Ohne einen gesunde Finanzindustrie ist eine Bewältigung sogar unmöglich.

    Wir sehen es deshalb als unsere Verantwortung an, aktiv an der Lösung beizutragen. Hier sind fünf Maßnahmen und Selbstverpflichtungen, auf die sich die Mitglieder des internationalen Bankenverbandes geeinigt haben:

    (den zweiten Teil der Rede schreibt Pampa 🙂

  33. ..vergesset die Nierensteine, Gallensteine und vor allem die Hinkelsteine nicht;-) und da gibt’s auch noch „stones“ – mein Gott, der Arme A.