Gehe zurück auf Los

Die Berliner Wirtschaftspolitik zum Ende der Legislaturperiode ähnelt dem Brettspiel „Monopoly“: „Gehe zurück zu deinen Problemen, wenn du dabei über Los kommst, ziehe nicht 200 Euro ein.“ Wie bei einem Spielverlierer werden die Gesichter der Koalitionspolitiker länger und länger, weil die Lage des Landes nach drei Jahren großer Koalition zunehmend wieder so traurig ausschaut wie 2005: Die Wirtschaft lahmt, der Aufschwung ist vorbei, die Steuern steigen weiter und immer weiter, der Abbau der Arbeitslosigkeit beginnt zu stocken, und Missmut macht sich breit. Das Würfelglück der Weltkonjunktur hat der deutschen Wirtschaft einen kurzen Aufschwung beschert; aber seit die Hypotheken platzen und Energie ständig teurer wird, ist die Glückssträhne vorbei – und der Aufschwung, das zeigt sich, hat mit der politischen Kunst unserer Regierenden wenig zu tun. Das lässt für den kommenden Abschwung wenig Hoffnung zu.

Am besten kann man das Versagen an der Haushaltspolitik ablesen: Von 2011 an will Finanzminister Peer Steinbrück keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Potzblitz! Tolle Leistung. Wenn man bedenkt, dass wir Bürger das größte Steuererhöhungspaket geschultert haben, die Konjunktur Milliarden in die Staatskassen gespült hat und der Preisgalopp den Finanzminister zum Inflationsgewinnler macht – dann ist das Ziel so ehrgeizig, als würde der Goldmedaillen-Sammler Michael Phelps im Schwimmbecken gegen Quietscheentchen antreten. Und obwohl das Ziel kaum ehrgeizig ist – wetten, dass er’s trotzdem nicht schafft?

Denn jetzt geht schon wieder das Gerede von Konjunkturprogrammen um. Vergessen wird, dass wir heute noch die Helmut-Schmidt-Gedächtnissteuern für die konjunkturellen Strohfeuerprogramme der Siebzigerjahre zahlen. Schon damals haben sie wenig für die Konjunktur, aber viel für die Erhöhung der Staatsverschuldung gebracht. Und glaubt wirklich jemand außer Umweltminister Sigmar Gabriel, dass weitere Subventionen für das Vernageln von Häuserfassaden mit Styroporplatten den Abschwung bremsen könnten?

Besser wäre es, den Bürgern endlich mehr Netto vom Brutto zu lassen. Aber gerade in diesen Monaten zeigt sich, dass der Steuerstaat bis über die Perversionsgrenze geht: Brutalstmöglich werden jetzt auch kleinere Einkommen ausgebeutet– in der Größenordnung von 50.000 Euro Jahreseinkommen führt jedes geringfügige, inflationsbedingte Mehreinkommen zu noch höheren Steuern. Wer endlich mehr verdient, wird abkassiert. Und dass jetzt Rentnern geraten wird, sich beim Finanzamt selbst anzuzeigen, weil sie möglicherweise die ihnen neuerdings aufgebrummte Steuerpflicht übersehen haben, zeigt: Der gierige Steuerstaat verführt alle früher oder später zu großen und kleinen Zumwinkeleien.

Aber jeder Entlastung steht die Staatsgier entgegen. So will die SPD sogar die mögliche Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung auf 2,5 Prozent verhindern, um mit dem Geld der Beitragszahler Sozialklimbim zu finanzieren und um weitere Milliarden in den Bundeshaushalt umzuleiten. Angeblich ist ja das Geld bei Beamten immer besser aufgehoben als beim Bürger, der’s verdient. Auch die Bundeskanzlerin, sonst eher als Mitglied der CDU bekannt geworden, bremst mit sozialdemokratischem Eifer jede Rückgabe.

Unbeantwortet bleiben auch im kommenden Abschwung die wichtigen Fragen. Wo sind denn eigentlich die vielen Milliarden geblieben? Was ist besser geworden in diesem Land? Wofür wurde das Geld ausgegeben? Für ein Standbein unseres Landes jedenfalls nicht, ob-wohl dieser der eigentliche Wachstumstreiber ist: Für Bildung. Dabei ist das Bildungsniveau der eigentliche Wachstumstreiber einer Volkswirtschaft, nicht Styropor an der Hauswand.

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Alle Kommentare [56]

  1. Meine Schreibweise mag tatsächlich schwierig sein.
    Vielleicht manchmal sogar antiquiert. Frustriert bin ich sicher nicht, traurig, welche \“Qualität der Argumentationsweise\“ sich manchmal zeigt und nicht selten sogar \“herrscht\“, allerdings. Menschen die magic carpets versprechen, dann unheimlich abschlaffen, Herzog und Humboldt nonchalant beiseite wischen, für irrelevant erklären, den Wert von Bildung negieren, sind nicht meine Welt, scheinen allerdings in vielerlei Zusammenhang unter dem Applaus der Massen den \“Ton\“ anzugeben. Ist es etwa nicht besorgniserregend, wenn öffentliche Diskussion so aussieht? Solches unter Diskussion, Meinungsaustausch im blog einer GUTEN Zeitung verstanden wird? Der einzige Grund warum ich mich nicht zurückziehe – im Gegensatz zu sicher nicht wenigen anderen – ist, dass es mir zutiefst widerstrebt \“Diesen\“ das Feld zu überlassen. Ich mag – der Meinung einer bestimmten \“Mehrheit\“ nach – unterliegen, ich hab wenigstens versucht, meinen bescheidenen Beitrag dagegen zu setzen. \“Erst ignorieren sie dich, dann machen sie sich über dich lustig, dann bekämpfen sie dich, dann gewinnst Du.\“ Ein Satz, den meine Frau für mich sehr treffend fand. Übrigens von Ghandi.

  2. eysel, wie wär’s mit Montagshalma, statt Wadenbeissen bei Usain, der ist sowieso zu schnell für dich in deinem Alter, Halma statt Junge Freiheit, bevor du noch deinen Schatten für einen Vorgesetzten hälst und grüsst…Try it!

  3. @eysel sie wirken irgendwie frustriert und übertrieben geltungsbedürftig, oder tun sie nur so aggressiv und sind im Grunde ein gütiger, konstruktiver, offener und toleranter Geist;-)

  4. bemüht wirkst du in der Tat, ich habe aber keine Lust mich permanent von dir anpiepen zu lassen, also such‘ dir ein Astloch..
    und lass mich in Ruhe.. die Wichtigster aller Poster

  5. @ Steppenwolf,
    also doch eher geschmeidig eloquent Verbindliches ablehnen was „dumme“ a la Herzog + Humboldt meinen, als sich festlegen auf ein eigenes Statement. Als „quatschen“ disqualifizieren, was „Bemühte“ meinen. Sich auf in Frage stellen beschränken vom Allem, das je gedacht wurde und bombastisch angekündigtes – wohl doch eher – „magic Vacuum“ als carpet in den Raum stellen. Bildung als Nullnummer darstellen, und selbst mords SCHAUM-Welle machen … nette show… bisher… allerdings eher für tele5 Gucker. Oder kommt da noch was, was zeigen würde, dass ich mich irre??? Würde gerne mal was „gelten“ lassen, wennn nur was runterkäme …von deiner Erkenntniswolke, die ich eingestandenermaßen nicht mal erkennen kann.

  6. in Ollis words:
    Fun-Fans mit Pfeileköcher
    es grüßt ein Klassensprecher
    oh war Olympia wunderschee
    ließ Ostseeträume wachsen
    das Goldgewicht stemmt\‘ in die Höh\‘
    ein Dschung aus Südwestsachsen.

    Ist wieder da in Tichy-Town
    der Fun-Fans Klassensprecher?
    Gott! – Sei die Sache wie sie sei
    ob Ei, ob Mainstreambrecher
    grüßt alle euch mit Tandaradei
    Vöglein der wiwo-Wiese
    in Olli\’s words: ein Frecher!

    für Zami, Eyssi, Pampastier
    und alle andren Musketier
    beginnt \’ne neue Reise
    der blaue Globus ist noch rund
    gesagt sei\’s wahr und weise
    in Tichys Wiwo kunterbunt
    Hauptsach\‘, befreit vom Eise!

    Der normativen Kräfte Zwang
    keilt manche freien Geister
    am Mittelstreifen strikt entlang
    sie schreiben grauen Kleister
    nicht so im positiven Sinne
    vermags die Macht mit Tichy
    er sucht sich seine eig\’ne Rinne
    mit Chuzpe und mit Klarheit
    sagt er der Macht die Wahrheit,
    sagt er der Macht die Wahrheit!

