Banken-Kapitalismus

Eigentlich müssen wir der Staatsbank KfW dankbar sein. Sie hat zwar unser öffentliches Vermögen um 320 Millionen Euro dadurch geschmälert, dass ihre Vorstände im Wochenende weilten und Montag frühmorgens vor Dienstantritt automatisch Geld an die Pleite-Lehman-Bank überwiesen wurde. Überzeugender kann der Beweis nicht geführt werden, dass zwar private Banken skandalös versagt haben – aber staatliche Banken nicht die Alternative sind. Dieses Lehrstück ist umso wichtiger, weil gerade in Deutschland wieder die Systemfrage gestellt wird. Hat die Marktwirtschaft versagt? Der Turbokapitalismus? Müssen jetzt Staatskommissare an die Macht, um die Menschen und die Wirtschaft zu retten?

Stellen wir die Frage nach der Mit-Verantwortung der Regierungen. Es war ja schließlich die US-Regierung und ihre Zentralbank, die nach dem 11. September 2001 die Welt mit billigen Dollar beglückt haben. Mit dieser ungeheuren Geldschwemme wurden die US-Verbraucher in die gigantische Verschuldung gelockt, deren Zinsen und Tilgung sie heute nicht finanzieren können. Die Hypotheken-Banken Fannie Mae und Freddie Mac blähten das Kreditvolumen mit Staatsgarantien und im Regierungsauftrag auf. Es ist richtig, und dafür haben wir sie an dieser Stelle heftig genug kritisiert, dass die Investmentbanken das Bankgewerbe in eine gigantische Spielhölle verwandelt haben. Aber es ist ja nicht so, dass hier nur ein paar geldgeile Banker verrückt gespielt haben – bekanntlich ist die US-Banken- und Börsenaufsicht die schärfste der Welt, die gerne Manager in Handschellen abführt. Wer heute nach mehr Regulierung ruft, muss sich die Frage stellen lassen: Wo waren denn die klugen, einsichtsvollen und verantwortungsbewussten Aufseher? Es gibt sie ja – übrigens auch in Deutschland. Ich bin nicht gegen mehr Regulierung, das muss wohl sein. Aber wo waren denn Bundesbank und BaFin? Warum haben sie nicht die Bilanzen mit den riesigen, nach Irland ausgelagerten Milliardenbeträgen gelesen?

Zu schnell hat der Staat sich bereit erklärt, die Investmentbank Bear Starns zu retten, und zu schnell haben deutsche Politiker die IKB gerettet und sich dafür feiern lassen. Es war falsch. Heute wissen wir: Die Regierungen wurden von den Banken über den Tisch gezogen. Es gibt im Bundesfinanzministerium nicht die Kompetenz, um den Finanzmarkt zu managen.

Bislang sind es nicht die privaten Banken, die in Deutschland zum Problemfall wurden. Josef Ackermanns hochgejubelte Investmentbanker in London haben gut sieben Milliarden Euro verdaddelt. Bis heute. Ackermann wird dafür seinen Aktionären Rede und Antwort stehen. In die Staatskasse hat er nicht gegriffen.

Das aber haben die Verantwortlichen der Sachsen LB, der WestLB, der HSH Nordbank, der Bayern LB, und wie die Landesbanken so alle firmieren, getan: sich mit Staats-Milliarden für ihre Fehler rauspauken lassen. Sie haben im vorgeblich öffentlichen Auftrag spekuliert, verloren und dann öffentlich abkassiert. In Nordrhein-Westfalen bauen Behindertenheime Mitarbeiter ab, weil die Träger für die Fehler der WestLB blechen müssen. In Sachsen explodiert die Staatsverschuldung – wegen der öffentlichen Bank. Wenn die nächste Welle kommt, werden es die Landesbanken sein, die für die nationale Bankenkrise verantwortlich sind.

Der Kapitalismus ist ein wandelbarer Kristall, hat Karl Marx formuliert. Er erfindet sich immer wieder neu. Deshalb steigt Warren Buffett bei Goldman Sachs ein, kaufen japanische Banken die Reste der Investmentbanken an der Wall Street. Nur die WestLB – die will keiner. Denn der Kapitalismus wird auch diesmal eher gestärkt aus der Krise herausgehen.

