Der Kundenstock der Deutschen Telekom im Heimatland schmilzt, die Auslandsexpansion stockt: Kein Wunder, dass sich der deutsche Kommunikationsriese nach neuen Geschäftsfeldern umsieht. Schon seit längerem drängt der Konzern in Richtung mobiles Bezahlen per Handy. Vor knapp einem Jahr hat die Telekom den Online-Bezahldienst Clickandbuy übernommen – und sehen die Konzernstrategen in Bonn eine neue Marktlücke: Sie wollen die Abrechnungssysteme für das Aufladen von Elektroautos vereinfachen.
Roaming für E-Tankstellen?
Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung in den nächsten neun Jahren auf die Straße kriegen. Energieversorger arbeiten bereits an einen Netz von Strom-Zapfsäulen – das bislang vor allem ihren eigenen Kunden zugute kommen soll. „Fremd-Tanker” sind in diesen Konzepten nicht gebührend berücksichtigt, findet die Telekom. Deshalb will sie die Systeme von Energieversorgern und Automobilherstellern vernetzen – mit Ansätzen, die im Mobilfunk-Bereich bereits jahrelang im Einsatz sind.
Wettbewerb in dem Markt für Autostrom werde nur dann entstehen, wenn die Besitzer von Elektroautos „ihre Stromtarife mit ihrem Versorger verhandeln und an jeder Zapfsäule auftanken können”, schreibt die Telekom in einer Presseaussendung. Fahrzeugbesitzer, die einen Stromvertrag mit einem Energieversorger abgeschlossen haben, können zwar dann deutschlandweit an dessen Zapfsäulen Strom beziehen. Doch was passiert, wenn der stolze Elektroauto-Fahrer in einem Parkhaus Strom tanken will, dass von einem anderen Versorger mit Strom beliefert wird. Dann, so meint die Telekom, müssen die Versorger den verbrauchten Strom untereinander abrechnen – ein Prinzip, dass die Telekom vom sogenannten Roaming bei Auslandsreisen bereits bestens kennt.
Roaming als Blaupause
Allein in Deutschland gebe es 800 regionale Stromversorger, stellt die Telekom fest. Die Komplexität, die sich daraus ergebe, sei „noch deutlich höher als in der Telekommunikationsbranche”. Zur Lösung dieses Problems will die Telekom stabile Softwaresysteme und europaweite Datennetze liefern. Die einheitliche Abrechnungsplattform der europäischen Mobilfunker könnte „durchaus als Blaupause in der Elektromobilität dienen”, heißt es in dem Text.
Was der Telekom vorschwebt: Jedes Elektroauto muss direkt an der Steckdose identifiziert werden. Doch bezahlt wird nicht in bar, sondern bargeldlos wie bei einer Telefonrechung. Mit einer Strom-Tank-App sei es technisch machbar, den „Tankvorgang auf dem Bordcomputer des Autos zu überwachen und die Quittung im Display des Navigationssystems anzuzeigen”, wirbt die Telekom für ihr Modell.
Doch ob die Telekom bereits erste Partner für ihre Idee gefunden hat oder welche Erlöse sie sich davon erwartet, erwähnt die Presseaussendung leider nicht. Die Idee klingt aber durchaus überzeugend – wenn sich die Autohersteller, Energieversorger und die Telekom denn auf einen einheitlichen Standard festlegen könnten. Bei Mobiltelefonen hat das mit dem GSM-Standard gut geklappt. Die Elektroauto-Hersteller und Zulieferer haben sich vor kurzem auf einen europaweit einheitlichen Ladestecker geeinigt – die Chancen für die Telekom stehen also trotz der von nationalen Interessen geprägten Autolobbys gar nicht so schlecht.










3 Kommentare zu “Telekom will am Roaming für Elektroauto-Tankstellen verdienen”
Das ist eine gute Idee der Telekom. Ich fahre selbst ein Elektroauto (Tesla) und wundere mich immer, wie kompliziert die Stromanbieter ihre Abrechnungen gestalten. Bei meinem örtlichen Anbieter muss ich ja nicht an einer Stromtankstelle aufladen, das mache ich in meiner Garage. Aber bei Langstrecken ist es wichtig, dass ich ohne Planung irgendwo aufladen kann. Bei manchen Anbietern geht das nur per Web-Formular, aber ich habe ja nicht immer Internet unterwegs dabei, bei anderen muss ich vorher einen schriftlichen Vertrag unterzeichnen. Ich möchte auch nicht ständig neue Verträge mit irgendwelchen Anbietern abschließen, nur weil ich einmal dort aufladen möchte. Von daher hat die Idee der Telekom großes Potential.
Ich wundere mich immer wieder, was es beim Stromtanken so zu “roamen” gibt. Jeder Wohnmobilbesitzer “tankt” schon seit Jahren auf dem Campingplatz an einem Münzautomaten Strom. Einfacher geht es nicht. Die Telekom will – wie viele andere – das Zapfen von Energie zur komplexen Aufgabe hochstilisieren, um damit Geld zu verdienen. Verbraucher, wehrt Euch und kauft ein Elektroauto mit einem Stecker aus dem Baumarkt und lasst die Telekom links liegen!
ich kann weotui nur beipflichten. die telekomiker versuchen eine komplexität zu schaffen, due es gar nicht geben muss – es sei denn man will einen neuen markt aufbauen, den man von der ersten minute an kontrollieren kann. sollte ich in zukunft bei einem elektroauto auf die telekom angewiesen sein müssen, fördere ich eher selbst öl, als ein e-auto zu kaufen!