Panik auf der Titanic

Kanzlerin und Finanzminister konnten sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und hintenrum um die besten Startplätze für den nächsten Bundestagswahlkampf rangeln.

Ausgeträumt! Heute steht Deutschland in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Für die, die es nicht mehr wissen: Auch die Titanic ist nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg noch eine ganze Weile weitergeschwommen. Und die Bordkapelle hat fröhlich weitergespielt, bis zum Untergang. Vorgespielte gute Laune mag Panik verhindern, aber sie kann den Untergang nicht verhindern.

Heute aber, im Abschwung, könnte eine Senkung der Mehrwertsteuer den Konsum ankurbeln. Ob Mehrwertsteuer, niedrigere Lohn- und Einkommensteuer im unteren Einkommensbereich, ein Infrastrukturprogramm oder eine Kombination dieser Maßnahmen – darüber mögen sich später die Gelehrten und Sachverständigen streiten. Jetzt ist die Zeit für ein entschlossenes, schnelles und umfassendes Regierungshandeln, um einen Absturz der Wirtschaftsleistung in diesem Land wenigstens zu bremsen. Denn wie kein anderes Land der Welt ist Deutschland heute von der zweiten Welle der Finanzkrise getroffen: dem Zusammenbruch seiner gesamten Exportmärkte, wie wir ihn vor fünf Wochen vorweggenommen haben.

Man muss sich das ganz plastisch vor Augen führen: Nehmen wir den Hafen von Long Beach im Süden Kaliforniens (www.wiwo.de/Port-of-Long-Beach). Da wird der Platz knapp – weil sich unverkäufliche Toyota- und Mercedes-Modelle Stoßstange an Stoßstange sammeln; der vermutlich teuerste und edelste Schrotthaufen der Welt. Nebenan türmt sich das Altpapier, das bislang von Long Beach nach China verschifft wurde: Aber heute exportiert China spürbar weniger, und wer weniger verpackt, braucht auch keinen Verpackungsrohstoff mehr. Deshalb verfallen auch die Charterraten; beispielsweise für Schüttgut-Frachter um sagenhafte 98 Prozent.

Bildergalerie: Die Autohalde von Long Beach

Tausende Autos parken im Hafen von Long Beach, Kalifornien: Die WirtschaftsWoche hat die Autohalde fotografiert, wie unsere Bildergalerie zeigt. Zur Bildergalerie

Dies alles zeigt: Die globale Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Deutschland, das Gewinner-Land der Globalisierung, droht zum Verlierer der Ent-Globalisierung zu werden, denn seit Jahren verdienen wir am Export und leiden am ausgezehrten Binnenkonsum.

Berlin beschäftigt sich bislang noch mit dem Rettungspaket für die Banken. Kanzlerin und Minister sind verärgert, dass die Banken sich die Taschen mit Liquidität vollstopfen oder, wie die Deutsche Bank, gerne auf die im Paket enthaltenen neuen Bilanzierungsregelungen zurückgreifen, mit deren Hilfe sie ihre roten Zahlen neuerdings wieder schwarzrubbeln. Bei den Unternehmen außerhalb der Finanzsphäre aber kommt davon wenig an. Die Banken verhalten sich im Augenblick wie die Murmeltiere im Bergherbst: Sie ziehen sich in ihre Schlafhöhlen zurück, die sie mit vielen Milliarden Liquiditätshilfe behaglich ausgepolstert haben, und warten schnarchend auf Frühling und Konjunktursonne. Denn das Rettungspaket erfüllt nur einen Zweck – es hat ein Zusammenbrechen des Finanzsektors vermieden. Den Absturz der Realwirtschaft aber kann es nicht verhindern, denn die leidet weniger unter Liquiditätsnöten als unter dem Zusammenbruch der Nachfrage.

Die WirtschaftsWoche kämpft daher für ein Konjunkturprogramm durch Steuersenkung. Übrigens: Entsprechende E-Mails lässt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ungelesen löschen. Merke: Die Meinung der Bürger hält der Bundesfinanzminister für feuchten Kehricht.