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Alle Kommentare [0]

  1. Kein Einspruch.
    Das Problem das ich – im Kern sehe – besteht darin, dass die Sache entweder volkswirtschaftlich/betriebswirtschaftlich abgehandelt wird, natürlich zu recht, andererseits leider oft von „Macht habenden“ mindestens teilweise moralisierend populistisch. Folglich sehen die Ergebnisse so aus, dass die Probleme – unter beiden Gesichtspunkten – unbefriedigend gelöst werden.

  2. @PS:
    „Wir reduzieren das Thema Inflation auf Gütermärkte, am besten noch ex Lebensmittel- und Energiepreise. Asset-Preise bleiben vollkommen außen vor.“

    Exakt das war der Fehler der Volkswirte, die sich ein Jahrzehnt ueber das Phaenomen geringe Inflation trotz wachsender Wirtschaft geraetselt haben. Unsere statistischen Modelle sind leider nicht so gut, wie wir immer glauben. da kann sich jetzt jemand ein paar Auszeichnungen verdienen, wenn er nachtraeglich das Raetsel loest 🙂

    @eysel:
    Schuldenerlass ist moralisch falsch, wirtschaftlich leider richtig, damit nicht die gesamte Wirtschaft getroffen wird. Die Kapittalstrafe fuer die Aktionaere ist ein Anfang, die Banken werden sicherlich Freiheitsgrade verlieren. Das stellt die Moral auf mittlere Sicht sicher.

    Wir muessen Eigenkapital und Leverage zu einem gesunden verhaeltnis bekommen. Also, wie PS schon sagte, muessen wir auf beiden Seiten arbeiten: Verbindlichkeiten runter, Kapital rauf.

  3. Wo habe ich bitte behauptet, ich wollte Schulden erlassen? Der Gedanke stammt nicht von mir. Allein auf die Möglichkeit zu spekulieren, ist schädlich. Angezweifelt habe ich lediglich, wie kreditwürdig manche Industrienationen überhaupt noch sind.

  4. @PS:
    Entwicklungsländern – schau nach Afrika – gab man für „sehr subventionierte“ Risikoprämien Geld. Und verzichtete ein paar Jahre später auf Tilgung. Immer und immer wieder. Lohnte sich ja. Gutes Gewissen auf der einen Seite, kostenlose Infusion auf der anderen Seite. Die Erfüllung der Bedingungen für den Kredit konnte man folgenlos RUHIG ignorieren.
    Und dieses System willst Du für immer mehr Länder gelten lassen? Schuldenerlass hätte einen UNHEIMLICHEN Lernerfolg als Folge. Wo endet das? Du schaffst -in blitzeseile – massenweise Fässer ohne Boden!
    Anders dein Beispiel Argentinien. DA waren die Risikoprämien hoch genug um nach ein paar Jahren – fuggermässig – die Schuldscheine verbrennen zu können.
    Im Kosto Beispiel ist es wieder etwas anders. Die UDSSR war IMMER ein erstklassiger Schuldner. Aus (auch) ideologischen Gründen hat man die Zarenschulden nicht anerkannt. Und wollte dann nach dem Systemwechsel signalisieren: Wir stehen vollständig zu unserer Vergangenheit. Nicht nur UDSSR, sogar Zarenzeit.

  5. Nur noch mal kurz zur Zinsentscheidung: Die Notenbanken pumpen ja angeblich hunderte Milliarden an Liquidität in den Markt. Volumen ist ja nett, es geht aber auch um den Preis fürs Geld, den Zins. Es muss wieder (relativ) richtig unattraktiv werden, bei der EZB overnight anzulegen. Dann leihen sich die Brüder gegenseitig auch wieder Cash, keine Sorge, auf Renditegier ist Verlass. Die Liquidität kommt dann schon wieder.

    Die Begründung Geldwertstabilität ist mE quatsch, jedenfalls so, wie sie verwendet wird. Wir reduzieren das Thema Inflation auf Gütermärkte, am besten noch ex Lebensmittel- und Energiepreise. Asset-Preise bleiben vollkommen außen vor.

