Zwei Wahrheiten

Das klingt ziemlich spinnert, bisweilen paranoid – und doch haben viele Leser der WirtschaftsWoche solche Fragen gestellt. Bei Banken häufen sich Anfragen danach, wie sicher denn die Spareinlagen wirklich, wirklich sind. Offensichtlich löst die Finanzkrise bei vielen jene Urängste aus, die zuletzt während der Koreakrise in den frühen Fünfzigerjahren die leidgeprüfte Kriegsgeneration veranlasste, Notvorräte einzulagern. Sind wir schon wieder so weit? Oder reden wir den Aufschwung kaputt — unfähig, das Positive wahrzunehmen?

Bislang ist Deutschland ganz gut davongekommen. Zwar werden sich, allen Prognosen zufolge, die stolzen Wachstumsraten des vergangenen Jahres heuer halbieren. Aber die Wirtschaft hat Schwung. Nicht einmal der schwache Dollar, früher immer die gefürchtete Bremse für die Ausfuhren, konnte die Exporterfolge der deutschen Industrie stoppen: Sie lagen im Januar mit einer Zunahme von neun Prozent sogar noch über dem Rekordwert des Vorjahres. Neue Arbeitsplätze entstehen; in der Metallindustrie steigen die Löhne um 4,1 Prozent, in der Stahlindustrie um 5,2 Prozent. Damit werden die Arbeitnehmer in den exportorientierten Branchen zu Globalisierungsgewinnern. Offensichtlich wird Deutschland mit vielen High-Tech-Produkten zur Werkstatt für die Industrialisierung der großen, neuen Wachstumsstaaten in Asien und Südamerika.

Auch andere Branchen wie Handwerk, Bauwirtschaft und Zulieferer profitieren davon, dass die Exportindustrien jetzt investieren und ihre Kapazitäten ausweiten, um weiter liefern zu können. Auch wenn bei Siemens, Henkel, BMW oder Nokia Tausende von Jobs wegfallen: Die Arbeitslosigkeit sinkt, und die Zahl der Beschäftigten bewegt sich um die 40 Millionen – ein Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Es sieht so aus, als ob wir noch einmal davonkommen und die deutsche Industrie sich von den irren Finanzmärkten abkoppeln könnte, die unserer Wachstumskurve allenfalls eine Delle versetzen, aber keine Richtungsänderung auslösen können.

Zwar misstrauen die Banken einander und leihen sich gegenseitig kein Geld – aber die Industrie leidet noch nicht unter eine Verknappung und Verteuerung der Kredite, die sie für ihr Wachstum braucht. Auch die Lage in den USA ist so hoffnungslos nicht: Zwar sinken die Hauspreise immer weiter – in manchen Städten wie Phoenix und San Diego um fast 20 Prozent – und verschärfen damit die Immobilienkrise.

Doch US-Regierung und Notenbank versuchen mit allen Mitteln, den Preisverfall zu stoppen und die Finanzkrise einzudämmen. Früher oder später werden sie damit Erfolg haben, auch wenn die Banken jetzt ihre Verluste sozialisieren, was die Steuerzahler teuer zu stehen kommen wird. Weltweit setzt sich die Einsicht durch, dass Bankgeschäfte zu wichtig sind, um sie den Banken zu überlassen. Gerade auch das Versagen der deutschen Landesbanken und anderer staatsnaher Banken zeigt, dass die Bankenaufsicht verschärft gehört und dem Einflussbereich der Politik entzogen.

Es gibt leider zwei Wahrheiten: Die eine wird vom Aufschwung der Realwirtschaft geprägt, die andere von der intellektuellen Bankrotterklärung des Finanzsystems. Übrigens: Einer der wichtigsten Frankfurter Fondsmanager kauft privat statt der eigenen Derivate ganz archaisch Krügerrand und Goldbarren – der Mann weiß, was er tut. Weil er weiß, was von den Risikomodellen seines Hauses zu halten ist.

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Alle Kommentare [6]

  1. Wirtschaft ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern nach dem Gewinn. Wer darüber lamentiert hat entweder nichts wirklich verstanden, oder verfolgt einen anderen Zweck.
    Wer das platzen einer Immobilien-Blase mit dem „intellektuellen
    Bankrott“ des ganzen Finanz- womöglich Gesellschaftssystems verwechselt, der möchte sein Publikum auch glauben machen, dass Zitronenfalter Zitronen falten, na ja, irgendwas muß ein jeder halt tun für sein karges Scherflein, was ihn mit 50 Jahren finanziell unabhängig macht …goldene Zeiten eben für Sprüchemacher, oder?

  2. Schade, dass auch Sie immer wieder – indirekt das sozialistische Horn tutend – gebetsmühlenartig wiederholen, dass Notenbanken, also Klein-Fritzchen-Steuerzahler die Banken-Rechnung am Ende bezahlen wird. Das ist – aller Wiederholungen zum Trotz und Gott sei Dank – einfach ein reichliches Stück zu kurz gesprungen – speziell für ein „Wirtschaftsblatt“. Prinzipiell: Ein Risikokapitalgeber – und genau DAS sind die Notenbanken in diesem Fall – wird – falls er nicht dement ist – immer „entsprechende“ Sicherheitsabschläge kalkulieren und im Moment, wo diese abgebaut sind wieder sein Porfolio marktschonend verkaufen. DAS ist sein Geschäft. Und es IST ein Geschäft….wenn die Kanonen donnern …

  3. Die Rezession ist schon im vollem Gange nur die Medien spielen sie noch herunter. Inflation ist für alle Staaten das beste Mittel sich zu entschulden. Für den \“Kleinen\“ ist es ein Bankrott.

  4. und noch ein Lesetipp
    „Geld arbeitet nicht“ von Hauke Fürstenwerth,
    nach der Lektüre verstehen Sie, wie und warum sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft entfernt hat.

  5. Ich halte eine Krisenvorsorge für zwingend notwendig. Wir alle sehen seit Monaten, dass wie sich Finanzkrise ausweitet und auch vor unserem Land nicht halt macht. Ich rate im Gegensatz zu vielen Ratgebern zu einer die umfassende Krisenvorsorge, die meiner Meinung nach aus drei Bereichen besteht: 1. Finanzen, 2. persönliche Vorsorge (Vorräte) und 3. die eigene Sicherheit. Mein Buchtipp dazu ist das Buch „Gold & Silber kann man nicht nicht essen“. Wir leben in einem sehr dicht besiedelten Land und sind Krisen nicht gewohnt. Das Bundesamt für Katastrophenschutz rät dazu, dass jeder Haushalt Vorräte für 14 Tage haben sollte. Das dürften bei uns nur die wenigsten haben. Wenn tatsächlich eine große Bank pleite geht, infolgedessen eine Panik ausbricht und die Menschen in die Geschäfte stürmen, würde es nach wenigen Tagen nichts mehr geben. Man mag gar nicht überlegen, was dann nach wenigen Tagen los wäre. Denkbar sind Plündereien und Überfälle, wie wir sie nur aus der Tagesschau kennen, daher denke ich, muss man auch seine eigene Sicherheit überprüfen und entsprechende Vorkehrungen treffen.

  6. Lesen Sie doch mal das Buch \“ Die Kreatur von Jekyll Island\“über das Wesen der FED, dann versteht man worum es eigentlich geht !