» 26.09.2011, 14:15

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TÜV-Studie zur Elektromobilität: Umweltschutz ist nur den Deutschen als Kaufanreiz am wichtigsten

technologiefuehrer_bei_elektroautos_19981_loresEine interessante Studie zum Thema Elektromobilität hat der TÜV Rheinland vorgelegt. Untersucht wurde die Stimmungslage von Verbrauchern in zwölf bedeutenden Automobilmärkten: China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Indien, Israel, Italien, Japan, Portugal, Spanien, Großbritannien und USA. Wichtig waren dem TÜV Rheinland unter anderem das Markenbewusstsein, mögliche Kaufmotive, Informationsstand und Sicherheitsbedenken der Verbraucher in Sachen Elektromobilität.  

Elektromobilität bei Chinesen und Indern weit vorn

Die Akzeptanz von Elektroautos nimmt weltweit zu, vor allem in aufstrebenden Märkten mit ungebremst wachsender Mobilität. 92 Prozent der Inder und 88 Prozent der Chinesen wären bereit, sich bei einem Neuwagenkauf in den nächsten fünf Jahren für ein Elektroauto zu entscheiden. Auch 85 Prozent der Italiener planen eine entsprechende Anschaffung. In Deutschland und den USA würden lediglich 57 Prozent der Befragten ein solches Vorhaben in die Tat umsetzen.

Damit liegt Elektromobilität in der Gunst der Verbraucher aus den zwei großen Industrienationen deutlich hinter den Befragten in wirtschaftlich schwächeren Ländern wie Portugal (78 Prozent), Spanien (72 Prozent), Israel (63 Prozent) und Großbritannien (60 Prozent) – ist aber immer noch höher als in Frankreich (52 Prozent) und Dänemark (37 Prozent). Im Hochtechnologie-Land Japan hat Elektromobilität vergleichsweise wenig Zuspruch unter Autokäufern (34 Prozent). Im Gegensatz dazu billigte die Mehrheit der Befragten weltweit Japan und Deutschland die Technologieführerschaft zu. Unter allen Automobilmarken genießt Toyota weltweit die höchste Elektrokompetenz. 

Auffällig ist, dass Marken wie Nissan und Mitsubishi, die bereits Serienfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb anbieten, in den weltweiten Rankings der TÜV Rheinland-Studie nicht an der Spitze anzutreffen sind – im Gegensatz zu Toyota, die sowohl höchste Werte im Markenbewusstsein als auch in der Kaufpräferenz erreicht. Männer stehen dem Elektroantrieb aufgeschlossener gegenüber – insbesondere in Deutschland, Frankreich, Israel, Italien und Japan. Frauen äußern dagegen eher Vorbehalte ebenso wie Menschen mit eher geringen Einkommen sowie Bewohner ländlicher Gebiete. Die Mehrheit der Befragten weltweit plädierte für eine staatliche Unterstützung bei der flächendeckenden Einführung der alternativen Antriebstechnologie. Allerdings muss der Strom aus regenerativen Ressourcen stammen. 

Toyota bei Markenbewusstsein vorne – auch ohne Elektroauto

Aufschlussreich ist das Ergebnis auf die Frage: „Welche Hersteller fallen Ihnen ein, wenn Sie an ein Elektroauto denken?“ Im Markenbewusstsein rangiert Toyota in der TÜV Rheinland-Studie klar auf Platz eins. Insgesamt 40 Prozent aller Befragten in den zwölf Ländern denken zuerst an die asiatische Marke – obwohl der japanische Autobauer derzeit im Gegensatz zu Nissan und Mitsubishi gar kein lupenreines Elektroauto anbietet –. „Toyota profitiert ganz offensichtlich vom Imagevorsprung, den sich das Unternehmen durch mehr als zehnjährige Erfahrung mit Hybridfahrzeugen im Markt erarbeitet hat“, sagt Thomas Aubel von TÜV Rheinland. In elf von zwölf Märkten billigen die Konsumenten Toyota eine hohe Elektrokompetenz zu, gefolgt von Honda und Renault. Lediglich in Indien verweist Honda mit 28 Prozent Toyota auf den zweiten Platz, gleichauf mit Mahindra (je 27 Prozent). 