  7. Warum fängt Interaktion/Transaktion/Kommunikation bei dir immer mit drauflos quatschen an? Fasse dich doch einfach regelmässiger an deiner eigenen Nas‘ und Weise: Think first, then talk!
    \“Wie kann man Bildung missverstehen, Bruder Eyss?\“ So wie du! ich lach mich tot: \“..und im Zweifel Wiki\“ vergiss nicht den zweiten Satz der Thermodynamik und das Planck\’sche Wirkungsquantum, dann ist die Welt doch perfekt, heilige Einfalt!
    Und den Elite-Rentner H. lass mal besser weg, mit solchen Oberpächtern des Gegenteils von Dummheit, die völlig abgehoben im Stadium eins nach gutem Essen tief glaubend an die eigene Unentbehrlichkeit Jung gegen Alt gegeneinander aufhetzen und das für ein Ruck für alle halten, mit dem Geblubbere solcher zwinkernden Freunde der Selbstverliebtheit: wer kann denn damit noch viel anfangen…der redet doch an 95% der Menschheit vorbei, oder? Was nicht heissen soll, dass ihm gelegenlich noch was Brauchbares entfährt…
    Tschuldige, das ich deine Postings nicht studiert habe, eine echte Bildungslücke gemessen am Humboldt’schen Maß, du gibst hier den ewig Strebenden auf der Suche nach Verbindlichem und dort lässt du nur das gelten, was in dein Hexenhäuschen passt, wer bist denn du der du von den anderen verlangst sie sollen sich so ausdrücken, das du dir deins mundfertig zu Gemüte dir führen kannst, ich überlege gerade, ob ich dirs so direkt sagen soll: solche Redner wie du sind vielleicht ein Grund dafür, dass die beste aller möglichen Welten – in der wir hier in Westeuropa \“leiden\“ als eine schlechte Welt gelten – Junge Freiheit lässt grüssen, Nein Danke, lieber Eyss.
    so long U.S.A. und demnächst zur Sache \“magic carpet\“ und dann kannst du mich gerne in Grund und Boden verwerfen;-)

  8. Viele unverbindliche Worthülsen und auch ein wenig Wahres. Wie wärs denn, wenn du mit klarer Diktion verhinderst, dass ich missinterpretiere?
    Oder ist Geschmeidigkeit dein Name?
    Wie kann man BILDUNG missverstehen?
    Ich bin da für Humboldts wenig widersprochenes altmodisches „reflektieren über sich und die Welt“ und im Zweifel WIKI.
    Wenn du schon länger meine postings gelesen hättest, dann wüsstest Du, wie sehr ich Voltaire anhänge bei dem Satz: Mein Herr ich bin durchaus nicht Ihrer Meinung, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass sie die Ihre äussern dürfen!
    Aber auch R. Herzog, der zwinkernd und sehr ernsthaft meint, dass es ein Recht auf Dummheit gibt, aber kein Grundrecht.
    Und dann hätte ich gerne mal mit dir diskutiert, wie man es hinkriegt zu interagieren ohne im Sinne der Transaktionsanalyse ( Eric Berne) zu „wirken“ und damit zwangsläufig zu manipulieren …. und sei im der Sportteil oder den Kaninchenzüchtern. Und sei es das Ergebnis von x gegen y mit 5 zu 6. Selbst das Layout – oben unten, links rechts oder neben dem Mädchen von Seite 3 „manipuliert“ bereits.

  9. …. das war schon zu erwarten, verehrter Eyss-wide-shut, du tanzt lediglich um dich selbst, dass du(!) keine Medien brauchst (außer diesem Chef-Blog und meinen \“carpets\“;-)) verwundert nicht weiter, wie aber willst du 80 Millionen Menschen informieren, noch lange nicht jede Information ist Manipulation, ohne Lokal-Info, Sportberichte und Anzeigen über Leid und Freud wüsste doch keiner
    was los ist um ihn herum, und die Ebenen Wirtschaft, Gesellschaft, Globus und Politik werden von verschiedenen teilweise kontroversen Angeboten mit Informationen und Meinungen für Auge, Ohr und Hirn (soweit vorhanden und leistungsfähig) bedient,
    dein Weltbildangebot, Eyss, nachdem alles, was nicht deine Auffassungen bestätigt, Manipulation ist und damit unter Verdacht auf Volksverdummung zu stellen ist, macht dich mir nicht unsympathischer, meine Kinder würde ich dir aber zur Ausbildung nur ungern anvertrauen…
    anzumerken bleibt: nicht jeder, der dem Meinungs-Mainstream widerstrebt, ist ein Menschenfreund und nicht jeder Menschenfreund hat die Kraft, dem Meinungs-Mainstream zu widerstehen, sollte es sich einmal glücklich fügen, das Mainstream und Menschen-freundlichkeit zusammenfallen, gebe Gott mir die Gabe dies zu erkennen und nicht zu erwidern um des Erwiderns Willen!
    der Eifer, mit dem du, Eyss, Edgars Bemerkung zum Verhältnis \“Bildung und Wachstum\“ missinterpretierst, bestätigt einmal mehr wie wichtig es ist, auf Vielfalt in der Erörterung und sachliches und zeitliches Differenzierungsvermögen hin zu arbeiten und Wert zu legen. Da kann Bildung wahrlich hilfreich sein…hier müsste man sich nochmal präziser verständigen was mit Bildung bezeichnet sein soll..
    Bildung für alle heisst ein jüngst verlautbartes Denkangebot von Angela Merkel. Ich hoffe, nein ich bin sicher, Frau Merkel meinte dies nicht postulieren zu müssen, um quantitatives Wachstum anzutreiben, sondern um unsere Gesellschaft weitgehender zubefähigen, wertvolles von wertlosem, Verdummungsversuche von Information und wilde Wasser von windigen Revieren unterscheiden zu können. Überleben in Wohlstand und Freiheit ist nicht nur eine Frage davon, ob alle bei jedem Paddelschlag einer Meinung sind, das Boot muss am Ende ein Handbreit Wasser unter dem Kiel haben und bei allen Witterunsgverhältnissen in Bewegung bleiben können.
    Nur rein vorsorglich Eyss: das war nicht der magic carpet, der kommt noch;-)
    So long U.S.A.

  10. @ Edgar, bei der Bürokratie sind wir uns ja einig, sie löst lediglich Probleme, die es ohne sie nicht gäbe, AAAABER das mit der Bildung, der Liebe und der Nebenwirkung … das iat QUATSCH. Aller Fortschritt, egal ob „gut“, ob „schlecht“, was immer das sein mag, das zeigt Wirtschaftsgeschichte, entstand aus NEUERUNGEN, Entdeckungen; also den Rohstoffen HIRNSCHMALZ + Fleiss + Zufall. Merkwürdig, dass DAS bestreitbar sein soll ….

  11. Hatte gar nicht bemerkt, dass die Diskussion, kurz bevor der Chef neue Stichworte liefert, noch einmal abgeht. Zum Stichwort Wachstum: Das lässt sich, wie alle statistischen Größen, nicht machen, sonxdewrn stellt sich unter bestimmten bedingungen ein. Ich würde niemals in Bildung investieren, um Wachstum zu erzeugen. Quelle horreur! Alles Wichtige im Leben ist Nebenwirkung. Das fängt an mit der Liebe, ohne die es überhaupt kein Leben gäbe. Liebe kann man weder kaufen noch machen, sie stellt sich ein bzw. wird uns geschenkt, wenn verschiedene Vorraussetzungen erfüllt sind. Das erklärt auch, weshalb man mithilfe von Bürokratie keine Probleme lösen, sondern nur ohne Bürokratie entdeckte Lösungen auswerten und festschreiben kann.

