V, U, oder L?

Konjunkturpolitik gleicht derzeit einem Buchstabenrätsel – allerdings mit grauenhaften Konsequenzen bei einer fehlerhaften Einschätzung: Liegt vor uns ein V-förmiger Konjunkturverlauf, also ein schneller, scharfer Einbruch, der sich aber schon im kommenden Herbst wieder fängt? Oder müssen wir uns – wie bei einem U – auf eine langanhaltende Wirtschaftsschwäche, ein ausgefurchtes Tal mit hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Nachfrage, schrumpfender Produktion und fallenden Kursen einstellen, aus dem es erst nach 24 Monaten wieder aufwärtsgeht? Oder ist das Tal der Depression weit länger als unsere Wirtschafts- und Unternehmenspolitik denkt, jahrzehntelang, eben wie in Japan und so, dass das U zum L umgebogen wird?

Das V ist die gemütliche Variante; alles kann bleiben, wie es ist. Weder müssen sich Konsumenten und Arbeitnehmer auf Sparen und Arbeitslosigkeit einstellen, noch müssen Unternehmen ihre Produktions- und Marketingstrategien ändern. Auch die Politik kann sich so oder so wichtigtun; Konjunkturpakete und Ausgabenprogramme helfen dann im besten Fall nicht viel, aber sie schaden auch nicht sonderlich.

Tückisch aber das U, das sich im allerschlimmsten Fall zum L verlängert. Leider sieht es danach aus. Zum ersten Mal erleben wir eine wirkliche globale Rezession, deren weltweites Zusammenspiel sich gerade offenbart. Danach hat die Kreditblase in Amerika ja ganz andere wirtschaftliche Aufblähungen ausgelöst, die sich erst nach und nach entleeren. So wurde das chinesische Wirtschaftswunder erst durch die riesigen Exporte in die USA ermöglicht, anschließend wurden die Exporterlöse in die US-Blase recycelt. Auch Deutschland hat seine Binnennachfrage kurzgehalten und fröhlich den Exportsektor aufgeblasen. Russland schließlich und der Nahe Osten pumpten sich wie Michelin-Männchen mit überhöhten Preisen für Erdgas und Öl auf – mächtig und bedrohlich anzuschauen, aber stets in Gefahr, schnell und faltig zusammenzufallen.

Was bedeutet das für uns? Wenn das so ist, dann kommen wir beispielsweise mit einer künstlichen, subventionierten Verlängerung des Kurzarbeitergeldes nicht sehr weit. Wirklich weiter helfen dann weder die paar neu gestrichenen Schulen, so notwendig dies sein mag, noch die paar neuen Dienst-Opel auf frisch geteerten Autobahnkilometern. Die Bauwirtschaft, und darum geht es letztlich doch immer bei staatlichen Konjunkturprogrammen, wird uns nicht alle aus dem U ziehen – haben wir das nicht nach der Wiedervereinigung mit Milliarden über Milliarden für Straßen nach Nirgendwo und die dortigen Ohnegewerbegebiete schon einmal ausprobiert?

Wenn wir im U-Tal festhängen, dann sind Steuer- und Abgabensenkungen der einzig richtige Weg daraus, wie es die WirtschaftsWoche mit der Aktion „Steuern senken“ schon im November gefordert hat. Nur so werden die Leistungsträger der Gesellschaft entlastet, die letztlich die Pfade zu einem neuen Wirtschaftswachstum finden. Wir müssen die Aktiven belohnen, statt die Passivität und das Nichts-Tun noch höher zu subventionieren. Steuersenkungen sind schnell zu haben, sie können in die Vorauszahlungsprogramme und Lohnsteuerberechnung schneller eingearbeitet werden als staatliche Planungsprozesse für Bauvorhaben. Die Bürger, das muss man den Politikern der CDU und SPD immer wieder sagen, wissen selbst am besten, wofür sie ihr Einkommen ausgeben. Ohnehin stranguliert die Abgabenbelastung, die unter dieser Regierung angestiegen ist, die Nachfrage.