    Wenn es stimmt, dass eine Reduktion des Kreditvolumens vorliegt, haben wir monetär all over all Deflation. Es kommt nur darauf an, wie man Inflation misst.

    Dass Güterpreisinflation vorliegt, verwundert ja kaum. Steigende Energie- und Rohstoffpreise schlagen über Multiplikatoreffekte nun mal zeitverzögert zu. In jeder Plastiktüte steckt Öl. Das hat aber wenig bis gar nichts mit dem Zinsniveau zu tun. Das Zwei-Säulen-Modell der EZB ist Unfug!

    Vorlage und Zeit für die Volkswirte 😉

    @Eysel: „Diejenigen zu bestrafen, die “anständig” arbeiten und diejenigen zu begünstigen, die schlechter arbeiten. “Kein Mitleid” würde Pamir Zamir sagen.“

    Ist ja lieb. Was machst Du denn, wenn Dir ein Staat, wie z.B. Argentinien, fast nichts mehr zurückzahlt? Wenn es soweit ist, brauchen erst mal die Gläubiger Mitleid. Etwas anderes ist, das ganze zu antizipieren und entsprechende Risikoprämien bzw. Zinsen vorher einzufordern. Wenn man aber erst mal einen Default-Eintrag als Staat in der weltweiten Schufa stehen hat, wird es sehr lange sehr ungemütlich. Das wusste Kosto scheinbar, als er die Zaren-Anleihen aufkaufte. Erst die alte Zeche zahlen, sonst gibt’s kein Bier mehr.

  6. Das mit dem Schuldenerlass unterschreib ich nicht. Genau das falsche Anreizsystem, wie an sämtlichen Entwicklungsländern zu beobachten. Auf Evolution übertragen bedeutet würde das bedeuten, ein schlecht funktionierendes System zu Lasten besser funktionierender Systeme zu stützen. Oder: Diejenigen zu bestrafen, die „anständig“ arbeiten und diejenigen zu begünstigen, die schlechter arbeiten. „Kein Mitleid“ würde Pamir Zamir sagen.
    ,-)

  7. Tja Herr Neumann,

    der Rückgang der Kreditsumme ist ja weitestgehend eine Folge des delaveraging. Langfristig ist das aber gar nicht so schlecht, kennzeichnet auch das Ende von Preisblasen normal. Eigenkapital ist ja die teuerste Form der Finanzierung. Werden immer mehr Fremdmittel im Verhältnis zu Eigenmitteln in der Finanzierung eingesetzt, explodieren in der Realwirtschaft oder an sonstigen Märkten die Preise, je nachdem, was gerade trendy ist.

    Der Preis als regulierender Knappheitsfaktor wird ausgehebelt, absolut Unsinniges wird veranstaltet. Siehe Tulpenzwiebeln, New Economy, Immobilienregionen etc. Das kann man auch in etlichen Urlaubsregionen oftmals schön beobachten. Ein Bunker neben dem anderen innerhalb kürzester Zeit hochgezogen verdeutlichen, aha, hier war zu billiges Kapital zu Gast. Wenn Kapital wieder knapper wird, werden die realen Projekte auch wieder vernünftiger.

    Differenzieren wir mal die Aktiv- von der Passivseite, also wenn sonst wer noch mitliest die Mittelverwendung von der Mittelherkunft. Auf der Aktivseite müssen wir die Bewertung über den Markt wieder in Gang bekommen, ein erster Schritt dazu ist mit dem Paket der US-Regierung ja beschlossen. Wie der konkret ausgestaltet und gestaltet wird, da bin ich mal gespannt. Das schwierigste wird wohl sein, dass die diversen Produkte zum Teil extrem heterogen sind. Einfach wird das nicht, wenn man es über Reverse Auctions gestalten will.

    Auf der Passivseite fehlt es im Moment extrem an Vertrauen. Das sieht man ja auch an den Risikospreads, welche zu Referenzzinsen verlangt werden. Etwas tiefer gebohrt, folgt daraus ein Ergebnisproblem. Die kurzen Zinsen sind höher als die langen. Fristentransformation, welche Banken ja gewöhnlich als zusätzliche Ertragsquelle benutzen, wirkt damit nicht positiv, sondern negativ.