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Alle Kommentare [210]

  1. @Eysel
    Verwechseln sollten wir CDS (Kreditversicherungen) nicht mit verbrieften Forderungsportfolios (ABS, CDO etc.), das ist etwas komplett anderes. Sozusagen die derivat dargestellten Risikokosten im Spread von diversen Anleihen. Aufgrund der enormen Volumina da, vermutlich auch das viel größere Problem. Solange sie zusammen mit einer Forderung kombiniert sind, synthetisiere ich eine neue Forderung. Harmlos.

    Generell, vermutlich nicht für Dich:
    Bsp.:
    Anleihe AAA = 4%; Anleihe BBB = 5% – CDS 0,8% = 4,2% bei Resultat BBB+CDS= AAA; theoretisch. Also short in triple-AAA und long in der Synthese, solange es klappt idiotensicher (bis thanksgiving)

    ABS, MBS, CDO etc. = Forderungsportfolio

    Allerdings kann man sie auch ohne Synthetisierung einsetzen und so über eine extrem gehebelte Wette das große Rad drehen. Das ist offensichtlich passiert, z.B. bei AIG. Kann dumm enden.

    PS

  2. @ Pampa,
    war mir klar, warum du mich missverstanden hast. Wir haben alle irgendwo nen Knacks vom Job. ~ Mit Dem Lombardvergleich das passt prinzipiell. Nur ist DER irgendwo in der Mitte vom Gauss und kann immer weiter „gedreht“ werden. Die ganzen CDS usw. sind Extreme Beträge, extreme Risiken, müssen irgendwann auch zurückgeführt werden. Da sind die Unterschiede. Und die können – je nach Strategie mit der das angegangen wird – zu erheblichen Verwerfungen führen. „Es soll wohl eine laufende Möglichkeit zur Refinanzierung synthetisiert werden.“ Von genau dieser Ausgestaltung kann es abhängen, ob neue bubble mit dem Instrumentarium oder kontinuierliche Bereinigung!!!!!!!!!

  3. Lieber Unterfranke,

    weißt Du, warum mein Gehirn knapp 500 Gramm schwerer ist, als das meines Hauselfen? Ihres arbeitet digital, meines offenbar mechanisch. Bei Begriffen wie Optionsmodell denke ich nun mal sofort an mathematischen Sex, weniger an Wahlmöglichkeiten. 😉

    Irgendwie sehe ich Dein Problem aber noch immer nicht. In der Offenmarktpolitik der Notenbanken geht es ja zunächst darum, welche Sicherheiten sie für Refinanzierung akzeptieren, nicht kaufen.

    Wenn man ein Forderungsportfolio kaufen will, kann man ja je nach Bewertung zu den Ergebnissen kaufen, in line oder verkaufen kommen. Was ist es wert? Kommt drauf an. Was genau? Was kauft der Staat? Was nicht? Szenarioanalyse von was?

    Vom Prinzip her sehe ich es wie ein Lombardgeschäft. Es gibt Cash gegen Zinsen und Sicherheit. Die Konstruktion, dass die Notenbank gegen Cash kauft, die verkaufende Bank aber in der Abwicklung und Haftung bleibt, soll wohl verhindern, dass Ramsch-Produkte hinterlegt werden. So erzeugt die ZB zusätzliche Liquidität, verteilt aber die sonstigen Risiken nicht um. Der Preis dafür ist, dass sie Gewinne selbst abschöpft. Wie das praktisch genau gemacht werden soll, keine Ahnung

    Sagen wir mal eine Struktur hat eine Duration von 10 Jahren. Dadurch, dass sie jeden Tag handelbar waren, konnten sie täglich fällig refinanziert werden. Bei normaler Zinsstruktur ein glänzendes Geschäft für den Emittenten. Das geht jetzt nicht mehr. Zudem hat der Eigenhandel ja auch von anderen gekauft, liegt jetzt leider wie Blei auf der Aktivseite. Es soll wohl eine laufende Möglichkeit zur Refinanzierung synthetisiert werden. Wer es nötig hat, eine günstige Form der Refinanzierung scheint es mir nicht zu sein, aber immerhin eine für Banken mit Kapitalhunger. Soweit mein oberflächlicher Eindruck, habe mich damit aber nicht näher befasst.

