Schon das Losfahren ist extrem ungewohnt, da völlig geräuschfrei: Nach dem Ausstecken und Verstauen des Ladekabels im Kofferraum starte ich das kleine tiefschwarze Stromauto in der Tiefgarage unseres Verlagshauses. Einmal Schlüsselumdrehen … doch es ist nichts zu hören. Der stromgetriebene iOn von Peugeot, den mir Kollege Franz Rother zum Test auf Familientauglichkeit ein paar Tage lang überlassen hat, ist derartig leise, dass ich mir nicht sicher bin, ob der Motor wirklich angesprungen ist. Doch nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs schnurrt das Wägelchen brav aus der Parklücke. Ich lerne: Auch wenn man ihn nicht hört, ist der Motor an, das Auto fahrbereit: Der grüne Schriftzug “Ready” im Zentraldisplay signalisiert es dem Fahrer.
Hoffentlich fahre ich damit niemand um, ist mein erster Gedanke, als der iOn anrollt. Denn ich erinnere mich an meine Studienzeit in Tübingen, als einer der Hausbewohner Anfang der 1980er Jahre eines der ersten elektro-getriebenen Sitzwägelchen fuhr (es glich einem Liegerad mit Vollverkleidung). Mehrfach hatte er mich und andere Passanten damit fast vom Gehweg gefegt, wenn er aus der Garage bog. Wir hatten ohne vertrautes Motorenbrummen nicht mit einem so schnellen Gefährt gerechnet.
Also bin ich besonders vorsichtig, als ich geräuschlos wie auf Wolke Sieben über den vielbegangenen Bürgersteig aus der Tiefgarage mitten in Düsseldorf gleite. Eigentlich rechne ich jetzt mit staunenden Blicken, aber im allgemeinen Feierabendtrott merkt keiner der Vorbeieilenden, dass dieses kleine Auto etwas ganz besonderes ist. Anders als das Liegemobil von damals sieht der iOn ja auch aus wie jedes normale Auto seiner Größenklasse. Dazu hin ist er in einem absolut unauffälligen tiefschwarz lackiert. Nur Kenner werden den kleinen Schriftzug “Full Electric” an der Seite entdecken und zu interpretieren wissen.

Schade eigentlich. Schließlich trägt jedes gas-getriebene Auto ein großes Logo „Ich tanke Erdgas“ auf dem Heck. Einen ähnlich prägnanten Info-Schriftzug, einen gelben Blitz auf dem Dach oder wenigstens eine pfiffige und auffällige Lackierung würde ich mir beim iOn auch wünschen. Stattdessen fahre ich inkognito nach Hause.
Schon nach drei Straßenkreuzungen ist immerhin die anfängliche Sorge verflogen, die anderen Verkehrsteilnehmer könnten mich nicht bemerken – und trete kräftiger aufs Gaspedal. Nun bin ich wirklich erstaunt, wie flott der iOn beschleunigen kann. Als Lückenhopser eignet er sich hervorragend im Feierabend-Stadtverkehr. Doch jedes flotte Anfahren lässt die Anzeigenadel vor mir sofort in den roten Bereich schnellen. Das zeigt mir, dass mein Fahrstil noch sehr unökonomisch ist.
Zuhause empfängt meine Familie den „kleinen Stromer“ mit Neugier und Begeisterung. Reihum soll ich die drei Kinder mit dem interessanten Neuzugang zum Turnen, Reiten oder Tanzen kutschieren. Dabei reizen wir ihn auf der Autobahn auch einmal bis auf 134 km/h aus – die Höchstgeschwindigkeit. Schneller geht nur bergab.
Besonders praktisch finden meine Kinder, dass sie im geöffneten Kofferraum des Mini-Vans so schön hoch sitzen können, um ihre Reitstiefel anzuziehen. Klar, unter der Abdeckung aus Filz sind die Antriebselektronik, der Wechselrichter und weitere Elektronik verbaut. Ich dagegen finde die Ladefläche selbst für ein Stadtauto indiskutabel klein: Neben Warndreieck und Ladekabel passt nur noch eine Einkaufstasche rein. Als Reisemobil für eine Familie taugt der viersitzige iOn wirklich nicht.

Das Hauptproblem an diesem Auto ist allerdings sein Preis: Der iOn ist drei mal so teuer wie ein entsprechender Kleinwagen, der ganz konventionell mit Benzin oder Diesel betankt wird. Und solange der Strom für ihn noch aus der Steckdose kommt, kann ich nicht einmal behaupten, dass ich nun ein besonders umweltfreundliches Auto fahre.
Jedenfalls nicht, solange der Strom noch aus fossilen Brennstoffen wie Braunkohle gewonnen wird. Der Familienrat beschließt: Wir warten ab, bis der Preis akzeptabel und der bundesdeutsche Strom wirklich grün geworden ist.