    Sofern ich es richtig verstanden habe, ist das genau der Punkt, der der HRE bzw. genauer ihrer Tochter Depfa im Moment das Genick bricht. Mit Bonität der Schuldner hat das wenig zu tun, die finanzieren erstklassige Schuldner, vornehmlich Staaten, aber mit der Elastizitätsbilanz. Es ist ja kein besonders gutes Geschäftsmodell, andere langfristig billig zu finanzieren und sich selbst kurzfristig teurer zu refinanzieren. Irgendwann gibt einem dann keiner mehr Kohle.

    Kurzum: Meines Erachtens wäre es auf der Passivseite kurzfristig unbedingt notwendig, die kurzen Zinsen wieder unter die langen zu bringen, sprich massive Zinssenkung der Notenbanken. Infolge der Panik haben wir ja zudem eine massive Flucht in Staatsanleihen gesehen, das hat ja auch schon bubbleähnliche Züge und entsprechend die langen Zinsen runter gedrückt.

    Man kann sich als Falke natürlich hinstellen und sagen: Was soll’s, jetzt wird erst mal blutig aussortiert. Ob das in der derzeitigen Situation aber eine wirklich gute Idee ist, wage ich zu bezweifeln. Die letzte Zinserhöhung der EZB halte ich jedenfalls für absolut idiotisch. Und konsequent idotisch, bleiben wir auch dabei, wie heute wieder gesehen.

    Das Problem auf der Passivseite sollte also aus meiner Sicht mal vornehmlich darüber angegangen werden, die Zinsstrukturkurve zu normalisieren. FoKuHiLa mag ja keine schöne Frisur sein, bei den Zinsen wäre es aber gesünder.

    Schuldenerlass für Industrienationen? Wenn man sich mal die Haushalte so ansieht, wären wir eigentlich schon lange so weit. Dazu braucht es keine Finanzkrise. Wer über Jahrzehnte ständig mehr ausgibt, als er einnimmt, ist nun mal irgendwann bankrott, auch ein Staat. An die Ausgaben müsste man mal ran, aber das geht politisch ja offenbar nicht. Aber trösten wir uns. Ich kann mich noch an 99/00 erinnern. Damals herrschte die Furcht, das Angebot an US-Treasurys könnte wegen der Einnahmeüberschüsse austrocknen. Selten so gelacht. Warten wir mal ab, was kommt, die Welt wird schon nicht untergehen.

    PS

  8. Selbstverständlich muss zuerst Liqui her.
    Selbstverständlichmüssen mittelfristig die Kreditvolumina runter und besser unterlegt sein.
    Bis 1.) panikfreie Preisbildung für assets erfolgt ist
    und 2.) die Unterlegung besser ist
    muss der Treasurer im Sinne einer bridge Finanzierung ran.
    Ein Vergleich: Das ist letztlich „Venture Capitalism in Reinstform“, was der der treasurer da macht. Man weiss nicht, was das „alte“ Produkt am Markt wert ist, hofft, dass der Markt es in einer „anstänigen“ Verpackung zu einem anständigen Preis aufnimmt, wenn es fertig entwickelt ist.

  9. @PS:
    „Zunächst haben wir aber doch ein ganz anderes Problem: Liquidität“

    Absolut. Wobei wir uns fragen muessen, warum das so ist. Die banken leihen sich untereinander kein Geld und und parken ihre Reserven bei der EZB. Konsequenterweise muessten die Kunden alle Tages- und Festgelder kuendigen und in die Tagesanleihe der Bundesfinanzagentur stecken. (Disclaimer: Kinder, bitte nicht zuhause nachmachen, das geht fuer uns alle schief.)

    Die Preisfindungsnmaschine stockt, weil die Preise ueberhoeht waren. Jetzt suchen wir nach sicheren Wegen, neue Marktpreise festzustellen, und das macht die Treasury zum Teil.

    Nur: Das Gesamtkreditvolumen sinkt. Dieser Prozess tut uns so weh und wird uns noch eine Weile beschaeftigen. Der Effekt kann nur durch Steuergelder minimiert werden, weil der Staat Geld ausgeben kann, wenn sonst keiner welches rausrueckt.

