Schicksal der Völker

Der Krieg in Georgien und die austauschbaren Bilder suggerieren einen ungebrochenen Lauf der Geschichte: Der Kalte Krieg kehrt zurück. Russland macht da weiter, wo die Sowjetunion 1991 aufhören musste.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums schien ein friedliches Zeitalter globaler Annäherung, geprägt von wirtschaftlicher und politischer Integration, angebrochen. So lautete zumindest die Hoffnung im entspannungsverliebten Westeuropa, das mit wirtschaftlicher und dann politischer Integration die Gräuel des Krieges in ganz Europa zu vermeiden hoffte. Dabei hatten unsere neuen Partnerländer in der EU, die Polen, Balten und Rumänen, schon immer ein anderes Geschichtsbild: Für sie endete der Zweite Weltkrieg nicht am 8. Mai 1945 – sondern erst nach dem Abzug der sowjetischen Truppen. Die Angst vor der sowjetischen und für sie gleichbedeutenden russischen Diktatur ist lebendig und bestimmt bis heute ihr Handeln.

Deshalb schlüpft Polen in diesen Tagen flugs unter den amerikanischen Raketenschirm. Und deshalb sind die osteuropäischen Länder prinzipiell amerikafreundlich. Das gilt für den gesamten Staatenbogen von Estland bis Bulgarien und Albanien. Die Menschen dort wissen, dass Amerika manchmal unbedacht und selbstbezogen handelt – aber auch, dass es sich unter dem Schutz von Stars and Stripes allemal besser leben lässt als unter dem Rot oder Weiß-Blau-Rot der Moskauer Zaren. Die Erweiterung der EU hat zwei geschichtliche Weltbilder unter einem Dach vereint und gleichzeitig die westlich geprägte Union in eine geopolitische Konkurrenzsituation mit Russland manövriert: Es gibt russische Minderheiten nicht nur in der Ukraine und Georgien, sondern mit noch größerem Bevölkerungsanteil auch in den baltischen Mitgliedstaaten. Die Trümmer des aufgelösten Imperiums wurden Teile der Europäischen Union – mit allen Konsequenzen.

Die Europäische Union und allen voran der deutsche Außenminister wirken so unbeholfen, weil sie am politischen Instrumentarium und den Illusionen der friedvollen Zeit nach Ende der Sowjetunion festhalten: Verträge und wirtschaftliche Verflechtungen sollen den Dämon kalter und grausamer Machtpolitik zähmen, während die EU militärisch nur noch bedingt abwehrbereit ist. Alle sollten lieb zueinander sein, weil das Geschäfte fördert. Unsere Titelgeschichte zeigt, wie verletzlich das feine Gespinst zwischen dem Industrieblock des Westens und seinem Energielieferanten im Osten ist.

Was aber, wenn diese Regeln missachtet und die Karte der nationalen Machtpolitik ausgespielt wird? Wenn einer lieber die Panzer rollen lässt, statt den Außenhandel zu bilanzieren? Der einflussreiche US-Publizist Robert Kagan hat darauf hingewiesen, dass die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Russland heute geringer ist als die zwischen Frankreich und Deutschland vor 1914 – und doch hat die wirtschaftliche Gemeinsamkeit das Abschlachten einer ganzen Generation deutscher und französischer Männer vor Verdun nicht verhindert. Es ist nicht die Wirtschaft, die das Schicksal der Völker bestimmt, sondern nationale Machtpolitik mit ihren mörderischen Emotionen. Die friedensstiftende Kraft der Globalisierung zerschellt am Eigenleben der Großmächte.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine Politik des Kalten Krieges zwingend sei. Aber wir sollten beides tun: auf die friedensschaffende Kraft der Wirtschaftsbeziehungen setzen – und die eigene Fähigkeit zur Verteidigung wieder stärken.

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Alle Kommentare [61]

  1. @ Eysel wegen Widder o.ä.: Komm nach Chemnitz und bring dein Zicklein mit;-) Als Rentner habT ihr Zeit und ggf. Freifahrtscheine, oder?

  2. @Eysel: Durst wird durch Bier erst schön!

    Eigentlich meinte ich keinen Rechtschreibfehler, sondern dass Na zdrowie! eigentlich aus dem Polnischen stammt.

    http://www.bier-lexikon.lauftext.de/prost-3.htm

    Zumal ich das aber nur mal gehört habe, mein Wissen diesbezüglich nahe der Nulllinie liegt und nur etwas aufgegoogelt ist, möchte ich mich höflichst entschuldigen. Rechtschreibfehler auf Russisch könnte ich übrigens gar nicht erkennen, Du etwa?

