Wohl kaum ein anderes Auto symbolisiert die Exzesse der späten 1990er-Jahre so gut wie das Geländeauto Hummer: Gebaut wurde das extrem standfeste Fahrzeug für die US-Armee, die es im Golfkrieg Anfang der 1990er-Jahre einsetzte. „Humvee” nannten die US-Soldaten das Fahrzeug liebevoll. So richtig bekannt gemacht hat es erst Arnold Schwarzenegger. Der frühere Filmschauspieler, der nun Gouverneur von Kaliforniern ist, konnte als erster Zivilist einen Hummer sein Eigen nennen.
Ende der 1990er-Jahre sah man vor allem Neureiche mit den lauten und optisch gewöhnungsbedürftigen Fahrzeugen durch die Innenstädte brausen – doch dieser Boom hat sich längst gelegt, seit hohe Verbräuche nicht mehr schicklich sind. Benzin schluckt der Hummer reichlich: 16 bis 20 Liter braucht der Brachial-Geländewagen pro 100 Kilometer.
Arnie hat im umweltbewussten Kalifornien die Zeichen der Zeit erkannt und betreibt seine Hummer-Flotte längst mit Biosprit. Der Autobauer GM scheiterte mit seinem Versuch, die Marke Hummer nach China zu verkaufen. Selbst die Chinesen hatten Angst vor einem schlechten Image durch den Spritfresser.
GM stellte die Produktion des Hummers 2010 ein. Doch nun hat ein findiger Unternehmer einen neuen Verwendungszweck für die Geländeautos gefunden – und den Hummer auch noch ökologisch korrekt auffrisiert: Unter dem Namen AngelH1 vertreibt die Firma Nation-E nun einen Hummer, der vollkommen elektrisch fährt.
Mit einer 60 kWh-Batterie schafft der Hummer eine Reichweite von 180 bis 250 Kilometern – und hat einen klar definierten Einsatzzweck: „Das ist das erste mobile Stromauto für Minenbetreiber”, sagte Nation-E-Betreiber Daniel Jammer auf Anfrage von wiwo.de. Denn der Clou des AngelH1 ist eine zweite, 30 kWh starke Batterie, die das Fahrzeug standardmäßig an Bord hat. Mit dem Strom der Zweitbatterie können etwa Elektrogeräte der Minenbetreiber an schwer zugänglichen Stellen betrieben werden. Auch Stromausfälle durch gebrochene Kabel können so relativ kurzfristig überbrückt werden. In den oft unwegsamen Geländen der Minenbetreiber „kommen Leute mit Dieselgeneratoren auf der Ladepritsche kaum hoch”, behauptet Jammer. Seine Elektro-Hummer seien für solche Fahrten hingegen prädestiniert, sagt Jammer, der bis 2005 Topmanager des weltgrößten Titanproduzenten VSMPO war und sich dann im Bereich erneuerbare Energien selbständig machte.
Die Nachfrage nach dem noch im Erprobungsstadium befindlichen Fahrzeug sei groß, sagt Jammer. Künftig sollen die Elektro-Hummer auch mit Windturbinen ausgestattet werden, mit denen sie sich innerhalb von 5-6 Stunden vor Ort selbst aufladen können. In den nächsten Jahren will er 10.000 Hummer-Elektroautos an Minenbetreiber weltweit verkaufen.
Doch das noch größere Geschäft verspricht sich Jammer von seinen mobilen Elektroauto-Ladestationen, die er Angel Car nennt. Sein erstes Fahrzeug hat Nation E im Juni vorgestellt: Das Auto fährt elektrisch und hat zusätzlich noch eine weitere Batterie an Bord, mit der sich liegengebliebene Elektroautos innerhalb von 15 Minuten zu 80 Prozent aufladen lassen.
11 Patente hält Jammer laut Eigenangaben für das Fahrzeug, das er weltweit verkaufen will. Sollten in Deutschland 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen fahren, sieht Jammer ein Potenzial von 1000 seiner Elektroauto-Retter. Bisher hat Jammer 15 bis 20 Millionen Dollar in seine Firma investiert – für Jammer kein Problem: Das Privatvermögen des in Deutschland aufgewachsenen Geschäftsmanns wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.










6 Kommentare zu “Hummer als Elektroauto: Kein Gag, sondern Geschäftsidee”
so ein Quatsch!
So ein Unsinn – Einen Hummer als Elektrofahrzeug zu bauen oder kaufen ist den Hummer-Wahn der 1990er noch auf die Spitze getrieben. Können sich nun damit diese PS-Prolls endlich auch mit “ökologischem Gewissen” brüsten?
[...] musste ich im Blog „Wattgetrieben“ der Wirtschaftwoche lesen, dass ein amerikanischer Unternehmer den Hummer, das meines Erachtens [...]
…Jammer !
Unternehmer sein kommt von Unternehmen. Gut , daß es Unternehmer wie Herrn Jammer gibt. Jedenfalls werden wieder Arbeitsplätze geschaffen. Das Konzept “Nation-E” ist m.E. nachhaltig, allen Bedenkenträgern zum Trotz !
Unternehmer sein kommt von “unternehmen”. Gut , daß es Unternehmer wie Herrn Jammer gibt. Jedenfalls werden wieder in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen. Das Konzept “Nation-E” ist m.E. nachhaltig, allen Bedenkenträgern zum Trotz !