    Klug gemacht, kommt sogar etwas Gutes dabei heraus. Dann wird es nicht so teuer. Aber ich befuerchte, dass wir in fuenf Jahren einigen Industrienationen Schulden erlassen muessen.

  10. „In der öffentlichen Diskussion habe ich oftmals den Eindruck, dass diejenigen, die am wenigsten davon verstehen, am lautesten anprangern. Nach dem Motto: irgendetwas wird schon dran sein und ich habe es doch schon immer gewusst.“
    So ist es. Und genau DIE bestimmen, fürchte ich, über „willfähige Politiker“ die gesellschaftliche Entwicklung.
    Und deshalb gilt es, gegen DIE mi Vernunft die Stimme zu erheben und nicht noch – in „Fachmedien“ – deren „Urteile“ zu verstärken.

  11. Lieber Herr Neumann,

    da habe ich mich wohl zugegeben etwas missverständlich geäußert. Der Hinweis zum Thema Moral als link war eigentlich nicht zu unserem aktuellen Thread gedacht, schon gar nicht an Sie gerichtet. Hätte wohl besser ein separater Post werden sollen. In der öffentlichen Diskussion habe ich oftmals den Eindruck, dass diejenigen, die am wenigsten davon verstehen, am lautesten anprangern. Nach dem Motto: irgendetwas wird schon dran sein und ich habe es doch schon immer gewusst. Aber das nur am Rande.

    Im Prinzip gehe ich vollkommen konform.

    Um was geht es denn im Moment? Die 700 Mrd. USD oder was es auch immer werden wird, sind ja nicht als Rekapitalisierungspaket gedacht. Der Staat geht damit doch quasi als Market-Maker ins Rennen, um den Handel wieder ins Laufen zu bringen. Wenn das gelingt, werden wir ja nachher sehen, wer eventuell neues Kapital braucht.

    Zunächst haben wir aber doch ein ganz anderes Problem: Liquidität

    Das sind ganz grob zwei Richtungen: Diverse Aktiva wieder handelbar zu machen, die Refinanzierung der Passiva wieder zu „normalisieren“.

    Wer dann seine Bilanzsumme verkürzt oder verlängert (es gibt ja auch welche, die zukaufen), werden wir sehen. Wie es mit der Kapitalisierung aussieht auch. Aber erst muss der Markt-Motor wieder angeworfen werden, damit wir mit unserer Preisfindungsmaschine wieder bewerten können. Wenn sie wieder rund läuft, kann und sollte sich der Staat auch wieder zurückziehen.

    Ob das in the end wirklich Steuergelder kostet, erscheint zwar wahrscheinlich, aber selbst das weiß heute keiner so genau.

    Freundlichst
    PS

  12. Genau so.
    Letztlich sind es Risiken der gesamten Gesellschaft, denn die WÜRDE auch letztlich den INSGESAMT grössten Schaden bei einem tatsächlichen Gau erleiden.
    Es gilt allerdings, die Balance zu wahren. Einerseits. Anreizsysteme zur extremen Risikoexposition Einzelner oder von Subsystemen müssen vermieden werden. Andererseits darf der Evolutionsprozess ( sowohl Mutation als auch Selektion ) nicht behindert werden.
    Praktisch: Die vorläufige Risikoabschirmung hat „Staat“ zu leisten um übermässige Beschädigung des Gesamwirtschaftssystems zu verhindern. Die Rekapitalisierung ( = „Reparatur“ ) über die Zeit haben die Banken selbst zu übernehmen. Je schneller Beides geschieht, desto „billiger“ für beide Seiten. Wobei letztlich -wenn nicht ideologisch betrachtet – im Sinne der Risikominimierung für das Gesamtsystem keine Alternativen erkennbar sind.
    Einwand: Zur Rekapitalisierung des Bankensystems wird sich kaum ein Investor finden, ohne dass zumindest “ spekulativ vertretbare“ Preise gefunden werden. Daher muss ERST der Schirm aufgespannt werden.