Auch potenzielle Käufer favorisieren Toyota

markenranking_der_elektroautos_19982_loresIn China kämpfen Toyota, Honda und Audi gleichauf um die Präsenz im Bewusstsein der Verbraucher (34 Prozent). Unangefochten ist die Elektro-Kompetenz von Toyota auch in Deutschland (42 Prozent), übrigens noch vor den deutschen Platzhirschen wie Volkswagen (30 Prozent), Mercedes-Benz (23 Prozent), BMW (19 Prozent) und Opel (14 Prozent) sowie Renault, Smart (je 13 Prozent) und Honda (12 Prozent). Ergebnisse, die sich von der Theorie nicht eins zu eins in die Praxis übertragen lassen, wenn der Kauf eines Elektroautos tatsächlich ansteht: In diesem Falle würden sich weltweit die meisten Befragten zwar für einen Elektro-Toyota entscheiden (34 Prozent), doch etwa 17 Prozent favorisieren einen Honda oder einen Volkswagen (16 Prozent). Weniger Vertrauen haben Autokäufer in die Elektro-Kompetenz von Marken wie Nissan (14,6 Prozent), Ford (11,7 Prozent), Renault (11,5 Prozent), Peugeot (10,7 Prozent), Audi (9,4 Prozent), BMW (9,1 Prozent) und Opel (7,4 Prozent). 

Ganz andere Markenpräferenzen herrschen auf nationalen Märkten: Die meisten deutschen Verbraucher votierten für ein Elektrofahrzeug von Volkswagen (36 Prozent). Toyota landet bei der tatsächlichen Kaufentscheidung in der Hochvolttechnik nur auf Rang zwei (26 Prozent), gefolgt von BMW (19 Prozent), Mercedes-Benz (17 Prozent), Audi (16 Prozent) und Opel (13 Prozent). 

Die elektrophilen Franzosen hingegen bevorzugen Renault (33 Prozent) vor Toyota (31 Prozent), Peugeot (25 Prozent), Citroën (14 Prozent), Nissan (12 Prozent). Mit nur zehn Prozent landet VW in Frankreich auf Rang sechs im Vertrauen der Elektrofans. 

Auffällig ist, dass Marken wie Nissan und Mitsubishi, die mit dem „Leaf“ oder „i-Miev“ bereits Serienfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb anbieten, in den weltweiten Rankings der TÜV Rheinland-Studie nicht an der Spitze anzutreffen sind. Nissan findet sich im internationalen Verbraucherbewusstsein nur auf Rang vier und Mitsubishi landet sogar unter ferner liefen. Lediglich die Japaner und Portugiesen ziehen hinter Toyota an zweiter Stelle den Kauf eines Nissan ins Kalkül. Und allein in Japan kann sich Mitsubishi hinter Toyota, Nissan und Honda auf Platz vier behaupten. „Das zeigt ein erhebliches Kommunikationsdefizit seitens dieses Herstellers“, glaubt Aubel. Möglicherweise ist es auch ein Indiz dafür, dass Elektromobilität nur in China und Indien als die Zukunftstechnologie für individuelle Mobilität gilt. Alle anderen zehn Länder bevorzugen Hybrid-Lösingen – am stärksten die Dänen (76 Prozent) und US-Amerikaner (73 Prozent). 

Die meisten Gegner von Elektroautos kommen vor allem aus Japan (67 Prozent) und Dänemark (63 Prozent). Ihr Fahrverhalten ist nur schlecht kompatibel mit den derzeitigen Eigenschaften eines Elektroautos, und der Wissensstand zum Thema Elektroauto ist eher bescheiden. Sie haben außerdem unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug auf den Entwicklungsstand der Technologie von Elektroautos. Die Fahrer entwickeln nur ein geringes Umweltbewusstsein, haben Sicherheitsbedenken und eine hohe Preissensibilität. Ihre Kaufbereitschaft für ein Elektroauto ist nur gering. 

Kostenersparnis als Hauptanreiz für den Kauf

In den meisten Ländern sind Kostenersparnisse die Hauptmotive (so genannte Treiber) für den Kauf eines Elektroautos. Hier stehen an erster Stelle die USA mit 53 Prozent. Es folgen Großbritannien (51 Prozent) Israel (48 Prozent), Portugal (47 Prozent), Dänemark (38 Prozent), Japan (38 Prozent), Spanien (28 Prozent) und Frankreich (23 Prozent). In den USA sind Kraftstoffeinsparungen (27 Prozent) und Anschaffungspreis (26 Prozent) für Frauen und Männer die Hauptgründe, ein Elektroauto zu kaufen. Ähnliches gilt für Großbritannien, Israel, Portugal, Dänemark, Japan, Spanien und Frankreich. 