    PS

  4. Werter PS,
    Du denkst wirklich mechanistisch, um auch mal eine kleine Kritik zu äussern. Der begriff O- Modell ist nicht nur für eine ( mechanistisches? ) Bewertungsverfahren zu verwenden, sondern hat seinen Ursprung in der Überlegung, dass eine ( Geschäfts- )Entwicklung nur in Ausnahmefällen für einen auch nur mittleren Zeitraum wirklich vorhersehbar verläuft. ( Nicht anders als im normalen Leben. ) O-Modell heißt in seinem ursprünglichen Sinne, welche Handlungsoptionen gibt es und wohin führen sie in der Konsequenz mit ( der besten ) Wahrscheinlichkeit. ~ Du hast natürlich recht, dass die Einreichung bei der Sonstwas erst mal entlastet. Sollen ABS, MBS, CDO etc da verschimmeln? Wann ( Frist) zu welchem Preis ( Risiko, Bewertung ) kommen sie in den Handel. Wird das Für „ Staat“ ein Geschäft? Zahlt Staat evtl sogar Gewinne aus Differenz zwischen Absicherung und tatsächlichem Erlös an Bank? Hat Bank die Möglichkeit die Portefolien bei evtl ventsprechender Marktentwicklung vorzeitig gegen gewissen Preis ( Risiko ) „auszulösen“ ? Irgendwie – wenn die Portefolien nicht beim Staat verschimmeln sollen – müssen sie doch wieder in die „normale“ Wirtschaft RÜCK!!!-integriert werden….. Was gibt es da für Möglichkeiten, Optionen, Szenarien???
    Szenarioanalyse: Welche „Optionen“ ( nein, nicht die an der Börse gehandelten! ) stecken da für eine Bank drin. Welche Chancen, Risiken in welcher Vorgehensweise? – Komm ich jertzt besser rüber??? – Darüber würd ich gerne mal „laut“ und „in die Tüte“ mit dir zusammen spintisieren, nachdenken. Was wird dann sein, wenn …. und mit welchem Ergebnis… Welche Strategie wird Staat einschlagen, welche die Banken …?

  5. Werter Unterfranke,

    irgendwie verstehe ich Deine Frage nicht. Wenn wir mal die Produkte von ABS, MBS, CDO etc. also Kreditportfolien eingrenzen, der Handel mit diesen Portfolien hat niente mit Optionsmodellen zu tun. (Übrigens GS, CDS ist ein ganz anderes Produkt und Thema) Es werden schlicht gebündelte Forderungen gehandelt. Ohne Handel bleiben es Forderungen, landläufig Kredite, originäres Bankgeschäft, egal wer sie hält.

    Der Unterschied ist, früher konnte man sie handeln, heute nicht mehr. Egal was drin steckt, das Problem ist erst mal umgekehrte Fristentransformation. Wenn man sie bei der EZB zur Beleihung einreichen kann, fein. Entlastet die Refinanzierung bzw. bietet neue Möglichkeiten.

    Meine Einschätzung: Der Handel dieser Kreditportfolien kommt nicht mehr ans laufen. Die einzige Standardisierung, die es gab, waren Ratings mit null Datenhistorie. Also nun: Held to maturity, nichts wirklich neues. Es waren immer Kredite, es bleiben Kredite. Bewertet werden sie mit DCF-Verfahren, solange es am Markt nicht mark-to-market geht. Man muss bei jedem einzelnen ja auch mal nachsehen, was das überhaupt ist.

    Wie gesagt, ich habe die Frage offenbar nicht ganz begriffen. Was meinst Du denn genau?