  12. @ Steppenwolf,
    „geschickte Herstellung von Meinungs-Mainstream. Insofern wirken sie stabilisierend“ Ist das dein ernst??? Ich nenne das Meinungsterror und Volksverdummung und Proletarisierung!
    „Wir leben in der besten aller bisher möglichen deutschen Welten, seit der Erfindung des Faustkeils. “
    Ich würde eher sagen, wir leben in der Welt in der die Schafe sich hervorragend medioker + medial gelenkt ihren Schlachter aussuchen dürfen.
    Ich warte – von fiebriger Erregung ergriffen – auf den magic carpet …

  13. Hallo Zami,
    das \“Problem\“ mit \“der Vernunft\“ und den \“wirklichen Fähigkeiten
    des Menschen\“ ist doch: wie vernünftig sind die Menschen in Massen? und was sind die \“wirklichen Fähigkeiten des Menschen\“? Ist der Mensch nicht vielmehr in der bisherigen Geschichte seiner Evolution ein lupus, der sich sich nur durch einige (durchaus nennenswerte) Eigenschaften vom Orang unterscheidet, diese aber bisher nur selten zu seinem eigenen sozialen Wohl nachhaltig einzusetzen in der Lage war, dies umso weniger je komplexer seine Umfeld/seine Umwelt sich entwickeln.
    Medien verstärken die Komplexität für das Individuum, nicht selten zu seinem Nachteil, Medien BILDen selten, wollen(sollen?) dies auch nicht wirklich, sondern festigen Kontrolle und Ordnung im Gemeinwesen durch geschickte Herstellung von Meinungs-Mainstream. Insofern wirken sie stabilisierend, irgendwie wie Korsettstangen im Wildwasser der Menge .. die wenigen \“grünen(-gelben) Korsettstangen\“ zeigen an: die wildwasserwabernde Menge hat diese von hinten nach vorne zu durchfahren, die roten und schwarzen Korsettstangen zeigen Schussfahrt Richtung Ziel an, was die Journaille in den Mainstream zwängt ist die Haupt-Strömung! Auf Dauer ist\’s gegen die Strömung erheblich anstrengender als mit derselben – gelegentlich gibt\’s motivationshalber mal \’nen Preis, bei dessen Verleihung man Gelegenheit einräumt besonders hartnäckigen grüne-Tore-Paddlern unter den Wirtschaftspublizisten in einem Sonntagsredensonderklima
    die Begründung ihres freiheitsverleibten Dranges zum Nonkonformen nachzuliefern. Da es sich bei unserem rty offenkundig um ein solches Prachtexemplar unter den grüne-Tore-paddelnden Wirtschaftspublizisten handelt ,bist du, Zami, hier im Wiwo-Wildwasser besser aufgehoben als in irgendeinem anderen verfügbaren deutschen Medientümpel. Wir leben in der besten aller bisher möglichen deutschen Welten, seit der Erfindung des Faustkeils. Also empfinde diese Welt nicht als so schlecht, wie sie ist, Zami, lass sie dir doch ruhig ein wenig weichspülen, du hast doch ohnehin nur 80 Jahre( wenn’s gut geht), der Rest ist Düsternis und Ewigkeit. Der \“westeuropäische Mensch\“ ist lang vom Baume runter – obwohl, wenn man Sarkozy so durchs Wildwasser segeln sieht, könnte man den Glauben daran auch wieder verlieren, aber sehen wir doch einfach mal ab, von diesem trikolorischen Prachtexemplar und seiner Carla. Die deutschen Gegenstücke geben sich jedenfalls redlich Mühe uns als Volk durch möglichst wenig Wirksames zu verwirren, oder? Wenn man mal von Herrn Beck absieht, der es seinem Haufen ungerührt gestattet täglich
    neu und in jedem Sch.. die alles überragende und immer wiederkehrende Gerechtigkeitfrage obenan zu stellen, hält er’s wohl für das einzig unverwechselbare an der Sozialdemokratie, der nackte Beck!? Selbst Schröder, der nun an wirklich an nichts interessiert schien als an sich selbst, war nicht von solchem Meenzer Kinderglauben beseelt, dem steht nun eine neue Herausforderung bevor, es sei denn Frau Schaeffler erscheint nie selbst zu AR-Sitzungen bei Conti..;-) So nun genug quer durch den Garten gepaddelt, ich muß noch ein paar Antworten an Eyss vorbereiten.
    So long U.S.A.

  14. Hey U.S.A,
    Danke für Dein ehrliches Mitleiden. Es geht nicht um Leiden, haupt-
    sächlich, sondern bei allen menschlichen Tätigkeiten, um die Ver-
    besserungen der Lebensbedingungen, aller lebenden und künftigen
    Menschen, der Umwelt und allem was dazugehört. Jedoch, solange
    der Mensch in Dummheit und Unwissenheit und Stumpfsinn gehalten wird, solange, werden sich die führenden Oberidioten, die Hände
    reiben und mit der Mehrheit, „Schlitten fahren“. Das Zeitalter der
    Aufklärung ist längst vorbei und was fehlt, ist das zeitalter der
    Vernunft und des Glaubens an die wirklichen Fähigkeiten des
    Menschen. Im Moment freuen sich die Europäer, dass Russland, China und Amerika, die Szene bestimmen und ihre großmachtpolitischen Spielchen, auf der Kosten der ´Menschen- und
    Umweltzerstörung betreiben. So gesehen, der Mensch ist nicht
    lernfähig.
    Gruss Zamir
    P.S.: In Bayern wurde aktuell, gerade rechtzeitig, ehe der Volkszorn überkocht, ein Kinderschänderring ausgehoben.
    Das nenne ich Verdummung und Zurichtung durch die Medien.

  15. Eysel, dass du fragst freut mich, trotz Junge Freiheit, ba!
    Wer fragt der forscht, wer forscht der findet…
    Well, you don’t know what we can find
    Why don’t you come with me little eyss
    On a Magic carpet ride …
    Why don’t you tell your dreams to me
    Fantasy will set you free
    Close your eyes eyss
    Look inside eyss
    Let the sound take you away
    Im Ernst Eysel: Selbst ist der Mann! Nur für dich gibt’s aber demnächst einige Antwortversuche auf deine „Fragen“, eyss 🙂
    So Long U.S.A.

  16. Zami, dein Weltschmerz in allen Ehren, vor zweitausend Jahren war die Welt nicht anders nur schlimmer, aber es haben weniger Nachdenkliche, so wie du, davon gewusst, was alles so passiert auf dem Globus. Ins Leid fallen lohnt sich nicht! Dafür ist das Leben zu kurz… und zu schön, trotz allem!
    Gruß U.S.A.

  17. Die IKB ist verkauft. Die amerikanischen Truppen stehen am Rhein.
    Die Russen ziehen nicht aus Georgien ab. Die Amis, die Russen, die
    Chinesen. Wer sind die Restlichen ? Was nutz die beste Bildung, bei
    einer solchen Übermacht an Blödheit = Imperialismus ?
    Gruss Zami
    P.S.: In Madrid wurde gepfuscht, das Ende für 153 Urlauber;
    in Leipzig feiern die Sexualstraftäter ihre Auferstehung, im Namen
    des Gesetzes. So kann es weitergehen, oder ?

  18. @Steppenwolf,
    könntest Du konkret einem nicht ganz Debilen erklären, WAS du gerne melior hättest … Bildung scheidt ja wohl Deiner Meinung nach aus….
    Und WAS hat Dahrendorf da ??? Gehts vielleicht weniger kryptisch für jemanden mit IQ unter 300 ?
    Wer wollte da dann doch lieber nicht 70er und Club of Rome mässig melior? Leider hab ich weder Dahrendorf noch Biedenkopf komplett im Kopf.
    Bei der „Vergrösserung von Kleinigkeiten“ der Journaille bin ich bei dir. Was Du mit „qualitätsorientierte Wirtschaftsentwicklung“ meinst solltest du für deine einfach strukturierten Mitbürger schon präzisieren…falls du verständlich sein willst …

  19. Hallo Jungs,
    bevor euch die Müdigkeit der Batatelldiskussion gänzlich überwältigt: „Bildungsniveau der ultimative Wachstumstreiber …“ habe selten unwidersprochen höheren Blödsinn (sorry RTY, nicht persönlich nehmen) vernommen.
    1. Wofür brauchen wir in Deutschland eigentlich jedes Jahr immer neues Mengen(!)wachstum?
    Als Biedenkopf 2002 einmal darüber öffentlich zu diskutieren
    beginnen wollte – übrigens in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat dies Dahrendorf unter dem Stichwort „Melioration statt Mengenwachstum“ – verstummte er unverzüglich wieder; war wohl so, dass einige ihn davon abgehalten haben, die befürchteten, er könnte damit eine Lawine lostreten, die ganz anderen nützt, also schweigt man lieber als darüber nachzudenken, wie man das Gebotene beginnen kann, ohne Risiken und Nebenwirkungen überbordern zu lassen,… toll!
    2. Warum widmet sich nicht einmal wenigstens ein Teil der sich mit der Vergrößerung von immer mehr Kleinigkeiten befassenden intelligenten Journaille diesem Thema? Könnte es nicht durchaus im Sinne einer qualitätsorientierten Wirtschaftsentwicklung zuträglich sein, „besser statt größer“ nach vorne zu schreiben?
    3. Pampastier – deine persönliche Schulbiographie im ländlichen Frangen lässt tief blicken, ohne dich überforderen zu wollen;-): was hälst du vom Standpunkt von Nash in Sachen „intelligente Glücksspieler“? 😉 Schon long in Citi? Schon ’ne Einladung zur Verleihung des Ludwig-Erhard-Preises an unseren Göttervater? Laudator: Dr. Peter Gillies! Auch einer der schon immer die Katze exzellent gegen den Strich bürsten könnte…
    So long U.S.A.