  13. @Eysel + PS:
    Bankenrisiken sind genau wie Technologierisiken ein Risiko der gesamten Gesellschaft. Es ist die Aufgabe der Regulierung, Katastrophen zu verhindern oder wenigstens die Folgen zu mindern. Versagt die Kontrolle/ Regulierung, stehen wir alle dafuer ein. Klingt fatalistisch, ist aber so.

    Wenn das Chemiewerk explodiert, der Reaktor ein Leck hat oder ein Raffinerie abbrennt, hat der einzelne Betreiber oder Versicherer selten die finanziellen Mittel, um alle Folgekosten und -schaeden komplett zu bezahlen. In der aktuellen Krise ist es zudem nicht ein Stoerfall, sondern eine ganze Reihe von Grossbraenden.

    Also zahlt „die Gesellschaft“, „der Steuerzahler“ oder wie man die Gruppe auch nennen will. Die Folgen betreffen alle also ist es muessig, nachtraeglich ueber Moral zu diskutieren. Der Bankensektor hat nicht die Finanzkraft, die Reparaturen nach seinem GAU selbst zu bezahlen. Darueber kann man klagen, es hilft uns nur nicht weiter, wenn als Folge der Dachdecker einen Auftrag ablehnen muss, weil sein Lieferant auf Vorkasse besteht, weil er selbst keine Kreditlinie mehr hat.

    Deshalb haben wir alles, aber eben keine Zeit. Das zeigt eine neue IMF-Studie ziemlich eindeutig. Wer zu lange zoegert, die Verluste aus der Welt zu schaffen, bindet sich wie Japan einen Muehlstein um den Hals, der die ganze Wirtschaft behindert.
    http://www.imf.org/external/pubs/cat/longres.cfm?sk=22345.0

    Moral funktioniert in diesem Fall nur so: Die Eigentuemer/ Aktionaere haben in der Aufsicht ihres Investments versagt und werden durch Verstaatlichung im Zuge der Rekapitalsierung bestraft. Im Sinne der Selbstregulierung waere es die Aufgabe der Hauptversammlungen und des hier gewaehlten Aufsichtsrats gewesen, dem Treiben rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Dieses Versagen wird mit jetzt Kapitalverlust bestraft, damit die rekapitalisierten Banken kuenftig besser arbeiten. Das wird hoffentlich zu einer neuen Aktienkultur fuehren, weil die meisten HVs ein gefaelliges Abnicken vorher getroffener Entscheidungen sind. Das ist auch eine Chance fuer neuen, kritischen Wirtschaftsjournalismus 🙂

    Erst wenn das Banksystem rekapitalisiert ist, dann haben wir Zeit zu warten, ob die Preise tatsaechlich so tief fallen, wie jetzt alle gluaben. Dann wird die Uebertreibung nach unten abgemildert.

  14. Aus einem der Kommentare zu obigem Artikel:
    „Eine interessante Schlussfolgerung: Moral als Substitut fuer Verstehen („wird … darum … moralisiert: weil … zum Beispiel die Finanzwirtschaft … völlig unbegriffen ist“).
    Schöner hätt ich es auch nicht sagen können!

  15. „Untersucht es genauer, stellt fest wie gut die durchschnittliche Bonität der Schuldner ist und wie hoch die Besicherung über Häuschen auf dem neuesten Stand der Technik ist. ML musste ja zu 22% vom Nominalwert verkaufen. Vielleicht ist der innere Wert aber auch 50%, steht ja richtig Geld auf der Straße? Ewig werden die Immobilienpreise auch nicht fallen.“
    Genau so!
    Sinngemäss hatte ich das schon gepostet.
    Und genau deshalb ist des ganze Gerede davon, dass der Steuerzahler für Risiken der I-Banken zahlen müsse einfach nur dumm + kurzsichtig. Ich wünschte, ich könnte so nen deal wie ML machen. Wär genau nach meinem Geschmack. Kosto hat, als Glasnost u Perestroika am Horizont standen ausgesetzte russische Anleihen der Zarenzeit für Pfennige gekauft. Er sah, dass die neue Regierung international BONITÄT braucht, um den Aufbau des Landes zu finanzieren und deshalb die Schulden der Zarenzeit begleichen würde. War ein viel hundert Prozenter. ( Und ganz ohne Mathematik ;-))) !
    Deshalb: T H I N K !