Für die Deutschen zählt in erster Linie der Umweltschutz

Lediglich in Deutschland liegen mit 39 Prozent die Hauptkaufgründe im Bestreben, die Umwelt zu schützen. Davon geben 22 Prozent an, die Lebensbereiche vor weiteren Veränderungen zu bewahren und 17 Prozent erklären, die Erdölvorkommen schonen zu wollen. 

In Italien, China und Indien wollen die Befragten mit dem Kauf eines Elektroautos sowohl die Umwelt schützen als auch ihre Kosten reduzieren. Für die Italiener spielen geringer Kraftstoffverbrauch sowie der Kampf gegen die globale Erwärmung (je 17 Prozent) eine wichtige Rolle. Unter Kostenaspekten nennen 13 Prozent (mehr Männer als Frauen) den Anschaffungspreis. Zwölf Prozent geben an, Geld für Kraftstoff sparen zu wollen. 

Für 19 Prozent der Chinesen ist der geringere Verbrauch und somit das Schonen der Erdölvorkommen ein Kaufargument, das häufiger von Frauen als von Männern vorgebracht wird. Die Kostenreduktion steht mit 16 Prozent an zweiter Stelle. Weniger Kosten durch weniger Verbrauch ist in Indien der wichtigste Kaufgrund (18 Prozent), gefolgt vom Wunsch, die Umwelt zu schützen (15 Prozent). 

Technologieführer Japan und Deutschland

Gefragt nach dem höchsten technologischen Entwicklungsstand im Bereich der Elektroautos votieren 53 Prozent der Befragten für Japan und 42 Prozent für Deutschland. Dabei setzen zehn von zwölf Ländern Japan an die Spitze. Nur Deutsche und Franzosen sehen Deutschland ganz vorn. 

Bereits relativ abgeschlagen landen die USA mit 23 Prozent auf Rang drei. Auf den Plätzen vier bis zwölf finden sich China (16 Prozent), Frankreich (12 Prozent), Dänemark (10 Prozent), Großbritannien (5 Prozent), Indien und Israel (je 3 Prozent), Italien und Portugal (je 2 Prozent) sowie Spanien (1 Prozent) wieder. 

Anschaffung als Erstwagen und Nutzung wie konventionelles Fahrzeug

Interessant sind die interkulturellen Unterschiede auch mit Blick auf die Anschaffung eines Elektroautos: „Für Befragte in Deutschland, Frankreich und den USA ist das Elektroauto eher als Zweitwagen eine Option”, erklärt  Aubel. „In den neun anderen Ländern wollen die Befragten das Elektroauto vor allem als Erstfahrzeug anschaffen.“ 

Bis auf China, wo 44 Prozent der Befragten ihre bisherige tägliche Fahrleistung mit 50 bis 100 Kilometer beziffern, legen die übrigen Umfrage-Teilnehmer täglich maximal 50 Kilometer zur Arbeit, zum Einkaufen und zu ihren Freizeitaktivitäten zurück. Das spiegelt sich auch in der geplanten Nutzung von Elektroautos wider. In allen zwölf Ländern geben die Befragten mehrheitlich an, ihr Elektroauto genau wie ihr konventionelles Fahrzeug nutzen zu wollen – sowohl für die täglichen Fahrten zur Arbeit und in die Stadt als auch für längere Strecken wie Urlaubsreisen. In Israel sind dies 73 Prozent, in Spanien 62 Prozent, in Japan 54 Prozent, in Italien 53 Prozent, in Frankreich und Portugal je 52 Prozent, in Dänemark 47 Prozent, in Deutschland und Großbritannien je 45 Prozent, in China 44 Prozent, in den USA 41 Prozent und in Indien nur 37 Prozent. In Indien und China würden 34 beziehungsweise 39 Prozent für längere Strecken dagegen ein Auto mit konventionellem Antrieb mieten. 

