Unsere Schirmherrin

Ein Opel fährt vor, aus dem die Herren von Daimler und BMW klettern und artig um Schirme bitten wie Cabriofahrer im Schneesturm. Schon fordern die energieintensiven Branchen der Chemie-, Metall-, Stahl-, Glas-, Baustoff- und Papierindustrie Schutzschirme gegen Milliardenbelastungen der europäischen Umweltpolitik. Noch jemand ohne? Anstellen zur Schirmausgabe vor dem Kanzleramt, nicht drängeln! Kaum je war der Staat so mächtig, die Bundeskanzlerin als Schirmherrin so umworben, die Wirtschaft so kleinlaut. Marktwirtschaft war gestern.

Die Ursachen für die Schwächeanfälle sind unterschiedlich. In den Banken selbst wurde die Finanzkrise zusammengebraut; am Niedergang der Luxusautoindustrie ist deren Modell- und Imagepolitik beteiligt. Das drohende Ende der energieintensiven Industrien wiederum ist Konsequenz einer Umweltpolitik, die gleichzeitig massenhaft Arbeitsplätze und die eigenen hehren Ziele zerstört.

Das Grundprinzip ist einfach: Zukünftig soll die Industrie für ihren Stromverbrauch Verschmutzungszertifikate ersteigern – Milliardenlasten für jene, die viel Strom verbrauchen, weil sie Stahl schmelzen oder Aluminium herstellen. Solange diese CO2-Zertifikate europäischer Sonderweg bleiben und Europa an seinen Grenzen keine CO2-Steuer für den Import schmutzig hergestellter Produkte erhebt, ist klar, was geschehen muss: Diese Werke werden schließen und ihre Produktion ins Ausland verlagern. Damit gehen nicht nur einige hunderttausend Jobs in den Hütten und Werken verloren, sondern weit mehr in den nachgelagerten Industrien: Längst sind die hochtechnologischen Vor- und Folgeproduktionen eng miteinander verflochten. Wertschöpfungsketten drohen zu reißen, und das ausgerechnet auch in der Aluminiumindustrie, die wegen des geringen Gewichts dieses Werkstoffs eine wichtige Rolle beim energiesparenden Auto spielen soll.

Besonders betroffen sind die Deutschen, weil sie Strom aus dann künstlich verteuerten Braun- und Steinkohlekraftwerken beziehen müssen – während die französische Konkurrenz mit Atomstrom betrieben wird, der künftig als besonders umweltfreundlich gilt. Jeder Atommeiler, der mit seinem Billigstrom in Deutschland abgeschaltet und durch neue Kohlekraftwerke ersetzt werden muss, drückt dann die hiesige Industrie noch weiter in die Knie – Umweltpolitik wird so zum Strick, an dem sich beide aufhängen: Arbeitsplätze wie Umweltschutz. Wenn nämlich die vergleichsweise sauberen deutschen Werke in China und Russland ohne Öko-Auflagen aufgebaut werden, leiden sowohl die globale Klimabilanz als auch die deutsche Öko-Technologie: Es ist nun mal so, dass neue Umweltschutztechnologien nicht am grünen Tisch entwickelt werden – sondern am stinkenden Objekt. Und das wird hier nicht mehr zu finden sein.

Und die Kanzlerin? Sie hat wegen der unbestreitbaren Problematik Öko-Schutzschirme versprochen, die diesmal allerdings in Brüssel verteilt werden; es geht ja um eine EU-Regel. Mitte der Woche beginnt dort das Spiel „Wer kriegt den Schirm?“. Die Deutschen haben schlechte Karten, weil die Banken dringlicher und die Autoindustrie schneller waren und die polnische Industrie ihre Braunkohleschirme auf Armenrecht aus der Gemeinschaftskasse erhalten soll. Also werden die Schirmchen zu knapp, zu klein und zu löchrig für Deutschlands Öko- und Arbeitsplatzbilanz. Marktwirtschaftliche und effiziente Lösungen?

Das war einmal. Früher.

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Alle Kommentare [129]

  1. Zurück zur Sache!
    Offensichtlich hat sich die Kanzlerin ja doch im Sinne deutscher Arbeitsplätze und Umweltziele durchgesetzt. Der SChirm ist größer und umfassender als ursprünglich von mir befüchtet.
    Man soll die Kanzlerin loben, wo immer es geht.