    PS

  6. @ PS,
    „Da wird der Bock zum Gärtner“ SICHER! ~
    „Der Staat wird es schon richten. Er richtet es hin.“ KLASSE Apercu lieber PS! Verlange von RTY einen Nebukadnezar für dessen Verwendung! ~
    Selbstverständlich sind es Kreditportfolien der von dir beschriebenen Struktur, die nun eine weitere Eigenschaft, ein weiteres „Attribut“ ich nenns mal „staatsübernommen“ bekommen. Diese Eigenschaft soll irgendwann? Und zu welchem Preis wieder verschwinden? Wie wirken sich Menge, Zeit, Preis dieser rückzuführenden „Regulierung“ auf das mittelfristige + langfristige MARKT-Geschehen aus? (( Im Augenblick gibt es keinen Markt für die Produkte, er muss erst wieder geschaffen werden! W I E ??? ! )) Gelten da nur Klassiker wie dcf ? Ist dort mit Blick auf Handlungsfreiheit am Markt + Bilanz Optionsmodell sinnvoll? Wird die Strategie des jeweiligen Institut dessen Kurs nicht MASSGEBLICH beeinflussen? ( Josefs Gedanke!!! )Unter Umständen stärker als die aktuelle Gewinn/Verlustsituation? Wie lange wird es dauern, die „Last“ abzutragen? Sonderabschreibungsregeln?
    @ Gregor,
    „Auch wenn wir das gerne hätten, wir werden Ebbe und Flut nicht wegreglementieren können.“ Noch nen Nebukadnezar!

  7. @PS:
    „Aber die Lösung nur im Bankensystem zu suchen, ist ungefähr so, als wenn man den Mond anheult. “
    Die Sache ist aus meiner Sicht ein wenig komplizierter. Natürlich stehen „die Banken“ im Fokus, weil ihnen Privilegien verliehen wurden. Etwa das Privileg zur Geldschöpfung und steuerliche Vorteile was Schuldzinsen angeht etc.

    Privilegien gehen in einer freien Gesellschaft immer mit Auflagen einher, weil man möchte, das Institutionen gesellschaftliche relevante Aufgaben erfüllen (darauf berufen sich die Banken ja auch). Öffentliche Kontrolle ist aber unerlässlich, damit sich Privilegien nicht verselbstständigen und ein Bereich entsteht, der von der öffentlichen Ordnung unberührt ist.

    Kurz: Wer eine Bank eröffnet und die entsprechenden Privilegien haben möchte, erkauft sich dies automatisch mit der entsprechenden Regulierung und der gesellschaftlichen Aufgabenstellung.

    Das heißt natürlich nicht, dass Banken deshalb unnötige Risiken eingehen müssen. Sie sind, wie Sie richtig sagen, nicht verpflichtet Unternehmen Geld zu leihen, wenn sie nicht glauben, dies nicht zurückzuerhalten.

    Die Banken (um sie alle in einen Topf zu werfen) haben ihre finanziellen Instrumente in den vergangenen Jahren aber deutlich ausgeweitet und sich vehement gegen eine Regulierung gewehrt. Das hat zu einem Schattenbankensystem geführt, das ungeheure Dimensionen angenommen hat.

    Die einzelne Bank ist dafür nicht verantwortlich und Joe und andere Chefs persönlich auch nicht. KOLLEKTIV hat das Bankensystem aber versagt. Es ist Risiken eingegangen, die sich als zu groß herausgestellt haben. Die Folgen tragen nun nicht nur die Banken sondern die Gesellschaft an sich, weil das Finanzsystem durch die Exzesse so stark beschädigt ist, dass es seine gesellschaftlich Aufgabe nur noch eingeschränkt erfüllen kann.

    Ethisch könnte man nun argumentieren, dass sich das globale Bankensystem in dieser Hinsicht seiner Privilegien nicht würdig erwiesen hat. Ordnungspolitisch argumentiert, hat die Regulierung, die ein notwendiger Teil des Bankprivilegien ist, versagt und muss angepasst werden.

    Für mich persönlich ist das alles keine Frage von Schuld und Sühne. Die Staaten haben sich lange an den Früchten des Kreditwachstums erfreut, jetzt müssen sie auch die Konsequenzen mittragen. Die Banken sind zu hohe Risiken eingegangen und müssen die Konsequenzen mittragen.

