Etwa drei Dollar kostet an den Tankstellen in USA derzeit die Gallone Benzin. Auf deutsche Verhältnisse und Maßeinheiten umgerechnet, entspricht dies etwa einem Preis von 60 Cent pro Liter. Unsereins würde darüber jubeln. Aber für den Autofahrer in den Staaten sind derartige Benzinpreise fast schon der Horror. Fuel efficiency, zu deutsch: der Kraftstoffverbrauch, ist denn auch in diesen Tagen auf der Detroit Motor Show im eisigkalten Michigan das große Thema. Sparsame Motoren und Antriebskonzepte sollen den Geldbeutel schonen und die Umweltbelastung senken. Das Motto “Go green”, das etwa Ford ausgegeben hat, kriegt da eine zusätzliche Bedeutung – der Dollarschein ist bekanntlich grün gefärbt.
Hybrid- und batteriegestützte Elektroantriebe könnten vor dem Hintergrund in diesem Jahr ihren Durchbruch in Nordamerika erleben. Denn dass der Rohölpreis wieder deutlich sinkt, ist nicht zu erwarten. Derzeit notiert er bei 90 Dollar das Barrel. Auf den Straßen Detroits sind bereits die ersten Exemplare des Chevrolet Volt zu sehen. Das Mittelklassemodell wird von einem Elektromotor angetrieben. Ist die Lithium-Ionen-Batterie erschöpft, spring ein kleiner Verbrennungsmotor an, der dann den Generator speist — dem Fahrer wird so die Angst genommen, bei längeren Fahrten auf einsamen Landstraßen oder in dunklen Stadtvierteln liegenzu bleiben. Ford kontert nun mit einer ganzen Flotte von Elektromobilen, unter anderem dem in DEutschland konzipierten Focus Electric – das Auto wird ab kommendem Jahr auch in Deutschland zu haben sein und im Ford-werk Saarlouis montiert. William Clay Ford, der umweltbewegte Aufsichtsratschef des wiedererstarkten US-Autokonzerns, nutzte heute die Auto-Show, um eine breitangelegte Elektroauto-Offensive anzukündigen. Fünf neue Öko-Autos sollen in den kommenden drei Jahren auf die Straße kommen. Elon Musk, der Gründer des amerikanischen E-Mobilherstellers Tesla, verrät derweil weitere technische Details seines viersitzigen Model S, der mit einer Batterieladung 300 Meilen weit kommen und im kommenden Jahr in Kalifornien in Produktion gehen soll. “Wir werden nicht ruhen, bis alle Autos elektrisch fahren”, ließ er die Messebesucher wissen.
Die Elektromobil-Offensive der Amerikaner kommt nicht von ungefähr. Denn an dem Thema Elektromobilität kommt inzwischen kein Autohersteller mehr vorbei. Insbesondere die Asiaten machen mächtig Druck. Der chinesische Hersteller BYD zeigt hier seinen E6, Toyota die Plug-In-Version des Hybridautos Prius, das bis zu 50 Kilometer elektrisch fährt. Der Star bei Honda ist das Brennstoffzellenauto FCX – diverse Aufkleber auf dem Auto künden stolz davon, dass man damit freie Fahrt im ökologisch besonders heftig bewegten Bundesstaat Kalifornien hätte.
Und die Deutschen? Volkswagen hat auf seinem grellweißen Stand den Prototypen des elektrisch getriebenen Golf Blue e-motion ausgestellt — 2013 könnte dieser Stromer Fahrt aufnehmen. Mercedes feiert die Erfindung des Motorkraftwagens durch Carl Benz vor 125 Jahren und hat unter anderem ein Brennstoffzellenauto und die Hybridversion der S-Klasse mit nach Detroit gebracht. Außerdem gaben die Stuttgarter bekannt, dass der batterie-elektrisch antriebene Supersportwagen SLS AMG E-Cell grünes Licht für eine Serienfertigung bekommen hat. Das Elektroauto entwickelt eine Höchstleistung von 392 Kilowatt und ein maximales Drehmoment von 880 Newtonmeter. Wie weit man mit Vollgas kommt, verschweigen die Ingenieure allerdings.
Bei so viel Elektropower mochte der Sportwagenhersteller Porsche nicht zurückstehen. Der Star des Porsche-Stands ist der Rennwagen 918 RS, der mit Hilfe von kinetischer Energie, die in einem Schwungrad zwischengespeichert wird, atemberaubend schnell aus Kurven heraus beschleunigen kann. Die Botschaft: Elektroantrieb kann auch Fahrspaß bereiten.
Ansonsten lenken die Deutschen aber das Scheinwerferlicht auf Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben: Den neuen US-Passat, das neue 6er Cabriolet von BMW und Audi den neuen A6, der bald auch mit Hybridantrieb angeboten werden soll. Den elektrisch angetriebenen Kleinwagen A1 e-tron allerdings, der einen kleinen Wankelmotor als Reichweitenverlängerer nutzt, haben die Ingolstädte erstaunlicherweise zu Hause gelassen – man will wohl bei den Besuchern keine Erwartungen wecken, die man (noch) nicht erfüllen kann. Immerhin: “Der Motor ist gut” versicherte Audi-Chef Rupert Stadler. Dass Audi mit Mazda spricht, um den Wankelmotor fit zu machen fuer die strengen Abgasgrenzwerte von Euro 6, mochte er allerdings nicht bestaetigen.









