» 30.11.2012, 12:47

Warum helfen wir den Griechen?

Warum muss der Bundestag schon wieder den Griechen helfen und was heißt das eigentlich genau? Konrad Fischer beantwortet diese Fragen für euch!

„Bundestag winkt Griechen-Hilfe durch“ steht heute auf Spiegel Online und auch bei WirtschaftsWoche Online ist Griechenland ein großes Thema. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Kein Wunder, denn es ist nicht das erste Mal, dass im deutschen Parlament solche Entscheidungen fallen. Und erst recht nicht das erste Mal, dass solche Sätze im Internet oder der Zeitung stehen.

Genau genommen ist es heute das dritte Mal, dass im deutschen Bundestag Hilfen für Griechenland genehmigt werden. Überlegt haben sich das Kanzlerin Angela Merkel und die anderen Staatschefs von allen Ländern, in denen man mit dem Euro bezahlen kann. Denn der griechische Staat hat schon seit langem ein Problem: Er gibt mehr Geld aus als er einnimmt. Deshalb muss er sich das Geld anderswo leihen, zum Beispiel bei Banken oder normalen Anlegern. Das ist an sich nichts Besonderes, auch Deutschland tut das seit vielen Jahren. In Griechenland ist es bloß so viel geworden, dass immer weniger Menschen und Banken noch daran glauben, dass sie ihr Geld tatsächlich einmal zurückbekommen, wenn sie es dem griechischen Staat leihen.

Deshalb will seit inzwischen fast drei Jahren keiner mehr dem griechischen Staat Geld leihen. Die europäischen Staatschefs wie Angela Merkel glauben aber, dass die Angst der Banken und Anleger um ihr Geld unberechtigt ist. Sie meinen, dass der griechische Staat nur ein paar Reformen machen muss, also Steuern erhöhen, um mehr Geld einzunehmen und Angestellte entlassen, um weniger Geld auszugeben. Dann würde er weniger Kredite brauchen und die Lage würde sich entspannen. Deshalb leihen die anderen Staaten jetzt Griechenland selbst das Geld. So kann der griechische Staat auch in den nächsten Jahren seine Ausgaben finanzieren, also zum Beispiel Lehrer bezahlen oder Arbeitslose unterstützen.

Die anderen Länder haben außerdem Angst davor, was passieren würde, wenn Griechenland kein Geld mehr bekäme. Dann wäre das Land pleite und keiner, der Griechenland jemals Geld geliehen hat, würde es zurückbekommen. Dann könnten die Banken und Anleger denken: Wenn wir bei Griechenland unser Geld nicht zurückbekomme, vielleicht ist es dann bei den anderen Euro-Ländern genauso? Dann würden sie vielleicht auch Deutschland kein Geld mehr leihen. Das aber würde die ganze Wirtschaft durcheinanderbringen, Unternehmen müssten schließen und viele Menschen würden arbeitslos.

Als die Euro-Länder deshalb vor zwei Jahren angefangen haben, Griechenland Geld zu leihen, war das eigentlich nur für einen kurzen Zeitraum geplant. Sie dachten: Wenn Griechenland schnell die Reformen umsetzt, dann sehen die Banken und Anleger, dass sie ihre Schulden doch zurückzahlen können. Und dann, dachten die Staatschefs, würden sie den Griechen auch wieder selbst Geld leihen. Die anderen Staaten könnten dann damit aufhören und alles wäre beim alten.

Doch es kam anders. Zwar hat der griechische Staat ein paar Reformen gemacht, vor allem die armen Leute dort bekommen heute viel weniger Hilfen als früher und viel weniger als in Deutschland. Doch die Reformen haben das Problem nur ein bisschen abgeschwächt, nicht gelöst. Zugleich haben sie sogar selbst das Problem verschlimmert: Weil der Staat in Griechenland immer weniger Geld verteilt, kaufen die Menschen immer weniger und deshalb geht es auch den Unternehmen schlecht. Weil die Unternehmen weniger verdienen, müssen sie auch weniger Steuern zahlen und deshalb hat der Staat noch weniger Geld.

Die Idee der europäischen Regierungen hat also noch nicht funktioniert. Sie glauben aber weiterhin, dass die Idee an sich richtig ist. Deshalb haben sie sich jetzt geeinigt, den Griechen noch länger Geld zu leihen, mindestens bis 2020. Sie hoffen, dass bis dahin endlich ihre Taktik funktioniert.

» 30.11.2012, 12:47

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