Noch fehlen den Koalitionären Mut und Elan. Zur Mahnung veröffentlichen wir  einen Essay, der in unserem Vorgänger, dem „Deutschen Volkswirt“, bereits 1929 erschienen ist. Geschichte kann, aber sie darf sich nicht wiederholen.

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Alle Kommentare [133]

  1. wird wohl doch ein V, wenn auch ein zittriges. oder?

    …ein W !? Wobei der mittlere Anstieg den Erste nicht erreicht.
    Die Qualität des zweiten Abgangs ist die entscheidende Frage.

  2. Lese mich gerade selbst rückwärts:
    wird wohl doch ein V, wenn auch ein zittriges. oder?
    Aber schon erstaunlich, wie sich dieses Buchstabenrätsel in der Konjunkturbetrachtung durchgesetzt hat, es stammt von Roubini und wurde in diesem Blog von Gregor Neumann eingeführt.
    Ehre wem Ehre gebührt.

  3. Aus Financial times:

    „An L of a recession – reform is the way out

    By Wolfgang Münchau

    Published: March 8 2009 18:15 | Last updated: March 8 2009 18:15

    The US is dragging its feet over the financial sector. The European Union is doing the same, as well as failing to adopt policies that could shield it from an increasingly probable speculative attack. And judging by the state of preparations, the forthcoming Group of 20 summit is going to be a disaster.

    So it looks like it is going to be an L – not a V or a U. I mean an L-shaped recession, one that starts with a steep decline, followed by very low growth for many years. In a V-type recession, the recovery is instant. In a U-type, it comes eventually. My guess is that we are currently somewhere in the middle of the vertical bit of the L, but it is the horizontal bit that is the scariest. History never repeats itself exactly, but we know from economic history that financial crises are surprisingly similar. This looks like Japan all over. Without financial restructuring, the economy is not going to recover. And Japan was lucky. It was surrounded by a booming global economy.“

  4. (mmh, Rest wurde abgesägt, kleiner gleich)
    …kleiner als Miete ganz gut. Meine Wohnung muss gross sein zwengs der ganzen Rentenzahler, da trifft es besonders zu.

    @Klaus
    ist doch ein schöner Kontraindi. So schlecht fühle ich mit meiner Peilung für die Korrektur von 6100 in 01/09 gar nicht. Nur 1000 Punkte daneben bei der Wetterlage über 3-4 Monate. Nobody’s perfect. Wusste gar nicht, dass sowas Bärenmarktrally heisst, aber nu ist es amtlich :-). Und dass es nochmal Richtung 4000 geht oder etwas darunter, naja auch kein Geheimnis. Aber wie gesagt, Blick auf die Dombauhütte in R (800 Jahre kontinuierliches Wirtschaften durch alle Krisen), das stehen wir auch noch durch.
    Schönes WE, GB

  5. @Eysel
    danke für den Tip. Immos überlasse ich gerne den Immo-Profis. Für Eigennutzung macht sich’s bei entpspr. Lage und Kosten

  6. ja, ja lässt mal wieder tief blicken, Eygentum verpflichtet, mhm „alles, nur das nicht“, oder?! Bei mir klickt das anders: Eigentum statt Sozialismus;-)!

  7. Ergänzung:

    …durch Gesinnungs- und Datenschnüffelei missbraucht…

    Mein Wandel vom Blogger zum Twitter mach bereits Fortschritte (lach)

  8. Pampa 🙂

    Meine Bemerkung über mein ergoogeltes „ICH“ war kein Vorwurf. Wer sich sowohl im realen Leben, als auch im virtuellen Inet so engagiert und exponiert wie ich, darf sich nicht darüber beklagen Interesse über die eigene Person zu wecken und als offenes Buch im Nirwana des Netzes herumzuschwirren. Ich stehe zu meiner Person und meiner Meinung 😉
    Richtig gefährlich wird es dann, wenn sich gesellschaftlich fundamentale Strukturen derart ändern, dass auf alle Ewigkeiten Gespeichertes durch Gesinnungsschnüffelei plötzlich und unerwartet persönliche Nachteile mit sich bringen. Wehrte den Anfängen!!!