  20. Zu „Normen“: Ein Bauingenieur hat mir mal gezeigt, dass eine 30cm Massivholzwand – nach dem vorgeschriebenen Mess- u. Berechnungsmodus – NICHT den Normen entspricht, eine 15cm „Pappdeckelwand“ aber sehr wohl. Durch die hohe Kompliziertheit der Berechnung wird ganz offensichtlich zu Gunsten bestimmter Baustoffe manipuliert. Ein Verschleierungs- und Manipulations-Verfahren, dass ganz offensichtlich in vielen – nicht nur Bau-Bereichen – angewendet wird. Kompliziertheit täuscht dann nur Gerechtigkeit + Kompetenz vor.

  21. @GB: Nordfassade OK. Man sollte ohnehin sehr differenziert vorgehen und keine O815-Lösungen suchen. Und vor allen Dingen sollte man sich an praktischen Erfahrungen orientieren und nicht unbedingt an oft rein theoretisch hergeleiteten Normen.

  22. In diesem thread wiederholt sich dasselbe Muster , das man auch in der „grossen Politik“ findet: An Symptomen, Einzelproblemen wird herumgemeckert, aufwendig besprochen, vielleicht sogar gelöst. Nur leider stimmt das GESAMT-Konzept des Konstrukts nicht. Aus ner baufälligen Hütte wird kein tolles Haus, selbst wenn einige Details vielleicht toll sind. Die Mentalitäten stimmen sicht mehr. Weder Es wird ängstlich an Details herumlaboriert, kleine Einstellungen von Einzelsystemen den Realitäten nachvollziehend angepasst, vielleicht sogar an grundlegenden Problemen oberflächlich herumgedoktort, aber die STATIK des Systems ist marode. Ängstliches Bewahren einer bekannten gerade noch ertragbaren bekannten Misere hat Vorrang vor konstruktiven Weiterentwicklungen. Das gilt für die Politik, wie das Volk. Ich denke, dass ein KOMMUNIKATOR, der die ungeschönte Wahrheit deutlich sagt, eine grosse Chance hat, das Land zu verändern. Darauf bezieht sich der der von mir oben eingestellte Beitrag aus dem Bürgerbrief ( Miegel). Leider nutzen die Rattenfänger a la Lafo ihr beachtliches Kommunikationstalent sehr viel besser für ihre billigen Zwecke als das liberal Konservative Lager.
    PS: Danke für die Entlastung, Herr von Croy, ich habe ruhig geschlafen. Unabhängig von allen juristischen Dingen, es hätte auch recht schlecht zu Ihrer Denkweise gepasst, wenn Sie mir die Hammelbeine lang gezogen hätten. Deshalb hab ich „es“ ein wenig blauäugig einfach riskiert.

  23. Lieber Eysel,
    ich freue mich, dass mein Artikel Eingang in diesen Blog gefunden hat. Es ziert mich! Und Pampastier sei gesagt: vielen Dank für die „Verteidigung“ meiner Autorenrechte, es ist alles wahr, was Sie schreiben und dennoch soll der Beitrag hier stehen können.
    Albrecht v. Croy

  24. @Edgar

    Ist schon was dran. An Nordfassaden kann sich Styropor bis 5 oder meinetwegen 8 cm ökonomisch lohnen, der Rest ist korruptions- und mangelbildungsbedingter Unfug.

    Aber das mit der Feuchte vergessen wir besser mal. Eine weitere Legende.

    GB (auch mal Bauing. gewesen)

  25. Lieber Herr Epple,

    Styropor nützt in der Häuslebauern z.Z. nahegelegten bzw. vorgeschriebenen Anwendungsform wenig. Viel besser ist solides Ziegelmauerwerk, das neben der Wärme auch die Feuchtigkeit regulieren kann. Wenn im Winter die Sonne tief steht, ist es die beste Möglichkeit der kostenlosen Nutzung von Solarenergie. Das konnte man neulich auch in diesen Spalten in einem Beitrag des Bauingenieurs Konrad Fischer nachlesen. Inzwischen gibt es in D. einen „Club of Home“ (Sprecher: Alfred Eisenschink, Am Leitle 3, 82418 Riegsee, Tel.: 08841/5954) von Ingenieuren, Architekten und anderen Baufachleuten, die beitretenden Häuslebauern Ratschläge geben, wie sie unnütze Investitionen vermeiden können. Sie können sich auch Gutachten erstellen lassen, die Sie von solchen Investitionen befreien. Denn niemand kann nach dem Maastricht-Vertrag der EU gezwungen werden, unprofitable Investitionen zu tätigen.
    Meines Erachtens sollte jeder auf der Grundlage des Abiturwissens in der Lage sein, die Milchmädchenrechnungen, mit denen uns Politiker und Geschäftemacher ködern, zu durchschauen. Auch deshalb finde ich Investitionen in die Bildung so wichtig.

  26. Eine Polemik, die mir aus dem Herzen spricht. Nur sehe ich keinen Trade-Off zwischen (mehr) Investitionen in Bildung und (mehr)Investitionen in eine nachhaltige Reduzierung des Energieverbrauchs. Beides ist unverzichtbar. Ob privat oder staatlich finanziert ist letzten Endes völlig wurscht.

  27. Werter Eysel,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem gefundenen, herrenlosen Stück. Mal abgesehen davon, dass man es, so wie Du es reinkopierst hast, kaum lesen kann, ist das eine Verletzung von Urheberrecht. Es wird Dir schon keiner was tun, stammt ja aus dem gleichen Verlag.

    Aber ein link wäre besser, ich kann mir kaum vorstellen, dass der Autor das ähnlich lieblos formatiert hat. Nach meinem letzten Kenntnisstand, der zugegeben etwas älter ist, darf man maximal 75% unter Angabe der Quelle zitieren, die Juristen können das sicher klarstellen.

    Nur als gut gemeinter Hinweis, Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

    Pampastier

  28. „Nett“, all die Schimpferei, all das Deklamieren von höchst individuellen Lösungen und all die Vorschläge, was D I E tun müssten! Zielführend???
    Wohl eher nein. Die letzten zig Jahre hat es nix gebracht, ausser dass die Heils-Versprechungen immer vollmundiger wurden und die angeblichen Lösungen auf mikroskopische Dimensionen schrumpften und der Frust halbwgs denkender Menschen zu inneren Emigration führte.
    Ich verweise auf obigen Artikel von Albrecht Prinz von Croy, Handelsblatt.

  29. @Moritz Berger. Lieber Herr Berger, ich gebe zu, dass ich das Bildungs- bzw. Ausbildungsproblem meiner Kinder letzten Endes privat gelöst habe. Das hing aber auch damit zusammen, dass wir eine deutsch-französische Familie sind. Ich habe mein Metier in Frankreich gelernt, etliche Jahre lang mehr auf französisch als auf deutsch geschrieben, mein Sohn wurde in Frankreich (in der Stadt Proughons) geboren usw. Aber ich habe mich durchaus auch im deutschsprachigen Raum für eine Verbesserung der Schulbildung engagiert, z.B. in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) oder dem Chemieverband (VCI) bzw. der Gewerkschaft IG BCE ganz konkret für die Verbesserung der naturwissenschaftlichen und technischen Bildung.

  30. @Roland Tichy

    Lieber Herr Tichy,

    „aus eigener Augenscheinnahme kann ich Ihnen gerne bestätigen: Ich halte unser Universitätssystem seit Ende der 70er für total kaputt.“

    Wenn Sie das Universitätssystem seit ende der 70er für kaputt erachten, dann muß ich parallel dazu auch logisch folgern:

    Ihre Appelle in Artikeln und Vorträgen zur Forderung nach einer Bildungsreform ins Leere gegangen.