  2. hallo mad, deine Ausgrabung eines schon an-verwesten Machwerks eines geltungsbedürftigen Angestellten der TUC bringt l- links von Frage sieben auf \“Kinderhöhe\“ – Einblicke, die meinen Magic auf diese Nacht vorbereiten könnten……..wenn es nötig wäre, ist es aber nicht;-)—gegessen wird zu Hause! Danach wird der Gute garantiert wieder frische Luft brauchen, er hat in den letzten Monaten sowieso zuviel vor dieser Kiste gehockt, statt… na du weisst schon, allein darum gehörte dem Stier mal eine geeyselt:-(
    Von mir aus kriegt er morgen früh ein magisches blog-Verbot bis mindestens Dreikönig, mal sehn was die Nacht bringt!!!!!!!!!
    Deine Schluss-mit-lustig-jetzt-hart-zur-Sache-Miss006
    p.s. das neueste Quantum Bond ist wirklich höchst durchschnittlich, kein guter Trost

  3. vor den Schwefelbergen von Pozzuoli hämmerten einst Esel und Medusa auf einen Amboss ein, da kam Pallas Athene und verwandelte Medusa in einen Stier ohne Beine, der fortan pikiert auf alles reagierte was rot war – seine Lieblingsfarbe war eine andere – grau. Alles Rote galt es in Zukunft zu diskreditieren. Denn eine Rest von Rübengrütze hatte ihm P.Athene noch gelassen. Deswegen lief er nie direkt auf Rotes los, sondern versucht es subtiler. So verbreitete er eine Menge Staub auf vielen Wiesen. Das war nicht nur schlecht. Eines Tages liess sich Medusastierlein in ein die Falle eines Weibes locken, das ihn notorisch mit dem Teppich-klopfer tätschelte. Was ihn nicht ruhen liess, war die Farbe des Teppichklopfers: blau! Blau war nämlich der Traum aller Grau-Gläubigen – das vegitative Daseinsideal aller Medusen, Esel. Es liess ihn nicht ruhen, es tätschelte und tätschelte und immer dieser blaue Unterton. Er verlor seinen Sinn für Humor, seine Phantasie, seine Lockerheit, seine Selbstironie und manche Freunde, die zuvor seine Wege begleiteten. Aber: wirkliche Freunde halten auch in schweren Zeiten zueinander! So etwas nennen manche die Magie der Freundschaft im bunten Geiste … und die Moral von der Geschicht‘: verschenke deinen Glauben an Magic nicht, one day he‘ ll come back, believe me, once upon the time he was here, once upon zhe time he’ll come back. Bis dahin verrenn‘ dich nicht zu sehr;-)

  4. … deine Gefühle deuten auf Verwirung hin, keine klassische Führungsqualität, kombiniert mit etwas Verfolgungsdruck, hast du das nötig wie wild ins Blaue zu schiessen Markus?

  5. @MM: Vom gefühltem Klassensprecher zum notorischen Beinpinkler … Offenbar geht es Dir in keiner Weise um die Sache, sondern nur um persönliche Befindlichkeiten.

    Ein Studium ist nun mal eine Investition in die eigene Arbeitskraft, viel besser kann man Kapital nicht anlegen. Es fragt sich nur wessen Kapital, mit sozialer Bedürftigkeit hat das jedenfalls wenig bis nichts zu tun. Letztlich ist ein kostenloses Studium ja auch eine Umverteilung von unten nach oben, wovon auch ich zugegeben profitiert habe.

    Aber was soll’s, das ist eine ganz andere Diskussion. Jedenfalls wüsste ich nicht, was Sozialleistungen an künftige Spitzenverdiener mit einer Begleitung von Kindern, mit schlechten Startchancen, zu tun haben sollte.

    An Balu gefällt mir, dass es auf Eigeninitiative und nicht gesellschaftliche Delegation über irgendwelche Systeme baut. Es gibt ja durchaus Engagement bei uns, ob es Tafeln oder ähnliche Initiativen sind. Die könnten wir aus meiner Sicht ruhig über mediale Aufmerksamkeit stärken. Eine große Lobby haben solche Organisationen ja wirklich nicht. Wenn die richtigen Leute ab und an mal einen Hinweis erhalten, und sei es nur in unserem kleinen, unbedeutenden Forum, ändert sich schon was. Ob es nur Studenten sein sollen, darüber kann man ja streiten. Letztlich ist das aber sinnlos. Es geht vieles parallel und nicht jede Initiative muss alles abdecken, ganz im Gegenteil.