    Gruß
    Klaus F.

  9. @Eysel: Ein Mini-Short-Zertifikat mit Knock-Out-Schwelle am Geld? Willst Du bei den Jugendlichen im SPK-Wettbewerb mitspielen? Aber gut, dann rechne mir doch mal vor, wie Du das Teil selber ohne Bewertungsprogramme pricen würdest. 😉 Das dürfte auch eher Klausemanns Gebiet sein, mein Werkzeugkoffer beschränkt sich auf sehr simple Produkte ohne Schnickschnack für langfristigere Zwecke. Ich nix Trader.

    Eine andere Frage, findet ja wenig Beachtung in der Presse, wie verscherbelt man einigermaßen gekonnt Wohnungs-Immos, also Häuschen oder Wohnungen etc.? Bin stolzer Abonnent des Mieter-Blättchens, bei den Urteilen in dem Bereich kann einem als Vermieter ja schlecht werden. Sonst auch.

    @Klaus, hier öffentlich habe ich Dich sicher nicht heraus gegoogelt und keine Sorge, so was tue ich auch nicht. Wer seine Privatsphäre waren möchte, ich habe dafür vollstes Verständnis, würde es eigentlich jedem empfehlen. Das heißt ja nicht, dass man den Schutz der Anonymität vorsätzlich nutzt um irgendwelchen Unsinn zu betreiben. Außer GN und RTY kriegt man hier eh keinen, eventuell noch den alten Magic, aber sonst? Ich könnte mich ebenso Michael Meier nennen, klingt bürgerlicher, wäre aber ebenso deckungssicher. Es geht ja nicht darum, Straftaten zu verbergen, aber es muss ja auch nicht jeder wissen, was ich hier so von mir gebe, der mich irgendwie kennt … daher auch mein unbürgerlicher Name hier. 😉

  10. @Eysel ..grüß dich 🙂

    Schwarzmaler, Börsen-Scharlatan und jetzt noch Demagoge (lach)

    Ich leg noch einen drauf, oder besser in die Schublade, in der ich stecke:
    Nicht nur Schrottprämie für Deutschlands „liebstes Kind“, nein auch Milliarden für Schrottpapiere und Schrottbanken (IKB, WestLB, BayernLB, SachsenLB, CB nun noch mehr für die HRE – Fortsetzung folgt).
    …aber für Deutschlands „unliebstes Kind“, der wahren Zukunft, ein lächerliches Almosen. Dabei geht es mir persönlich nicht um Bares, sondern um die Gewichtung und Prioritäten in der Gestaltung unserer Gesellschaft. Ich weiß wovon ich spreche – Pampa hat mich ja schon enttarnt und herausgegoogelt 😉

    Klaus F.

  11. @ Pampa,
    Regensburg kenn ich nur flüchtig. Landshut ganz gut…Musterdepot: wie wärs mit AA1MYA?
    @ nasowas, wie „toll“ das mit der „Identifizierung“ ist, dass kannst Du dir mal im Pott ansehen…@ Klaus F, na DER vergleich, Kinder-Abwrackprämie ist wohl der schrägste, den ich seit Erfindung der Demagogie gehört hab 😉 @ Fritz11, hab als Jungspund vor 50 Jahren mal versucht ne MZ zu tunen. Hoffnungslos! Florett S war super! @ Bühler, vergiss die demografische Auswirkung auf Immos bitte nicht. Hab ich Sommer 06 auf null reduziert. Nebenbei! Es ist so schön, das Tel zu nehmen und nen Vermieter anzurufen, statt dauernd nur wegen irgendnem Kack angerufen zu werden!