Mehrheit plädiert für staatliche Unterstützung

Die TÜV Rheinland-Forscher haben auch danach gefragt, ob Konsumenten staatliche Förderungsmaßnahmen bei der Markteinführung von Elektroautos befürworten. Bis auf die USA (43 Prozent) spricht sich die Mehrheit für finanzielle staatliche Hilfen aus: 93 Prozent in China, je 89 Prozent in Indien und Spanien, 84 Prozent in Italien, 80 Prozent in Portugal, 79 Prozent in Israel, 74 Prozent in Frankreich, 70 Prozent in Japan, 64 Prozent in Dänemark, 62 Prozent in Großbritannien und 57 Prozent in Deutschland. In allen Ländern plädieren die Befragten, die eine Förderung bejahen, an erster Stelle für einen Nachlass auf den Kaufpreis, gefolgt von Forschungs- und Entwicklungszuschüssen an die Automobilhersteller und Steuergutschriften. 

Strom muss aus regenerativen Ressourcen kommen

Weltweit eindeutig bekannten die Umfrage-Teilnehmer, dass der Strom für Elektroautos aus umweltfreundlichen, regenerativen Ressourcen stammen muss. An der Spitze stehen die Italiener mit 95 Prozent, wobei sich mehrFrauen als Männer für den Ökostrom stark machen. Es folgen Inder und Portugiesen (je 94 Prozent), Chinesen (90 Prozent), Spanier (89 Prozent), Israelis (76 Prozent), Franzosen (73 Prozent), Deutsche (72 Prozent), Briten (67 Prozent), Dänen (64 Prozent) und Amerikaner (60 Prozent). 

Erstaunlicherweise reihen sich die Japaner mit 59 Prozent ganz am Schluss ein. Dabei ist es sogar rund einem Drittel der Befragten – und davon mehr Frauen – zum Zeitpunkt der TÜV Rheinland-Erhebung Mitte 2011 gleichgültig, aus welcher Quelle der Strom fließt – trotz der Reaktor-Katastrophe in Fukushima. 

Hohe Sicherheitsbedenken bei Amerikanern, Chinesen und Indern

Bei der Frage nach der Sicherheit von Elektroautos zeigte sich, dass die Portugiesen (5 Prozent), Deutschen, Italiener und Spanier (je 8 Prozent) die wenigsten Bedenken haben. Indes befürchten US-Amerikaner, Inder, Chinesen (je 26 Prozent) und Japaner (22 Prozent) wegen der leichteren Karosserie ein schlechteres Crashverhalten, Funkenbildung, Kurzschlüsse, Stromausfälle während der Fahrt sowie ein mögliches Auslaufen der Batterie. 

Was hemmt die Kaufabsicht?

• In Deutschland und Frankreich sehen 36 Prozent der Befragten den Haupthinderungsgrund beim Kauf eines Elektroautos in der begrenzten Reichweite.

• Für Autofahrer in Japan (38 Prozent), den USA (29 Prozent), Portugal (29 Prozent) und Israel (25 Prozent) stellt der Kaufpreis das größte Hemmnis dar.

• In Großbritannien sind die Vorbehalte eine Mischung aus der Verfügbarkeit von Ladestationen (23 Prozent), der limitierten Reichweite (21 Prozent) und des Kaufpreises (21 Prozent).

• In Italien bremsen der Kaufpreis (21 Prozent), die limitierte Reichweite (18 Prozent), die Ladedauer der Batterien (17 Prozent) und die Verfügbarkeit von Ladestationen (16 Prozent) die Kauflust.

• Die Dänen stören hauptsächlich der Kaufpreis (29 Prozent) und die Verfügbarkeit von Ladestationen (26 Prozent).

• Die Chinesen sehen vor allem in der Reichweite (22 Prozent) sowie der Verfügbarkeit von Ladestationen (19 Prozent) die Hinderungsgründe.

• Bei den Indern spielt neben der Verfügbarkeit von Ladestationen (16 Prozent) und der Reichweite (14 Prozent) auch die Sicherheit von Elektroautos (13 Prozent) eine Rolle.

• Die Spanier sehen als Haupthindernis die Anschaffungskosten (21 Prozent) sowie die Ladedauer eines Elektroautos (20 Prozent).

Quelle: TÜV-Rheinland

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