  16. Bezüglich Moral zum Nachdenken:

    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E5E788E12EF594450948BD581EF551B5F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Mich wundert immer wieder, wenn sich alle so sicher sind, was passieren wird. Das weltweite Bankensystem soll also insolvent sein? Hm, im Moment ist es sehr illiquide. Was die Aktiva wert sind, weiß doch derzeit kein Mensch. Wir haben schlicht keinen Markt mehr, um sie zu bewerten. Alles andere ist imho Rätselraterei. Es ist ja auch unendlich komplex und ineinander verwoben.

    Es könnte ja auch sein, dass sich einer mal z.B. ein ABS-Produkt genauer ansieht, feststellt, dass da z.B. 1000 Kredite gebündelt sind. Untersucht es genauer, stellt fest wie gut die durchschnittliche Bonität der Schuldner ist und wie hoch die Besicherung über Häuschen auf dem neuesten Stand der Technik ist. ML musste ja zu 22% vom Nominalwert verkaufen. Vielleicht ist der innere Wert aber auch 50%, steht ja richtig Geld auf der Straße? Ewig werden die Immobilienpreise auch nicht fallen.

    Die Gier kann ebenso schnell wieder kommen, wie die Panik kam. Weltuntergangsszenarien waren oftmals schon ganz gute Contraindikatoren. Wer weiß es, ich nicht. Ziemlich sicher bin ich mir, dass der Markt aus heiterem Himmel irgendwann gedreht haben wird und dass das im nachhinein doch ganz klar ersichtlich gewesen sein soll. Das ist eigentlich immer so, fragt sich nur wann.

    Jetzt geht es erst mal drum, den Markt wieder zu eröffnen. Reverse Auctions sind dazu ja keine dumme Idee. Apropos, welche Ideen gibt es diesbezüglich eigentlich in Europa?

    PS

  17. Ein Forderungsverzicht würde denau diejenigen belohnen, die sich besonders weit aus dem Fenster gelehnt haben. Was wir – prinzipiell – brauchen ist 1.) ZEIT Verbindlichleiten, Leverage abzubauen, 2.) zugesicherte Bonität. ( besser: \“einen geschützten Parkplatz\“ für \“ Produkte fraglichen Wertes\“ ) Paulsen machts genau richtig. Ein paar Idioten spucken in die Suppe, werden dadurch nur den Schmerz verängern!

  18. @Eysel und PS:
    Das Bankensysytem (das System wohlgemerkt und nicht jede einzelne Bank) ist derzeit insolvent. Den Forderungen (mal grob als Schulden bezeichnet) stehen zu geringe Werte und flluessige Mittel gegenueber. Daran wird sich auch nichts aendern, weil die Kreditsumme zurueckgehen wird und der Wert der Assts sinkt.

    So weit, so schlecht. Jetzt passiert etwas wie in einem schwarzen Loch. Die frueher harmlos an vielen Orten verteilte Materie ballt sich zusammen und zieht immer mehr Materie an.

    So ist es auch mit den Forderungen, die durch hedging vielfaelltig abgesichert sind. Lehman geht den Bach runter, aber durch die CDS auf Lehman-Kredite sind wieder weitere Institute betroffen. Selbst solche, die gewinntraechtig arbeiten wuerden, wenn bei Ihnen nicht staendig Forderungen eingetrieben wuerden.

    Um das Sysytem zu stabilisieren, muessen die Banken kapitalisiert werden. Das eght nur durch Forderungsverzicht plus Geldspritze, weil das Kreditvolumen zu hoch ist und die Anklagevermoegen zu rasant an Wert verliert.

    Ich bin uebrigens geade ein paar Zeitzonen von D entfernt, deshalb leider keine Umlaute und keine schnellen Antworten.

  19. Geh ich zeitig in die Leere
    komm ich aus der Leere voll
    Wenn ich mit dem Nichts verkehre
    weiß ich wieder was ich soll

    Bert Brecht

  20. Es muss schon sehr „wohltuend“ sein, so losgelöst von der Realität, so unbeeinflusst von der Kenntnis der Zusammenhänge sich im mainstream AHLEN zu können.