    Wie war das noch mal auf der Benebelungsskala, Stufe 13, verstehen aller Fremdsprachen.

    Dummheit frisst, Intelligenz säuft … 😉

    Schon klar, die Belehrung über das Urheberrecht brodelt in Dir, nicht wahr? Ginge mir vermutlich nicht anders. Aber Meisterkoch, das Auge isst ja auch mit, mag der Inhalt auch noch so gut sein, bekommt man es lieblos auf den virtuellen Teller mit der großen Kelle geklatscht, wird der ein oder andere Feinschmeckerbulle schon mal ärgerlich. Unabhängig von der Präsentationstechnik, war Alexander Prinz von Croys Gericht aber hervorragend, danke für die geistige Nahrung.

    @Zamir

    Sieh Dir mal Jarheads an, sollte Dir gefallen, Amerika ist politisch bunter, als wir Europäer zu denken pflegen. Aber vielleicht sind die Cowboys auch etwas extremer im Gebrauch der Polarisierung als Stilmittel, ganz selbstverständlich übrigens. Hart in der Sache, höflich im Umgang, im Vergleich zu uns jedenfalls aus meiner Sicht.

    Weißt Du, was ich mich frage: Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in grundsätzlichen Einstellungen zwischen Dir, RJK, Eysel und mir? Das soll gar nicht persönlich werden, mich interessiert nur, wie wir – auch ich selbst – „ticken“. Die anonymen Silver-Surfer, mit echtem Namen und in Verantwortung sieht die reale, nicht digitale Welt ja ganz anders aus, daher die starke Einschränkung des Diskutantenkreises, verzeiht. Digital, 0 oder 1, schwarz oder weiß, kann aus meiner Sicht nur in absoluten Ausnahmefällen die Antwort sein. Aber 99% des Volkes diskutieren so. Was ist deutsch, könnte ich anstatt auch fragen.

  3. Zweierlei, Niederungen streifend:
    Woher weisst Du, dass ich Widder bin???
    Lerne meine Frau kennen!
    ;-)))

  4. @ Eyss: Geduld, walle, walle ,manche Strecke, das zum Zwecke Teppich fliege und zu unser aller Freude Eysels Hörner sich verbiegen …Gruezi Völker, Name Game

  5. Eysel, Deine Ausführungen üben auf mich eine geheime Faszination aus (ernsthaft). Obwohl wir politisch sicherlich sehr unterschiedlich gefärbt sein mögen, kann ich mich Deinen Ergüsssen nicht ganz
    entziehen. Olli Ochs Stier und Usian Obama Wolf treibt es natürlich
    wie so oft spitzenmäßig, ungeahnten Höhenflügen entgegen, mit
    seinem Dampfbügel-Teppich-Set aus Arizona.
    Gruss Z.

  6. Jawoll! Ich bin auch für das gesetzliche Verbot der Kernfusion! Und wenn ich noch ein wenig überlege, fallen mir noch ein paar äusserst unliebsame Naturgesetze ein, die darauf warten – demokratisch + politisch zweifellos höchst correkt – von Frau Physikerin-Merkel verboten zu werden. Die Evolution hat Busch schon verboten. Was kommt als Nächstes dran? „Schilda“, das war gestern, heute haben wir den real existierenden Wahnsinn. Mit dem Unterschied: Die Schiltbürger haben sich nur dumm GESTELLT! Es lebe die Verblödung streng nach dem Motto: „Das weiss doch jedes Kind“. Steppenwolf setz dich auf deinen Teppich und mach Vorschläge, wir warten!
    @ Pampastier, Du wirst mir unheimlich … ;-)))

  7. Noch was zu geistigen Steppen: Wissen ist das Eine. Nette Halbbildung als Nachweis der nicht asozialen völlig Verblödung das Zweite… Adorno hat vor fast 50 Jahren ganz unterhaltsam drüber geschrieben… Frühestens mit der NICHT kategorisierenden also nicht WERTENDEN, REFLEKTION über sich selbst und die Welt, da erst beginnt Bildung. Titelträger die ( vielleicht und hoffentlich wenigstens Fach-) Idioten sind, kenn ich jede Menge. Einfache Neugier, einfache Fragen bedeuten weit mehr, als Antworten, die Jedermann im Schutze von gelehrigen Wortblasen und des gesellschaftlichen Consenses gibt.
    @ Apokalypse ZZ: Change now, ganz nett.
    Reicht die Farbe des Kandidaten als Qualifikation aus? Ist vielleicht die Selbstverliebtheit eines ZZ in den eigenen HEHREN schwarzen Gedanken die Mutter des Wunsches?