  12. „Das Papier ist mein Acker/darumb bin ich so wacker/die Feder ist mein Pflug/darumb bin ich so klug.“ (zitiert nach Werner Schuder: Der Ackermann aus Böhmen. Berlin, 1997).

    Herzliche Glückwünsche, Herr Chefredakteur, eine kleine Widmung für Sie.
    mad 😉

  13. @Klaus + all
    Bezüglich Musterportfolios geht es mir doch eigentlich nur um eines: Performance-Messung
    Ich habe nämlich den nicht ganz unbegründeten Verdacht, dass man dazu neigt, sich selber gerne etwas vorzumachen. An irgendetwas muss man auch kontrollieren, wie sich etwas entwickelt. In obigem Beispiel wäre die Benchmark hält einfach der Eurostoxx50 praktisch umgesetzt.

    Aber es stimmt natürlich, virtuelle Depots und real money ist etwas komplett anderes. Von diesen SPK-Wettbewerben halte ich auch nicht viel. So führt man die Jugend nämlich ans Zocken heran, nicht ans investieren. Wenn man da was gewinnen will, geht das im Prinzip am besten über Hasardeur-Spielchen, alles auf die 17. Wenn man dabei verliert, ist es ja auch wurscht. Mit wirtschaftlicher Bildung hat das imho so gut wie nichts zu tun. Welcher Unternehmer käme auch auf die Idee, jeden Tag mit ein paar Unternehmensteilen oder Scheinchen darauf zu handeln. Obwohl, wenn ich an Schäffler, Schickedanz oder Merckle denke, na gut, lassen wir das.

    Übrigens, wisst Ihr wie sich die Hedgefonds schön rechnen? Alles was vom Markt fliegt, geht nicht mehr in Berechnung der vergangenen Performance ein. So kann man den Schnitt natürlich auch heben. 20% p.a., jaja, von denen die übrig geblieben sind. Kunststück.

    Aber Klaus, natürlich glaube ich, dass Du das was Du machst, sehr gut kannst. Ich würde es zumindest selbst immer gegen einen Vergleichsindex messen, machst Du ja wohl auch.

    Zamir, natürlich ist Geld nicht alles, es gehören auch Aktien, Bonds, Gold, Immobilien und Puts auf die Swiss Re dazu ;-), aber im Ernst: Geld macht vielleicht nicht glücklich, aber es beruhigt. Das merkt man auch, wenn man zu wenig davon hat. Max Profit mag im wirklichen Leben ein ganz netter Kerl sein, aber am Markt geht es nun mal darum, den Erfolg zu maximieren. Bildung hat auch sehr viel mit Geld zu tun. Das geht schon bei der Einschulung oder noch eher der KiTa los. Ein ehemaliger Kollege von mir aus der Postabteilung hat mir erzählt, dass seine Tochter im Gallus-Viertel in FFM mit zwei weiteren, wie sagt man das eigentlich, native german speakern?!, eingeschult wurde. Nichts gegen Ausländer, aber wenn die halbe Bande schon nicht mal einigermaßen Deutsch zuhause spricht, hat man ein Problem. Da hilft dann oft nur noch Umzug in teurere Viertel oder Privatschule, was man sich natürlich leisten können muss. Das nächste offene Fass, was man politisch lieber totschweigt.

    Das ist es auch, was mich an der Parteipolitik so stört, diese Art der Verdrängung. Man könnte es a auch mal eine Nummer ehrlicher angehen und dem Patienten nicht ständig erzählen, was man glaubt, dass er hören will. Das ist eigentlich nicht der Kerngedanke von Demokratie.