  21. \“… Wenn die nächste Welle kommt, werden es die Landesbanken sein, die für die nationale Bankenkrise verantwortlich sind\“.

    Da haben wir uns aber gewaltig getäuscht, nicht wahr Herr Tichy. Die gierigen Manager der Privatbanken sind noch besser im geldverbrennen als die der \“Staatsbanken\“. Sie haben ja auch die exorbitant höheren Gehälter und Optionen. Und nun greifen sie doch noch in die Staatskasse. Und auch das monströser als alle andere anderen zuvor. Und immer sind die Regierungen schuld, die sich zuvor nach neoliberaler Lesart allerdings heraushalten sollten. Eines können die neoliberalen wirklich gut: Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

  22. @Eysel: Oh, sorry, das hat weniger etwas mit Feigheit, denn mit Dummheit zu tun. Ich war eingeloggt und hatte etwas gesucht. Das bleibt man dann auch. Daher fiel mir nicht auf, dass der Artikel kostenpflichtig ist. Einiges gibt es da ja auch umsonst. Disclosure: Ich habe keine finanziellen Interessen bezüglich der FAZ.

    Tschuldigung
    PS

  23. @ PS,
    es ging um den von dir verlinkten FAZ am Sontag Artikel für den Nichtabonnenten die Sonntags ihre Zeitung beim Bäcker holen ihre paypal Pfennige zücken müssen ….

  24. Das mit Schuldenerlass erscheint mir wenig ausgegoren.
    Was sind Schulden überhaupt? Am Ende sind es Abhängigkeiten. Wie sollen also letztlich alle eingegangenen Verpflichtungen erlassen werden?
    Reduziert werden müssen sie auf ein erfüllbares Maß.
    Soweit richtig. Und die Überdreher des Rades müssen dafür zahlen. Auch die blöden Häuslebauer! ~ Und dann möchte ich nochmal auf die Chinesen, Ölländer, Japan mit ihren Devisenreserven aufmerksam machen! Erinnert mich sehr an die Fuggerbilder. Ein Fugger steht vor dem Kamin und verbrennt ( einen Teil der ) Schuldscheine der Kaiser und Fürsten, die er finanziert hat. http://cgi.ebay.at/Karl-V-Fugger-Augsburg-Geld-Schulden-Schuldschein-Kamin_W0QQitemZ370058348499QQcmdZViewItem#ebayphotohosting

  25. Werter Herr Neumann,

    jetzt wird es hinten höher als vorne: Schuldenerlass für Banken, das müssen Sie uns aber mal näher erläutern.

    PS

  26. Lieber Unterfranke,

    weil es Du bist, gehe ich mal darauf ein: Was meinst Du denn mit Feigling bzw. was erwartest Du von mir?

    PS

  27. @33:
    Wir sind beim Deleveraging erst am Anfang. Es wurden zu viele Schulden auf der Basis von zu wenig Eigenkapital aufgehaeuft. Jetzt ruft jeder sein Geld zurueck, weil keine glaubt, der andere koenne morgen noch zahlen.

    Das ist ein Systemkrise des Bankensektors, denn wenn sich die Banken untereinander nicht trauen, warum sollen die Kunden den Banken trauen?

    Das wird das Mittelspiel: Die Kunden fangen an, ihre Gelder abzuziehen. Adios Hedge Funds, adios Private Equity. In den USA hat es hat es schon ein paar Geldmarktfonds erwischt.

    Phase drei wird lustig, der Schuldenerlass fuer Banken und Industrienationen. Denn die Situation bedeutet ja, dass die Assets an Wert verlieren, die Schulden aber unbegrenzt weiterleben. Ohne Schuldenerlass kein Ende der Finanzkrise.

  28. Die Frage die sich stellt, ist doch: In welcher Phase des Crash´s befinden wir uns denn gerade? Am Anfang, mittendrin oder am Ende?
    Was in den USA gerade abgeht, führt auch nicht zu mehr Vertrauen.
    Ist das Ausdruck von Hilflosigkeit oder eine Wahlkampfstrategie, um dann kurz vor der Wahl den großen Retter und Erlöser zu präsentieren? In diesem Fall kann man bis November wieder mit steigenden Kursen rechnen.