  8. @Magic Carpet Ride – Per Anhalter allumfassend mit Umwegen durch die Galaxis

    Nun gut, dann nehme ich es zurück und behaupte das Gegenteil: Die Sonnenaktivität hat nichts mit dem Klima zu tun. Zufrieden? Hätten die Marsmännchen nicht wie die Vandalen gehaust, sähe ihr Planet heute auch so schön blau aus wie unserer. Versifftes Pack. Und so was soll klein und grün sein. Ich wusste es ja schon immer, die turnschuhtragenden Erstlings-Grünen haben ihren Heimat-Planeten verwüstet und sind dann bei uns eingefallen!

    Aber wenn Du, ich zitiere: „So einem solchen Unfug verstieg sich Edgar Gärtner, Gott sei dank, nicht,“ offensichtlich noch nichts von SKS gehört hast, kannst Du ja folgend mal starten. Neben der CO2-Forscher-Lobby gibt es auch ein paar andere Forschungsrichtungen. Wer recht hat und wenn ja wie viele mit was, keine Ahnung. Stutzig macht mich, dass wir mit Ach und Krach ein paar Tage das Wetter vorhersagen können, das komplette Klima scheint dagegen ganz easy zu sein. Seltsamerweise warten wir noch immer auf den 24. Sonnenzyklus, der blöde Fixstern will sich unserer Theorie nicht anpassen. Wenn er so weiter macht, verbieten wir ihm gesetzlich Kernfusionen. Dann wird es automatisch kälter. Ach ne, ich vergaß, oben habe ich ja behauptet, die Sonnenaktivität habe keinen Einfluss auf unser Klima.

    Außerdem haben sich z.B. Pluto und Jupiter auch deutlich erwärmt, da produzieren vermutlich die Russen ohne Filter in den Kraftwerken, oder wie, Du Schlauberger … ;-))) Wir sollten das mit bemannter Raumfahrt eruieren, auf Anhieb fallen mir auch ein paar Politiker ein, die wir auf die Mission entsenden könnten. Was? Ja, auch welche aus Deinem parteipolitischen Rentner-Verein. Okay, das war unfair, es ist nämlich etwas dran, nicht wahr?

    Zumal wir das mit Steuermitteln ohnehin finanzieren müssen, können wir es auch gleich über die ARD ausstrahlen. „Weltraum Direkt“ schlage ich schon mal als Arbeitstitel vor. Und wer sich so wie unser rothessisches Mädchen hier aufführt, wird nachnominiert. Erfahrungen im Fliegen hat sie ja. Irgendwer muss ja auch den Tomatensaft ausschenken, auf Bedienung legen Politiker schließlich wert. Fragt unseren amerikanischen Botschafter.

    SKS, z.B.:
    http://www.epochtimes.de/articles/2007/04/19/109369.html

    Weißt Du, als magic carpet in Moselfranken gestarteter Klassensprecher und in Hintersüdwestsachsen gelandeter Bettteppichvorleger (was für ein Wort, schreibt sich das wirklich so? Kann mir mal jemand einen Schlussredakteur borgen, rty?), ich hege die leise Vermutung, dass Deine Drohungen den Tundrabären irgendwie nicht beeindrucken werden.

    Wenn man die vergangenen Monate Revue passieren lässt, inklusive der Aussetzung des KSE-Vertrages und anschließender Truppenkonzentration im Kaukasus (natürlich ohne Meldung, wie in KSE vorgesehen), sieht das alles wie von langer Hand geplant aus. Wie? Aber unsere schöne Partnerschaft mit Russland? Im Russischen scheinen zu einer Partnerschaft zwei zu gehören, der Herr und der Diener. Jedenfalls erscheint es mir als reichlich naiv, wenn wir bei der Weiterentwicklung Europas russische Interessen nicht hinreichend berücksichtigen. Dass offensichtlich von Wladimirs Vorstoß alle überrascht wurden, spricht nicht gerade für die Weitsicht und diplomatische Vernetzung unserer Volksvertreter.