    Für alle Beteiligten gilt: Wer aus der Kurve fliegt und gegen den Baum fährt, darf nicht den Baum dafür verantwortlich machen. Das war nicht nur Pech, sondern auch Selbstüberschätzung. Also brauchen wir jetzt realitätsnahe Regeln und Rechte, damit Vorteile und Risiken eines privaten Banksystems wieder in die Balance kommen.

    Wir müssen nur verdammt aufpassen, dass in der Zwischenzeit die Teile der Wirtschaft, die problemlos funktionieren, nicht in Mitleidenschaft geraten, weil die Banken vorsichtshalber Geld horten, um frühere Risiken abzudecken. Aus Sicht der Bank mag das richtig sein, aus Sicht ihrer gesellschaftlichen Aufgabe aber nicht. Wer diese nicht erfüllen kann, darf nicht zu stolz sein und muss sich staatliche Hilfe besorgen. Wenn es eine Bank auch ohne schafft – prima. Hauptsache die Banken verschärfen nicht die Krise, weil sie nur auf sich selbst schauen. Mit der Annahme der Privilegien haben sie mit der Gesellschaft einen Vertrag geschlossen, der genau das verhindern soll. Sonst genießen die Banken aller Vorteile der Privilegien ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

    Das ist jetzt vielleicht alles sehr theoretisch. Paul Krugman hat das etwas populärer formuliert:
    http://www.youtube.com/watch?v=B9e8dg3M5XE

  8. Roland Tichy: \“Übrigens: Entsprechende E-Mails lässt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ungelesen löschen. Merke: Die Meinung der Bürger hält der Bundesfinanzminister für feuchten Kehricht.\“

    Sehr geehrter Herr Tichy,
    sich darüber aufzuregen, dass der Finanzminister die Mails löschen lässt ist müßig und lächerlich.
    Auch kann ich die Kommentare von WiWo-Lesern nicht verstehen, die sich darüber erregen.
    Schließlich kann man vom Finanzminister wirklich nicht erwarten, dass er alle Mails, die er von Lobbyisten und von Bürgern bekommt, liest. Das geht schon rein zeitlich nicht, was Sie eigentlich wissen sollten – Sie antworten ja auch nicht auf jeden Kommentar auf der WiWo-Homepage.
    Außerdem: Was würde es bringen, wenn die Versender der WiWo-Massenmail eine Massenmail zurückbekommen würden, in der ungefähr stehen würde: \“Sehr geehrter Bürger, vielen Dank für Ihre Mail. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Senkung der Steuern derzeit in der Großen Koalition nicht mehrheitsfähig ist, daher sitzen wir die Krise bis zur Bundestagswahl aus und hoffen, dass es Mitte 2009 automatisch wieder bergauf geht\“.
    (Der Effekt der Senkung der Steuern würde auch erst verspätet wirken, so dass die Parteien bei der Bundestagswahl nicht viel davon hätten).
    Was meinen SIe, wieviele Massenmails der Finanzminister tagtäglich bekommt? Vielleicht von Tierschutzorganisationen, von Greenpeace, die alle meinen, Sie verfolgten ebenso hehre Ziele wie die WiWO mit ihrem Steuersenkungswunsch.

    In der Sache liegen SIe natürlich richtig: Neben einigen Wirtschaftsweisen vertritt mittlerweile auch die CSU die Meinung, dass die Steuern gesenkt werden müssen in dieser Krise.
    Nur leider bringen solche Aktionen nur auf breiter Ebene etwas. In der Form, wie Sie es angegangen sind, wird die Aktion allenfalls als Minderheitenmeinung angesehen werden.
    Wenn Sie wirklich etwas bewegen wollen, müssen Sie schon auf breiter publizistischer und gesellschaftlicher Ebene etwas bewegen. Wie ich schon mal geschrieben habe: Es fehlt in unserem Land immer noch ein Bewusstsein für die Maßlosigkeit des Staates und die Verschwendung von Steuermitteln. Sie müssen auch weniger gut verdienenden Leuten vermitteln, dass sie davon betroffen sind und dass es nicht immer die Unternehmen sind, die die einfachen Leute ausbeuten. Warum rufen Sie also nicht mal Ihre Kollegen von der BILD-Zeitung an? Wenn 10 Millionen E-Mails beim Finanzminister eingegangen sind, dürfen Sie sich auch zu Recht beklagen, wenn er nicht antwortet.