  14. Grüße sie Herr Tichy 🙂
    …und nochmals Glückwunsch 🙂

    „Alles geht runter?“ Nun, zwischenzeitlich gab es auch mehrwöchige Rallyes mit über 20% Kurssteigerungen. Der Markt zeigt sich sehr volatil, aber richtig ist auch, der langfristige Haupttrend ist seit Anfang 2008 down und „Buy and Hold“ somit out – auf beides habe ich bereits mehrfach hingewiesen.
    Was macht man nun mit dieser Erkenntnis. Entweder man antizipiert an der Volatilität und handelt die kurz- bis mittelfristigen Ausschläge in beide Richtungen, oder man hält als Anleger die Füße still und wartet auf eine nachhaltige Trendwende. Wo diese sein wird? Eine Glaskugel besitze ich auch nicht, nur eine Erwartung auf Grund meiner Analyse nach EW – und diese sind ihnen, durch die übermittelten Charts, auf allen Zeitebenen bekannt.
    Es gibt s.g. „Make or Break“ – Marken, die mein Szenario, nebst möglicher Alternative, negieren. Diese sind allerdings auf allen Zeitebenen noch nicht verletzt worden.

    Gruß
    Klaus F.

  15. Börse für Pessimisten:

    DAX gestern -2%, Banken -5 bis -18%, Rheinmetall +6%!

    Weiss da jemand mehr als die Tagesschau?

    recuerdos

  16. @Mad
    schöner Blick über den Zaun. In folgendem Stadium sind wir allerdings trotz gewisser ‚Privatisierung‘ (soweit man Riester/Eichel/Rürup so bezeichnen will) noch nicht:

    „Vor der Privatisierung gab es für jedeN EmpfängerIn einer staatlichen Rente 10,9 Beitragszahler­Innen. Heute ist für fünf RentenempfängerInnen nur noch einE Beitragszahler­In da.“

    In Argentinien wurden übrigens vor einigen Jahren ganz simpel die Dollar-Inlandsguthaben „eingezogen“. Kontostand 0 als Strafe dafür, dass die Leute ihrer Währung nicht mehr vertraut haben. Obwohl die Leute das natürlich richtig privat für ihr Alter zurückgelegt hatten. Diese Zustände bleiben uns hoffentlich erspart.
    Allerdings zeigt es, dass andere Länder schon bei Verhältnissen 10:1 Zahler/Empfänger gehandelt haben. In diesem Fall offensichtlich ohne Fortune.

  17. @Klaus F.: Bislang liegen Sie verdammt richtig. Oder liegt es nur daran, dass die Prognose zur Zeit relativ einfach ist: Alles geht runter, was zählen da schon ein paar Tage?
    Die Frage ist, wo und wann ist die Trendwende?

  18. @PS,ZZ
    „bitte ich die Zusammensetzung der Bevölkerung zu beachten. Wir werden immer älter, was ja schön ist“

    Möchte ich unterstreichen und hinzufügen, dass nicht nur die Altersstruktur, sondern auch die Einkommensstruktur besonders negativ ist. Nicht im üblichen Sinne des Vorwurfs der Arm-Reich-Spaltung an wen auch immer (natürlich der anonymen Politik), sondern im Sinne einer nüchternen Sichtweise mit der Fragestellung „wer soll das bezahlen?“ (die Renten).

    Und da wird eine vernünftige Volkszählung besonders wichtig, die „fortgeschriebenen“ Zahlen von vor 22 Jahren kann man in der Pfeife rauchen.
    Es ist eben ein himmelweiter Unterschied, ob es 8 Millionen Transferempfänger auf Basis einer Menge von 82 Mio oder auf Basis von 75 Mio sind. Momentan weiss hier keiner wo wir stehen und wie kritisch die Tendenz wirklich ist, und ich habe den Verdacht, das will auch keiner so richtig wissen (3 Affen Prinzip).
    Besonders krass würde sich das Bild darstellen, wenn man das auf einzelne Regionen und Städte oder gar Viertel herunterbricht, und einmal ein paar Szenarien entwickelt, wie sich die Situation in 20-30 Jahren entwickeln *könnte*. Nicht muss, aber könnte. Aber eine diesbezügliche klare Sicht auf die Dinge würde ja unerhörte Anreize, um nicht zu sagen Druck auf die Politik machen, sich um diese Themen einmal ernsthaft zu kümmern, anstatt mit Achtelkraft an allen möglichen Themen in allen möglichen Weltgegenden herumzuquacksalbern. Ausnahmen in einigen älteren Parteien bestätigen natürlich die Regel.
    Zu Biko Zustimmung. Biko ist hoch anzurechnen, dass er frühzeitig einmal Vorschläge gemacht hat, Grundrente, wie wir das ‚weiter so‘ trotz völlig veränderter Umstände ändern müssen. Leistungsbezogene Rente aus einem falsch benamten Sozialsystem (Rentenversicherung) ist reine Fiktion. Leistungsbezogene Rente kann ich nur auf Basis eines individuellen, privatrechtlichen, justitiablen Vertrages erwarten, natürlich auch hier mit Unsicherheiten. Die Rentenversicherung hingegen hat reinen Gnadencharakter, zwar gutmütig, aber Gnade, es gibt nicht mal einen Garantiezins von 2.25% auf was auch? Zumindest wird das in Rentenbescheiden seit einigen Jahren mehr oder weniger zugegeben.