    Frage: Haben Journalisten überhaupt noch einen Einfluß auf die Gesellschaft, bzw. können Sie gesellschaftliche Veränderungsprozesse mit anschieben?

    Oder um es mit Mao zu formulieren :

    Sind Journalisten nur zahnlose Tiger 🙂

    Oder:

    Ist es nicht sehr frustrierend, wenn Appelle zur Bildungsreform letztlich die letzen 20 Jahre Ihres Berufslebens ins Wasser gefallen sind???

  31. @Edgar Gärtner

    Wenn Sie für Ihre Kinder die Ausbildung erreicht haben, die Sie als ideal betrachten (was sie objektiv auch ist), warum haben Sie als Publizist in den vergangenen Jahren keine Veränderung im deutschen Bildungswesen mitangeschoben.

    Bzw. warum sind die von Ihnen angestrebten Veränderungen des deutschen Bildungswesens nicht erfolgt?

    Oder:

    wie kann man als Bürger tatsächlich etwas verändern?

  32. Als Student habe ich im ersten Semester erlebt, wie ein BWL-Professor eine glühende Rede pro Planwirtschaft hielt. Es ging um die Bewertung der professoralen Leistungen durch Studenten. Frechheit, dass die leidige Kundschaft über das Gebotene richten dürfe. Nach dem Motto, friss das und halt’s Maul. Oder: wenn ich deine Meinung hören will, dann sage ich sie dir.

    Im Gymnasium fiel mir immer wieder auf, dass eher wenigere als mehrere des Lehrerkollektivs ihren Beruf als Berufung sahen. Der Faktor Urlaub kam mir da schon eher entscheidungsrelevant vor. Besonders aber folgender Gedankengang: Ich gehe 13 Jahre zur Schule, studiere schulisch an einer Uni und gehe wieder als Referendariat und später Lehrer zur Schule. Konsequenter Lebensweg, nur was sollen die Schulkinder als Lehrer ihren Schutzbefohlenen mit auf den Weg geben? Da reden Jungfrauen von Sex, wohlgemerkt mit der Ausnahme der Berufenen, der Leidenschaftlichen. Davon gibt es etliche, bei denen ich mich auch schon persönlich bedankt habe, aber die leuchtenden Sterne sind leider die Ausnahme.

    In der Grundschule sorgte eine alte, harte, aber berufene Lehrerin dafür, dass ich als einer von drei aus 36 den Sprung zum Gymnasium „wagte“. Das hätten locker noch zehn andere machen können. Mit zehn hatte ich das Glück, dass sie meinen Eltern schwer zusetzte. Helfen konnte mir keiner nachher richtig, aber so verkehrt war das gar nicht. Das entwickelt Biss.

    Im Kindergarten war ich nicht, dafür haben wir uns in unserem Dorf im Sandkasten vermöbelt und unter der Wäscheleine den Rasen beim Fußball ruiniert.

    Was ich sagen will, lesen wir es mal rückwärts: Wir fangen immer an, oben zu diskutieren, über Hochschulgebühren und Schulkonzepte, oder was weiß ich. Die erste Stufe der Leiter, die wir nicht nehmen, ist der KO. Dann ist es vorbei oder ungleich schwerer, weiter zu klettern, Hut ab vor allen, die den zweiten oder x-ten Bildungsweg beschreiten und dann absolvieren.

    Sollte man nicht mit drei bestens für vorschulische Bereiche vorbereitet sein, mit sechs stolz auf die Schultüte, mit zehn bestens vorbereitet, hungrig und wissensdurstig aufs Gymnasium sein? Wenn wir da sind, können wir mal darüber reden, wie wir die Elfenbeintürme auseinander nehmen.

    Das alles ist nur sehr begrenzt eine Frage der finanziellen Ausstattung, sondern von Einstellung und Aufbauorganisation. Wettbewerb ist den Kids wie uns ins Gen gelegt worden, er stachelt an. Wesentlich sozialer im Ergebnis, als die Gleichmacherei ex post.

  33. Ach Herr Tichy,

    das ist eine richtige Analyse mit einem falschen Schluss. Deutschland macht tatsächlich zu wenig aus seinen Einnahmen und schafft es selbst in guten Zeiten nicht, von den Schulden herunter zu kommen. Dafür haben wir u.a. in der Vergangenheit zu viele Blanko-Schecks unterschrieben.

    Bildung ist aber exakt das Beispiel, bei dem das Prinzip „weniger Steuern für mehr Eigenverantwortung“ nicht funktioniert. Bildung und der Schutz der Kinder ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie kann nicht nur von den Familien selbst geschultert werden, sondern muss auch von den Kinderlosen und den Unternehmen getragen werden. Ihre Abgaben sind nichts anderes als Dividenden auf Bildungsinvestitionen von früher.

    Wenn es ums Geld geht, ist Steinbrück ein leichtes Ziel, genau wie Gabriel. Aber es sind die Länder und nicht der Bund, die für Bildung verantwortlich sind. Und am Ende zahlen die Kommunen einen großen Teil der Zeche. Und raten Sie mal, woran die sparen, wenn sie weniger Geld bekommen. An allen, was kein Geld bringt, etwa moderne Lehrmaterialien in den Schulen.

    Also, Eigenverantwortlichkeit ist prima, wenn die Betroffenen tatsächlich auch die Spielräume zu eigenverantwortlichem Handeln haben. Dann ist es im Sinne des Wettbewerbs positiv, wenn einige erfolgreicher sind als andere. Bildungsniveau hat aber etwas mit einem hohen Durchschnitt zu tun. Verbesserung in der Breite erreichen wir leider nicht dadurch, dass wir die Einnahmen kürzen. Dann geht die Schere weiter auf, weil schon heute die Kinder in der Schule besser abschneiden, die aus einem Elternhaus stammen, das sie unterstützen will und kann.

    Zu hoffen, dass alle Familien ihre weniger gezahlten Steuern plötzlich in die Bildung ihrer Kinder investieren, ist natürlich eine nette Vorstellung. Das Beispiel der USA zeigt aber leider, dass die Realität anders aussieht.

  34. @Moritz Berger. Lieber Herr Berger, da kann ich Sie beruhigen. Mit Sicherheit habe ich nicht PISA abgewartet, um mich für Bildungsfragen zu interessieren. Ich habe keines meiner beiden Kinder (nun schon groß) auf eine deutsche Schule, sondern auf ein zur Hälfte privat finanziertes französisches Gymnasium geschickt, damit sie die Chance hatten, Top-Abschlüsse zu machen und gute Arbeitsplätze zu finden. Bei meinem Sohn hat das geklappt. Meine Tochter ist mit der Ausbildung noch nicht fertig. Noch Fragen?

  35. Auch ohne lange Abhandlung kann man es auf den Punkt bringen.
    Die CDU läuft der SPD nach und die SPD den Linken. Dabei kommt keine Regierungspolitik sondern dieses Gewürge heraus, das wir hautnah erleben, und dem wir leider nicht entrinnen können. Wer
    z.B. das Kindergeld um € 10,– erhöht, Rentnern statt 0,5% satte 1,1% Rentenerhöhung gewährt, macht sich bei dem EINZELNEN nur lächerlich, doch in der Summe verprasst er Milliarden, die eigentlich nicht vorhanden sind. Da muss man sich nicht wundern, dass ein ausglichener Haushalt nicht erreichbar ist und die Schulden weiter steigen. Weil dann das Geld ja irgendwo herkommen muss wird der Bürger geschröpft und ziel- und planlos wird weiter gewurschtelt

  36. @ Moritz Berger:

    Lieber Herr Berger,

    aus eigener Augenscheinnahme kann ich Ihnen gerne bestätigen: Ich halte unser Universitätssystem seit Ende der 70er für total kaputt. Da hat sich allerdings in den vergangenen 5 Jahren einiges gebessert.
    Die Schulen? Das hängt halt vom Bundesland ab.

    Gruß
    rty

  37. Im Zusammenhang mit dem Slogan Bildung statt Styropor würde es mich brennend interessieren, ob die Generation 50 plus zu denen ich Roland Tichy und Edgar Gärtner zähle, bereits Anfang der achtziger Jahren auch schon das Thema Bildung als das Thema angesehen haben oder ob sie mehr oder weniger auf den Zug seit PISA aufgesprungen sind?