  6. ..und lassen ihre Klage über die Grenzbesteuerung der Krankenschwestern durch einen selbsternannten Stier vortragen, der es nicht merkt, dass er selbst ein Lied für Krankenschwesttern singt, was er Medizinstudenten nicht gestatten möchet, wie kommentiert man sowas: mad? nasowas? Schrägpinkeln? am besten gar nicht?;-)

  7. Ach komm nasowas. Dass in den Sozialberufen schlecht bezahlt wird, bestreite ich ja nicht. Projekte wie balu finde ich sehr gut, perfekt ist nichts. Aber sich darüber zu beschweren, dass man nach einem Medizinstudium „malochen“ und dabei eventuell ein Jahr überbrücken ohne Sozialtransfers muss? Die mit 15 eine Lehre beginnen, die Krankenschwestern oder Dachdecker, die Verkäuferinnen bei Aldi und Lidl, finanzieren schließlich das Studium mit ihren Steuern, ohne sich nachher auf ein Arztgehalt und den gesellschaftlichen Status freuen zu dürfen.

  8. ach wie gut das niemand schätzt, dass ich Egostierchen ätzt
    dein Problem ist, du lebst in deiner Welt, und hast Dir alles(1) andere zum Nebensachverhalt zurechtgelegt, so kann man in seiner eigenen Konventionen vor Langeweile ersticken, absolute Bewegungslosigkeit! vielleicht sollten dir die Frauen dieses Stadels einen Eierbecher zur Hängematte schenken, gab mal einen Belmondo-Film vor Jahren, da stand einer im Schiesser-feinripp-Bademantel rum und plante einen Kunstraub in St.Lis…:-))

  9. oh, wenn mann schon in einer bank arbeiten darf, sollte mann kein geld fordern. mann sieht es ja schon. 🙂 was soll denn das? es geht hier darum, dass soziale leistungen völlig entwertet werden. das dürfen völlig bedürfnislose „gutmenschen“ machen oder die, die es sich leisten können. (die haben keine zeit oder verwechseln „sozialpartys“ mit sozialengaments). und irgendwann ist nett gesagt. irgendwann wird von keiner bank anerkannt , wenn sie mit ihren forderungen kommt.

  10. @Nasowas: HartzIV ist kein Lohn, sondern eine Sozialhilfe der Gesellschaft. Die Aufwandsentschädigung wird bei Erwerbstätigen steuerfrei angerechnet, nicht bei Empfängern von Stütze. Kindergeld, Kinderzuschuss, BaföG, Krankenversicherung … sag mal, wo lebst Du überhaupt? Irgendwann muss man auch mal für sich selber sorgen, wenn man schon ein Medizin-Studium finanziert bekommen hat, kann man das auch.

    Unabhängig davon finde ich das soziale, persönliche Engagement begrüßenswert.Aber nicht einhergehend mit einer Geldforderung.

  11. @mad: da muss ich in einer anderen welt leben. und dieses grundsätzlich stelle ich in frage. ich kenne hartz4 empfänger, die sozial sehr engagiert sind, die genau nach wiki arbeiten und denen die aufwandsentschädigung angerechnet wird.

    und ich halte es nach wie vor für falsch, arbeitende studenten (auch wenn es ihre fachrichtung ist und sie bestimmt etwas lernen) daraus zu nehmen. meine schwiegertochter wird nächstes jahr mit ihrem medizinstudium fertig und muss dann 1 jahr ohne entlohnung eventuell bis zu 50 stunden im krankenhaus malochen. dafür wird ihren eltern das kindergeld gestrichen, der kinderzuschuss für das häusschen, sie muss sich selbst krankenversichern und bafög bekommt sie auch nicht. sorry das sind die realitäten. und da wo ich wohne, wird für ehrenamtliche arbeit nicht mal die fahrkarte ersetzt.

  12. @pampastier: ich finde diese iniatiive ja auch nicht schlecht. aber!!!

    warum werden soziale projekten aus dem doch so allerseits gelobten markt herausgehalten. hier setzen menschen freizeit, kraft und manchmal auch geld ein. nur mit liebe geht das ja wohl nicht. und gerade studenten sind ja nun nicht die reichsten. und die rentner, die sich um solche kinder kümmern, eigentlich auch nicht. die die es haben, sind glaube ich nicht dabei. in berlin gibt es ähnliche projekte und da weiß ich, dass es rentnerinnen und rentner sind, die es nicht dicke haben.

    eine angemessene aufwandsentschädigung für solche leute, müsste doch drin sein. oder sehe ich das mal wieder falsch.