    @KF,PS
    Virtuelle Konten bringen nichts. Sehe ich auch so. Recht haben können wir doch auch mit weniger Aufwand. Und im Übrigen unter Bayern und deren Freunden gilt „Leben und leben lassen.“. Bis zu einem gewissen Grad darf also jeder verzapfen was er will. Also das ist doch die Devise, die Familie, Chips, 14-Stundentage, Derivate, Weissbier und Latte Machiatto noch am besten zu einer zukunftsweisenden Mischung integiert hat. Am besten zu erfahren natürlich an einem Frühsommerurlaubstag in einem Cafe mit Blick auf Dom und Dombauhütte (das wahrscheinlich älteste Wirtschaftunternehmen Deutschlands), im sicheren Bewusstsein: das stehen wir auch noch durch.

  19. pampastier: sorry es gibt eben virtuelle missverständnisse. ich habe keine nostalgischen gefühle gegenüber von produkten. das habe ich doch geschrieben. mich musste da nicht überzeugen. aber es gibt standortvorteile und die bestehen u.a. auch in der nutzung von innovativem potential der menschen. und ich glaube, das das kapital da in jeder hinsicht zu beschränkt denken muss. aber gut lassen wir das. ich weiss nämlich nicht, wie das jetzt ist. da kenne ich mich eben nicht mehr aus.

    zamir: du hast bestimmt in einigen fragen recht. aber so einfach und klar ist das leben nicht. menschen lieben auch schnickschnack. aber deine arbeitsvorgaben sind ok. dann sehen wir weiter.

    an alle zahlendreher: mangels barem habe ich mindestens 5 virtuelle depots. nur einfach mal um meine fähigkeiten zu prüfen. sie sind fast alle in der gleichen mengenlage und unterscheiden sich nur minimal.

  20. Ich gratuliere Roland Tichy für den Preis als besten Wirtschaftsjournalist. Dieser wird ihm heute Abend verliehen.

    Es zeigt, dass guter und vorallem auch ehrlicher Journalismus geschätzt und gewürdigt wird.

    Gibt es nicht auch mal eine Party für alle Tichy-Towner?