  38. Werter Herr Krause,

    auch wenn ich glaube Sie richtig zu verstehen und Ihre Einschätzung teile, bei der Nomenklatur wäre ich im Deutschen vorsichtiger. Geisteshaltungen wie liberal oder konservativ würde ich einzelnen Parteien nicht unbedingt anheften, auch wenn sie sich gerne so bezeichnen.

    Meinten Sie, die amerikanischen Demokraten stehen eher für Staat und Umverteilung, die Republikaner für so wenig Staat wie möglich, also subsidiär hinter Privatinteressen? Falls ja, bin ich absolut Ihrer Meinung. Nehmen wir die FDP kurz aus, trauen alle anderen Parteien sich selbst und dem von ihnen organisiertem Staat mehr zu, als ihren Bürgern. Die FDP gibt sich zwar gerne liberal, oder in der Begrifflichkeit Ihres Beispiels konservativ, ist de facto aber eine Klientel- bzw. Lobbypartei. Ob ihrer Größe kann sie auch immer nur als Korrektiv in einer Regierung stehen, selbst die CDU steht ja weit links bzw. staatsgläubig von den amerikanischen Demokraten aus gesehen.

    Als Paradebeispiel die überraschende Nominierung und ebenso schnelle Denominierung von Prof. Paul Kirchof im letzten Bundestagswahlkampf. Da spottet ein 4-Jurist mit Spitznamen Acker oder neuerdings Gas-Gerd über den Prof. aus Heidelberg und schon verlässt die sich als konservativ bezeichnende CDU der Mut. Wie erbärmlich. Regiert oder auch besser nicht regiert, werden wir seither von einer Wahlverliererin, die Macht des Amtes und die Gnade der Zeit scheint dies im Gedächtnis des Volkes auszublenden.

    Was hat der Altkanzler denn gesagt, um sich den Ideen und Auffassungen dieses Prof. aus Heidelberg zu entledigen? Ihr seid zu blöd, um für euch eigenverantwortlich zu handeln, überlasst das lieber dem Staat? Und die Meute applaudierte. Jedes Stimmvieh sucht sich seinen Metzger selbst.

    Pampastier

    P.S.: Habe gerade gelesen, dass sich seit Einführung des Dosenpfandes die Quote der Mehrwegflaschen von über 50% auf knapp 35% verringert hat. Bravo!

  39. Wer die richtigen Fragen nicht wagt, der wird auch kaum die richtigen Antworten bekommen. Das gilt auch in der Politik, nach herrschendem Grundverständnis Rechts-, wie Wirtschaftspolitik. Der Legende nach eine Politik, die vom und durch das Recht gesteuert wird, nicht durch persönliche Interessen.
    Aufstossen sollte schon bei solchem „Haushaltszielen“ wie Konsolidierung 2011, das hier das Regierungsziel einer noch gar nicht gewählten: „legitimierten“ Regierung verkündet wird. Das einmal ernst genommen: Gewählt werden braucht davor in Deut- schland nicht mehr, mit der Regierung stehen die Regierungsziele fest. Uns fehlt es schlicht an dem Mut die Frage zu stellen: Sollen Wirtschaft oder Staat von Politik oder Verwaltung und deren In- teressen bestimmt oder gestaltet werden oder von den Interessen Privater? Wie ein amerikanischer Politiker einmal sein Programm „To Renew America“ einmal anschaulich beschrieb: Der Unter-schied zwischen Links und Rechts, Sozialisten und Liberalen ist ganz einfach. Stellen sie sich vor, sie sollten darüber entscheiden ob 1000 $ für die Ausbildung ihrer Kinder, angelegt werden sollten. „Liberals“ sagen: Auch nach Abzug aller Verwaltunkskosten bleibt den Kindern mehr, als wenn die Eltern über die Verwendung des Geldes bestimmten. Wir Konservative glauben das Gegenteil. Solchen Konservatismus gibt es in Deutschland nicht. Hier sind alle „Liberals“ im amerikanischen Sinne, also Sozialdemokraten.

  40. Niemand mit nem bissel Verstand wird ne Absenkung der Beiträge bei einem Abschwung auf 2,5 % fordern. Falls es rechtlich möglich ist, sollte man zeitlich begrenzt die absehbar höheren Beiträge für die Krankenversicherung mit den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung quer subventionieren. Aber solch ein Vorhaben wird schwer zu argumentieren sein.

    Von nem ausgeglichenen Staatshaushalt mache ich mein zukünftiges Wahlverhalten abhängig. Ich war schon beim Eichel so naiv zu glauben, dass wir 2006 ausgeglichen sind.

    Ein großes Konjunkturprogramm wäre wahrscheinlich die Abschaffung des Solis. Ich habe im Osten des öfteren gesehen, was für Projekte mit dem Geld realisiert werden. Da kann man gleich das Geld verbrennen.

    Was ist Sozialklimbim?

  41. Tja, und ewig grüßt das Murmeltier. Von 100€ Zusatzlohn bzw. -leistung kassieren die „Sozialsysteme“ bis zur Bemessungsgrenze gut 40€. Daneben langt die Einkommen-Steuer auf 83€ von 19% bis 42% je nach Einkommenshöhe bzw. Progression, zu. Einen kleinen Nachschlag noch für Soli 5,5% und Kirche 8-9% (je nach Gottesfurcht bzw. Bundesland) auf die Einkommenssteuerschuld (so einfach soll das alles schließlich nicht zu verstehen sein), und fertig ist das soziale Gerechtigkeitsgericht. Wie hoch müssten Tarifabschlüsse eigentlich ausfallen, um Reallohnverluste auszugleichen? Vor allem bei denjenigen, die nicht dem Durchschnittsbürger des Bundesamtes für Statistik entsprechen?

    Davon fließen 20-Sozialversicherungs-€ in die Rentenkasse, in der gesetzlichen Krankenkasse wird nochmals ordentlich von jung nach alt umverteilt und aus den Steuertöpfen fließen 80 Mrd.€ in Pensionen und Rentenkasse, roundabout ein Drittel des Haushalts. Daneben noch die Zinslast auf 1,5 Bio. € Staatsverschuldung (wir leben ja im Zeitalter Bio) aus längst verblichenen, fremdfinanzierten und geerbten Wohltaten.

    Einem durchschnittlich gebildetem und alleinverdienendem Familienvater mit Frau und zwei Kindern müsste man eigentlich die Frage stellen, ob er sich arbeiten noch leisten kann. Die Variante Hartz-IV dürfte sich zumindest spot in etlichen Fällen besser rechnen, vor allem, wenn man alle Möglichkeiten der Sozialgesetzgebung kennt und ausschöpft. Valium vom Staat, bis der schreiende Patient endlich Ruhe gibt. Langsames Einschläfern scheint human zu sein.

    Man stelle sich vor, wir würden auf der grünen Wiese einen Staat errichten und mit dem heutigen System als Vorschlag kommen. Ich hörte die Sozialpolitiker schon rufen, mehr Mittel für Irrenanstalten.

    Wie war das, mehr nutto vom bretto, oder so ähnlich? Egal, unsere Kanzlerin kennt den Unterschied ja auch nicht, obwohl dereinst (vor der Bundestags-Wahl) versprochen. Pfui Teufel! …wie Kurt Beck einst (vor der Hessenwahl) meinte, man werde nie mit denen koalieren, die dem Schießbefehl an der Mauer auch heute noch Positives abgewinnen können.

    Seine politische Amok-Läuferin Y. hat sogar noch nach der Wahl gelogen, da wird es schon fast wieder komisch, um die Wörter dreist und dumm nicht zu kombinieren. In welcher Religion hat der mit pfui angerufene Teufel eigentlich noch einen Senior-Chef? Huch, ich vernehme Rollgeräusche in der DSL-Verbindung, unsere „Freiheit“ wird von ausländischen Bösewichten bedroht, mir wird angst und bange.

    Moral? Und die Moral von der Geschicht’?

    Fürchtet euch nicht!

