Ein amerikanisches Unternehmen will Städte von Verkehrsstaus erlösen - mit einem schwebenden Taxi.
Von Andreas Menn
In der Zeichentrickserie “Futurama” haben die Bewohner es gut: Sie steigen morgens in eine Glasröhre, die sich hoch über den Dächern durch die Stadt schlängelt – und lassen sich von dort aus direkt vor ihr Büro katapultieren.
Diese schöne neue Cartoon-Welt, in der niemand mehr im Stau oder verstopften Zug steht, spielt leider im fernen, 31. Jahrhundert. Doch so lange will Jerry Sanders nicht warten. Der Chef des amerikanischen Unternehmens SkyTran hofft, schon in zwei Jahren die erste menschliche Rohrpost in Betrieb nehmen zu können. “Die Menschen sind es leid, jede Woche Stunden in Staus zu verbringen”, sagt Sanders, “für dieses Problem haben wir die beste und preiswerteste Lösung.” Und diese Lösung heißt SkyTran – eine Wortschöpfung aus den Worten “Sky” (Himmel) und Transport.
SkyTran hat mit der Futurama-Rohrpost vor allem eines gemeinsam: Es transportiert jeden Passagier auf direktem Weg zu seinem Ziel – ohne Zwischenstopps an Haltestellen oder roten Ampeln.
Und so funktioniert das: Zwei Personen sitzen in windschnittigen Kabinen hintereinander, so wie in einem Segelflugzeug. Die Kabinen sind an einer 45 Zentimeter dicken Metallschiene befestigt – sechs Meter über der Straße. Und von dort gleiten sie durch die Luft.
Die Passagiere steigen an speziellen Halte-Plattformen ein. Sobald sie Platz genommen haben, wählen sie auf einem Flachbildschirm ihr Ziel – und schon braust die computergesteuerte Kabine los und schwenkt über eine Weiche in die Hauptfahrstrecke ein. Im dichten Abstand von einer halben Sekunde sausen die Wagen hintereinander her, jeder einzelne wählt innerhalb des weit verzweigten Streckennetzes die kürzeste Route.
Ungestört von Staus oder Ampeln, so die Idee von Sanders, kommen Stadtbewohner damit schneller durch den Berufsverkehr – und noch dazu enorm umweltfreundlich: Die Kabinen verbrauchen pro Kilometer 15 Mal weniger Energie als herkömmliche Autos. Außerdem befindet sich die Aufhängung der Vehikel auf einem Magnetkissen – wodurch sie auf 240 Kilometer pro Stunde beschleunigen können.
Bisher fährt SkyTran zwar nur auf einer wenige Meter langen Schiene in einem Forschungslabor in Kalifornien. Doch nun plant Tel Aviv eine sechs Kilometer lange Strecke, von einem Industriezentrum über die Universität bis zum Hafen. “2014 können wir starten”, hofft Sanders. Auch die israelische Küstenstadt Netanja, 30 Kilometer weiter nördlich gelegen, und der indische Bundesstaat Kerala erwägen eine Strecke.
Offen bleibt allerdings, ob die Menschen in Tel Aviv Kabinen akzeptieren, die über ihren Köpfen und vor ihren Fenstern vorbeiflitzen. Sanders will die Bedenken aber gleich zu Beginn zerstreuen. So sollen sich Fahrzeuge per Smartphone an einer gewünschten Haltestelle reservieren lassen. Und während der Fahrt sollen Passagiere auf einem Bildschirm im Armaturenbrett fernsehen und im Internet surfen.
Und das wäre sogar noch komfortabler als die Rohrpost in Futurama.










