Den 3. Mai 2010 müssen sich die Chefs der deutschen Autobauer in ihren Kalendern dick anstreichen. Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden sie in Berlin mit den Spitzen der Stromkonzerne, Verbandsfunktionären und Wissenschaftlern zum Elektroauto-Gipfel zusammenkommen. Die Manager müssen der Kanzlerin erklären, wie sie das Elektroauto auf Deutschlands Straßen bringen wollen. Auch die Gastgeberin muss Farbe bekennen: Will sie den Weg frei machen für eine üppige staatliche Anschubfinanzierung des E-Autos, wie von den Autobauern gefordert? Oder lässt sie die PS-Branche angesichts leerer Haushaltskassen abblitzen?
Das Spitzentreffen in der Hauptstadt markiert einen Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte – den Anfang vom Ende des benzin- oder dieselgetriebenen Autos. Hersteller und Zulieferer stecken schon jetzt täglich Millionen Euro in die Entwicklung des Konkurrenzproduktes, des Elektrofahrzeuges. Fabriken für die E-Mobile werden bereits heute bis ins Detail geplant. „Jeder Euro, der heute ins Elektroauto fließt, fehlt beim Verbrennungsmotor”, sagt der Vorstand eines großen deutschen Zulieferers. „Die Umverteilung vom Automobil zum Elektromobil hat begonnen.”
Damit ist der Weg der wichtigsten Industrie Deutschlands vorgezeichnet. „Der Trend zum Elektroauto ist unumkehrbar und wird in der Branche von niemand mehr ernsthaft bezweifelt”, sagt Christian Malorny, Direktor und Autoexperte bei der Unternehmensberatung McKinsey. Klimaschutzauflagen, steigende Ölpreise und das zunehmende Umweltbewusstsein der Autofahrer lassen den Herstellern keine andere Wahl. „Das ist eine Revolution für die Industrie. Es bedeutet, dass die Karten völlig neu gemischt werden.”
Wettlauf um Subventionen
Die spannende Frage wird sein, wer am Ende das große Geschäft mit der neuen Mobilität macht. Wie schnell wird sich das Elektroauto durchsetzen? Welche Nation wird den Ton angeben? Werden es die Amerikaner sein, die ihre heimischen Hersteller mit Milliarden Forschungs-Dollar überhäufen? Oder machen die Chinesen das Rennen, die bei der Batterie, dem wichtigsten Teil des Elektroautos, zur Weltspitze gehören? Oder werden die Deutschen ihre Innovationskraft bei Motoren und Premiumfahrzeugen nun auch beim Elektroauto voll ausspielen?
Um diese Fragen zu beantworten, hat die Unternehmensberatung McKinsey exklusiv für die WirtschaftsWoche einen Index erstellt, der vierteljährlich die Entwicklung der Elektromobilität in ausgewählten Industrienationen misst. Der Index nennt sich „Electric Vehicle Index“, kurz: Evi. Er vereinigt eine große Zahl wichtiger Kennziffern rund um das Elektroauto und ist der erste seiner Art weltweit (Lesen Sie hier mehr zum Electric Vehicle Index).
Obwohl die Entwicklung erst am Anfang steht, zeigt Evi bereits deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Überraschend: Am weitesten ist das Feld für die Elektroautos zurzeit in den USA bereitet – trotz der angeschlagenen eigenen Autoindustrie und obwohl sich die Verbraucher bislang kaum um umweltfreundliche Mobilität scherten. Frankreich folgt knapp dahinter auf dem zweiten Platz. Im Schulterschluss mit dem Elektroauto-Promoter Shai Agassi und dessen Unternehmen Better Place stürzt sich Renault förmlich auf das E-Auto.
Eher unerfreulich dagegen ist die gegenwärtige Position Deutschlands. Europas erfolgreichste Autonation liegt mit erkennbarem Abstand nur auf Platz drei.
Es sind vor allem die staatlichen Förderprogramme mit einem Umfang von 22 Milliarden Euro, die die USA in die Spitzenposition hieven. Aber die Amerikaner helfen dem Auto mit Elektromotor auch ganz ohne Scheckbuch auf die Sprünge und sind damit nach Einschätzung von McKinsey weltweit vorbildlich: mit kostenlosen Parkplätzen für E-Autos etwa oder freier Fahrt für E-Mobile auf Bus- und Taxi-Spuren.
Frankreich hat seinen zweiten Platz vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Hersteller Renault-Nissan und PSA (Peugeot Citroën) wild entschlossen sind, in der neuen Epoche die Führung zu übernehmen. 10 von 66 derzeit in Frankreich angebotenen oder angekündigten Modellen fahren elektrisch. In keinem anderen Land ist dieser Anteil so hoch.
Deutschland hat seinen dritten Platz einzig seiner innovativen Autoindustrie zu verdanken. Bei den angekündigten oder existierenden Modellen ist der Anteil von E-Mobilen ähnlich hoch, wie in Frankreich. Deutlich schlechter sind jedoch die Absatzbedingungen. Das Elektroauto rechnet sich für den Käufer angesichts des hohen Strompreises und der mickrigen staatlichen Förderungen von rund einem Prozent des Neupreises viel weniger. Zum Vergleich: In Dänemark spart ein Elektroauto-Besitzer 33 Prozent des Neupreises, weil bei Elektroautos die extrem hohe Zulassungssteuer entfällt.
Bei den Hilfen für die Autoindustrie zeigt sich der deutsche Fiskus ähnlich zugeknöpft wie bei den Anreizen für die Autokäufer. In den kommenden Jahren darf die deutsche Industrie mit Förderprogrammen in Höhe von 615 Millionen Euro rechnen – noch nicht einmal drei Prozent der Summe, die Spitzenreiter USA seiner Autobranche spendiert.
Den vollständigen Bericht mit Details zu den Ergebnissen des Evi-Indexes lesen Sie auf wiwo.de: Der Kampf um das Milliardengeschäft mit Elektroautos