  42. Lieber TRY, hört sich gut an, “mehr netto vom brutto“. Ich stimme dem ganz sicher in vollem Umfang zu. Bei den meisten Menschen wird der Satz meiner Beobachtung nach allerdings kaum verstanden. Längst haben viele Menschen komplett verinnerlicht, dass es zig „Töpfe“ gibt, die man anzapfen kann und auf diese Art, sein Netto erhöhen. Diese „Einkommensquelle“, also die vielfältigen Transferleistungen erreichen wie sie natürlich wissen inzwischen über 40% der Bevölkerung. Deshalb macht es für „diese Leute“ , die nur diesen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit betrachten, durchaus Sinn ihre relativ wenigen Steuern zu zahlen. Die Tranfers gleichen das aus. Die beliebte Forderung mehr Steuer für Reiche passt perfekt in diese Denkweise. „Diese Leute“, deren Zahl inzwischen SEHR wahlrelevant ist, trifft die EK-Steuer nicht wirklich. Deshalb „erreicht“ man sie mit diesem Statement nicht. Es hat aus Ihrem Blickwinkel, in ihrem Verständnis der Dinge, keine Relevanz. Der Begriff „kalte Progression“ so wahr er ist wird nicht verstanden. Er führt zwar zu Staatsverdruss, mangels Verständnis des Systems aber nicht zu den „richtigen“ Schlussfolgerungen. Irgendwie hat „die Linke“ es wesentlich besser geschafft sich auf die „Verständnismöglichkeiten“ der Kleinen Leute einzustellen, als „Liberalen“ ( auch der BEGRIFF „liberal“ ist ja bei einfachen Leuten schon zum Schimpfwort mutiert ) das möglich war. Liberales Denken setzt eine gewisse „erweiterte“ Erkenntnisfähigkeit voraus. Die ist einfachen Leuten nur schwer abzuverlangen. Zumal „Bildung“ bestenfalls vielfach nur noch im beruflichen Sinne emotional positiv besetzt ist.

  43. Bravo, lieber Herr Tichy. Bildung statt Styropor an der Hauswand! Wann wird man diesen Slogan mal auf Wahl-Plakaten lesen?

  44. Es gibt eine Handvoll aktiver Politiker, die rühmen sich gerne und also meist öffentlich, dem „Verein der
    deutlichen Aussprache“ anzugehören, will heißen,
    sie reklamieren für sich die Fähigkeit, dem Volke auch
    unangenehme Dinge zu sagen. Jüngst brüstete sich
    Erwin Huber, offensichtlich überforderter Vorsitzender
    der CSU, seine Partei sei nachgerade die Inkarnation
    solch mannhaften Tuns. Und doch: markig sind die
    Sprüche der Damen und Herren nur dann, wenn der
    Stammtisch bedient oder gar übertrumpft werden
    soll. Wann aber hat zuletzt ein in Amt und Würden
    befindlicher Politiker seinem Volk die Leviten gelesen?
    Wann seinen Wählern die wahre Zumutung zugemutet,
    wonach politische Mündigkeit auch die Verpflichtung
    zu Weiterbildung und wenigstens latentem Interesse in sich birgt? Wann hat einer der Damen und Herren es zuletzt gewagt, es der stets kritikbereiten
    Öffentlichkeit zurückzugeben? Zum Beispiel mit der Binse, dass es Themen gibt, die sich eben nicht in einem 38-
    Sekunden-Statement in der Tagesschau schlüssig darstellen lassen, oder für eine der inflationären Maul-
    Diarrhoe-Veranstaltungen (gern auch Talkshows genannt)
    taugen. und sie wegzuführen von
    der so platten wie falschen Vokabel der „Wählerbeschimpfung“, die alle Politiker so fürchten.
    Es gäbe, so Alt-Bundespräsident Roman Herzog in einem Interview, auch ein Grundrecht auf Dummheit. Auf die Frage, warum sich elf Jahre nach seiner berühmten
    „Ruckrede“ nichts bewegt habe in Deutschland, antwortete
    Herzog: „Weil sich das Volk nicht bewegt. Es gibt zwar eine gewisse Bereitschaft zu Veränderungen.
    Aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma,
    um sie zu mobilisieren“. Warum das so ist, weiß der Bundespräsident auch: weil die beiden politischen
    Lager, die eine kleine Koalition bilden könnten,
    annähernd gleich groß seien und jeder falsche Schritt die
    Mehrheit kosten könne. Also stünden die politischen
    Parteien eher still. Um dann auf die Frage, wie
    es sein könne, dass selbst der „nachweislich Jobs vernichtende Mindestlohn“ bis tief ins bürgerliche Lager
    Umfragemehrheiten bis zu 70 Prozent bekomme, das
    bereits erwähnte „Dummheits-Grundrecht“ zu bemühen.
    Was der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtes
    und Verfasser des meistgeachteten Grundgesetz-
    Kommentars eher spöttisch formuliert, entwickelt
    sich zunehmend zu einer ernsten Gefahr für die
    parlamentarische Demokratie dieses Landes. Die deutsche
    Gesellschaft nimmt sich mehr und mehr das Recht heraus, Zusammenhänge nicht nachvollziehen zu wollen, sie in Wahrheit nicht mal zur Kenntnis zu nehmen. Das Volk will
    nicht erkennen und verstehen, sondern bedient werden
    und politische Inhalte auf dem Niveau von Privatfernsehen
    und Boulevard-Medien vermittelt bekommen.
    Und die politische Klasse dieses Landes lässt die Bürger nicht nur gewähren, sondern ermuntert sie in ihrer Verweigerungshaltung durch Anbiederung und Sozialisierung des Stammtisches.
    Dieses Phänomen hat zwei Seiten. Betrachten wir zunächst
    die des „aktuellen Personals“, wie Roman
    Herzog die derzeit handelnden Politiker genannt hat.
    Verantwortungsvolle Mandatsträger übernehmen mit
    einem solchen auch immer die Verpflichtung, die Bürger
    (und Wähler) auf ihrem Weg „mitzunehmen“. Wie viele von ihnen haben gerade diesen Ausdruck in der Vergangenheit im Überfluss gebraucht. Aber wohin haben sie die Deutschen denn mitgenommen? Auf das Niveau sich ihrer
    Pflicht als Staatsbürger bewusste Citoyens, die sich
    für den Fortgang und die Entwicklung ihres Gemeinwesens
    interessieren und also auch auf der Höhe der
    gesellschaftlichen Diskussion sind? Oder auf die Tiefebene
    der passiven, stets ihre Rechte einklagenden
    Masse, die vor allem betreut, bespielt und bespaßt
    sein möchte? Die gesellschaftliche Veränderungen
    immer nur als ihnen persönliche geschehene Ungerechtigkeit wahrnimmt, die der Staat gefälligst zu verhindern habe.
    Wir sind natürlich in der Tiefebene angekommen,
    jeder weiß es. Und daran tragen mindestens zur Hälfte
    die Gewählten dieses Landes Schuld. Die Entwicklung
    und Ausbildung einer bürgerlichen Zivilgesellschaft
    ist originäre Aufgabe von Politikern. Die richtige Ansprache, die Vermittlung von Selbstverantwortung für die eigenen
    Lebensumstände und die politische Verfasstheit eines
    Staates, das aktive Verneinen des „wir-da-oben ihr-
    da-unten-„Prinzips auch. Die Parteien haben ihre
    Wähler aber lieber „dumm“ gehalten. Sie sind auf diese
    Weise eben einfacher zu führen, einfacher zu manipulieren,
    auch, sagen wir’s frei heraus, einfacher zu hintergehen. Und wenn es einen Wendepunkt hin zu dieser fatalen Entwicklung gibt, dann war es wohl das Diktum des allseits hochgeschätzten Weltpolitikers Helmut Schmidt, wonach
    er, wenn er Visionen habe, zum Arzt ginge. Hier hat
    einer auf dem Niveau des Staatsbeamten gesprochen,
    der Schmidt in Wahrheit immer wahr. Einer, der exzellent
    verwaltet hat, aber nie wirklich gestalten wollte
    und also auch nicht konnte. Schmidt war und ist
    Verweigerung der Bürgerpflicht – Vom vermeintlichen Grundrecht auf Dummheit. Es gibt eine Handvoll aktiver
    Politiker, die rühmen sich gerne und also meist öffentlich, dem „Verein der deutlichen Aussprache“ anzugehören, will heißen, sie reklamieren für sich die Fähigkeit, dem Volke auch unangenehme Dinge zu sagen. Jüngst brüstete sich
    Erwin Huber, offensichtlich überforderter Vorsitzender
    der CSU, seine Partei sei nachgerade die Inkarnation
    solch mannhaften Tuns. Und doch: markig sind die
    Sprüche der Damen und Herren nur dann, wenn der
    Stammtisch bedient oder gar übertrumpft werden soll. Wann aber hat zuletzt ein in Amt und Würden
    befindlicher Politiker seinem Volk die Leviten gelesen?
    Wann seinen Wählern die wahre Zumutung zugemutet,
    wonach politische Mündigkeit auch die Verpflichtung
    zu Weiterbildung und wenigstens latentem Interesse in sich birgt? Wann hat einer der Damen und Herren es zuletzt gewagt, es der stets kritikbereiten Öffentlichkeit zurückzugeben? Zum Beispiel mit der Binse, dass es Themen gibt, die sich eben nicht in einem 38-Sekunden-Statement in der Tagesschau schlüssig darstellen lassen, oder für eine der inflationären Maul-Diarrhoe-Veranstaltungen (gern auch Talkshows genannt)taugen.
    Da muss schon ein Ehemaliger kommen, um es den
    Regierenden, Abgeordneten und Ministerpräsidenten
    dieses Landes vorzumachen seinen Bürgern Beispiel in
    Pflichterfüllung und Disziplin, nicht aber als homo politicus, der ein Gemeinwesen fördert und fordert.
    Sein Nachfolger Helmut Kohl hatte diese Lücke erkannt und zu seinem Amtsantritt die „geistigmoralische Wende“ ausgerufen. Vermutlich war das nichts weiter als ein plumper Wahlkampfkniff, ein denkwürdiger allerdings.
    Denn Kohl wurde von der anfangs durchaus interessierten
    Elite dieses Landes die 16 Jahre seiner Kanzlerschaft
    stets und ständig daran gemessen. Er hat diese Wende nie in Angriff genommen, er hat sie nicht angestoßen, er hat einen solchen Prozess nicht gefördert.
    Im Gegenteil: unter seiner Regentschaft hat die latente Abkehr von allem Politischen an Fahrt gewonnen, weil er nur zu gern den Eindruck des alles gütig überwachenden
    Vaters erwecken wollte und weil sich mit eben diesem Bild so wunderbar Wahlen gewinnen ließen. Und Angela Merkel? Viele winken enttäuscht ab und schmähen sie als wenig
    werteorientierte, dem eigenen Machterhalt deutlich
    zugeneigtere Ostdeutsche. Das ist grob unfair, trat Merkel zunächst doch mit einem ebenso ehrgeizigen wie durchaus gewagten Reformprogramm 2005 vor die Wähler. Weniger
    Staat, schmerzhafte Einschnitte bei liebgewonnenen,
    aber zu teuer gewordenen Sozialleistungen, Betonung der Eigenverantwortung jedes Einzelnen: das Programm war deutlich darauf angelegt, den Bürger „mitzunehmen“ auf
    das Niveau eines anderen Gemeinwesens. Doch sie
    hätte stehen müssen, um glaubwürdig zu sein. Hätte
    diese Politik verteidigen müssen, auch auf Kosten
    der eigenen Zukunft. Das mag für einen Politiker, der denkt wie ein Politiker, naiv sein. Aber hätte Angela Merkel noch in der Wahlnacht sich vor die Bürger gestellt und ihren
    Rückzug angekündigt, eben weil sie für diese Reformen
    keine Mehrheit bekommen hat und weil sie
    die nun in einer Großen Koalition unerlässlichen
    Kompromisse nicht zu machen bereit ist, hätte sie diesem Gemeinwesen und der Emanzipierung der parlamentarischen Demokratie einen unschätzbaren
    Dienst erwiesen. Chance vertan, nun webt sie mit den Herren Sozialdemokraten am gleichen Muster wie ihre Vorgänger. Die zweite Seite des „Dummheits“-Phänomens
    sind die Bürger dieses Landes. In einer fatalen Mischung
    aus dem Kindertrotz „ich esse meine Suppe nicht“ und radikaler Ausblendung alles Politischen
    verweigern sie zunehmend die Teilhabe an dieser Gesellschaft. Die Geschehnisse um die Bundestagswahl
    2005 haben ja durchaus auch eine Kehrseite.
    In den Analysen hieß es immer wieder, Merkel habe die Bürger mit ihren weitgehenden Reformen „verschreckt“. Und eben das ist der Kern: Es geht um die Frage, wie in diesem Land Wahlentscheidungen getroffen werden.
    Es geht darum, ob die Bürger unbequemen, aber nach
    Sachlage vernünftigen Vorschlägen und Argumenten überhaupt noch zugänglich sind. Es geht darum, wie viel der Wähler von den Zusammenhängen weiß oder wie viel Wissen er sich vor seiner Entscheidung anzueignen bereit ist. Wie ernst wird in diesem Land eine Bundestagswahl
    genommen? Und was „verschreckt“ den Bürger dieses Landes mehr: der nach wie vor alarmierende ökonomische Zustand dieses Landes oder Politiker, die etwas dagegen tun möchten?
    Machen wir uns nichts vor: Deutschland hat bei der
    letzten Bundestagswahl eklatant gegen seine Zukunft
    abgestimmt. Es hat die schmerzlichen, aber notwendigen Reformen nach hinten verschoben, nach dem Motto,
    „vielleicht geht’s ja auch ohne“. „Irgendjemand“, so
    sagt Roman Herzog, „müsste vorangehen, Vertrauen
    schaffen – und mal wieder echte Begeisterungsstürme
    auslösen“.
    Nun denn: vielleicht tut es auch erst mal der simple
    Versuch, dem Bürger klar zu machen, dass es „ohne“
    eben nicht geht. Natürlich muss das Steuersystem
    grundlegend reformiert werden, natürlich muss der
    Kündigungsschutz verändert und flexibler gemacht
    werden, natürlich müssen die ärgsten Auswüchse des
    Betriebsverfassungsgesetztes geglättet werden, natürlich
    muss in diesem Land ein Klima erzeugt werden,
    das nicht jede Debatte über Subventionen, Zuschüsse,
    und Steuerfreibeträge apriori als unsozial brandmarkt.
    Natürlich darf der Mindestlohn nicht umgesetzt
    werden, natürlich darf der Staat keine Höchstpreise
    bei Lebensmittel oder Energie festsetzen, natürlich
    muss man solchen Dampfplauderern wie Arbeitsminister
    Scholz und dem saarländischen SPDVorsitzenden
    Maas mit Verve und Kenntnis entgegentreten.
    Dieser „Irgendjemand“ also sollte weniger sich im
    Sinn haben als das große Ganze. Und er sollte den
    Mut haben, die schöne Formel des Alt-Bundespräsidenten zu entlarven: es mag ein Recht auf Dummheit geben, aber
    nie und nimmer ist es ein Grundrecht!
    Albrecht Prinz von Croy
    Der Autor ist geschäftsführender
    Redakteur beim in
    Düsseldorf erscheinenden
    Handelsblatt
    Ausgabe 48 Bürgerbrief