    Das hätte Wladimir dem nicht gefärbtem, lupenreinem Freund unseres Außenministers ja auch mal sagen können, oder? Aber in militärischen Dingen hat man ja nur zwei Freunde, sich selbst und den Sani. Irgendwie dumm gelaufen für Merkelchen und den einen Stone. Eigentlich tut er mir fast schon leid, von allen Seiten nichts wie Ärger. Übel nehmen würde ich es ihm nicht, wenn er den Mittelfinger in die Höhe streckt und ein bequemes, gut dotiertes Sesselchen in der Industrie annimmt. Muss ja nicht unbedingt bei Nord Stream sein, wo sein alter Kumpel den Aufsichtsrat führt. Das sähe mit grauem Haar auch seltsam aus. Vielleicht könnte er Müller ja bei Evonik folgen, hellrot angehaucht wäre der Laden ja. Die Haarfarbe passte auch.

    Nunja, wenigstens eint der gemeinsame, neu gefühlte Feind den wilden westlichen Haufen mal wieder. Ist es nicht erstaunlich, wie flott und kooperationsbereit nun z.B. selbst die polnischen Brüder agieren? Von Urlaub in Moldau oder der Ukraine würde ich vorerst aber Abstand nehmen, wer weiß schließlich, wie weit der Tundrabär geplant hat. Was machen wir denn jetzt, wenn sich der aufgeschreckte Hühnerhaufen wieder beruhigt hat? Hoffen, dass der Bär Ruhe gibt? In Bayern sind wir da kompromisslos, jedenfalls bei Braunbären. Wladimir hat Glück, dass er nicht Bruno heißt und Eddy mit der Bürokratie in Brüssel aufräumt. Großes Kino.

    Yes, we can!

    Aus östlicher Richtung vernehme ich ein russisches: Was denn?

    Und wir sowieso nicht, da teile ich Deines moselfränkischen Partners Pessimismus (um Dir einen konstruierten Genitiv vorzusetzen, ich bin schließlich zum Vergnügen hier, Bildungsreferatsleiter).

    Pampastier

    P.S.: Einen praktischen Vorschlag hätte ich noch: Überall, wo unsere lieben Nachbarn ein Atomkraftwerk an unsere Grenze gesetzt haben, bauen wir zwei daneben. Die paar Kilometer machen im Zweifelsfalle das Kraut auch nicht fett, aber uns unabhängiger von energiepolitischen Winkelzügen. Außerdem würde das die Marsvandalen ärgern, ein bisschen Spaß muss sein.

    P.P.S.: Oh, Bildung haben wir vergessen: Becker-Textor, Fthenakis, 16 z.T. provisorische Bildungspläne, Elementar-Pädagogik, Latzhosenträger und Kultusministerkonferenz, mehr sage ich dazu vorerst nicht. Ist ja auch Dein Spezialgebiet. Was ich von der föderalen Aufbaustruktur diesbezüglich denke, muss ich vermutlich nicht erwähnen. Solltest Du Dich wundern, eines meiner Hobbys ist, Diplomarbeiten vom Studentischen ins halbwegs Deutsche zu übersetzen, wenn mich das Thema (oder die Studentin ;-)) interessiert. Bei Diplom-Pädagoginnen führt das ab und an zu libertären Kulturschocks, wenn ein liebenswürdiges, mitfühlend zartes Wesen der gefühlte kapitalistische Teufel höchstpersönlich aus Wolkenkuckucksheim holt und zur Schnecke macht – ähm, Struktur verleiht und zum Nachdenken anregt, wollte ich natürlich sagen.

    P.P.P.S.: Zumal Du ja schon vorsorglich Zamir zur Hilfe gerufen hast, hoffe ich, ich habe Dich nicht gänzlich enttäuscht und konnte Deinen Erwartungen bzw. Intentionen einigermaßen gerecht werden. Immer schön auf die Flughöhe bei Buschmanövern achten, magic carpet. Sonst müssen wir Dich nachher klopfen und saugen, alter Perser …. ;-)))

    42, damit die galaktische Gulaschsuppe auch eine eindeutige Antwort liefert.

  9. @RJK, vom Slavenschiff in das Weisse Haus; genau hierin liegt die
    erkenntnis für amerika, dass weltpolitik, ja weltverantwortung nicht in einer wunderbar-zu-erzählenden-romatischen Geschichte, oder gar einem hollywood-schinken bestehen kann, wie etwa, war games,
    apocalypse now oder rambo, nein „american way of life“ darf sich
    nach über 200 Jahren, selbstverliebtheit uns selbstverherrlichung auch dem rest der welt mit verantwortung zuwenden und sich effektiv und nützlich einbringen ohne immer auf den „bush zu klopfen“.
    Gruss Z.