  13. 🙂 Herzlichen Dank, Herr Pampastier,
    eine gute Adresse, die ich gleich weiterempfehlen werde.
    Solch eine Organisation wäre auch im Bereich der geistig behinderten Kinder und Erwachsenen sehr willkommen , es ist zwar im Ansatz vorhanden, aber es mangelt am ehrenamtlichen Einsatz neben dem von unserem Verein angebotenen Aktivitäten.
    Gerade die gezielte Einzelaktivität und Begleitung einzelner Personen im Alltag wie z.B. Friedhofsbesuche,Stadtbummel, Einkäufe, Erkunden von Bus-und Zugstrecken etc etc kommt viel zu kurz.
    Sehr gut finde ich dabei die Qualitätskriterien und die Evaluation der Ergebnisse.
    Es gibt viele Studenten und Absolventen im Sonderpädagogik-Bereich und im Beruf der Heilerziehungspflege, für die dies interessant sein könnte.
    Noch besser wäre ein integrativer Ansatz von Alt und Jung und behinderten und nicht behinderterten Menschen. Aber daran arbeiten wir ja schon fleissig.

    schönen Abend wünscht mad 🙂

  14. Wenn ich mir das so überlege, sollte man als Balus eigentlich Senioren gewinnen. Das würde wohl integrativer wirken, als Fragenkataloge. Künftig werden wir ohnehin mehr jung und alt, als „ausländisch“ und deutsch integrieren müssen.

  15. Was bedeutet es schon, wenn einer den Nobel-Preis bekommen hat?
    Wer entscheidet das denn? Doch der Mainstream!!
    Ich finde es gut, wenn deutsche Politiker nicht den anderen hinterher rennen. Die Amerikaner haben doch bei ihrem Rettungspaket eine 180° Wendung Richtung Europa vollzogen, trotz ihrer tollen Nobelpreisträger. Ist doch jedem gestandenen Kapitalisten klar, dass es Wirtschaftskrisen gibt. Die sind doch systemimmanent, ja sogar notwendig. Also haben sich doch auch alle darauf vorbereitet, oder? Wenn nicht, bitte mal Schummelpeter aus der Hand legen und Rüdiger Nehberg lesen. Ein in jeder Hinsicht vorbildlicher Mensch!!

  16. Sei vorsichtig Mäh, nicht dass sie Dir bei Methan an die Wolle gehen. So von Stier zu Schaaf, rülpsen und pfurzen dürfen wir ja aus Klimaschutzgründen ohnehin nicht mehr …

  17. Hat eigentlich schon mal einer berechnet,was dieses Desaster bereits jetzt an CO2-Minderung gebracht hat? Übrigens,die Knackis oder z.B. die nicht Erwerbstätigen müssten eigentlich einen Orden kriegen.Viel Co2 entsteht da nicht! Wie wärs übrigens mit einer Methan-Steuer ?Oder Stickoxide und Lärm? Die 20% bis 2012 schaffen wir doch mit links!

  18. @GN

    Seltsame Argumentation der Auguren, wie sehen Sie das denn?

    Also ich würde sagen, man kann entweder über den Preis oder die Qualität (Technologie) im internationalen Wettbewerb bestehen. Die Preise sind ein Knappheitsfaktor, welche wirtschaftliche Entscheidungen kanalisieren. Sie künstlich über fremdfinanzierte Nachfragemodelle zu beeinflussen, verzerrt das Geschehen nur.

    Sicher stark vereinfacht, aber sollen sich die anderen doch aufregen. Über weitere Verschuldung bei uns, subventionieren wir als „Exportweltmeister“ nur andere Nationen. Sie kaufen bei uns, weil wir überlegene Technologie bieten, nicht billige Substitute. Developed in Germany.

    Die Mark war nicht umsonst besonders hart, bleiben wir dabei. Struktur, nicht Konjunktur, ist langfristig wichtig. Da können sich die anderen aufregen, wie sie wollen. Ich finde es gut, dass sich Merkel und Steinbrück im Wettlauf der Staatsverschuldung durch Konjunkturprogramme zurückhalten.

    Wenn fiskalisch antizyklisch, dann sollte der Staat schon in seine originären Aufgaben investieren. Die Brutstätten KiTas, Schulen und Universitäten, Forschungseinrichtungen, Infrastruktur etc. aber nicht Konsum- und Subventionsprogramme. Konsum verdient man sich als Belohnung, er steuert nicht die Wirtschaftsleistung. An die Strukturen müssten wir ohnehin mal ran, wenn nicht jetzt, wann dann? So billig wie derzeit konnte man selten dazu staatlich Geld aufnehmen. Aber nicht, um Produkte von maroden, technologisch zurückgebliebenen englischen, französischen oder amerikanischen Firmen zu kaufen. Ich weiß, im Vergleich zu mir ist Steinbrück ein Meister der Diplomatie … 😉

    PS