  45. Frau Merkel der CDU zuzurechnen halte ich für gewagt. Frau Merkel, und das bezeugt ihr gesamter Lebenslauf, ist der personifizierte Opportunismus. Vor diesem Hintergrund ist sie der Union beigetreten und nicht etwa, weil ihr Konservative Einstellungen oder christliche Ideale soviel bedeuten würden.

    Der deutsche Blätterwald ist nunmal diffus sozialdemokratisch und da dieser sowohl die Probleme des Landes definiert wie auch den Erfolg der Therapie kontrolliert verhält sich die Bundeskanzlerin so wie sie es tut.

    Ich sehe das Problem da auch weniger bei der Politik. Würde Frau Merkel gegen die eingeredeten Ungerechtigkeiten und herbeigenötigten Probleme eine Politik machen, würde eben bei der nächsten Bundestagswahl ein anderer dem Ruf der ewig schwätzenden Journalisten folgen, die sich vor niemandem für ihren Unfug rechtfertigen brauchen.

  46. Deutschland hat sich festgefahren in der Moderne. Die Bundesbürger
    vom Spitzenmanager, Spitzenpolitiker über den Handwerker, den
    mittleren Angestellten bis hin zum HartzIV-Empfänger und Langzeitarbeitslosen, haben sich „eingerichtet“ und sind zufrieden mit ihrem Los. Wer bitteschön, sollte auch Was, verändern wollen,
    an der augenblicklichen Situation ? Es herrscht der Müsiggang.
    Die leichten und kulturellen Ablenkungen, von der Bundesliga bis
    hin zu DSDS, reichen den Bundesbürgern aus, um ihren Horizont
    weitestgehend zu erweitern. Es fehlen die Visionen, die Leitgedanken, die Aufbruchstimmung, das Wachrütteln, der
    Wille, die Fortschrittsgedanken etc. Wir lassen, vordenken, vorleben,
    vorspielen, vormachen und das gefällt so der lahm gewordenen
    drögen Masse, egal, ob Wirtschaftsauf- oder Abschwung.
    Gruss Zamir