  21. Lieber Pampastier,

    vielen dank für Deine hochinteressante Renten- und Demografiehistorie von gestern. Doch zurück zur aktuellen
    gesellschaftlichen und politischen Lage in Deutschland.
    Wenn 68 Schulleiter aus Berlin-Mitte und anderen Bezirken,
    einen „Brandbrief“ schreiben, daß —Land unter— herrscht an den
    Schulen in der Hauptstadt, dann verdient dies meinen größten
    Respekt. In die Bildung wurde angeblich auch beim Konjunkturpaket II investiert. Ich (war in den 70er+80er Jahren auch mal Elternvertreter in der Schule meiner Töchter) habe immer einen
    faden Beigeschmack im Mund, wenn hochintelligente Menschen davon ausgehen, daß Geld, eben auch viel Geld, ein Allheilmittel ist.
    Die Motivation. die Überzeugung, der Zusammenhalt, diese Eigenschaften sind für kein Geld der Welt zu erkaufen; daran kranken unsere Seelen. Wäre unsere beschissene nach dem schnellen Reibach ausgerichtete Unkultur, auch nur ein wenig mehr
    den Normalbedürfnissen der Familien, Kinder und aller anderen Mitglieder ausgerichtet, dann benötigten wir nicht sovielen aufgeblähten, künstlichen, verdrehten SCHNICKSCHNACK. Mit der Intergration junger Menschen in die Gesellschaft, muß man es wieder ernst sehr ernst nehmen; nur wo die Politik und die Wirtschaft den Menschen ein Harmoniegefühl vermitteln kann,
    werden Kinder in den Schulen lernen wollen und danach auch eine
    vernünftige Lehre für einen hoffentlich bereitstehenden Arbeitsplatz absolvieren wollen. Das Leben ist immer einfach und klar.
    Gruß Zamir

  22. @Pampa-Freund 🙂

    Lass dir von einem erfahrenen Trade sagen, dass analysieren und traden zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind. Und mit dem Unterschied von Paper-Trades und Real-Trades steht gleich noch ein Paar daneben. Zwischen nackten Zahlen und dem handelnden Menschen stehen immer noch die zumeist hinderlichen Emotionen 😉

    Vergiss dein virtuelles Depot – völlig unrealistisch und ohne Aussagekraft! Solche Dinger gibt es zuhauf im Inet und stehen zu über 90% im Plus 😉

    Die Koje ruft!
    Klaus

  23. 142 Zeichen? Du liebe Güte, wie will man denn da einen Gedanken entwickeln, einbetten und zusammenführen? Aber schlaf gut, mein virtueller Freund, auch wenn ich messen will … 😉 Miese Methode, nicht wahr, ist aber nicht böse gemeint.

    PS

  24. Mööönsch Pampa,

    Ich veröffentliche meine Markteinschätzungen und seit dem ich dies hier kund tue, lag ich zeit- und preismäßig ziemlich gut. Wie und/oder was du daraus für Erkenntnisse ziehst (oder nicht) – ggf. sogar danach handelst (oder nicht) – das bleibt einzig und alleine dir überlassen. Es ist DEIN Kapital!

  25. Pampa, auch noch wach, du Nachteule 😉

    „Sonst zementiert man kaputte Strukturen.“

    Eine aktuell ganz entscheidende Erkenntnis, aber in einem viel größeren Zusammenhang.
    Nur befürchte ich, dass sie nicht einmal wahrgenommen wird – nicht wahrgenommen werden soll!

    Gute N8, mein virtueller Freund 🙂

    p.s.: Übrigens, bloggen ist out – twitter ist in. Postings mit maximal 142 Zeichen. Das würde für manch einen Tichy-Towner eine große Umstellung bedeuten (grins)

  26. Nun gut, zur Sache Schätzchen. 😉

    Interessante Argumentationen, leider ohne Performance-Messung. Wie wäre es denn mit der Führung virtueller oder gar realer Musterportfolien? Jeder kriegt 100 TEUR, angekündigt wird vorher, Abrechnung zum Tagesschlusskurs inklusive Gebühren, Cash wird zum Leitzins verzinst, Zinsgutschrift zum Jahresende (virtueller Durchschnittszins, wg. der Arbeit, ohne Steuerfreibeträge, wg. der Vergleichbarkeit, rechnet jeder selbst und veröffentlicht es). Jeder kann zu jeder Zeit einsteigen, zum Durchschnittswert der Portfolien.

    Kaufe am Montag IE0008471009 EURSTOXX50 ishares für 100 TEUR (bei der Citibank, Ordergebühren 9,99(5?) EUR), mal sehen, wie viele ich kriege. Dann mache ich gar nichts mehr, mindestens 20 Jahre lang, außer die Dividenden zu reinvestieren, wer hält nicht nur mit Worten, sondern mit (virtuellen) Deals dagegen?

