In dem Moment, in dem ich den Zündschlüssel drehe, wird alles anders. Über Jahrzehnte konditioniert, erwarte ich jene charakteristische Mischung aus einer vom Ruckeln zum Summen ansteigenden Vibration und dem kurzen Hochdrehen des Triebwerks, die den Start eines jeden Autos nun einmal ausmacht. Doch beim Ion – bleibt alles still.
Nur die grün leuchtende Schrift „Ready“ im Armaturenbrett zeigt an, dass der schwarze Viersitzer offenbar abfahrbereit ist. Auch wenn jedes vertraut-unterschwellige Leerlaufbrummen des Motors fehlt.
Es ist dieses höchst merkwürdige Fehlen jeglicher Motorgeräusche, die mich in diesen Tagen, in denen ich Peugeots Ion zur Probe fahren kann, immer wieder fasziniert. Eine völlige, begeisternde Stille, die irgendwann beim Übergang vom Stand zur zügigen Fahrt nur durch langsam zunehmende Abrollgeräusche der Reifen verdrängt wird. Und, wenn beim Halt nach längerer Fahrt für ein, zwei Minuten der Ventilator anspringt, der verhindert, dass sich der Akkupack unter dem Kofferraum mangels Fahrtwinds überhitzt. Nicht einmal das Radio schalte ich ein. Nicht, um den Stromverbrauch zu minimieren. Ich will schlicht die Stille nicht stören.
Es ist ein ganz neues, leises und ungemein entspannendes Reiseerlebnis, dass der kleine Elektroflitzer, mir da beschert. Sicher, es trifft sich gut, dass ich ohnehin kein Freund testosteron-getriebenen PS-Geheules bin und ich Auspuff-Tuning à la Abarth noch nie etwas abgewinnen konnte. Doch während ich in den endlos scheinenden Blechschlangen des morgendlichen Düsseldorfer Berufsverkehrs lautlos Richtung Verlag rolle, denke ich an die Anwohner der überfüllten Innenstadtstraßen. Ich stelle mir vor, welch immenser Gewinn an Lebensqualität es für sie bedeutete, wenn nicht nur ich einzelner Autofahrer, sondern Millionen von Pendlern elektrisch unterwegs wären.
Keine Frage, der Aufbau einer millionenfachen E-Auto-Flotte wird Abermillionen, vielleicht Milliarden von Euro kosten. Doch er wird auch den erforderlichen Aufwand für den Lärmschutz senken. Und er kann, selbst wenn sich das nicht auf Euro und Cent berechnen lässt, die Folgekosten durch die Lärmbelastung der Menschen massiv reduzieren. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen der Abgasschwaden aus Stick- und Kohlenmonoxiden, die tagtäglich tonnenweise aus Auspuffrohren der Autos in die Stadtviertel wabern. Und wenn erst gelingt, die Stromspitzen regenerativer Energiequellen wie Wind- und Sonnenkraft in den Akkus der E-Mobile zu puffern, dann verschiebt sich sogar das Abgassaldo als Ganzes in den tatsächlich „grünen Bereich“.
In wenigen Tagen wird der kleine Stromer wieder vom Peugeot-Kurier abgeholt. Vermutlich wieder mit einem dieselgetriebenen PKW-Transporter, denn die Strecke aus dem Rhein- ins ferne Saarland, die schafft der Akku ja nur in Etappen. Die faszinierende Stille des Reisens wird mir fehlen.
Eine Bitte aber hätte ich noch, liebe Peugeot-Entwickler: Als nächstes baut Ihr ein Ion-Cabrio, bitte!










2 Kommentare zu “E-Mobil-Tagebuch (4): Faszination der Stille”
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Die Sache mit dem Cabrio kann ich nur unterstützen.
Bis zu meinem E-Auto habe ich noch nie ein Cabrio gefahren und war nie ein Fan von Cabrios. Seit dem ich ein E Auto habe sollten E Autos nur als Cabrios gebaut werden.
Kommentar meiner Beifahrerin bei einer Fahrt durch die Eifel :
“Sind die Vögel eigentlich immer so laut hier ?”