  9. http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E90F93CFE7EBE46E995C7F90686D746F7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Entschuldigung, natürlich meinte ich Menschen, die in Deutschland leben, nicht Passbesitzer. Aber bei all den Zahlen sollten man schon mal bedenken, wie signifikant das alles überhaupt ist, war nur als Beispiel gedacht.

    Mal etwas grundsätzliches: Zu jeder Verbindlichkeit (im Volksmund Schuld) gehört eine Forderung. Eigenkapital ist die teuerste Form der Finanzierung, zumal der Kapitalgeber aufgrund des maximalen Risikos auch die höchste Zinsforderung an die Kapitalüberlassung stellt. Renten- und Pensionsverpflichtungen gehören ebenso wie Kapitalverpflichtungen zur Gesamtverschuldung. Japan ist einfach anders finanziert als wir. Wie Sie schreiben, ist die Zinslast knapp nach den Renten- und Pensionsverpflichtungen der größte Posten im Haushalt. Bei uns beträgt schon heute allein der Rentenzuschuss schon knapp das doppelte der Zinslast, Pensionen et al kommen hinzu. Ferner werden die Forderungen ja nicht nur über den Umweg Staatshaushalt bedient, sondern auch über die Sozialsysteme, sprich über Sozialabgaben gekoppelt an den Faktor Arbeit. Die Abgabenquote inklusive Steuern und Sozialabgaben ist mW in Japan im internationalen Vergleich sehr niedrig. Der japanische Staat weist seine Verschuldung nur ehrlicher aus, als unserer. Außerdem belastet er relativ den Faktor Arbeit nicht so stark, wie wir das tun. Wir rechnen uns schön.

    Jetzt aber wirklich … ab in die Heia 😉
    PS

  10. Lieber Herr Neumann,

    mal unabhängig von dem Witz, sind wir ja wieder bei den heißen Kartoffeln ff.. Was nach oben prozyklisch wirkt, tut dies nach unten auch. Sei es Basel II, Bilanzierungsrichtlinien, … selbst Rating-Systeme. Das Futter an jüngsten Zahlen für die Kalibrierung verteuert Risikokosten. Risiken waren zu billig, das ändert sich jetzt fortlaufend. Daneben sinkt ja auch die Nachfrage nach Krediten. Ob privater Autokäufer oder ein Industrieanlagenbauer, wer will ob der aktuellen Prognosen noch die Kapazitäten ausbauen? Und natürlich wird die Refinanzierung schwieriger. Würden Sie aktuell Festgeld bei Opel anlegen? Wenn ja, ohne Risikoschirm, wie hoch wäre Ihre Zinsforderung?

    Die ganzen politischen Beschuldigungen und Forderungen sind ja nett. Jeder trägt sein Päckchen. Aber die Lösung nur im Bankensystem zu suchen, ist ungefähr so, als wenn man den Mond anheult. Auch wenn wir das gerne hätten, wir werden Ebbe und Flut nicht wegreglementieren können. So planwirtschaftlich etliche Politiker weltweit argumentieren.

    Daneben bitte ich zu bedenken, dass wir volkswirtschaftlich über höchst unsichere Daten sprechen. Selbst bei der Bevölkerungszahl. Es gibt ernstzunehmende Wissenschaftler, welche davon ausgehen, dass wir seit der letzten Volkszählung 1987 rund fünf Millionen Einwohner verloren haben. Demnach wären wir ungefähr 75 Millionen Deutsche, nicht über 80. Bin zu müde, das jetzt noch zu suchen, will nur sagen, Vorsicht vor all den so eindeutigen volkswirtschaftlichen Zahlen. Genau ist da gar nichts.

    GN8
    PS