    Mögen der Markt und die Charts mit Euch sein, aber messen wir doch mal, oder? Das ganze Universum der Vehikel an den Börsen dieser Welt (ohne OTC) steht Euch offen, nur bitte vorher ankündigen und zum Schlusskurs, wegen der Nachprüfbarkeit. Bei der Kostenabrechnung vertraue ich Euch, vergesst mir die Steuern nicht, solltet Ihr etwas verdienen.

    Das soll kein Affront sein, aber ich habe manchmal den Eindruck, dass hier in Eindrücken und nicht in Euro Wahrheit gehandelt wird. Das können wir doch problemlos ändern, Verbesserungsvorschläge sind natürlich gerne willkommen. Aber ohne konkretes Handeln und Messen, können wir das ganze Chartgelabere vergessen. Es interessiert keinen, was Ihr mal gesagt habt, einzig von Interesse ist die Performance von Entscheidungen. Zudem, wenn Ihr aus der esoterischen Börsenecke herauskommen wollt, führt kein Weg an realem Wettbewerb vorbei. Nicht wahr? Wir können ja mal durch die Boards hier gehen und zum Turnier einladen. Wäre langfristig sicherlich interessant.

    Die Portfolien können wir kostenlos bei diversen Anbietern einrichten, allgemein bekanntes Kennwort wie WiWo oder so etwas. Bin da nicht so fit, Finanztreff erscheint mir ganz okay, aber da kennen sich sicher andere besser aus. Gut wäre, wenn Dividenden, Zinsen, Gratisaktien etc. automatisch gut geschrieben würden. Gibt es so was? Gemein ist uns ja, dass wir uns keine unnötige Arbeit machen wollen. 😉

    Euer Zahlenknecht

  27. Liebe nasowas,

    wenn Du das vermuten solltest, ich bin nicht Fritzchen, wo Pampa drin ist, steht Pampa drauf (oder bei Gas und Tundrabär drunter). Aber so ganz unrecht hat Fritz nicht.

    Allerdings verstehe ich Dich auch. Mein erstes Bike war eine Zündapp Hei 25 mit 15 (ordentlich aufgebohrt), meine zweite Liebe mit 16 eine KS 80 Super Sport (auch frisiert), nachher noch eine NSU Max, die war viel älter als ich sowie ein paar andere Feuerstühle, der heißeste eine Kawasaki ZX 6R Ninja. Letztlich konnte ich das Risiko ob externer Verantwortung nicht mehr tragen, bin auch gefahren, wie eine Wildsau. Das kriegte ich nie raus.

    Natürlich hängt unser Herz an dem Betrieb, in dem wir mal gelernt haben. Es ist traurig zu sehen, wie er stirbt.

    Tut mir aufrichtig leid, aber es gehört einfach dazu. Sonst zementiert man kaputte Strukturen, keine Ahnung aber, wie es bei MZ lief.

    PS

  28. Klausemann, ich sage doch gar nichts anderes, oder?

    @Pampa 🙂

    Ich weiß, aber der Nagel stand noch ein Stückchen raus und ich fühlte mich unweigerlich dazu hingezogen ihn komplett zu versenken 😉

    Bezüglich meiner Markteinschätzung läuft es hier wie in jedem anderen Forum, indem ich schreibe:
    Vom Scheiterhaufen, über zunächst „verstecktes“ Interesse, bis schließlich hin zur offen geäußerten Beachtung. Ich nehme es – ohne Häme(!) – mit Genugtuung zur Kenntnis 😉

    Nach sieben Tagen negativer Schlussstände und rund 16% Kursverlust im DAX, sollte nun aber ein „begrenzter“ Bounce anstehen. Der Bereich um 4300 bietet dazu eine ausreichende Unterstützung, die im Zuge der dynamischen Abwärtsbewegung nicht gleich mitgerissen wird. Jedoch die 4000 werden kurz über lang fallen.

    Gruß
    Klaus F.